Zweierlei von gestern

Beim derzeitigen Wetter geht es darum, möglichst cool zu bleiben. Jede emotionale Wallung treibt nur den Blutdruck in die Höhe, verstärkt die Leistung der Schweißdrüsen und fördert tendenziell tendenziöse Urteile.

Folglich habe ich gestern beschlossen, keinen meiner Meinungsartikel zu schreiben, sondern die Meldungen der letzten Woche nach Arbeitsplatzverlusten durchzuflöhen und die Reihe „Wirtschaft am Freitag“ mit dem achten Kapitel fortzusetzen.

Dass beides miteinander in engem Zusammenhang steht, ist mir erst heute so richtig bewusst geworden. Daher lade ich heute alle ein, die regelmäßig meine Seite „Jobwunder Deutschland“ besuchen, und alle, die sich schon einmal auf die Seite „Wirtschaft am Freitag“ verirrt haben, sich die Inhalte beider Seiten gleichzeitig bewusst zu machen.

Ich gebe dabei ein bisschen Hilfestellung.

Es gibt eine Zahl, die ich ziemlich versteckt fortschreibe, nämlich nur hier:

Es ist gewissermaßen ein „ewiger“ Durchschnitt, vom ersten der 2.462 Kalendertage an, bis heute. Ein Wert, der sich zu Beginn dieser Aufzeichnungen noch sprunghaft veränderte, während er heute träge für lange Zeit. im engen Bereich der Einerstellen verweilt.

Gestern ist dieser Durchschnittswertz von 1.253 auf 1.254 angestiegen. Muss man nicht beachten, meint man. Sagt aber, dass in den letzten sieben Tagen rund 2.500 Jobs mehr als verloren gegangen gemeldet wurden, als nach dem fast siebenjährigen Durchschnitt zu vermuten gewesen wäre.

Ich habe mir die Mühe gemacht, aus den letzten Updates meiner Statistik die für den jeweiligen Zeitabschnitt ermittelten Durchschnittswerte pro Kalendertag zu ermitteln, und das sieht so aus:

von bis Kalendertage Durchschnitt
20.02. – 25.02.2026 6 737
26.02. – 03.03.2026 6 897
04.03. – 10.03.2026 7 2.394
11.03. – 16.03.2026 6 513
17.03. – 24.03.2026 8 604
25.03. – 01.04.2026 8 524
02.04. – 17.04.2026 16 523
18.04. – 28.04.2026 11 174
29.04. – 06.05.2026 8 800
07.05. – 11.05.2026 5 1.530
12.05. – 20.05.2026 9 336
21.05. – 27.05.2026 7 174
28.05. – 08.06.2026 12 183
09.06. – 12.06.2026 4 1938
13.06. – 19.06.2026 7 1574
20.02. – 19.06.2026 120 630
21.09.19  –  19.06.26 2.462 1.254

In den betrachteten 120 Tagen sind kontinuierlich in kleinem Umfang Stellen gestrichen worden. Immer noch trifft es viele Zulieferer der Automobilindustrie, den Maschinenbau, Bäckereien, Brauereien, Baumärkte, Möbelhändler – aber auch Kliniken und Pflegeheime.

Die Ausreißer waren:

Anfang März

  • Volkswagen, Aufstockung des Stellenabbaus von 35.000 auf 50.000

Anfang Mai

  • Festo, Esslingen, 1.300
  • Commerzbank, Frankfurt/M. 1.000
  • IAV, Berlin, 1.400

Anfang Juni

  • Fraunhofer, München, 1.200
  • Carl Zeiss, Oberkochen, 2.500
  • Grob, Mindelheim, 2.000
  • BayWa Bau- und Gartenmärkte, Dortmund, 1.400
  • Marienhospital, Stuttgart, 3.000
  • Evonik, Essen, 2.950
  • Hellweg, Dortmund, 2.900

Für mich entsteht aus dem Gesamtgeschehen dieses Bild:

Die erste Welle der großen Sparmaßnahmen in der Großindustrie ist durch. Die Automobilbauer haben ihre Programme aufgelegt und ziehen sie durch. BMW wird als Nachzügliger bald auch einen Stellenabbau in der Größenordnung von 10.000 Jobs verkünden. Die großen Zulieferer haben schnell reagiert, Bosch, ZF, Schaeffler, auch Magna, haben ihre Kapazitäten rigoros angepasst. Die Großchemie hat ebenfalls ihre Pläne offengelegt und zieht ihre Produktion aus Deutschland ab. Mit dem Stahl und den Gießereien verschwinden aus Kostengründen auch Papier, Zement, Glas und Düngemittelindustrie.

Momentan werden die mittleren und kleinen Zulieferer und der noch verbliebene Maschinenbau, denen jetzt die Aufträge der Großen fehlen, vor die Entscheidung gestellt, gleich aufzugeben, oder den Versuch zu unternehmen, sich noch durchzuwursteln, in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Das ist der Blick auf die Industrie.

Der Blick auf die konsumnahen Unternehmen, auf Handel und Handwerk zeugt von schwindender Kaufkraft. Schönes Beispiel dafür die Baumärkte, nahezu gleichzeitig sind die BayWa und Hellweg in die Knie gegangen. Dass es diese getroffen hat, mag mit der Attraktivität des Angebots der überlebenden Konkurrenz zu tun haben, ursächlich ist aber die fehlende Kaufkraft. Es wird weniger gebastelt – und die schwächsten Anbieter erreichen die Umsatzziele nicht mehr.

