Wg.: „Kleine Leute“

Gestern habe ich mein kleines Büchlein erstmals angekündigt.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit BoD hatte ich damit gerechnet, dass der Titel frühestens in  zwei Wochen lieferbar sein wird. Nun bekomme ich heute die Mitteilung: Das Buch kann ab sofort bestellt werden.

Nachdem ich schon erlebt habe, dass es von der Einreichung der Druckdateien bis zum Erscheinen durchaus auch 6 Wochen dauern kann, war ich doch sehr überrascht. Einerseits durchaus erfreut, andererseits mit dem Wissen im Hinterkopf, dass da wohl derzeit große Flaute herrscht im Selfpublishing-Geschäft bei BoD.

Dazu muss man wissen, dass BoD ja nicht nur direkt für Autoren arbeitet, sondern auch sehr viele Druckaufträge für Verlage ausführt, und dass die Verlagslieferungen eher mit höherer Priorität beliefert werden, kann man sich denken. Sicherlich spielen da auch saisonale Ursachen mit. Der Leseherbst und das Weihnachtsgeschäft sind bewältigt, da lässt der Druck schon mal nach, aber trotzdem sieht es so aus, als warte man dringend auf neue Aufträge. Auch ein Zeichen der Krise?

Ich will das zum Anlass nehmen, am Beispiel des aktuellen Büchleins mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, wie das mit dem Bücherschreiben bei mir so läuft.

Es ist über die Jahre, die ich im Internet veröffentliche, immer wieder vorgekommen, dass mich jemand gefragt hat, was er denn am besten mit seinem Geld anfangen soll, wie ich die Lage einschätze, wo es am sichersten aufgehoben ist, wo es die beste Rendite gibt, ob ich von einer speziellen Verwendung abrate oder nicht, und so weiter. Ich habe jeweils nach bestem Wissen geantwortet. Mit der Zeit hat sich allerdings der Gedanke verdichtet, aus diesen Einzelfallempfehlungen einen eher allgemein nützlichen Ratgeber zu schreiben. Das habe ich dann doch gelassen. Ratgeber für Geldanlagen gibt es wie Sand am Meer, etliches davon im Abonnement mit regelmäßigen Empfehlungen zu Aktien und Edelmetallen, gerne verbunden mit Steuertipps, da wollte ich nicht auch noch mitschwimmen.

Als  sich – gerade im letzten Jahr – noch einmal abzeichnete, dass es mit der deutschen Wirtschaft immer schneller abwärts geht, dass die Insolvenzen sich auf Rekordniveau bewegen, Großunternehmen gleich tausende von Mitarbeitern auf einmal abbauen, bewegte mich auch der Gedanke: Was machen diese Menschen jetzt, die plötzlich vor dem Nichts stehen, bzw. ins Bürgergeld (jetzt Grundsicherung) rutschen und dann auch feststellen müssen, dass die Inflation, gerade bei allem, was zur Deckung der Grundbedürfnisse gebraucht wird, unbarmherzig zuschlägt.

Könnte ich denen nicht helfen, sich auf solche Krisen vorzubereiten, damit sie diese bestmöglich überstehen? Da hat sich dann schon im Hinterkopf einiges zusammengefunden, was hilfreich wäre, aber der Impuls, dieses Projekt tatsächlich in Angriff zu nehmen, fehlte noch.

Dann aber ging es Schlag auf Schlag.

Freitag, 9. Januar 2026

Ich erhalte einen personalisierten Newsletter von BoD, der mit diesen Sätzen begonnen hat:

Mit Expertenwissen erfolgreich Ratgeber schreiben

Moin Egon W.,

herzlichen Glückwunsch! Du hast bereits erfolgreich ein Fach- oder Sachbuch bei uns veröffentlicht und gehörst damit zu den unzähligen Expert*innen, die sich im Laufe ihrer Karriere bereits einmal oder sogar mehrmals für eine Buchveröffentlichung bei BoD entschieden haben. 

Damit hast du nicht nur deine Erkenntnisse mit der Welt geteilt sondern auch dein umfangreiches Wissen dokumentiert und dich mit Fachkolleg*innen vernetzt. Doch du kannst dein Expertenwissen noch wirkungsvoller einsetzen:

Verwandle dein bestehendes Buch in einen praxisnahen Ratgeber

Dein Wissen ist zu wertvoll, um es nicht zu teilen und damit eine noch breitere Zielgruppe zu erreichen.

