Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.

„Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.“

Dieser Satz stammt aus einem Bekennerschreiben jener Terroristen, die nun wieder einmal das Stromnetz angegriffen haben.

Dieser Satz steht in krassem Kontrast zu den Aussagen vieler Politiker, die unter dem Strich behaupten:

„Wir können uns den Sozialstaat – also die Armen – nicht mehr leisten.“

Beide Aussagen sind gut geeignet, die Spaltung der Bevölkerung zu vertiefen.

Beide Aussagen transportieren eine symptombezogene Wahrheit und lösen zugleich Handlungsimpulse aus, die nur noch tiefer ins Verderben führen.

Ein Mitglied der Partei „Die Linke“ hat auf einem Strategietreffen seiner Partei geäußert: „… auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen…“

Der Aufschrei der Empörung, der dem folgte, verdeckte leider den Kern der Erkenntnis dieses Mannes. Der sah nämlich offenbar deutlich, dass mit der Vernichtung der Reichen, auch wenn es nur die Enteignung sein sollte, noch gar nichts gewonnen wäre und wollte offenbar ein Nachdenken darüber anregen, wie das Streben nach Gerechtigkeit vernünftigerweise in die Wege geleitet werden sollte. 

Bernd Riexinger, seinerzeit Parteivorsitzender der LINKEn, hat diesen Beitrag mit seiner Replik aus der Diskussion geschossen, indem er sagte: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein.“

Ich weiß nicht, ob sich Herr Riexinger nach diesem Spruch vor Ärger über sich selbst in den Hintern gebissen hat, oder ob er nach wie vor überzeugt ist, das Richtige gesagt zu haben. Jedenfalls hat er sich, als er das sagte, mit den Leuten der Vulkan-Gruppen auf eine Stufe gestellt.

Natürlich gibt es das Argument, Leute in „nützliche Arbeit“ bringen zu wollen, auch auf der anderen Seite. Die Stimmen, die fordern, dass wir alle mehr arbeiten, dass aber vor allem erwerbsfähige Personen im Bürgergeld-/Grundsicherungsbezug in Arbeit gebracht werden müssten, reißen ja nicht ab.

Erkennen Sie die Übereinstimmung?

Reiche und Linke sind gleichermaßen überzeugt, dass es in diesem, unseren Lande, noch viel nützliche Arbeit gäbe, die nicht getan wird.

Nur in der Frage, wer diese Arbeit tun solle, gehen die Meinungen weit auseinander.

Erinnern wir uns. Warren Buffet, einer von den ziemlich Reichen (geschätzt 147 Milliarden Dollar), sagte 2006 in einem Interview mit der New York Times: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ 

Das stachelt natürlich auf und bestätigt alle diejenigen, die ihre Klassenkampfparole verinnerlicht haben, die da lautet: „Weil du reich bist. bin ich arm.“

Der Irrtum der Linken besteht nun aber darin, überzeugt zu sein, man müsse nur die Reichen entmachten, enteignen, zur Arbeit zwingen oder gleich erschießen, und schon wäre das Paradies auf Erden geschaffen.

Dies ist ein klassisches Beispiel für jene kognitive Verzerrung, die  von den Psychologen David Dunning und Justin Kruger 1999 wissenschaftlich beschrieben wurde und inzwischen als das „Dunning-Kruger-Syndrom“ allgemein bekannt geworden ist. Auf den Punkt gebracht: Menschen mit geringer Kompetenz (Dumme) überschätzen regelmäßig ihre Fähigkeiten, weil es ihnen nicht möglich ist, ihre eigenen Defizite zu erkennen und die Kompetenz anderer zu beurteilen.

Nun haben die Terroristen der Vulkan-Gruppe zwar mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie im Bereich der Sabotage von Stromleitungen über hohe Kompetenz verfügen, auch die Tatsache, dass sie seit 14 Jahren Sabotage-Akte ausführen und noch immer nicht verhaftet wurden, beweist eine hohe Kompetenz, die sie womöglich befähigen würde, von Geheimdiensten für operative Aktionen eingesetzt zu werden, doch in beiden Fällen handelt es sich um das, was man früher als „brotlose Künste“ bezeichnete. Fähigkeiten, die nichts einbringen, nicht einmal das Nötigste für den Lebensunterhalt. 

Was haben sie denn geschafft, in ihrem Kampf gegen die Reichen?

