Sparen oder konsumieren, bauen oder mieten, kaufen oder leasen

Fragen, die sich im Leben mehrfach stellen, aber nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten sind. Man muss die Folgen kennen, um abwägen zu können, ob sie mit den eigenen Zielen in Einklang zu bringen sind. Gelegentlich sollte man aber auch die eigenen Ziele hinterfragen, ob sie mit dem Lebensstil in Einklang  zu bringen sind.

Sparen, wieviel, wofür, wie lange?

Sparen bedeutet Verzicht. Sparen ohne Verzicht ist nicht Sparen, sondern das Anlegen von Überschüssen.

Der Verzicht des Sparers ist der Verzicht auf Konsum im weitesten Sinne, und innerhalb des Konsums ist es häufig der Verzicht auf Qualität. Ich habe heute noch einen Kollegen in Erinnerung, der seinen norddeutschen Großvater mit den Worten zitierte: „Ich in nicht reich genug, um mir einen billigen Anzug leisten zu können.“ Das klingt paradox, ist es in gewissem Sinne auch, setzt es doch voraus, immerhin reich genug zu sein, um sich einen guten Anzug leisten zu können, doch der tiefere Sinn liegt darin, dass dieser Mann wusste, dass er den guten Anzug zehn, fünfzehn Jahre und länger tragen und darin immer noch eine gute Figur machen würde, während er in dieser Zeit  fünf, sechs oder noch mehr billige Anzüge verschleißen müsste, was im Endeffekt viel teurer kommt. Das ist Sparsamkeit durch Ausgabenoptimierung, aber immer noch nicht Sparen.

Sparen heißt: Verfügbares Geld nicht ausgeben, um ein Ziel zu erreichen. Der gleiche Vorgang, ohne Ziel, ist Geiz.

Das einfachste und zugleich wichtigste Ziel des Sparens ist es, ein Polster, einen Notgroschen zu schaffen, der es ermöglicht, eine unerwartet eintretende, finanziell prekäre Situation zu überstehen. Wie viel das sein muss, hängt sehr stark von den persönlichen Umständen ab, und von den persönlichen Umständen hängt es ab, was als prekäre Situation gewertet wird. Für den Geringverdiener mögen die bedrohlichsten Situationen darin bestehen, dass plötzlich der Kühlschrank ausfällt und ein neuer beschafft werden muss. Für den Freelancer kann die Notwendigkeit eines stationären Krankenhausaufenthalts, die ihn von seinen Aufträgen und damit von seinen gewohnten Einnahmen trennt, zum Problem werden. Der Kleinunternehmer mit seinem Handwerkerdienst muss immer damit rechnen, dass ihm sein Kleintransporter ob aus Altersgründen oder durch einen Unfall den Dienst versagt und Ersatz beschafft werden muss.

Alles Situationen, die mit einem kleinen Polster, ein paar hundert oder ein paar tausend, Euro zumindest provisorisch bewältigt werden können und die Zeit verschaffen, eine neue, dauerhafte Lösung zu gestalten. Größere Risiken lassen sich zumeist durch Versicherungen abdecken, doch auch das hat mit Sparen nichts zu tun.

Andere Ziele des Sparens finden wir im Ansparen für eine relativ teure Anschaffung. Kinder sparen Taschengeld für ein besonderes Spielzeug, Jugendliche sparen für das erste Moped, Erwachsene sparen für die Fernreise oder für die neue Küche oder für das neue Auto, einige auch für das Eigenkapital zum Hauskauf. Wir finden hier Zeithorizonte von einigen Monaten bis zu einigen Jahren.

Jahrzehntelanges Sparen findet sich im Ziel, im Alter besser versorgt zu sein als es mit der gesetzlichen Rente alleine möglich wäre.

Ob Sparen gut und richtig ist, hängt davon ab, ob der erwartete Nutzen des Sparens, dann, wenn es darum geht, das Ziel zu realisieren, auch eintreten wird. Beim Notgroschen besteht da das geringste Risiko, verbunden mit dem höchsten Nutzen. In vielen Fällen wird der Notgroschen mehrmals im Leben die Rettung sein was auch motiviert, ihn schnell wieder aufzufüllen. Außerdem geht es um relativ wenig Geld, ein bis zwei Monats-Netto-Einkommen sind genug und verwandeln eine potentiell holprige finanzielle Wegstrecke in eine Straße ohne Schlaglöcher.

