Sprache ist Klang

PaD 46 /2022 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad 46 2022 Sprache ist Klang

Das wird ein etwas seltsamer Paukenschlag. Aber vielleicht haben Sie ja Lust, auch einmal seltsamen Gedanken zu folgen.

Es geht um die Frage, inwieweit das, was wir hören, alleine vom Klang her, ohne den Wortsinn zu kennen, schon eine Bedeutung trägt, die unbewusste Reaktionen, Einstellungen und Emotionen hervorruft.

Ich will mit einem vollkommen sinnfreien Klangbild beginnen, das ich – als Schreibender – in Buchstaben fasse, die ein Wort bilden:

Skibirr

Haben Sie beim Lesen, beim inneren Hören dieser beiden Silben ein bestimmtes Gefühl? Entwickeln Sie irgendwie eine Vorstellung davon, was gemeint sein könnte?

Bitte sehen Sie sich die folgenden drei Skizzen kurz an und beantworten Sie dann die einfache Frage: Was sieht am ehesten nach Skibirr aus: A, B oder C?

A:

B:

C:

 

Was kommt mir wie "Skibirr" vor?

Bitte entscheiden Sie sich, bevor Sie weiterlesen.

Haben Sie das Ergebnis der bisher eingegangen Antworten gesehen?

Wundern Sie sich über die Verteilung der Antworten? Kann es wirklich sein, das nahezu alle, die sich hier beteiligen, die gleiche Vorstellung von einem sinnlosen Wort, bzw. Klangbild haben?

Dann folgen Sie mir einen Schritt weiter.

Warum ist das Horn immer vorn, senkt sich im Zorn und ist spitz wie ein Dorn?
Warum ist junges Grün lind und der junge Mensch ein Kind in der Windel wer nichts sehen kann blind, und trägt eine Binde um die Augen?

Der tiefe, gemeinsame „Sinn“ in diesen beiden Beispielen sitzt im Klang von „orn“, das auf etwas Gefährliches hinweist, beziehungsweise im Klang von „ind“, das wiederum irgendwie „Schutzbedürftigkeit“ anzeigt. Aber erst die vorangestellten Konsonanten, wie das „H“ in Horn oder das „K“ in Kind machen daraus etwas Konkretes und Vorstellbares.

Ein ganz anderer Gedanke zu diesem Phänomen beginnt beim Alphabet. Mit 26 Buchstaben bilden wir die Laute ab, aus denen unsere Sprache besteht. Daraus ließen sich theoretisch 26*25*24:1*2*3 = 2.600 Wörter mit nur drei Buchstaben bilden. (Die Formel und das Ergebnis sind falsch)* Die deutsche Sprache kennt aber, einschließlich aller Abkürzungen, wie z.B „OLG“ für Oberlandesgericht oder „BSE“ für Rinderwahnsinn, nur 502 Wörter mit drei Buchstaben.

(Ein Leser hat mich darauf hingewiesen, dass mit dieser Formel sowohl Wortbildungen wie „UHU“ oder „AAA“ nicht erfasst werden, aber auch „REH“, „HER“, „EHR“, „ERH“, „HRE“, „RHE“ nur einmal gezählt werden. Tatsächlich lassen sich 17.576 Wörter mit drei Buchstaben bilden)

Das ist immerhin noch ein Anteil von 19,3 % aus dem Möglichkeitsraum, doch mit jedem weiteren Buchstaben, aus dem Wörter gebildet werden, wird der Anteil der genutzten Möglichkeiten an den theoretisch verwendbaren sehr schnell sehr viel kleiner.

Die Duden-Redaktion schätzt, dass die deutsche Sprache zwischen 300.000 und 500.000 Wörter kennt. Bei konsequenter Nutzung der verfügbaren Möglichkeiten, die sich aus den Kombinationsmöglichkeiten in Wörtern mit 4 Buchstaben ergeben, ließen sich schon mehr als 450.000 Wörter bilden.
(Diese Berechnung habe ich gegenüber der ersten Fassung korrigiert)