Es wird auch weniger Bier getrunken. Mit der Promillegrenze für Autofahrer hat das nichts mehr zu tun. Man ist sparsamer geworden. Geht seltener aus, und trinkt zuhause auch mal ein Glas Wasser aus der Leitung.

Es wird auch weniger Handwerks-Brot gegessen. Da ist es der Versuch, zu sparen nicht alleine. Die Notwendigkeit zu sparen wird von den Preissteigerungen der Handwerks-Bäckereien noch verstärkt. Man nimmt lieber das Fabrikbrot aus dem Supermarkt. Ist ja schließlich auch Brot. Ähnliches ist bei den Metzgereien zu verzeichnen. 

Was oft verkannt wird, ist das rasante Sterben der Senioren- und Pflegeheime. Die bekommen ihre Betten nicht mehr ausgelastet. Nicht, weil die Zahl der Alten und Pflegebedürftigen schrumpft. Die Ursache liegt auch hier in den Kosten, in den extem hohen Zuzahlungen, die viele davon abhalten, sich nach einem Platz im Heim  umzusehen.

Gleichzeitig sterben die Krankenhäuser. Dies ist staatlich gewollt. Also lässt man alle Häuser, die es nicht schaffen, sich selbst zu finanzieren, in die Insolvenz rutschen, bis nur noch die großen stationären Zentren übrig sind.

Mit der Aussage „staatlich gewollt“ vollziehe ich den Sprung zur „Wirtschaft am Freitag“. In Kapitel 8 ging es um die Deflation, also um einen Zustand, in dem die Preise für die im Markt befindliche Kaufkraft zu hoch sind.

Ansonsten ist alles vorhanden. Die Fabriken sind da, die Maschinen sind da, die Facharbeiter sind da, das Material ist da – nur das Geld fehlt, um alles bezahlen zu können, was hergestellt und angeboten werden könnte.

Also werden Maschinen stillgelegt, Arbeitsplätze abgebaut, Investitionen unterlassen, und natürlich auch weniger Material eingekauft, weil zwar „Bedarf“ besteht, dem Bedarf aber die Kaufkraft fehlt, um daraus ernsthafte Nachfrage zu machen.

Mein Standardbeispiel:

Drei arbeitslose Dachdecker sitzen auf der Bank vor der Schule ihrer Kinder, in die es hineinregnet. Das Dach bleibt aber undicht, weil der Bürgermeister kein Geld hat, die Reparatur zu bezahlen.

Was also tun?

Nun, der deutsche Staat, also momentan die Regierung Merz, tut alles, was nichts dazu beiträgt, die verloren gegangene Balance der Nationalökonomie wieder herzustellen. Man verkündet vierteljährlich die nächste Jahreszeit der Reformen, und landet immer wieder nur beim Schuldenmachen.

Schulden machen, um damit den Konsum von Rentnern und Grundsicherungsempfängern, Abgeordneten und NGO-Aktivisten zu finanzieren.

Schulden machen, um die Wirtschaft zu subventionieren: Von der E-Auto-Kaufprämie für die Automobilindustrie bis zum Industriestrompreis für Stahl und Zement.

Schulden machen, um Panzer, Raketen, Drohnen, U-Boote und Leichensäcke zu finanzieren.

Überspitzt ausgedrückt: Es sind alleine die Staatsschulden, die das Land noch am Laufen halten, und wenn die Netto-Neuverschuldung nicht jedes Jahr kräftig wächst, bricht alles zusammen wie die Carola-Brücke in Dresden.

Es ist überspitzt, aber nicht übertrieben. Was ginge denn noch, ohne Netto-Neuverschuldung? Und wenn noch etwas ginge, wie ginge es wohl?

Deflation, also Geldmangel, ist aber kein naturgesetzlich regelmäßig eintretender Zustand. Auch wenn die Banken bei der Kreditvergabe äußerste Zurückhaltung üben, geschieht das nicht aus Jux und Tollerei. Sie wollen nur nicht mitspielen, denn

Deflation ist die Folge katastrophaler Misswirtschaft.

Katastrophale Misswirtschaft ist die Folge ideologischer Verblendung, unzulänglichen Wissens, fehlender Erfahrung und der sich aus dieser Mixtur zwangsläufig ergebenden, korruptionsähnlichen Bevorteilung von Blendern und Scharlatanen in Nadelstreifen.

(Warum es noch aussieht wie Inflation, aber längst Deflation ist, finden Sie in Kapitel 7. Kapitel 7 finden Sie oben, im blauen Balken, unter Wirtschaft am Freitag.)

Link zu Kapitel 8

Link zu Jobwunder Deutschland

Link zu meiner Kaffeekasse

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. ideologische Verblendung ist Instrument, nicht Ursache.
    Der Niedergang ist gewollt und geplant. Detailliert nachzulesen zb im “ Weakening Germany “ Papier der Rand Corporation. Die hat später bestritten, es verfasst zu haben. Hanen sie aber. Und nein, Nordstream wurde auch nicht vin der Andromeda gesprengt.
    Die Grünen waren eine CIA Gründung unter Beteiligung alter Nazis…..Die Linien sind alt, das Muster bekannt. Man muss es nur bereit sein, es zu erkennen.

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