Zivilschutz? Noch nicht einmal friedenstüchtig!

Peinlich? Eine Vokabel, die in Deutschland längst nicht mehr verwendet wird. Es gilt: Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt’s sich völlig ungeniert.

Vor dem Zivilschutz – einen Augenblick bitte noch – kommt noch die Hauptstadt. Sie kennen „Wegnershausen“? Den Stolz Deutschlands? Da wird in diesem Jahr womöglich die große Silvsterparty mit traditionell mehr Besuchern als Feuerwerk ausfallen, oder nur im ganz kleinen Kreis bei Merz im Kanzleramt stattfinden können. Während das ZDF dann vom Hauptstadt-Studio aus die guten Vorsätze der Koalitionäre sendet, und das Ergebnis des Bleigießens, wird es am Brandenburger Tor, sowie davor und dahinter zappenduster bleiben. Um die Bevölkerunng nicht zu verunsichern, wird man auch darauf verzichten, die Bilder von den weltweiten Feuerwerken und den feiernden Menschen von Auckland und Sidney über Tokio, Singapur und Mumbai bis Moskau zu übertragen. Deutschland wird sich an der schamanisch-rituellen Haus- und Wildtier-Verschreckung und der damit verbundenen CO2-Verschmutzung nicht beteiligen. Und überhaupt, was ist schon so ein Jahreswechsel? Es kann ja nur noch schlimmer werden!

Der eigentliche Grund für den Verzicht, die Bevölkerung in Feierlaune und Freudentaumel zu versetzen, ist viel trivialer.

Der Veranstalter ist auf Geld angewiesen. Bisher haben sich das ZDF und die Wegnershausener Gemeindekasse den Zuschuss geteilt, irgendwie. Vielleicht fifty-fifty. Man weiß es nicht so genau. Nun sagt die Hauptstadt, die  Hauptstadt des reichen Landes Deutschlands, wohlgemerkt: Schluss, aus, Ende, Amen! Trotz aller Suche in allen Etats. Dafür reicht unser Geld nicht mehr. Es kann ja auch nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein. Zuschuss gestrichen.

In meinen Augen eine Blamage vor der internationalen Staatengemeinschaft, die alles übertrifft, was Annalena Baerbock als Außenministerin an Anlässen zum Fremdschämen hervorgebracht hat.

Nun zum Zivilschutz.

Der letzte bundesweite Warntag fand am 12. September 2024 statt. Da ist, ohne dass es einen Anlass für eine Warnung gab, der reguläre bundesweite Warnablauf durchgespielt worden, und das ging so:

  • Um 11:00 Uhr wurde eine Probewarnung in Form eines Warntextes an alle am Modularen Warnsystem (kurz: MoWaS) des Bundes angeschlossene Warnmultiplikatoren, zum Beispiel Rundfunksender und App-Server, geschickt.
  • Die Warnmultiplikatoren haben die Probewarnung zeitversetzt (?!) an Warnmittel wie Fernseher, Radios und Smartphones weitergeleitet.
  • Dort war die Warnung dann für die Bevölkerung zu lesen und/oder zu hören.
  • Parallel konnten auf Ebene der Länder, die in den teilnehmenden Landkreisen und Kommunen vorgehaltenen kommunalen Warnmittel  – soweit verfügbar – ausgelöst werden, wie zum Beispiel Lautsprecherwagen oder Sirenen.
  • Über die gleichen Warnmittel, über welche zuvor die Warnung verbreitet wurde, erfolgte dann gegen 11.45 Uhr die Entwarnung.

Das hat alles ganz toll funktioniert, weil ja kein Problem vorgelegen hat. 107.181 Personen erklärten danach auf Befragen, die Warnung habe sie erreicht. Ein Ergebnis wie bei den Wahlen zur Volkskammer der DDR. 95 Prozent. Mehr geht nicht. Deutschland ist sicherer als die Renten. Mehr geht nicht.

Nun ja. Beim Trockenschwimmen ist auch noch niemand ersoffen.

Im nicht angekündigten Ernstfall sieht die Sache schon ganz anders aus. Zumindest hat sich das in jenem etwa 200 Quadratkilometer umfassenden Areal in den beiderseitigen Grenzgebieten von Ober- und Niederbayern zwischen Pfaffenhofen, Schweitenkirchen, Mainburg und Moosburg – einschließlich der Gemeinden Attenkirchen, Au, Nandlstadt und Rudelzhausen, so erwiesen.

