Was wäre, wenn uns Idioten regierten

PaD 27 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad272026 wenn uns idioten regierten

Wie oft schon musste ich die rhetorische Frage hören oder lesen: „Sind die so dumm, oder einfach nur boshaft?“

Hier wird von interessierter Seite eine Schein-Alternative aufgebaut, der immer nur eine Verurteilung und die Auflehnung gegen die Regierung folgen kann. Natürlich ist es schwierig, die Geschicke eines Staates zu lenken. Natürlich müssen immer wieder Interessen abgewogen und dabei mal die eine, mal die andere Seite frustriert werden. Natürlich bleibt es nicht aus, dass einer Fehleinschätzung auch einmal eine Fehlentscheidung folgt. Aber erstens kann und wird dies in der Regel auch schnell wieder korrigiert werden, und zweitens wäre es hirnrissig, vom Einzelfall auf das gesamte Regierungshandeln zu schließen, das Deutschland immerhin dahin gebracht hat, wo wir heute stehen.

Um die Blasphemie zu entlarven, die der Frage „Dummheit oder Bosheit“ innewohnt, genügt es doch schon, sich im Gedankenexperiment auszumalen, was wirkliche Dummheit anrichten würde. Folgen Sie mir also bitte bei der Beantwortung der Frage: „Was wäre, wenn uns Idioten regierten?“

Lassen Sie uns zunächst einmal den Typus „Idiot“ näher beschreiben. Es gibt dafür in der Literatur zwei sich ergänzende, griffige Muster, nämlich a) das Peter Prinzip, und b) den Dunning Kruger Effekt. Der Dunning Kruger Effekt besagt, dass Menschen mit geringer Kompetenz ihre eigenen Fähigkeiten drastisch überschätzen. Weil ihnen das nötige Fachwissen fehlt, können sie weder die Komplexität einer Aufgabe noch ihre eigenen Fehler erkennen. Das Peter Prinzip erklärt, dass jeder Beschäftigte in einer Hierarchie solange aufsteigt, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat.

Kombiniert man beides, ist klar, warum Idioten in hohen Positionen so schwer zu erkennen sind. Während ihres Aufstiegs reichten ihre Fähigkeiten aus, um ihren Aufgaben gerecht zu werden. Haben sie aber die Stufe ihrer Unfähigkeit erreicht, sind sie nicht mehr in der Lage, die Komplexität ihrer Aufgabe, ihrer Fehler und letztlich ihre eigene Inkompetenz zu erkennen. Letzteres wird von Außenstehenden dann gerne mit Arroganz verwechselt, dabei ist es einfach nur die tiefinnere Überzeugung, alles am besten zu wissen und folglich alles richtig zu machen.

Sie sehen also, dass so ein Idiot, wie wir ihn nun fiktiv mit hohen Regierungsämtern betrauen wollen, nicht als Idiot geboren wird. Im Gegenteil. Er wird auf seinen Positionen gute, ja sogar ausgezeichnete Leistungen erbringen, die ihn für immer anspruchsvollere Positionen geeignet erscheinen lassen, bis er dann nach der (hoffentlich) letzten Beförderung katastrophal versagt, aber nicht in der Lage ist, dies noch zu erkennen. Auf Kritik wird er störrisch reagieren und erbittert den von ihm eingeschlagenen Weg weiter verfolgen, bis ihn ein gütiges Schicksal zum Pensionisten macht.

Nun stellen Sie sich den Idioten vor, der vor vielen Jahren ein begeisterter Befürworter und Förderer der Kernenergie war. Prima hat er das gemacht. Ein Energieproblem Deutschlands gelöst, dreißig Meiler ans Netz gebracht, aber davon, dass Kernernergie gefährlich ist, hat er nie viel gehalten. Die Dinger haben ja klaglos funktioniert. Ein solcher Idiot als Bundeskanzler hätte auch die Warnzeichen von Fukushima schlicht nicht zur Kenntnis genommen, er hätte sich in der Entsorgungsfrage darauf verlassen, dass sich irgendwo ein Loch finden lassen wird, wo die Brennstäbe und anderer radioaktiver Müll verklappt werden könnten. Mit einem solchen Idioten an der Spitze würden heute noch dreißig Kernkraftwerke mit ihrem Strom die Netze verstopfen. Wir stünden nicht nur an Tagen, an denen die Sonne scheint und dazu eine frische Brise weht, vor dem Problem, unseren kostenlosen erneuerbaren Strom ans Ausland verschenken zu müssen, wir müssten an 365 Tagen im Jahr noch dafür bezahlen, dass unser Strom abgenommen wird.

