Weltmeisterschaften sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.
Wahrscheinlich ist meine deutsche Sicht ein bisschen verengt, und wahrscheinlich ist der Jubel der Spanier über das eine Tor im Endspiel immer noch ein Zeichen ungetrübter nationaler Glückseligkeit – das schale Gefühl, dass wir nur noch ein Remake früherer Weltmeisterschaften erlebt haben, ist geblieben.
Es ist ein bisschen wie bei „Kevin allein zu Haus“. Das war ein munterer Film für die ganze Familie, und weil die Geschichte und die Charaktere neu waren, kam dabei sogar ein bisschen Spannung auf. Alle vier weiteren Kevin-Filme kamen an das Ursprüngliche nicht mehr heran, man kannte sie eigentlich schon, ohne sie gesehen zu haben, und merkte die Absicht, bloß nichts zu verändern, nichts Neues mehr auf die Leinwand zu bringen, weil das, womit man die Kassen einmal gefüllt hatte, vermeintlich das war, was die Leute so und nicht anders immer wieder sehen wollten. Neue Kulissen halt, neue Nebenfiguren, ein bisschen opulenter – aber noch vorhersehbarer wie die ewige Wiederkehr des Murmeltiers.
Ich habe mir ingesamt nur drei Spiele angesehen.
Das erste davon war Deutschland gegen Paraguay.
Ich wollte sehen, wie Deutschland ausscheidet, und es ist mir gelungen. Dass ich mir so sicher war, dass die Nagelsmann Elf untergehen würde, war meiner Abneigung gegen den Bundestrainer geschuldet, über den ich schon 2023 dieses Urteil fällte:
| Tageskommentar vom 13. August 2023
(…) Ein Zeichen dafür, dass der Vorstand, insbesondere der Sportvorstand Hassan Salihamidzic, einst als Zögling von Uli Hoeness zum FCB gekommen, jedes Gefühl dafür verloren hatte, welchen Typus Trainer eine von den Erfolgen der Vergangenheit mit Selbstbewusstsein bis zum Stehkragen angefüllte Mannschaft braucht, um ihr Potential auszuspielen. Einer, der auf der Erfolgsleiter zwar weit, aber noch lange nicht bis ans oben gekommen war, und – selbst hungrig bis gierig – gekommen ist, die anderen anzutreiben, ist nicht der Mann, der einen Spieler, der die eigenen Stärken kennt und weiß, dass sie allemal ausreichen, um die Meisterschaft erneut einzufahren, mit der Taktik von Zuckerbrot und Peitsche noch motivieren könnte. Eher im Gegenteil. Julian Nagelsmann war nicht „Mia san mia fähig“. Als sich der Verein Ende März 2023 von ihm trennte, war eigentlich schon alles zu spät. (…) |
Das Resüme: Zwei Mannschaften, die sich bemühten. Eine koordiniert, die andere unsortiert.
Die zweite Begegnung, die ich gesehen habe, war Spanien gegen Frankreich.
Das Resüme: Zwei Mannschaften, die sich bemühten. Eine kontrolliert, die andere orientierungslos.
Gestern Abend das Endspiel, Spanien gegen Argentinien.
Was genau das war, weiß ich nicht. Es war in gewisser Weise einem Fußballspiel ähnlich. Der Ball wurde überwiegend mit dem Fuß oder mit dem Kopf gespielt. Auf beiden Seiten des Spielfelds war je ein Tor aufgebaut, aber diese Tore schienen lange nicht im Mittelpunkt des Interesses der Akteure zu stehen. Es wirkte eher so, als gäbe es Fleißkärtchen für die längste Ballbesitzphase. Darin waren die Spanier besser. Dass sie dann das Glück hatten, am Ende der ersten Hälfte der Verlängerung in Überzahl das Weltmeister-Tor zu schießen: geschenkt.
Das Resüme: Zwei Mannschaften, die sich bemühten.
Es wird in vier Jahren wieder eine Weltmeisterschaft geben. Die Vorfreude darauf gleicht jener auf die sechste Folge von „Kevin allein …“.
Vielleicht gibt es dann zwei Trinkpausen pro Halbzeit. Vielleicht darf jeder Staatschef jeder beteiligten Nation einmal als Publikums-Joker eingreifen und eine Schiedsrichter-Entscheidung annullieren. Wäre doch ganz im Sinne der sportlichen Fairness, nichtwahr?
Schreibt man den Trend jedoch fort, dann könnten die Weltmeisterschaften 2038 so aussehen, dass der Fußball nur noch in der Pause des Showprogramms in Form eines maximal 15-minütigen Elfmeterschießen stattfindet. Man gewöhnt sich an alles.
Mir aus den Herzen gesprochen. Ich habe nur 2 Spiele gesehen und das eine nur ab der 2.Halbzeit. Es war das Spiel, wo Deutschland rausflog. Das Endspiel wollte ich sehen, habe es auch versucht, war aber so langweilig, dass ich es bei der 1. Trinkpause vorzog, mich wieder meinem Rollenspiel zu widmen. Ich habe nichts verpasst, wie man aus den offiziellen Kommentaren der Presse entnehmen konnte.
Mich hat angestunken, dass bei einer Fußball-WM dieser doofe amerikanische Anheizer sich „verausgabte“. Bin ich beim Boxkampf oder beim Wrestling gelandet? War aber Fußball. Wieso muss man eine Show in der Spielepause inszenieren? Typisch proletenhafte USA. Brot und Spiele.
Ich frage mich außerdem, wie bitteschön haben es bisher die Fußballspieler ohne Trinkpause überstehen können und sind nicht tot umgefallen. Sind das alles kleine Schneeflöckchen geworden? Anscheindend ja. Aber nein, die Klimaerhitzung musste doch vorgegauckelt werden. Die armen Jungs, die sollen doch ihre Millionen nicht durch einen Hitzetot verlieren müssen. Es gibt halt keine Duad wie im altägyptischen Glauben, mit Friede-Freude-Eierkuchen und seinen Millionen.
Fazit: Der Fußball ist genau so verkommen, wie das ganze westliche System, verweichlicht, showsüchtig, erinnert an einen römischen Zirkus. Noch sind es keine Gladiatoren, die miteinander kämpfen. Kann aber noch kommen. Ausgeschlossen ist es nicht.
Noch heute werben Firmen mit der deutsche Fußballmannschaft. REWE wirbt sogar mit dem 7:1 gegen eine „Likörmarke“ Ich würde mich in Grund und Boden schämen mit so etwas Werbung zu machen. Bringt das wirklich Kunden, wenn man stolz verkündet Werbepartner der deutschen Fußball Nationalmannschaft zu sein????
FußballSPORT bei der WM, was nicht anwesend.