Gas-Embargo: Ukraine schafft vollendete Tatsachen

Ein halbes Dutzend Meldungen habe ich heute Morgen überflogen, um sicher zu sein, dass die Ukraine der EU den Gashahn abgedreht hat. Es soll sich um etwa ein Drittel der Gasmenge handeln, die bisher über diese Pipeline bezogen wurde.

Die Erläuterungen zu dieser Maßnahme und zu ihren Folgen gehen weit auseinander.

  • Die Ukraine sagt, wegen „höherer Gewalt“ könne die Übergabestation in der Nähe von Luhansk nicht mehr betrieben werden. Gazprom möge den Gasstrom einfach auf eine andere ukrainische Übergabestation umleiten.
  • Gazprom hingegen erklärt, von höherer Gewalt sei ihnen nichts bekannt. Die Station sei bis zuletzt regulär betrieben worden, es gäbe keinen Grund, den Gastransfer zu unterbinden. Eine Umleitung des Gasflusses über eine andere Verzweigung des Pipeline-Netzes sei  technisch nicht machbar.

Zu den Auswirkungen auf die europäische Gasversorgung gehen die Meinungen ebenfalls weit auseinander. Die einen sprechen bereits von verheerenden Auswirkungen auf die EU, die anderen erklären, man könne Gas auch über Umleitungen beziehen und könne daraus dann sogar die Ukraine wieder mitversorgen, wie das ein EU-Beschluss vorsieht.

Sollte es die Absicht gewesen sein, der Ukraine im Kriegsfall zu ermöglichen, die EU mit der Hand am Gashahn zu erpressen, dann ergeben die Drohungen bezüglich der Inbetriebnahme von North-Stream 2 einen Sinn, der über das US-Interesse am Verkauf von Fracking-Gas hinausgeht. Auch das undiplomatische Verhalten des ukrainischen Botschafters in Deutschland findet plötzlich eine Erklärung darin, dass eben die Ukraine das Faustpfand in der Hand hält, mit dem die EU gezwungen werden kann, ihre Unterstützungsleistungen bis zur Selbstaufgabe auszuweiten.

Die Argumentation wird dann lauten: „Nur ein schneller Sieg über Russland wird es der Ukraine ermöglichen, die Durchleitung russischen Gases wieder aufzunehmen.“

Dass es kein ukrainisches, sondern russisches Gas ist, und dass Russland, sollte es sich aus der Ukraine zurückziehen müssen, keinen Grund hätte, die Gasversorgung der Ukraine und der gesamte EU aufrecht zu erhalten, das schnallt der Michel nicht. Und wenn es so weit ist, wird man eine neue Erklärung parat haben.

Es gilt, die weitere Entwicklung im Auge zu behalten. Sich über Habecks eher pantomimische, denn realistische Bemühungen zu amüsieren, Flüssiggas aus Katar zu beziehen und zugleich den Rechtsstreit mit der DUH über die LNG-Terminals an der deutschen Küste zu überstehen, ist vermutlich gar keine Zeit mehr.

Dazu passt ein Beitrag, den ich dieser Tage von Meinrad Müller erhalten habe  und den ich gerne ergänzend veröffentliche.

Gastbeitrag von Meinrad Müller

#Regierung: Hungern und der Tod auf Raten

Nun ist es offiziell, was bislang als Verschwörungstheorie galt:

Die Innenministerin rief mehrfach und eindringlich dazu auf, jeder Haushalt möge sich Lebensmittelvorräte anlegen.

Haben wir nicht ein Leben lang hart gearbeitet, um uns einen gewissen Wohlstand zu schaffen? War das Anlegen von Vorräten nicht eine Anekdote der uns vorausgegangenen Kriegsgenerationen? Das verheißt wahrlich nichts Gutes. Es schaudert uns, weil wir uns keiner persönlichen Schuld bewusst sind, die wir auf uns geladen hätte, die wir zu jetzt zu büßen hätten. Wir fragen uns deshalb, über welches geheim gehaltene Wissen das Innenministerium verfügt. Oder will man uns, wie bereits 2020 zu Beginn der Coronakrise, wieder einmal nur höllische Angst einjagen und in die Irre führen? Wir ängstlich gehaltenen Bürger sind gehorsamer und leichter zu regieren und manipulieren.

