Kalkulation und Preisbildung
Erster Akt
Die Absicht jedes privatwirtschaftlich geführten Unternehmens ist es, in der Bilanz am Ende des Jahres einen Gewinn auszuweisen. Gelingt das nicht, ist Feuer am Dach.
Für den Verlust am Geschäftsjahresende gibt es eigentlich nur zwei Ursachen. Entweder haben sich die Kunden abgewandt, oder die tatsächlichen Kosten wurden nicht vollständig erfasst, bzw. in der Kalkulation nicht korrekt berücksichtigt.
Relativ einfach ist es da, wo anfallende Kosten einem bestimmten Produkt direkt zugerechnet werden können.
In einem kunststoffverarbeitenden Betrieb mit einigen Spritzmaschinen, die mit unterschiedlichen Formen (nennt man auch Werkzeuge) und unterschiedlichen Kunststoffarten unterschiedliche Teile für unterschiedliche Industriekunden hergestellt werden, sieht das z.B. so aus:
- Der Verbrauch an Kunststoffgranulat pro Stück lässt sich einfach ermitteln. Über den Einkaufspreis des Materials lassen sich die Materialkosten pro Stück errechnen.

- Der Lohn des Arbeiters an der Spritzmaschine hängt ebenfalls vom Produkt ab. Wenn bekannt ist, wieviel Stück eines bestimmten Produkts pro Stunde hergestellt werden, führt der Weg über den Stundenlohn des Arbeiters zum Lohnkostenanteil am Produkt.
- Die Kapitalkosten, also das, was als Abschreibung für die Maschine zu berücksichtigen ist, sind nur wenig komplizierter zu ermitteln. Man nimmt die abschreibungsfähigen Gestehungskosten der Maschine und schätzt die jährliche produktive Laufzeit in Stunden.
– Jährliche Abschreibung dividiert durch Nutzungsstunden ergibt den Stundensatz für die Maschine.
– Stundensatz dividiert durch produzierte Stück pro Stunde ergibt die dem Produkt zuzurechnende Abschreibung.
Erinnern Sie sich dazu bitte an die Ausführung im Kapitel 3 „Kapazitäten“: Hier ist besondere Sorgfalt geboten. Zu niedrig eingeschätzte Auslastung erhöht die kalkulierten Kosten pro Stück und führt u.U. zu nicht ganz marktgerechten Preisen. Zu hoch eingeschätzte Auslastung mindert die kalkulierten Kosten, was zu Verlusten führt, sollte die Auslastung nicht erreicht werden.
Solche direkt dem Produkt zuordenbaren Kosten nennt man „Einzelkosten“.
Schwieriger wird es bei jenen Kosten, die sich dem Produkt nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand direkt zurechnen lassen. Diese Kosten nennt der Kaufmann „Gemeinkosten“. Darunter fallen im Allgemeinen
- Raumkosten, inkl. Heizung, Beleuchtung, Reinigung, ggfs. Wachdienst
- Forschung und Entwicklung
- Buchhaltung, Einkauf, Vertrieb und allgemeine Verwaltung
- Meister und Springer in der Fertigung
- Fuhrpark (Dienstwagen, Gapelstapler)
- Hilfsstoffe der Fertigung, z.B. Schmiermittel, Brauchwasser, etc.

Diese Gemeinkosten werden über prozentuale Zuschlagssätze auf die Einzelkosten der Produkte aufgeschlagen. Man geht davon aus, dass ein Produkt mit niedrigen Einzelkosten auch nur einen niedrigen Betrag der Gemeinkosten verursacht, und umgekehrt.
Bildet man für alle Gemeinkosten nur einen einzigen Zuschlagssatz, dann ist in der Kalkulation zunächst festzustellen, wie hoch die Summe aller Gemeinkosten für den Planungszeitraum sein wird. Dabei sind die Aufzeichnungen aus der Vergangenheit die nützliche Basis. Geplante betriebliche Veränderungen, die sich auf die Gemeinkosten auswirken, sind dann ebenso zu berücksichtigen, wie die geplanten, bzw. erwarteten Preisveränderungen (Gehaltsanpassung in der Verwaltung, steigende Preise für Heizung und Strom, etc.).
Dem ist die Summe der Einzelkosten aller im Planungszeitraum zu produzierenden Produkte gegenüberzustellen. Man muss also abschätzen, wie viele Einheiten welcher Produkte hergestellt werden, um zu dieser Summe zu gelangen.
Liegt die Summe der Einzelkosten bei 10 Millionen Euro, die Summe der Gemeinkosten bei 5 Millionen Euro, ergibt sich ein Gemeinkostenzuschlag von 50 Prozent.
Die Ermittlung der kalkulatorischen Gesamtkosten verläuft nun für alle Produkte gleich. Einzelkosten + 50% Zuschlag = kalkulatorische Gesamtkosten.
Diese Kalkulationsmethode ist eine Vollkostenkalkulation und wird als „Zuschlagskalkulation“ bezeichnet.
Im zweiten Akt dieses Kapitels betrachten wir uns die Deckungsbeitragsrechnung und die Prinzipien der Preisbildung.
Anmerkung:
In der Praxis wird bei den Gemeinkostenzuschlägen oft stärker differenziert. Es gibt dann eigene Gemeinkostenzuschläge aufs Material (Materialgemeinkosten), mit denen Funktionen wie Warenannahme und Materiallager berücksichtigt werden, Gemeinkostenzuschläge auf den Lohn, so genannte Personalgemeinkosten, mit denen hautpsächlich die Personalabteilung berücksichtigt wird. Auf die Summe von Material, Personal und Kapitalkosten, die als Herstellkosten bezeichnet wird, werden dann erst Entwicklungs- und Verwaltungsgemeinkosten aufgeschlagen. Das Prinzip ist jedoch grundsätzlich das gleiche.
Auch heute haben wir neue Begriffe kennengelernt, die auch ins Glossar übernommen werden:
Einzelkosten
Alle jene Kosten, die einem Produkt in der Kalkulation direkt zugerechnet werden, nennt man Einzelkosten. Hauptsächlich handelt es sich dabei um die pro Stück anfallenden Materialien und Vorerzeugnisse von Zulieferern, Lohnkosten und zuordenbare Kapitalkosten aus den Nutzungszeiten von Maschinen und Anlagen.
Gemeinkosten
Alle jene im laufenden Geschäftsbetrieb über die Einzelkosten hinaus anfallenden Kosten. Gemeinkosten werden bei der Vollkostenkalkulation als prozentualer Zuschlagssatz auf die Einzelkosten berücksichtigt. Bei der Deckungsbeitragsrechnung wird über die Preisgestaltung der Betrag festgelegt, der pro Produkt zur Deckung der Gemeinkosten dienen soll.