Es gibt jedoch hinreichend Grund für die Annahme, dass unser fiktiver Idiot mit seiner Fixierung auf die Kernkraft sich strikt geweigert hätte, Photovoltaik-Anlagen und Windparks überhaupt ans Netz zu lassen. Das hätte schließlich vollkommen außerhalb seiner Kompetenz gelegen. Das Wissen hätte ihm gefehlt, um zu verstehen, dass die Sonne keine Rechnung schickt. Die fürchterlichen Folgen, dass nämlich rund eine halbe Million Arbeitsplätze in der Wind-, Solar- und Biogas-Wirtschaft geschaffen werden konnten, die heute fehlen und die Sozialsysteme überlasten würden, hätte man den Idioten nur machen lassen, hätte er weder vorher erkennen noch heute als sein Versagen eingestehen können. „Meine Kernkraftwerke“, so würde er argumentieren, „funktionieren doch. Was soll der Blödsinn?“

Nun, zugegeben, dieses Beispiel ist noch keines für die eklatantesten Fehlleistungen, die fiktive Idioten in der Vergangenheit hätten hervorbringen können. Sein Wert liegt darin, dass sich der Werdegang bis zur persönlichen Stufe der Unfähigkeit daran gut ablesen lässt, und darin, dass daran auch deutlich wird, dass dem nur noch selbstreferenziellen Idioten in diesem Status noch etwas Wichtiges fehlt, nämlich das Gespür für den Zeitgeist und die daraus resultierende, angepasste Haltung.

Als es noch angesagt war, Energie da zu produzieren, wo sie gebraucht wird, könnte ein solcher fiktiver Idiot noch an der Planung des größten und modernsten Kohlekraftwerks der Welt – Hamburg Moorburg – beteiligt gewesen sein.  Er könnte hocheffiziente Verbrennung und die fast rückstandsfreie Rauchgasreinigung mit erfunden haben, aber hätte man ihn mit dieser Vorgeschichte zum Umweltminister ernannt, er hätte hohnlachend alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel ignoriert und seine CO2-Schleuder in Hamburg im Volllastbetrieb 24/7 durchlaufen lassen bis heute und in jede erdenkliche Zukunft. Nicht einmal wenn der Anstieg des Nordseespiegels die Stadt schon bei Niedrigwasser unbewohnbar gemacht hätte. Da hätte er eine Lösung gefunden und sein Kraftwerk hinter 50 Meter hohen Deichen geschützt, weil ein Idiot, der nichts anderes kann, eben zu so genannten „bewährten Mitteln“ greifen würde.

Zum Glück ist Moorburg gesprengt. Zum Glück ist auch die Braunkohle so gut wie am Ende. Zum Glück ist Hamburg noch nicht überflutet.

Mit einem Idioten als Wirtschaftsminister wären auch Verbrennungsmotoren immer noch das Mittel der Wahl für den Antrieb von Automobilen. Die Sache mit den Stickoxiden und der deswegen erfundenen Mogelsoftware hätte er glatt geleugnet und sich schützend vor Volkswagen gestellt, statt den Klagen aus den USA auch noch eigene Strafverfolgungsmaßnahmen folgen zu lassen. Er hätte die Industrie weiter schlafen lassen, statt mit immer schärferen EU-Richtlinien und dem Verbrennerverbot den Umstieg auf die E-Mobilität zu erzwingen. Der Idiot hätte niemals begriffen, dass es eben nicht die Marktkräfte sind, die zu Vollbeschäftigung und Wohlstand führen, wenn man sie sich weitgehend frei entfalten lässt, sondern dass da ein Plan sein und erfüllt werden muss, wenn nicht Wohl und Wehe der Volkswirtschaft dem Zufall überlassen werden sollen.