Der damalige Oberregierungsrat Stephan Kohn des Innenministeriums, der dieses Strategiepapier zu gezielten Angstmacherei 2020 an die Öffentlichkeit trug, wurde deshalb hochkant gefeuert.

Lautet die Strategie der Regierung etwa, Vorräte an Kartoffeln sind gut, aber Vorräte an Wissen und gesundem Menschenverstand sind schlecht? Ein Blick in die Geschichte:

#Der steinerne Mann (schwäbische Mundart: Der stoinerne Mo)

Eine Anekdote aus dem Dreißigjährigen Krieg erzählt, dass der mutige Bäckermeister Konrad Hacker die altehrwürdige Stadt Augsburg vor dem Verhungern rettete. Das kaiserliche Heer belagerte die damals 30.000 Bewohner. Mit einer List bewahrte er die Stadt vor dem Untergang, denn den Menschen innerhalb der wehrhaften Stadtmauern gingen allmählich die Vorräte aus.

#Die List des Konrad Hacker

Aus Kleie und Sägemehl buk er Brote, zumindest solche, die danach aussahen. Er stellte sich auf die Stadtmauer, machte mit einem Pistolenschuss auf sich aufmerksam und warf die 30 Brote in Richtung der Belagerer. Diese waren darüber höchst erstaunt und fehlinterpretierten das. Da die Augsburger offensichtlich über viel Brot verfügten, dass sie es sogar wegwerfen konnten, würde die Belagerung noch lange andauern. Also zogen sie ab. Augsburg atmete auf.

Überlebt hat diese Aktion mein mutiger Landsmann allerdings nicht, eine feindliche Kugel zerfetze seinen rechten Arm, als er gerade die noch warmen Brote den Feinden entgegenwarf. Noch am nächsten Tag erlag er seinen Verletzungen. Aus tiefer Dankbarkeit sammelten die Augsburger Bürger Spenden, wovon eine 1,13 Meter große steinerne Skulptur eines Bäckers mit einem Laib Brot in der Hand hergestellt und bezahlt wurde. Die Figur des Steinernen Mannes, in einer Nische der Augsburger Stadtmauer im Jahre 1642 aufgestellt, ist heute ein Touristenmagnet.

 

Mit welcher List begegnen wir heute unserer Regierung, die unseren Wohlstand, unser Leben und unsere Zukunft mit anderen Mitteln belagert? Leiden derzeit nicht bereits Millionen Frauen und Männer unter so geringen Renten, die kaum zum Überleben reichen? Ist das nicht genauso beschämend und grausam wie eine mittelalterliche Belagerung? Armut im „besten Deutschland, in dem wir leben“ ist alltäglich, ein Anlegen von Vorräten für viele folglich auch ganz und gar unmöglich. Die hiesige Medienlandschaft entblödet sich nicht, dies alles zu verschweigen.

#Satt werden in Krisenzeiten unmöglich?

Noch vor gar nicht so langer Zeit war man gezwungen, ohne dass dies einer behördlichen Anweisung bedurfte, sich für den Winter mit Vorräten einzudecken. Bekanntlich wachsen bei Kälte, Schnee und Eis weder Kartoffeln, Gras noch Getreide. Und das liebe Vieh, das die kalte Jahreszeit überleben musste, wollte auch gefüttert werden. Ein Anlegen von Energiespeichern in Form von Getreide, Kartoffeln und Heu etc. sicherte das Überleben unserer Vorfahren. Aus Gras wurde Heu, dies war Futter für die Kühe, welche den täglichen Bedarf an Frischmilch lieferten. Daraus hergestellte Produkte wie Käse und Butter waren weitere Energiespeicher, die lange hielten. Gekochte Kartoffeln mit geschroteter Gerste wurde zum Müsli für die Schweine.