Um die 100.000 Berliner dürfen erleben, was es heißt, im Winter ohne Strom und ohne Heizung ihre Häuser und Wohnungen verlassen zu müssen um irgendwo, wo es Strom und Wärme gibt, Unterschlupf zu finden, während die Kälte in die Häuser kriecht, Wasserleitungen einfrieren und bersten lässt und wegen des Ausfalls des zentralen Abwasser-Hebewerks eine übelriechende Fäkalienbrühe die Keller überschwemmt. Wirklich Reiche dürften dabei die geringste Unbill erlitten haben. Die haben Rückzugsmöglichkeiten, von denen die auf Feldbetten in Turnhallen Untergebrachten nur träumen können, und sollte es in ihren Anwesen Schäden geben, zahlt die Versicherung – und das sogar gerne, weil man den Kunden zu schätzen weiß und nicht verlieren will.

Dunning-Kruger. Maßlose Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, an den von ihnen beklagten Zuständen durch Sabotage etwas ändern zu können, nur weil sie wissen, wo Hochspannungsleitungen verlaufen, wo es ungeschützte Bereiche gibt, wie man an diese herankommt, um die Leitung kurzzuschließen und unerkannt zu verschwinden. Brotlose Künste!

Da können in den Bekennerschreiben noch so hehre Ziele benannt werden. Wenn man sie mit seinen Mitteln und Methoden nicht erreichen kann, outet man sich damit nur als der Idiot, der man ist.

Selbst wenn man unterstellt, dass die Angehörigen der terroristischen Gruppe über alle Fähigkeiten verfügten, die es ihnen ermöglichen würden, ein Hochspannungsnetz einer Großstadt zu konzipieren, zu berechnen und errichten zu lassen, dass sie also auch mit konstruktiven Beiträgen ihren Lebensunterhalt erwirtschaften könnten, dass ihr Hass auf die Gesellschaft also darin begründet ist, dass man sie das, was sie können, nicht tun lässt, ist dies keine Rechtfertigung für Sabotage-Akte. Die Welt braucht nur einen Papst, Deutschland nur einen Bundeskanzler und die Berliner Stromversorger brauchen nur die Belegschaft, die bereits unter Vertrag steht.

An dieser Stelle bietet es sich an, wieder die andere Seite der Auseinandersetzung in den Blick zu nehmen. Rund drei Millionen Arbeitslose in einer Gesamtzahl von rund 6 Millionen Unterbeschäftigten und insgesamt 17 Millionen an oder schon unter der Armutsgrenze, das sind die Ressourcen der Sozial- und Wirtschaftspolitiker, wenn es einerseits um die Gestaltung des wirtschaftlichen Aufschwungs und andererseits um die Bezahlbarkeit der Sozialversicherungen geht.

Nimmt man die Klagen über den Fachkräftemangel ernst, selbst wenn man dies als Argument für die Aufnahme weiterer Migranten ablehnt, läuft das doch nach den Regeln einfachster Arithmetik doch wieder darauf hinaus, dass sich in dem verfügbaren Arbeitskräftepotential niemand befindet, der den Anforderungen gerecht wird, während die Jobs, die den Qualifikationsprofilen entsprechen, bereits besetzt sind. Ein Papst, ein Bundeskanzler, ein Supermarktleiter.

Hier laut zur Arbeit aufzufordern und mit Grundsicherungszwangsmaßnahmen zur Arbeitsaufnahme zu bewegen, ist geradezu hirnrissig, wenn klar ist, dass es die Arbeitsplätze nicht gibt, sonst wären sie nämlich besetzt.

Daneben noch eine Rechnung aufzumachen, dass die Erwerbsfähigen, die nicht arbeiten, dies aus guten Gründen tun, weil ihr Einkommen aus den Sozialtöpfen ohne Arbeit nicht, oder nur geringfügig unter einem Einkommen mit Arbeit liegt, ist eine Pseudo-Diskussion, die doch nur bestätigt, dass es die Arbeitsplätze, die benötigt würden, nicht gibt, sondern nur solche, die nicht mehr an Einkommen ermöglichen als die Grundsicherung.

Die Idee, die Grundsicherungsleistungen zu kürzen, mag verlockend sein, hätte aber verheerende Folgen für 6 Millionen Grundsicherungsbezieher, denn da dürfte man nicht kleckern, da müsste man klotzen, also den Regelsatz für den alleinstehenden Erwachsenen zum Beispiel von 563 auf 363 Euro kürzen, wenn überhaupt eine Wirkung erzielt werden soll. Ob dann allerdings die hochwertigen Arbeitsplätze geschaffen würden, die ein  monatliches Netto-Gehalt von 563 Euro einbringen, muss bezweifelt werden. 

Schließlich hängt die Schaffung von Arbeitsplätzen vom Verhalten der „Reichen“ ab. Das sieht der Dunning-Kruger-Linke aber nicht. Die Organisation der Wirtschaft ist Sache von Menschen, die über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Darauf kommt es an. Das Kapital alleine würde nichts bewirken.

