Abgrenzung alleine ist noch kein Inhalt.

Die coolen Spruchbeutel in den Werbeagenturen, die stets auf der Woge des Zeitgeistes zu surfen haben, wollen sie auch morgen noch ihren Coffee to go per E-Scooter ins Office balancieren, stellen neben ihrer Funktion als Umsatzbooster eine zweite, nützliche Funktion zur Verfügung, denn in den Geschichten, die sie um die beworbenen Produkte ranken, um bei der Zielgruppe eine emotionale Bindung zum Produkt herzustellen, spiegeln sie die gesellschaftliche Wirklichkeit so brutal wider, dass es verwundert, dass sich die Umworbenen nicht verzweifelt mit der Hand an die fieberheiße Stirn greifen und sich fragen: „Sind wir wirklich so?“

OHNE.

Ob explizit ausgesprochen oder auf die eine oder andere Weise suggeriert: Das optimale Produkt definiert sich gegenwärtig nicht über seine Bestandteile, nicht über seine Leistung, nicht über seinen Nutzen, sondern über das, was es alles nicht ist, nicht hat und nicht kann.

Da findet sich im Supermarkt im Kühlregal eine Kunststoff-Sichtverpackung mit 80 Gramm geräuchterem Schinken drin und der unübersehbar aufgedruckten Werbebotschaft:

„Von Natur aus frei von Gluten und Laktose.“

Da tun sich Abgründe auf. Was heißt Abgründe? Der Schlund der Hölle steht sperrangelweit offen und Satan lädt höflichst ein, näherzutreten. Wieviel Gluten und wieviel Laktose mögen wohl die bösen, ohne Biosiegel arbeitenden Schinkenproduzenten in das Schinkenpäckchen gleich daneben im Regal gepackt haben, das ohne diese „Frei-von-Garantie“ verkauft werden soll. Muss man da nicht als Verbraucher eine einheitliche Kennzeichnungspflicht fordern?

Süßigkeiten und süße Limonaden glänzen mit dem Aufkleber: „Ohne Zucker!“, vorfrittierte Pommes aus der Tiefkühltruhe haben „90 Prozent weniger Fett“, wie auch der Joghurt und der Käse nicht nur laktosefrei sondern auch fettreduziert sei müssen.

Rote Beete im Glas – „Ohne künstliche Farbstoffe“.
Welches Zwerchfell ist trainiert genug, um davon nicht drei Tage unter üblem Muskelkater zu leiden?

Aber es sind ja nicht nur die Lebensmittel, die immer häufiger auch den Aufdruck „vegan“ tragen. Veganer Blumenkohl mit veganem Bratling und veganem Mineralwasser, das sind schon jetzt die Renner in der Avantgarde-Gastronomie. Die Masse wird ihren Leithammeln schon folgen.

Ein Pelzmantel oder ein Anorak mit Pelzkragen lässt sich schon lange nicht mehr verkaufen, wenn auch nur ein winziges Stückchen echter Pelz verarbeitet wurde.

Das große OHNE der allernächsten Zukunft versteckt sich hinter den Kürzeln „Dekarbonisierung“ und „CO2-neutral“. Im Schaufenster liegen die „Zukünfte OHNE Klimawandel“ der unterschiedlichsten Anbieter und Trittbrettfahrer dicht gedrängt nebeneinander. Noch ist kein Produkt marktreif, aber es wird verbissen daran gearbeitet. Verkaufsstart soll, je nach Anbieter, 2025 oder 2030 oder 2038 oder gar erst 2050 sein, doch der Vorverkauf ist eröffnet und es heißt, wer jetzt kauft und zahlt ist fein raus – später wird alles viel, viel teurer.

Jetzt kommt der Kipppunkt. (Hihi!)