Vor einem Wort, wie „Degrowth“, wäre unser fiktiver Idiot gestanden wie der sprichwörtliche Ochs vorm neuen Scheunentor. Er, der vom Wirtschaftswunder der frühen Jahre gekommen war und im immerwährenden Wachstum sozialisiert wurde, hätte weder gerastet, noch geruht, wenn irgendwo noch ein Restchen unerschlossener Produktivität vorhanden gewesen wäre. Dass uns ein bisschen Bescheidenheit guttun würde, dass es in den meisten Fällen kein Auto braucht, weil ein Lastenrad es auch tun würde, dass es, wenn wir schon bei der Bescheidenheit sind, besser ist, auch beim 12 Jahre alten Handy noch ein Recht auf Reparatur zu haben, statt sich ein neues kaufen zu müssen, dass man Mehlwürmer, wenn sie richtig zubereitet sind, weder aus veganer Wurst noch aus laktosefreiem Kuchen herausschmeckt, dass man alte Klamotten nicht im Restmüll entsorgt, sondern zur Kleidersammlung bringt, dies alles würde ein regierender fiktiver Idiot als Blödsinn bezeichnen und niemals in sein Regierungshandeln einfließen lassen. 

Der Idiot käme, weil er das als Kind gelernt hat (als Kind!), stattdessen mit dem Alte-weiße-Männer-Märchen vom Hans im Glück daher.

Gold gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, die Gans gegen einen Schleifstein, der dann auch noch im Brunnen versinkt.

Dazu würde er, der Idiot, uns erklären, dass jeder einzelne Tausch idiotisch gewesen sei. Man dürfte es ihm nicht übelnehmen. Zu begreifen, dass wir erst wirklich glücklich sein werden, wenn wir nichts mehr besitzen, ist eine Weisheit, die dem Dunning Kruger Typen nicht einleuchten kann. Nicht, weil er sich dagegen sträubt – nur weil  dies so weit außerhalb seiner Erkenntnissphäre liegt, dass er niemals dahin kommen könnte, selbst wenn er wollte.

Das ist das gleiche Problem wie mit den Wohnungen. Der Idiot würde heute noch den Bau von Eigenheimen fördern, weil mit jedem Eigenheim eine Mietwohnung frei wird. Und er würde Mietwohnungen bauen bzw. den Wohnungsbau fördern, weil er überzeugt ist, dass es sowohl den Menschen als auch der Bauwirtschaft gutgehen soll. Dass jedes Eigenheim Grund und Boden unwiederruflich verschlingt und die ärgste Form von Naturzerstörung ist, die man sich vorstellen kann, dass jede neu gebaute Mietwohnung nur dazu führt, dass die alten Wohnungen keine Rendite mehr bringen, bzw. gleich leerstehen, das hätte er nicht begriffen. Für ihn ist die unverletzliche Wohnung aus dem Grundgesetz ein Grundrecht, das jedem Bürger zusteht, und dies zu bezahlbaren Kosten. Also hätte er gebaut, gebaut und gebaut und würde immer noch weiter bauen. Gigatonnen von Zement, Gigatonnen von Backsteinen, alles mit Gigatonnen CO2-Ausstoß – Wahnsinn! Dann die Flächen: 3-Zimmer, Küche, Bad, Balkon – nicht unter 120 m². Dass 120 m² Staubsaugen dreimal mehr Strom verbraucht als 40 m², die in den allermeisten Fällen für den 4-Personen Arbeitnehmerhaushalt völlig ausreichen? Fehlanzeige. Erkennt er nicht. Dass  Wandfarbe, Tapeten, Möbel, Nippes für 120 m² ein Vielfaches an Produktion, nur für den reinen Konsum verursachen? Fehlanzeige. Das hält er für gut und für normal und, wie sagt er dazu gleich wieder: Das ist Wohlstand.