Du hast ja bereits ein Manuskript mit all deinen wichtigen Erkenntnissen geschaffen. Die größte Arbeit hast du also bereits getan – mit wenig Aufwand kann daraus ein neues, stark nachgefragtes Buchformat entstehen.

Ich frage mich: „Worüber könnte ich denn einen Ratgeber schreiben?“, und dann war da diese Idee. Irgendwie Empfehlungen zur Vorbereitung auf eine wirtschaftliche Krise, speziell für die „kleinen Leute“.  Das hat dann wieder ein bisschen rumort im Kopf. Ja? Nein? Wieviel Arbeit wird das? Wird das auch jemand kaufen? Was muss drinstehen? Was braucht nicht drinstehen? Es darf nicht mehr als 10 Euro kosten. Wer genau gehört zur Zielgruppe? Und so weiter.

Samstag, 10. Januar 2026

Nach dem Mittagessen habe ich beschlossen, einfach anzufangen, um zu sehen, wie weit ich komme, und ob das Thema überhaupt ergiebig genug ist. Mit einer Stichwortsammlung habe ich angefangen, um überhaupt zu einer Struktur zu kommen. Dann habe ich begonnen zu tippen. Als Julie mir über die Schulter schaute und fragte: „Was schreibst du denn da?“, habe ich nur geantwortet: „Weiß noch nicht, ist ein Versuch“.

Sonntag, 11. Januar 2026

Der frisch begonnene Text hat mich wieder an die Tastatur gelockt. Beim Schreiben entwickelte sich die Gewissheit, dass es sich lohnt, dranzubleiben. Im Kopf versammelten sich die Ideen, was wie zu beschreiben sei, und drängten geradezu, niedergeschrieben zu werden. Ein paar Checklisten wären nicht schlecht, dachte ich mir, und machte mir Notizen, was da wie und  zu welcher Thematik aufzunehmen sei.  Ich war ziemlich weit gekommen mit der Schilderung der Entwicklung der Krise und der sich daraus ergebenden Herausforderungen.

Montag, 12. Januar 2026

 Ich war sicher, dass ich das Buch zu Ende schreiben werde. Damit war es jetzt höchste Zeit, auch im Buchformat weiter zu arbeiten. Das heißt Seitengröße festlegen, Seitenränder bestimmen, die endgültige Schriftart auswählen, die Gliederungsebenen definieren – und bei allem schauen, auf welche Seitenzahl diese Einstellungen hinauslaufen werden. Dann habe ich in dieser Formatierung weitergeschrieben und die ersten konkreten Empfehlungen formuliert.

Dienstag, 13. Januar 2026

Endlich gestehe ich Julie, dass ich wieder an einem Buch arbeite. „Es wird nur ein Büchlein“, sage ich, „ein Ratgeber für kleine Leute in der Krise. Nichts für Prepper, mit Vorräte anlegen und Überlebenstraining, nur wie man finanziell einigermaßen über die Runden kommt, wenn Jobverlust droht und gleichzeitig das Geld immer weniger wert wird.“

„Finde ich gut“, sagt Julie. Dann schreibe ich weiter, und Julie übernimmt stillschweigend Teile der Hausarbeiten, die sonst in meinen Aufgabenbereich fallen. Mir fällt ein, dass es hübsch wäre, ein paar Illustrationen in den Text einzufügen. Farbseiten werden im Digitaldruck maßlos teuer, also schwarz-weiß. Strichzeichnungen. Ich werfe die KI an und teste, was sich da so machen lässt. Ich finde Einstellungen, die mir gefallen. Behalte auch schon erste Bilder, die ich später einfügen werde.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Ich schreibe weiter, und wenn ich an einer Stelle zu der Überzeugung gelange, hier wäre ein Bildchen nicht schlecht, lasse ich mir von der KI Bilder zeichnen. Manchmal habe ich meine Vorstellungen so formuliert, dass sofort das Richtige kommt. Manchmal muss ich öfter erklären, was ich mir vorstelle und wie es aussehen soll. Am Abend lese ich mir erstmals alles am Stück durch, was bis dahin entstanden ist. Es entsteht so etwas wie ein Gesamteindruck, aus dem, was schon da ist und dem, was noch fehlt. Was noch fehlt wird dabei sehr deutlich.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Der Vormittag gehört dem Paukenschlag. Am Nachmittag arbeite ich konzentriert weiter. Komme schon mal irgendwie an ein Ende. Spüre aber, dass das noch nicht der Schlusspunkt gewesen sein kann.

