Bis heute habe ich mich geweigert, den Begriff „Klimasekte“ zu verwenden. Das hat mir geholfen, den Glauben daran nicht aufzugeben, dass jenen Menschen, die überzeugt sind, eine Energieversorgung aus Wind und Sonne alleine ließe sich ermöglichen, einfach nur die Informationen fehlen, und dass sie sich vernünftigen Argumenten letztendlich nicht verschließen würden.
Katharina Schulze, und eine offenbar unter Massehypnose stehende Menschenmenge in München, haben mich vom Gegenteil überzeugt.
unbedingt anklicken – und Ton einschalten. Es sind nur zehn Sekunden.
Wenn die Katha ins Mikro plärrt: „Bayern braucht die …“
und die Masse zurückgrölt: „Freiheitsenergie!“,
dann unterscheidet sich das methodisch kaum noch von den Wechselgesängen bei der Fronleichnamsprozession, deren Zweck es ja auch ist, die Verschmelzung einer Vielzahl vernunftbegabter Individuen zu einer einheitlichen Menge zu bewerkstelligen, die sich nach den Gesetzen der Psychologie der Massen einsetzen und lenken lässt.
Es bleibt noch ein winziger Funke der Hoffnung. Der bayerischen Predigerin der Klimasekte ist anscheinend noch bewusst, dass Bayern Energie braucht. Sie skandiert ja im Wechselgesang mit der Masse: „Bayern braucht die Freiheitsenergie!“ Ersetzen wir „Freiheitsenergie“ durch den Oberbegriff „Energie“, wird aus dem offenkundigen Unsinn schon wieder eine Wahrheit. Eine Wahrheit allerdings, für die niemand auf die Straße zu gehen brauchte, als die Energieversorgung Bayerns noch gesichert war und die Kernkraftwerke noch zuverlässig preiswerten Strom lieferten.
„Freiheitsenergie“ – keine alte Sau weiß doch, was das sein soll – ist nichts als ein billiges Schlagwort, mit dem ein schon erkennbar gewordener Irrweg noch einmal neue Strahlkraft erhalten soll. Frei, wovon? Frei, wozu? Das sind die Fragen, die beanwortet werden müssten, statt einfach nur das Schlagwort zu brüllen.
Energie hat eine befreiende Wirkung. Energie, wie sie aus Wind, Sonnenlicht, Gas, Kohle, Öl, Uran, oder auch einfach nur Holz, gewonnen werden kann, ersetzt, richtig angewandt, menschliche und tierische Arbeitskraft. Sie ersetzt die biologische Kraft nicht nur, sie übertrifft sie leicht um ein Vielfaches und lässt sich für jeden Bedarfsfall perfekt skalieren.
Der zweifellos vorhandener Nutzen einer technischen Energieversorgung darf allerdings nicht als „Brutto-Nutzen“ für sich alleine betrachtet werden. Ihm müssen alle Aufwände und Schäden gegenübergestellt werden, die entstehen, um die nutzbare Energie aus den fossilen oder erneuerbaren Quellen zu gewinnen und ihre Verteilung und permanente, bedarfsabhängige Verfügbarkeit herzustellen.
Hierbei handelt es sich letztlich um die Gesamtkosten der Energienutzung. Denn es ist vollkommen korrekt: Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Ebenso korrekt ist allerdings auch, dass weder Kohle, noch Öl, noch Gas, noch Uran eine Rechnung schicken.
Das ist die erste Lüge – formuliert als Halbwahrheit – im Hexenbuch der Anhänger so genannter „erneuerbarer“ Energien.
Diese Lüge lässt sich relativ leicht erkennen, wenn man die Strompreisentwicklung Deutschlands und die installierte Leistung so genannter „Erneuerbarer“ auf eine Zeitachse aufträgt. Die Strompreise sinken nicht, mit dem Ausbau der Erneuerbaren, sie steigen – und sie bewegen sich immer weiter weg von den Strompreisen in anderen Ländern mit weniger ambitionierten Vorstellungen einer CO2-freien Energieversorgung. Dies ist keine Korrelation, dies ist eine klar nachweisbare Kausalität, in der die Notwendigkeit, für jede Kilowattstunde möglicher Leistung aus Wind und Sonne eine weitere Kilowattstunde möglicher Leistung in konventionellen Kraftwerken vorhalten zu müssen, die – mit minimaler Kapazitätsauslastung übers Jahr gesehen – immer, und nur dann, einspringen, wenn Wind und Sonne nicht, bzw. zu wenig liefern, zum Ausdruck kommt. Über den dicken Daumen gepeilt heißt das ganz einfach: Doppelte Investionen in Erzeugungsanlagen bei gleich bleibender Leistungsabnahme ergibt doppelte Kosten.
