„Planungsbüro Wunsch & Wille, Sie sprechen mit Sabine Gnadenlos-Hempel. Was kann ich für Sie tun?“

„Bayerische Staatskanzlei. Wo wir sind ist oben. Sekretariat des Ministerpräsidenten. – Mit wem spreche ich?“

„Sie sprechen mit   F  r ä u l e i n   S a bi n e   G n a d e n l o s  –  H e m p e l  !!“

„Sehr gut. Genau Sie brauch‘ ich jetzt nämlich, Frau Gnadenschuss …“

„Fräulein!“

„Gut. Fräulein Gnadenschuss …“

„Gnadenlos!!!“

„Ist ja gut. Ist ja gut. Also, was ich sagen wollte …“

„Sie sagen mir jetzt erst einmal Ihren Namen. Dann sagen Sie mir, woher Sie diese Nummer haben, verstanden?“

„Huml, Melanie. Bayerische Staatskanzlei. Wo wir sind ist oben. Der Herr MP hat mir aufgetragen, Sie anzurufen.“

„Ach, Frau Huml. Grüß Gott! So sagt man doch bei Ihnen, nicht wahr? Grüß Gott, oder?“

„Das tut jetzt nichts zur Sache. Die CSU ist eine integrative Kraft und bedient sich natürlich in Teilen auch der christlich-abendländischen, wie auch der bayerisch-ländlichen, aber auch der woke-urbanen gemeinschaftsstiftenden Chiffren. Aber eben nur im eigenen Dunstkreis. Niemals im verbalen Austausch mit Preußen. Steht alles in der bayerischen Dienstanweisung für die korrekte Kommunikation mit Landesfremden. Außerdem dürfen’S gern Melanie zu mir sagen, Sabine. Unter uns Sekretärinnen …“

„Gut, Melanie! Dann kürzen wir die Sache jetzt mal ab. Was will er denn, der Herr MP?“

„Ach, es ist ihm ja so peinlich. Aber er muss seinen heutigen Termin leider absagen. Dringende Amtsgeschäfte, das kennt Ihr aus Berlin doch sicherlich auch. Und einen neuen Termin hätte er gerne. Aber ohne den Pfaffen. Den erträgt er so schnell nicht wieder, hat er gesagt.“

„Dringende Amtsgeschäfte? Da kann ja jeder kommen. Der Francois von den Franzosen, der ist ja auch immer ganz dringend mit dem Moped aus dem Elysee verschwunden und quer durch Paris gerast.“

„Nein, nein! Der Markus doch nicht. Seine ganze Liebe gilt alleine dem Land und seinen Landeskindern. Da ist kein Platz für heimliche Liebschaften. Außerdem hat er sich, seit dem peinlichen Auftritt seines Parteigenossen Zimmermann geschworen, sich nie eine solche Blöße zu geben. Das kennst Du doch auch noch, oder? Ich schick dir heute Abend mal das Video. Zum Schießen.“

„Ich denke, das ist überall gelöscht?“

„Jaaaaa …, bei den Sozialen Medien, da haben wir das gelöscht. Aber so was von gelöscht! Da waren drei bayerische Innenminister jahrelang dahinter her. Aber unser Parteiarchiv, also die Hanns-Seidel-Stiftung, die verwahrt die Original Aufnahmen. Und wenn du zum Minister ernannt wirst, dann bekommst du mit dem Ernennungsschreiben eine Kopie, mit dem Hinweis, dass man sich nie auf Sachen einlassen sollte, von denen man keine Ahnung hat.“

„Das hat dich aber nicht davon abgehalten, 10.000 Campingkühltaschen beim Sonderposten-Markt zu kaufen.“

„Das kann man so nicht sagen. Natürlich kenne ich mich mit Kühltaschen aus. Ich hab ja selber zwei Stück zu Hause. Mit denen war ich immer sehr, sehr zufrieden. Der MP hat zu mir gesagt: Melanie, du kennst dich doch aus. Des Pfizer-Zeugs muss vorm Verimpfen gekühlt werden. Bayern wird vorbereitet sein. Kauf den Markt leer! Bundesweit! Dann muss der Laschet auf Knien nach München und um Kühlboxen betteln. Des gibt schöne Bilder im Fernsehn! Ja, wenn er dazu gesagt hätte, wie kalt der Impfstoff sein muss. Dann wär mir das nicht passiert. Wahrscheinlich hat er es ja selber nicht gewusst. Aber zugeben kann er das ja nicht. Er hat ja noch nie etwas zugegeben.“

„Und dann bist du, Melanie, also vollkommen unschuldig zum Bauernopfer gemacht worden.“