Freitag, 16. Januar 2026

Ich drucke mir den Text zum ersten Mal vollständig aus und lese konzentriert, was ich geschrieben habe. Es gibt eine Reihe von Korrekturen. Nicht nur Tippfehler, auch Satzkonstruktionen, die etwas kompliziert anmuten, werden aufgelöst und neu zusammengebaut. An einigen Stellen merke ich, dass sich etwas noch ausführlicher erklären muss. An anderen Stellen streiche ich ganze Sätze weg, die ich nun, in der Gesamtschau, für überflüssig halte.

Damit durch, stürze ich mich auf den Titel. Das Buch hatte bis dahin ja noch keinen. Ich schreibe mir dann einen möglichen Titel nach dem anderen auf, wenn es da nicht mehr weitergeht, mache ich mit Stichworten weiter, die drin sein sollten, dann wieder kombiniere ich die ersten Entwürfe mit diesen Stichworten, es kommen Ideen für einen Untertitel. Ich bin noch nicht zufrieden.

Dann fallen mir die Checklisten wieder ein. Unkompliziert aber dennoch aussagefähig sollen sie sein. Die Leser sollen beim Ausfüllen von selbst auf Ideen kommen, was sie tun oder lassen oder ändern könnten. Am Ende sind es fünf geworden. Die müssen nun noch so gestaltet werden, dass sie in den Satzspiegel passen, also in den bedruckbaren Bereich auf der Seite, eine Bastelarbeit mit Schriftgrößen, Spaltenbreitungen, Textkürzungen. Endlich passt’s.

Zweiter Ausdruck, diesmal schon als Broschüre, also seitenrichtig, wie später im Buch. Zweite Lesung. Korrekturen im Ausdruck vermerken. Feierabend.

Samstag, 17. Januar 2026

Korrekturen vom Vorabend einarbeiten. Ging schnell. Jetzt muss der Titel her. Die alten Notizen noch mal durchgeschaut. Dann fällt der Groschen. Titel und Untertitel sind beschlossene Sache. Nächster Schritt, den Umschlag gestalten. Der Umschlag muss zum Titel passen, der Titel zum Inhalt, aber es ist der Titel, der die Zielgruppe ansprechen soll, so, dass die Leute das Buch kaufen, für die es geschrieben ist.

Ich schätze die Rückenbreite ab. Weiß ja nicht, wie dick das Papier ist, das beim Druck verwendet wird und beginne, den so genannten Standbogen einzurichten, also Rückseite, Rücken und Vorderseite auf einem Blatt, so wie es später gedruck wird. Ich habe eine grobe Vorstellung und fange einfach mal an. Hintergrundfarbe? Raumaufteilung? Titel – wohin? Schriftart? Man braucht ein Gefühl dafür, welche Schriftart zum Titel passt und zur Zielgruppe, ich habe mich für eine eher unauffällige, weiche Schrift entschieden. So ein Ratgeber braucht ein Titelbild. Soll ein bisschen die Stimmung wiedergeben, die Sorge vor einer ungewissen Zukunft. Die KI liefert Vorschläge. Dann fällt mir ein, dass der Ratgeber dafür sorgen soll, dass die Sorgen verschwinden. Also auf der Rückseite ein ähnliches, jedoch Wärme und Zuversicht ausstrahlendes Bild. Die meisten Leser blicken ja nach der Vorderseite sofort auf die Rückseite, um die Kurzbeschreibung zu lesen, da baut sich zwischen hinten und vorne eine Geschichte auf. Ich will die beiden Bilder auch optisch miteinander verbinden. Die Idee, sie mit einem breiten Streifen zu hinterlegen, der sich über beide Seiten und den Rücken durchzieht. Viel Experimentieren mit Breite und Farbe und Abbildungsgrößen. Irgendwie fügt es sich dann zusammen. Nur noch kleine Korrekturen, Zehntelmillimeterarbeit. Der freie Raum auf der Rückseite will noch mit Text gefüllt werden. Irgendwann bin ich zufrieden. Der Umschlag fällt aus dem Farbdrucker. Dann drucke ich auch den Text noch einmal, schneide die Seiten auf, packe den Buchblock in den Umschlag, lege das Ganze Julie auf den Tisch und sage: „Bitte lesen.“ Julie meint: „Das schaffe ich heute aber nicht mehr. Da brauche ich ja eine ganze Woche.“ Ich meine: „Du wirst doch wohl zum Lesen nicht länger brauchen als ich zum Schreiben.“