Die Klimabewegten, und klimabewegt zu sein, muss ja nichts Schlimmes sein, 

(Es gibt Menschen, die ziehen erlösungsbewegt zum Kirchentag, andere, die Grönemeyerbewegten, folgen ihrem Idol von Liveauftritt zu Liveauftritt über den ganzen Kontinent, den Sicherheitsbewegten in den Rathäusern wird es warm ums Herz, wenn sie an die nächste Stufe des Ausbaus der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen denken – und Klimabewegte, lassen sich halt vom Schicksal des Klimas bewegen. Sicherlich, es kann immer zu Übertreibungen kommen, zu Auswüchsen, wie es so schön heißt, aber wer will sich schon zum Richter darüber  aufschwingen, welche Bewegung nun gut und nützlich sei und welche schon pathologische Züge trägt und in die Irre führt? Dieses Urteil muss man der Geschichte und den Historikern ferner Generationen überlassen. Die wollen ja schließlich auch noch etwas zu tun haben.)

die Klimabewegten haben sich mental so total von der Realität abgeschottet, dass ihnen nicht mehr bewusst ist, dass sie ihre Wagenburg um ein großes „OHNE“ herum aufgebaut haben, dass sie letztlich für nichts als das „NICHTS“ eintreten, was natürlich dazu zwingt, das, was noch ist, zu zerstören. Früher war es die Ultima Ratio von Strategen auf dem Rückzug, hinter sich nur verbrannte Erde zurückzulassen.

Die Klimabewegten von heute, und klimabewegt zu sein alleine, muss ja noch nichts Schlimmes sein, haben „Ringsum verbrannte Erde“  zum Ziel und Sinn und Zweck ihres Vormarsches erklärt. Was sie erobern, vernichten sie, weil das große OHNE, das sie anbeten, es so von ihnen verlangt.

Was bitte verbirgt sich denn als schützenswerter Inhalt hinter der waffenstarrenden Mauer aus

  • ohne Fleisch,
  • ohne Zucker,
  • ohne Fett,
  • ohne Flugzeug,
  • ohne Auto,
  • ohne alte weiße Männer,
  • ohne Heizung,
  • ohne Staatsgrenzen,
  • ohne CO2-Emission,
  • ohne Kunststoffe,
  • ohne Zementöfen,
  • ohne Aluminiumhütten,
  • ohne konventionelle Kraftwerke,
  • und letztlich auch ohne Kinder, weil die ja auch CO2-ausatmen?

Dahinter verbirgt sich, bleibt man in jeder Hinsicht konsequent, die eiskalte und stockdunkle, weil CO2-freie (kein Feuer, kein Kienspan) Höhle des Neandertalers, mit Hominiden, die versuchen, ihre spärliche Behaarung wieder zum Fell wachsen zu lassen, weil Pelze nicht anfallen, weil niemand Tiere jagt oder hält, und weil Baumwolle hierzulande nicht wächst und weil Anbau und Besitz von Hanf mit einem uralten Tabu belegt sind. Bitte selber weiterdenken. Es bleibt wirklich NICHTS übrig, außer ein paar nackten Neandertalern, die sich nichts sehnlicher wünschen als die Erderhitzung, weil sie nämlich den nächsten Winter sonst nicht überleben würden.

 

Womit das Ziel dieses Aufsatzes in Sicht kommt:

Thilo Sarrazin.

Natürlich ist Sarrazin keiner der nackten und frierenden Neandertaler aus dem letzten Absatz. Sarrazin ist lediglich der Beweis dafür, dass auch die SPD zweifellos von der voll im Trend liegenden OHNE-Manie erfasst ist.

„Neu, jetzt ohne Sarrazin“,

so preist sie sich an, und verbannt mit Sarrazin gleichzeitig (und für alle Zeit?) die Meinungsfreiheit aus der Partei.

Hinter der Mauer der Abschottung, die von der SPD gegen die Realität errichtet wurde, ist nicht mehr viel Platz. Eigentlich gar keiner. Doch Nowabo, Esken und Stegner sind nicht einmal in der Lage, das bisschen Platz, das da noch wäre, mit etwas anderem zu füllen, als mit gähnender Leere. Die OHNE-Partei, ohne Gabriel, ohne Schulz, ohne Nahles, und  irgendwie nun auch ohne Scholz, hat sich dem NICHTS geöffnet. Auf den Zinnen ihrer Mauer der Abschottung schwenken die verbliebenen Reste der Genossen unverdrossen die Fähnlein der LINKEn und Grünen, um den Mangel an eigenen Inhalten bis zum völligen Zusammenbruch unterhalb der 5%-Marke vor jener Wählerklientel zu verbergen, die auch gluten- und laktosefreien Schinken kauft, weil „ohne“ halt voll im Trend liegt.

Nur NICHTS ist wirklich gänzlich OHNE.