Die Erfinder der Sprachkommunikation waren also keine „Computer“ die schlicht und einfach alles, was sie ausdrücken wollten, mit 6 oder 7-stelligen Schlüsseln aus 26 Merkmalen bezeichneten. Sie haben stattdessen einfach zu artikulierende Lautkombinationen benutzt, die zunächst einmal ihre Einstellung zu den Erscheinungen der Welt zum Ausdruck brachten, und die von den Sippen – weil diese Laute einfach stimmig waren – in die jeweiligen Ur-Dialekte übernommen wurden. Dieses archaische Fundament der Sprache ist über das Verschmelzen der Sippen zu größeren Sprachgemeinschaften nicht verloren gegangen, selbst die immer wieder auftretenden Lautverschiebungen, wie sie die Franken in dem ihre Sprachgemeinschaft bestätigenden Satz: „Wou die Hasen Hoosn heißen und die Hosen Huusn haaßn“, zum Ausdruck bringen, haben dieses Fundament nie verändert, es haben sich, mit der Weiterentwicklung der Sprache und mit der Bewusstseinsentwicklung der Menschen, lediglich die Klänge leicht verändert, die aber wiederum, wo sie sich gleichen, auf einen gleichartigen Sprachgrund hinweisen.

So kann man leicht, auch ohne die Kunst der kabbalistischen Namensdeutung zu beherrschen, schlicht die in den Namen der Menschen enthaltenen Klangfolgen auf sich wirken lassen, und wenn diese bestimmte Empfindungen auslösen, kann man versuchen, diesen durch die Analyse der Klang-Bestandteile auf den Grund zu gehen.

Nehmen wir Herrn Scholz, wegen seiner zur Schau getragenen Mischung aus Sprödigkeit und mit Leutseligkeit mühsam bemäntelter Arroganz auch als Scholzomat bezeichnet.

Das „olz“ springt förmlich ins Auge und lässt sein hölzernes Auftreten im H-olz wiedererkennen, aber auch diesen St-olz, der ihn überheblich erscheinen lässt.

Oder den anderen Koalitionspartner, der sich Hab-Eck nennt. Das klingt nach Warnung. Eck ist gefährlich. Am Eck wirst du dich stoßen und einen Schr-eck erleben, so wie bei einem L-eck im Schiff, also bleib lieber w-egg.

Wie ist das mit einem Pfl-ock, der einmal eingeschlagen ist? Man kommt schwer dran vorbei. Ein Hindernis, wie auch der Bl-ock, der ebenso bl-ock-iert wie der R-ock und wie der B-ock, der über seine Herde herrscht. Es ist das „ock“, das uns auch in Baerb-ock wieder begegnet, und uns wissen lässt, dass da mit Geduld und guten Worten nichts auszurichten sein wird.

Das „ind“ wurde schon besprochen. Wer wundert sich da noch über das Verhalten des Herrn Lindner in dieser Koalition?

Noch mehr?

Warum passt „grotesk“ doch irgendwie zu „Esken“?

Wie kommt es, dass Ad-olf und sein Stellvertreter Rud-olf im Gleichklang mit Werwolf und Wolfsschanze stehen? Und dass das in Deutschland meistverkaufte Auto aus Wolfsburg der G-olf ist?

In „Merz“ steckt „Erz“, das – richtig behandelt – Reichtum verspricht, so wie Schm-erz, richtig behandelt Gesundheit verspricht und das H-erz, richtig behandelt Liebe verspricht. Alles „erz“ ist stark und das, was drin steckt, will durch die richtige Behandlung gereinigt und erlöst werden.

Nun sagen die Kabbalistiker, dass die Familien-Namen eine die Generationen überdauernde Prägung darstellen, so wie die Chiromanten aus der rechten Hand das Vorbestimmte lesen, und dass der Vorname zum Ausdruck bringt, was die Namensgeber an Wünschen und Erwartungen für das Kind damit ausdrücken, so wie die Chiromanten wiederum aus der linken Hand die selbstgestaltete Zukunft und die sich ergebenden Konflikte zur Vorbestimmung erkennen wollen.

Erst beides zusammen, könne ein verlässliches Gesamtbild ergeben, heißt es.

Damit will ich diese sonderbare Betrachtung aber abschließen. Falls Sie das Thema für sich ein bisschen weiterspinnen wollen – achten Sie vor allem auf die Vokale und ob sie kurz oder lang gesprochen werden. Ein „Aaaah“ ist staunende Bewunderung, das kurze „a“ her ungläubige Ablehnung. Ein „Ooooh“ ist ein eher trauriger Ausdruck des Bestürzens, während das kurze „o“, wie in „oha“, eher ein Schmunzeln zum Inhalt hat.

Das kombinieren Sie jetzt mal in „Olaf“ hinein.

Mit „Iiiiih“ beginnt „igittigitt“, das kurze „i“ steht eher für „mimimi“. Damit kommen Sie dem „Christian“ auf die Schliche.

Aber jetzt ist wirklich Schl-uss.

Nomen est omen.

Was halten Sie von der Thematik dieses Paukenschlages?
272 votes · 272 answers