Die Größe der Felder und Wiesen ergab nach einer Formel die maximale Anzahl der haltbaren Nutztiere. Schweine, Kühe, Hühner, Gänse und Ziegen waren praktisch lebende Nahrungsspeicher auf zwei und vier Beinen, die bei Bedarf zu Schnitzel, Wurst und Gänsebraten verarbeitet wurden. Schweineschmalz war, bevor hier das Sonnenblumenöl in Mode kam, Grundbestandteil vieler schmackhafter Mehlspeisen, köstlicher Bratkartoffeln und Schweinebratensoßen. Das Weißkraut, ein hervorragender Vitaminspender, wurde gehobelt und unter Zugabe von Salz in ein irdenes Fass gefüllt. Wir Kinder durften mit gewaschenen Füßen dieses dann einstampfen. Vermutlich trugen die Bakterien an den Fußsohlen auch dazu bei, den Gärungsprozess zu beschleunigen. 100 Liter Sauerkraut halten lange, werden warm wie kalt gegessen oder zu unvergesslichen Krautnudeln mit Griebenschmalz angebraten.

#Vorratsproblematik in unseren Tagen

Wer allerdings im siebten Stock auf 60 Quadratmetern wohnt, der hat keinen kühlen Gemüsespeicher, die Kartoffeln würden bei Zimmertemperatur schnell austreiben und verderben. Steckte man Karotten in eine Kiste mit Sand, so hielten diese einige Monate frisch. 200 kg Mehl ließen sich auch heute bequem in einem Schrank aufbewahren. Und ein 50-kg-Eimer mit Schweineschmalz wäre auch bei Zimmertemperatur zu lagern. Und Eier könnten in eine billige Kalk-Silikatlösung eingelegt werden, welche das Verderben verhinderte.

#Nichts verderben lassen, um zu überleben

Tausende von Jahren war es eine praktizierte und notwendige Kunst, das eigene Überleben zu sichern. Heute wurden diese Künste indessen ausgelagert an Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten. Diese leben fürstlich und haben uns quasi in der Hand. Der Preis von Kartoffeln vom Feld bis zum fertigen Kartoffelpüree-Pulver hat sich dabei verhundertfacht. Die in Regalen stehenden Kleinstpackungen sind deshalb zigfach teurer als das Rohmaterial wie z. B. ein Sack Mehl oder ein Sack mit Kartoffeln.

#Vorräte im Kopfe haben

Das Wissen, wie frische Lebensmittel haltbar gemacht und zubereitet werden, ohne auf Fertigpackungen angewiesen zu sein, ging vielfach verloren. Teils aus Bequemlichkeit und dem Verlangen nach Genüssen. Ein Teller mit heißem Sauerkraut und Salzkartoffeln hingegen macht zumindest satt, ist gesund und kostet wenig. Der Vorrat von Nahrungswissen im Speicher Kopf ist deshalb der Schlüssel, weshalb Nachhilfeunterricht mit lehrreichen alten Kochbüchern zu empfehlen ist.

#Das Innenministerium verbreitet Angst

Angst vor dem Hungertod ist eine Urangst. Eines der schrecklichsten Todesurteile war jenes, in den Hungerturm gesteckt werden, um darin elendiglich zu krepieren. Pater Maximilian Kolbe, der sich freiwillig gegen einen Familienvater austauschen ließ, ging 1941 anstelle dessen in Auschwitz in den Hungerturm. Details dazu weiß das Internet.

Die Androhung von Hunger ist eines der größten Übel. Der gänzliche oder teilweise Entzug überlebenswichtigen Essens war und ist eine der schärfsten Waffen im Mittelalter und wie auch heute. Winkt unsere Regierung derzeit etwa mit diesem angsteinflößenden Zaunpfahl? Andererseits darf gezweifelt werden, ob nicht diese Angstmacherei als politisches Werkzeug eingesetzt und missbraucht wird. Dass wir gerne gehorchen, das haben wir angeblich so aufgeklärten Demokraten in den letzten zwei Jahren zur Genüge bewiesen.

Eine Google-Suche nach „Armut in Deutschland“ zeigt die Richtung an, in die wir uns alle bewegen.

Auch bedeutet eine Inflation von derzeit 7,5 % konkret, dass jeder gesparte Vorrat auf der Bank binnen 10 Jahren 52 % an Wert verliert. Unsere Vorräte werden dabei nicht von Mäusen im Getreidespeicher aufgefressen, sondern von unkluger Politik.