Die Fähigkeit, den Abzug einer Handfeuerwaffe zu bedienen und einen Reichen zu erschießen, könnte es zwar möglich machen, das Bar- und Privatvermögen des Reichen zu konfiszieren und unter die Armen zu verteilen, das Produktivvermögen wäre jedoch über kurz oder lang zum Untergang verurteilt. Man muss ein Unternehmen leiten können, um es rentabel zu machen. Egal, ob es sich um einen Großkonzern, einen Mittelständler oder einen Handwerksbetrieb handelt.

Der Linke ist erst einmal der Überzeugung, das könne doch jeder. David Dunning und Justin Kruger lassen grüßen.

Dass es sich ähnlich verhält, wie bei der CO2-Konzentration in der Atmosphäre, dass erst die Erwärmung kommen muss, bevor die Ozeane CO2 an die Atmosphäre abgeben, und dass erst die Idee, das Können, das Organisationsvermögen entstehen muss, bevor sich Kapital ansammelt, bzw. vermehrt, auch, dass die CO2 Konzentration sinkt, wenn es kälter wird, und das Kapital schwindet, wenn Unfähige Unternehmen leiten, das will nicht in den linken Schädel hinein.

Dass das gleiche Ergebnis erzielt wird, wenn Unfähige den staatlichen Rahmen zu Ungunsten der Wirtschaft verändern, und sei es nur, um das CO2 trotz gestiegener Temperaturen wieder in die Ozeane zurückzwingen zu wollen, kapiert der linke Schädel ebensowenig, wie er kapiert, dass Sozialsysteme von der Wirtschaft finanziert werden, und dass auch die gutmenschlichste Absicht, Millionen von „Flüchtlingen“ zu versorgen, die Wirtschaft über die Kosten der Sozialsysteme ruinieren wird, entweder früher oder – wenn der Staat sich dafür verschuldet – eben später.

Lenin, Stalin, Chrutschow, Mao, Pol Pot, Castro – alle haben es versucht, sich derjenigen, die es konnten, zu entledigen, nicht selten durch Erschießen. Dass es mit der Umverteilung der Vermögen zu einem Aufschwung und blühenden Landschaften gekommen wäre, ist nicht überliefert. 

Wir werden in Deutschland erleben, dass weder die aus wirtschaftsfeindlicher Politik entstandene Deindustrialisierung noch alle noch folgenden Anschläge auf die Infrastruktur und auch der erbitterte Kampf der Linken gegen rechts nur eine Wirkung zeigen werden: Die Beschleunigung des wirtschaftlichen Niedergangs.

Eine Gesellschaft funktioniert nur, wenn die Abstufungen in Können und Fähigkeiten sich auch im sozialen Status niederschlagen und wenn sich auf jeder Stufe des sozialen Gefüges eine überwiegende Zufriedenheit mit der jeweils eigenen Situation einstellt. Vertikale Durchlässigkeit ist durchaus eine gute Sache, und wo sie auf Können und Leistung beruht muss man den Aufsteigern gratulieren.

Wer aber vergisst oder verleugnet, dass die Luft nach oben immer dünner wird, wer annimmt, ein Volk, ausschließlich aus Akademikern aller Fakultäten bestehend, könne überleben, ohne dass jemand noch den Dreck wegmacht, ohne dass jemand die Pakete ausliefert, ohne dass jemand in der Gastronomie Speisen und Getränke serviert, ohne dass jemand noch Dachstühle zimmert oder am Band in der Automoblifabrik täglich die gleichen Handgriffe ausführt, ist ein Idiot.

Auch als Amerika noch als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten galt und der Spruch „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ Hochkonjunktur hatte, blieben Millionen von Tellerwäschern Tellerwäscher, und nicht wenige davon waren froh, mit ihren begrenzten Fähigkeiten wenigstens ihre dreißig oder vierzig Dollar pro Woche zu verdienen.

Linke Gleichmacherei verändert das System nicht, sie zerstört seine Grundlagen.

Wenn versucht wird, linke Gleichheitsträume mit Sabotage-Akten zu realisieren, werden nicht nur die Grundlagen des sozialen Systems und der gesellschaftlichen Ordnung zerstört, sondern auch noch die materiellen Grundlagen des Lebens selbst. Dagegen muss (endlich!) konsequent und mit hohem Fahndungsdruck vorgegangen werden.

Wo sich hingegen offene oder klammheimliche Sympathie für diese Vulkanier zeigt, muss dies als Indiz für ein manifestes Dunning-Kruger-Syndrom gewertet werden. Da dies häufig in Verbindung mit Peters Principle auftritt, muss die Ursache primär in den Spitzenpositionen gesucht werden, denn da läge eigentlich die Verantwortung und die vom Souverän übertragene Macht, solche Auswüchse zu unterbinden.