Sonntag, 18. Januar 2026

Ich schaue mir das Ganze noch einmal an. Achte auf die Interpunktion. Ich weiß, dass ich besonders mit Kommas sehr großzügig umgehe. Am späten Vormittag bringt mir Julie ihr „Exemplar“ zurück. Mit dem Inhalt ist sie einverstanden. Das wäre schon nützlich und gut beschrieben. Ein paar kleine Fehler, vor allem in der Formatierung hat sie noch gefunden. Ich bedanke mich, erledige die letzten Korrekturen, und fühle mich irgendwie erlöst. Fertig. Ein schönes Gefühl.

Es ist aber noch nicht fertig. Die Anmeldung des Titels bei BoD ist fällig. Eigentlich ein Klacks, aber weil auch noch die Daten für das VLB mitgeliefert werden müssen, mit Inhaltsbeschreibung, Autorenvita, Zielgruppenbeschreibung, Klassifizierung, Stichworte, usw., ist es doch auch aufwendig. Dann ist der Preis festzulegen. Ich stelle fest, dass BoD den eigenen Anteil wohl auch etwas erhöht hat. Kein Wunder. Papier ist teurer geworden, vieles ander auch. Muss wohl sein. Ich bleibe trotzdem mit dem Ladenpreis unter 10 Euro. Bleibt nicht viel für mich übrig. Wenn’s hochkommt, habe ich eine Woche lang in Vollzeit zum Mindestlohn gearbeitet. Egal.

Nach der Anmeldung bekomme ich die ISBN und den Barcode, die noch auf dem Umschlag untergebracht werden müssen. Den Platz hatte ich schon freigehalten. Ich bekomme aber auch die endgültigen Abmessungen des Buches, und weil da ein paar Millimeter Unterschied zu meiner Abschätzung der Rückenbreite aufgetreten sind, müssen sämliche einzelnen Elemente der Umschlaggestaltung noch einmal neu positioniert werden. Fieselarbeit. Glücklicherweise ist dadurch die Ausgewogenheit der Gestaltung nicht verloren gegangen.

Der Text und das Cover müssen nun in Druckdateien umgewandelt und auf den Server von BoD hochgeladen werden. Es folgt eine automatische Prüfung auf Einhaltung der Abmessung und Druckbarkeit von Text und Abbildungen. BoD spiegelt mir zurück, wie das Buch im Druck aussehen wird. Ich erteile Druckfreigabe und den Auftrag.

Montag, 19. Januar 2026

Ich bekomme ein paar E-Mails von BoD. Auftragsbestätigung, usw., die einmalige Einrichtungsgebühr für den Titel wird von meinem Konto abgebucht. Lieferbar innerhalb von 7 bis 14 Tagen. Geht ja schnell, denke ich mir. Muss ich morgen die erste Werbung dafür machen.

Dienstag, 20 Januar 2026

Ich veröffentliche eine erste Buchvorstellung auf meinem Blog und erhalte im Laufe des Tages einige freundliche Reaktionen. Einer schreibt mir sogar, dass er gleich zwei Exemplar bestellen will. „Gut“, sage ich zu mir selbst. wollen mal sehen, wie das anläuft. Werde am Wochenende noch einmal eine Ankündigung online stellen.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Das Buch ist erschienen und lieferbar.

Hier zu bestellen

gibt es aber auch im Buchhandel, bei Amazon und überhaupt überall