Je ferner das Ziel, je länger angespart wird, desto mehr verwandelt sich das Sparen in ein Hochrisikospiel. Während sich der Sparer stur an seinen Sparplan hält, um das gesetzte Ziel zu erreichen, dreht sich die Welt  um diesen Sparer herum nämlich unerbittlich weiter. Hauptgegner des Sparers ist die Inflation. Wer also zwei Jahre lang monatlich 100 Euro spart, um sich mit den angesparten Euros, nebst Zinsen, das begehrte Moped aus dem Otto-Katalog zu kaufen, muss damit rechnen, dass das Objekt der Begierde, falls es denn überhaupt noch angeboten wird, so weit verteuert hat, dass das Angesparte nicht ausreicht. Natürlich kann man dann noch zwei, drei Monate weitersparen…

Wenn es beim Moped nur um die Gaudi geht, mag das angehen. Wenn das Moped genutzt werden soll, um sich die Kosten für das Nahverkehrsticket zu sparen, zumindest immer dann, wenn nicht gerade gröbstes Sauwetter herrscht, sieht das schon ganz anders aus.  Nehmen wir nur das Deutschland Ticket. Kostet derzeit 63 Euro pro Monat. Nehmen wir an, dass mit Moped übers Jahr gesehen nur 200 Euro für Einzelfahrkarten anfallen, dann sind über 24 Monate immerhin rund 1.100 Euro gespart. Der Ratenkredit bei der örtlichen Sparkasse kostet selbst bei geringer Bonität und 10% eff. Jahrezins nur 115 Euro pro Monat – und nach 24 Monaten ist das Ding abbezahlt. Wir haben also, wenn Versicherung und Betriebskosten erst einmal außer Betracht bleiben, 2.760 Euro an die Sparkasse bezahlt aber gleichzeitig 1.100 Euro Fahrtkosten gespart. Unter dem Strich hat das Moped also nur 1.160 Euro gekostet, statt 2.400 – und, dass das Gerät nach zwei Jahren des Sparens für 2.400 Euro nicht mehr zu haben sein wird, sondern 2.600 Euro kostet, wird durch die 100 Euro Zinsen aufs Sparbuch auch nicht kompensiert.

Beim Immobilienerwerb, gleich ob Kauf oder Neubau, finden sich vergleichbare Verhältnisse. Ganz ohne Eigenkapital spielt die Bank hier allerdings selten mit, aber die Frage, ob es sich lohnt, fünf Jahre länger anzusparen, um später niedrigere Kreditraten zahlen zu müssen, muss wirklich gut durchgerechnet werden. Das sind immerhin nicht nur 5 Jahre lang monatlich 500 Euro, also in Summe 30.000 Euro, die Verzicht erfordern, es ist auch fünf Jahre länger Miete zu entrichten, und das macht mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal deutlich mehr als 30.000 Euro aus, sondern, je nach Lage  und Zustand der Wohnung, eher 40 oder 50.000 Euro. Da lohnt es sich wirklich, mit spitzem Stift zu rechnen – und wenn ein „Unentschieden“ herauskommen sollte, sind es immer noch die zu erwartenden Mietsteigerungen, die den Ausschlag geben können. Das ist es aber nicht alleine. Es ist ein Unterschied, ob man die eigene Immobilie mit 40 oder mit 45 Jahren bezieht. Nämlich der Unterschied, dass man die Immobilie selbst fünf Jahre länger nutzen kann, egal ob man mit 68 oder erst mit 89 den Löffel abgibt.

Besonders brutal wirkt die Inflation beim Ansparen für die Alterssicherung. Banken- und Versicherungen, die Rentensparpläne oder kapitalgedeckte Lebensversicherungen anbieten, garantieren zwar eine relativ hohe Sicherheit der Geldanlage, dafür aber auch nur recht mickrige (Garantie-) Zinsen. Dabei zahlen Sie zwanzig, dreißig, vierzig Jahre lang ein, ohne während dieser Zeit auch nur den geringsten Nutzen von Ihrer Anlage zu haben, und wenn es dann zur Auszahlung kommt, hat die Kaufkraft des Geldes, das man Ihnen zurückgibt nichts mehr mit der Kaufkraft jenes Geldes zu tun, das Sie aufgewendet haben. Geld ist nun mal eine sehr problematische Angelegenheit, wenn es um die „Wertaufbewahrung“ über lange Zeit geht. Sehr viel besser sieht es  da bei langlebigen Sachwerten aus. Edelmetalle kompensieren über ihren Preisanstieg die Inflation, zumindest teilweise. Dass Gold oder Silber gegenüber einer inflationierenden Währung an Kaufkraft verlieren ist praktisch ausgeschlossen. Noch besser sind langlebige, werthaltige Sachen, wenn aus ihnen ab dem Erwerb ein permanenter Nutzen entsteht. Die selbstgenutzte Immobilie hat ihren Wohnwert, der ihr nicht genommen werden kann (Pflege und Instandhaltung vorausgesetzt). Sie nimmt die Kosten für das Wohnen aus der allgemeinen Inflation heraus, schon während noch abgezahlt wird, und erst recht, wenn keine Finanzierungskosten mehr anfallen. Selbst ein einfaches, unbebautes Grundstück, ob Acker, Wald oder schon Bauerwartungsland, verliert seinen inneren Wert unter normalen Umständen nicht  und hält damit Ihre Kaufkraft stabil, egal wie die Währung inflationiert.