Da kam es gestern gegen 15 Uhr im Umspannwerk in Au zu einer starken Rauchentwicklung. Das war aber offenbar nur ein Symptom. Die Ursache muss etwas mit Strom zu tun gehabt haben, möglicherweise ist ein Transformator abgebrannt, denn das Umspannwerk merkte selbst, dass etwas nicht stimmt, und hat seine Verbindungen zum Netz exakt um 15.19 Uhr gekappt.

Nun drohte es im betroffenen Versorgungsgebiet bei Sonnenuntergang so zappenduster zu werden, wie es in Berlin am 31.12.25 am Brandenburger Tor zappenduster sein wird, doch die Ober- und Niederbayern wollten zeigen, dass sie mehr können, als den Länderfinanzausgleich an Berlin abzudrücken und daher damit beginnen, den hinter der starken Rauchentwicklung vermuteten Brand zu bekämpfen.

Dazu ruft man gerne die Feuerwehr.

Das funktioniert im Prinzip genauso, wie am bundesweiten Warntag, und am Ende ertönen die Sirenen, die wiederum von den Männern und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren akustisch wahrgenommen werden, woraufhin sie sich von ihrem Arbeitsplatz oder der Familie verabschieden, ins Privatauto springen, zur Feuerwache rasen, die Einsatzfahrzeuge entern und in Richtung Brandstelle davonsausen.

In den beiderseitigen Grenzgebieten von Ober- und Niederbayern, zwischen Pfaffenhofen, Schweitenkirchen, Mainburg und Moosburg, einschließlich der Gemeinden Attenkirchen, Au, Nandlstadt und Rudelzhausen konnte der Warnprozess jedoch nicht planmäßig durchlaufen werden, weil es an einer Kleinigkeit fehlte.

Richtig: Der Strom war weg.

Der Rauch im Umspannwerk Au entwickelte sich derweil munter weiter, was die Verantwortlichen dazu veranlasste, zum Plan B zu greifen. So ein freiwilliger Feuerwehrmann ist ja von seinem Handy ebensowenig zu trennen, wie Hundekacke vom Schuh, was aber im Falle des untrennbaren Smartphones von Vorteil ist. 

Plan B, so schön er bei gutem Wetter aussah, nämlich die Mannen per Handy zum Einsatz zu rufen, scheiterte allerdings ebenso.

Sie haben es vermutet: Der Strom war weg.

Es waren aber nicht die Akkus, die leer waren, es waren die Funkmasten, die ohne Strom weder empfangen, noch senden konnten.

Wie es gelungen ist, per Plan C, aus dem stromlosen Gebiet heraus sechs Feuerwehren aus den umliegenden, noch stromversorgten Gemeinden zu alarmieren, die dann mit 80 bewährten Kräften ins Notstandsgebiet einrückten und die Rauchentwicklung zum Erliegen brachten, ist nicht überliefert. 

Vermutlich ist ein Späher mit seinem Handy ausgesandt worden, eine Stelle zu suchen, von der aus das Handy-Netz wieder erreichbar war, um von dort aus den Notruf abzusetzen. Kann aber auch anders gewesen sein.

 

Herrschaftszeiten!

Aus Geldmangel auf das Hauptstadt-Silvester-Event am Brandenburger Tor zu verzichten, dass ist das eine. Das ist peinlich, das ist eine Blamage vor der ganzen Welt, aber es bleibt im Großen und Ganzen so, dass man sagen könnte: Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt.

Das zentrale Alarmierungssystem für die Bevölkerung, das gleichzeitig als Rufsystem für die Feuerwehr dient, ohne unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) zu betreiben, ist nicht nur maximal peinlich, es ist verantwortungslos und extrem gefährlich, weil es – je nach Notlage – das Leben einiger weniger, aber auch hunderter Menschen achtlos aufs Spiel setzt.

Nein. Diesmal ist noch nichts Schlimmes passiert. Deswegen wird man wohl auch diese Warnung nicht weiter ernstnehmen.

Man kann aber nach Merkel und Habeck nicht mehr davon ausgehen, dass der Strom schon aus der Steckdose kommen wird, wenn er dringend gebraucht wird.

Und wenn das schon im Frieden nicht funktioniert, wie soll dann wohl die viel gepriesene Kriegstüchtigkeit aussehen?

Die Original Meldung