Dass man die Backup-Kraftwerke eines Tages nicht mehr brauchen wird, weil es dann Großspeicher geben wird und auch Wasserstoff, sowohl als Speichermedium als auch als direkt nutzbarer Energieträger zur Verfügung stünden, ist die zweite Lüge aus dem gleichen Hexenbuch.
Die Doppel-Investition in Kraftwerke wird dann eben durch die Doppelinvestition in die Speicher- und Wasserstoff-Technologie abgelöst, die – heute auf jeden Fall, und in absehbarer Zukunft höchstwahrscheinlich auch – noch einmal teurer sein wird als einfach nur bei den sowieso schon teuren Backup-Kraftwerken zu bleiben.
Sollte es tatsächlich gelingen, über Speichertechnologien eine kontinuierliche, bedarfsorientierte Stromversorgung rein aus Erneuerbaren herzustellen und die Netze entsprechend zu ertüchtigen, was ich persönlich – zumindest für die 20 Jahre bis 2045 für ausgeschlossen halte, dann ist das immer noch nur die Versorgung mit Elektrizität. Die macht heute nur etwa ein Fünftel des Primärenergieverbrauchs aus.
Das ist die dritte Lüge aus dem Hexenbuch, ebenfalls in Form einer – noch nicht einmal Halb – Wahrheit dargeboten. Es ist schlicht nicht möglich, alleine aus den Erneuerbaren, also aus deutschem Wind, deutscher Sonne, deutscher Wasserkraft und deutschem Biogas, den Primärenergiebedarf Deutschlands zu decken. Dazu fehlt uns die Fläche, dazu fehlt uns der Sonnenschein, dazu fehlt uns der Wind, dazu fehlen uns nutzbare Gefälle und Anbauflächen.
Der Ausweg, Wasserstoff zu importieren, aus Weltgegenden mit sehr viel Sonnenschein, zum Beispiel aus der Sahara, klingt ja ganz prima. Schön wäre es, wenn es in der Sahara neben dem Sonnenschein auch das benötigte Wasser gäbe. Natürlich kann man Meerwasser über Pipelines heranführen, entsalzen und durch den Hydroliseur laufen lassen. Macht ja nichts, kostet ja nur Geld. Wie lange die Solarzellen halten, wenn sich erst einmal der Sahara-Staub abgelagert hat oder ein Sandsturm scharfkantige Körner darüber gejagt hat, weiß man ja auch nicht so genau, es wird sich aber sicherlich mit Geld lösen lassen. Dann aber ist es Freiheitsenergie.
Freiheitsenergie? Weil wir nicht mehr abhängig sind von Russland, von den Golfstaaten, nicht einmal mehr von US-Fracking-Gas? Das ist die vierte Lüge aus dem Hexenbuch. Die grundsätzliche Abhängigkeit bleibt. Aber von wem sind wir dann abhängig? Von den lupenrein demokratischen Herrschern, ob in Ägypten, Algerien, Libyen, Mali, Mauretanien, Marokko, Niger oder im Sudan, im Tschad und in Tunesien? Muss man sich halt einen oder zwei aussuchen, nicht wahr.
Freiheitsenergie? Weil wir CO2-frei sind?
Das ist die fünfte Lüge aus dem Hexenbuch. Am CO2-Gehalt der Luft in München, Hamburg, Berlin oder Saarbrücken wird sich nichts ändern. Auch nicht am CO2-Gehalt der Luft in San Franzisko, in Kairo, in Moskau, in Peking – noch nicht einmal am CO2-Gehalt der Luft, die am Mauna Loa Observatorium auf Hawaii gemessen wird, wird sich etwas ändern. Ja – wenn wir ganz alleine auf der Welt wären …, aber dann wären wir trotzdem immer noch zu wenig, um einen messbaren Einfluss zu nehmen.
Freiheitsindustrie? Weil wir bald industriefrei sind?
Das ist die sechste Lüge. Wir werden glücklich sein. Wir werden nie mehr arbeiten müssen, weil es keine Arbeit mehr gibt. Wir werden vom Bedingungslosen Grundeinkommen leben, dass jeden Monat wie Manna vom Himmel fällt. Weil die Mehrwertsteuer auf 100 Prozent erhöht worden ist (was genügt, um das BGE zu finanzieren) können wir uns aber kaum noch etwas leisten. Damit sind wir endlich auch frei vom Konsumzwang. Auch den Strom können wir uns nicht mehr leisten.
Manche raunen: „Man muss halt die Mehrwertsteuer auf 200 oder gleich auf 500 Prozent anheben, dann geht es uns wieder gut, mit dem BGE …“
Klimasekte im Endzeitrausch – schon nicht mehr ganz von dieser Welt.
Diese Zehntausend gehören zu den Millionen von NutzMenschen in dieser Bananenrepublik. Deren einzige Daseinsberechtigung ergibt sich durch ihren untertänigen Nutzen für die durch und durch korrupte Politik.