„Ja, ja. Ist aber nicht so schlimm. Ich fühl‘ mich jetzt als Sekretärin richtig befreit. Die Last der Verantwortung, die ich jetzt los bin, also die hab‘ ich ja nie wirklich gespürt, aber jetzt, hinterher, da weiß ich, dass sie mich schon schwer niedergedrückt hätte, wenn ich sie auf mich genommen hätte.“

„Gut. Aber du lenkst ab. Was ist das, mit dem Markus? Warum lässt er den wichtigsten Termin dieser Woche ausfallen? Da steckt doch wieder was ganz und gar Unmoralisches dahinter?“

„Ich darf es nicht verraten. Er stößt mich aus der Partei aus, wenn ich nur eine Andeutung mache.“

„Ach Melanie, unter uns Sekretärinnen …, komm schon, ich sag auch nichts weiter.“

„Ehrenwort?“

„Ehrenwort!“

„Mit der Bavaria One ist er unterwegs zum Fotoshooting.“

„Wohin?“

„Alle bayerischen Grenzübergänge zu Tirol und Tschechien. Einer nach dem anderen. Söder im Trachtenjanker mit FFP2-Maske. Söder im Ganzkörper-Isolations-Anzug am Führerhaus des aufgehaltenen Sattelschleppers. Söder mit vorgehaltener Uzi bei der Personenkontrolle. Söder im Ski-Anzug, ein Schnelltest-Set an Einreisewillige aushändigend, Söder im Gegenlicht mit Strahlenkranz und segnend erhobenen Händen.   Und so weiter, und so weiter. Das Filmteam vom BR immer mit dem eigenen Hubschrauber hinterher. Die filmen dann auch von oben ‚Söder beim Staubaufwirbeln‘ wenn die Bavaria One startet und landet. Und immer schön die Kulisse mitnehmen. Hier ein oberbayerisches Zwiebeltürmchen, dort ein verschneiter niederbayerischer Dorfweiher, dann ein 90-jähriger Oberpfälzer mit Nahaufnahme aller Runzeln im wettergegerbten Gesicht.“

„Oh, das stell ich mir schön vor.“

„Ja, gell? Das kann er halt, wie kein anderer, unser schönes Bayern in Szene setzen – und er immer mittendrin. Manchmal möcht ich ihm vor Ergebenheit die Fußzehn abschlecken.“

„Igitt!“

„Ja, ich weiß, das muss man mögen.“

„OK! Komm auf den Punkt. Wann soll das Epos denn gesendet werden?“

„Na, heute Abend. ARD und ZDF mit einer gemeinsamen Sondersendung. Erst 19.30 im ZDF, dann 20.15 in der ARD. Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ca. 30 Minuten. Ich bin schon ganz heiß drauf. Das wird wieder einmal eine Sternstunde des von Bayern geprägten Föderalismus. Musst du unbedingt auch einschalten. It’s a must! Besser als Dinner for one!“

„OK, Melanie, dann weiß ich Bescheid. Ob wir das so akzeptieren, weiß ich allerdings noch nicht. Sag dem Markus, er soll am Mittwoch zwischen 9.30 und 10.00 Uhr  persönlich noch einmal anrufen. Herr Wille wird ihm dann unsere Entscheidung mitteilen.“

„Das ist gut. Das sag‘ ich ihm! Danke Sabine. Mit dir kann man wenigstens noch reden. Ich ruf dich mal wieder an. Servus, tschau, pfüa_di!“

„Adieu, Melanie! Adieu!“

 

„Mein Gott!“ Seufzte Fräulein Sabine Gnadenlos-Hempel, nachdem sie aufgelegt hatte. „Propaganda wie im Krieg, Frontberichterstattung von den bayerischen Außengrenzen. Der Feind wird unter Aufbietung aller Kräfte zurückgeworfen. Demnächst wird nachgesetzt.“

Dann nahm sie einen größeren Notizzettel und schrieb:

Lieber Wunni, lieber Wilbrecht,

das wird heute leider nichts.

Der Kandidat ist unabkömmlich wegen einer eiligst zusammengerufenen SPD-Strategiesitzung. Thema: Hilft es der SPD, mit Hofreiter zum Sturm auf das Eigenheim zu blasen, oder eher doch mit Spahn das Recht auf’s Eigenheim groß herauszustellen. Untertitel: Ach wenn wir uns doch mal wieder auf eine eigene Überzeugung einigen könnten.

Der MP (Markus Persönlich) schützt medienwirksam die bayerischen Außengrenzen für die Sondersendungen von ARD und ZDF.

Ich ziehe mich zurück, Überstunden abbummeln.

Halali und Waidmannsheil

Sabine