Es liegt schon bei der nur individuellen Betrachtung der Vor- und Nachteile des Sparens von Geld gegenüber der vorgezogenen, kreditfinanzierten Nutzung eines Wirtschaftsgutes, wie auch der Anlage in langlebigen, werthaltigen Sachen, klar auf der Hand, dass – bis auf den unverzichtbaren Notgroschen – das Sparen von Geld deutlich ins Hintertreffen geraten kann, also im Einzelfall wirklich vorher genau gerechnet werden sollte.

Es ist jedoch noch ein zweites Feld zu betrachten, nämlich das der volkswirtschaftlichen Wirkung des Sparens.

Sie erinnern sich an das Eingangsstatement zu diesen Ausführungen: Sparen bedeutet Verzicht. Sparen ohne Verzicht ist nicht Sparen, sondern das Anlegen von Überschüssen.

Nennen wir das Kind beim Namen. Sparen ist Konsumverzicht. Ein gewisses Maß an Spar- und Entsparvorgängen, die sich ungefähr die Waage halten, aber über die Zeit zu einem recht stabilen Sockel an Bankeinlagen führen, ist gut, richtig und vernünftig. Wächst die Sparneigung jedoch über das gesunde Maß hinaus, gehen die Umsätze der Wirtschaft zwangsläufig zurück. Dies führt zu allen negativen Folgen von Gewinnrückgang, Beschäftigungsrückgang, Investitionszurückhaltung, Insolvenzen, und so weiter. Den wachsenden Sparguthaben steht eine sinkende Investitionsneigung gegenüber, das Geld findet im Markt der Realwirtschaft keine rentablen Anlagemöglichkeiten. Alles entwickelt sich langsam aber stetig in Richtung Depression, insbesonder dann, wenn die Konsumenten aufgrund unsicherer Zukunftsaussichten beginnen, noch mehr zu sparen.

Die Frage „Bauen oder mieten“ aus der Überschrift ist mit den bisherigen Ausführungen im Grunde bereits beantwortet. Bauen heißt Doppelbelastung in der Investitions- und Finanzierungsphase, danach die weitgehende Entlastung von den Kosten des Wohnens. Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen immer wieder den Standort wechseln, werden sich mit dieser Frage nicht lange aufhalten. Mieten, was denn sonst? Aber warum sollten die nicht das tun, was der sesshaftere Häuslebauer oder Wohnungskäufer auch tut? Der Effekt, dass ein werthaltiges, nicht inflationsgefährdetes Wohneigentum nach Abzahlung der Kredite praktisch mietfreies Wohnen (im Alter) ermöglicht, unterscheidet sich kaum von dem Effekt, dass der Mieter ihres werthaltigen, nicht inflationsgefährdeten, vermieteten Wohneigentums praktisch für die Miete der von Ihnen genutzten Mietwohnung aufkommt.

Kaufen oder leasen? Hier liegen die Dinge nicht so einfach. Am Flughafen ein Leasingfahrzeug für ein paar Tage zu übernehmen ist in der Regel die Lösung des Mobilitätsproblems vor Ort. Als Unternehmer steuerliche Vorteile durch Leasingmodelle zu nutzen, ist in der Regel nicht verkehrt, obwohl der Leasinggeber auch mit diesem Modell in erster Linie Geld verdienen will, dass der Leasingnehmer aufzubringen hat.

Privatleasing hat zwei Vorteile: Erstens sehen die Leasingraten so aus, dass man sie sich (gerade noch) leisten kann. Zweitens kümmert sich der Leasinggeber um so ziemlich alles, was im Zusammenhang mit dem Leasinggegenstand an bürokratischem Aufwand verbunden ist. Die Nachteile: Am Ende der Leasingfrist ist das „Ding“ wieder weg, unter Umständen verbunden mit einer satten Schlusszahlung, und – während der Nutzungszeit bestehen besondere Sorgfaltspflichten, weil der Leasinggeber jeden Kratzer noch extra in Rechnung stellt.

Wer die Zeit hat, mit dem Vertragshändler über den Preis und mit der Bank über die Kreditkonditionen  zu verhandeln, auch nicht davor zurückscheut sich die günstigste Versicherung zu suchen und das Auto ggfs. auch noch selbst anzumelden, fährt in der Regel günstiger.