Würden wir von Idioten regiert, keiner davon würde erkennen, dass in Windeseile aufgerüstet werden muss, um bis 2029 Kriegstüchtigkeit zu erreichen. Die würden uns wehrlos zwischen Rhein und der Oder-Neiße-Linie liegen lassen. Nur weil der Putin gesagt hat, er hätte kein Interesse. Idioten, eingelullt von Jahrzehnten des Waffenstillstands, würden sogar noch russisches Pipeline-Gas kaufen und damit die russische Kriegskasse füllen, wo wir unser Gas doch ebenso mit Tankschiffen aus den USA beziehen können. Es darf niemand wundern, wenn der Idiot darauf antwortet, wir würden damit nur eine Abhängigkeit gegen eine andere austauschen, und das zu deutlich höheren Kosten. Es fehlt ihm halt, wie schon an anderer Stelle erwähnt, die Haltung.

Würden wir von Idioten regiert, unsere Bevölkerung würde rapide schrumpfen, statt alle Jahre ein Stück zu wachsen.  Es ist ihnen unmöglich, das Positive der Zuwanderung zu erkennen. Es gäbe mehr Kriminalität, mäkeln sie. Die Einwanderung in die Sozialsysteme sei nicht länger tragbar,  argumentieren sie, und Platz – Platz hätten wir schon gar nicht, mit 230 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dass wir ohne Zuwanderung im dumpfen Einheitsgrau, oder -braun, sozusagen im eigenen Saft verschmoren würden, ist für sie kein Argument. Stattdessen kommen sie mit ihrer eigenen Vielfalt daher, Bayern und Preußen wären doch Vielfalt genug, Schwaben und Rheinländer hätten wir trotzdem noch, Ossis und Wessis obendrein. Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als dass man einem solchen Idioten klarmachen könnte, dass lauter Weiße unter Weißen nun einmal keine Vielfalt sind. Außerdem haben wir heute schon ein Problem mit dem Fachkräftemangel. Dieses Problem wird mit der Degrowth-Strategie nicht kleiner. Kein bisschen. Wer durch die Deindustrialiserung arbeitslos wird, ist ja weg vom Fenster. Da aber, wo es noch Wachstum gibt, bei den Lieferdiensten und bei den Lieferdiensten, sowie bei den Lieferdiensten, da wächst der Fachkräftemangel doch immer noch. Da wird er dann kleinlaut, der Idiot. Wenn die Bevölkerung schrumpft, bräuchte es auch nicht so viele Lieferdienste, wendet er zaghaft ein, aber dass noch sehr viel stationärer Einzelhandel existiert, der noch durch den Versandhandel und die Lieferdienste ersetzt werden muss, das schnallt er nicht. Hält man ihm das entgegen, fragt er mit leerem Blick nur noch: Warum denn? War doch alles gut, bisher?

Mit diesen Ausführungen dürfte sich die heimtückische Frage: „Dumm oder boshaft?“, ein für allemal erledigt haben. Was mit den fiktiven Idioten deutlich geworden ist, ist doch die Tatsache, dass wir mit unserer Regierung vollauf zufrieden sein dürfen, auch wenn zwischendurch mal eine Bevölkerungsgruppe frustriert werden muss, um das große Ganze zu erhalten und voranzubringen. „Weder dumm, noch boshaft“, muss die Antwort lauten, wenn das nächste mal jemand danach fragt.

Es gibt aber noch eine Tatsache, die uns glücklich machen sollte, von dieser, unserer Regierung regiert zu werden und nicht von fiktiven Idioten. Das ist die Wirkung auf unsere Freunde und Feinde im Ausland. Unsere Regierung hat sich unseren Respekt erarbeitet. Um das Erscheinungsbild Deutschlands im Ausland nicht zu beschädigen, achten Kanzler und Minister strikt darauf, dass auch ihr persönliches Erscheinungsbild, ihr Image und ihr Ruf makellos bleiben., Sie wissen, dass sie lächerlich wirken, wenn sie sich von den eigenen Bürgern kritisieren, belehren, ja sogar verspotten lassen, wenn Satiriker und Kabarettisten sie durch den Kakao ziehen, was hässliche braune Spuren hinterlassen und ihr politisches Wirken beeinträchtigen würde.

Bei Idioten wäre das anders. Idioten, mit ihrem begrenzten Horizont und ihrer unterentwickelten persönliche Würde, würden das Meiste einfach so verstehen, wie es gesagt, gemeint, gepostet wird, nämlich als eine humorvolle Art Kritik zu üben, und einfach mitlachen. Und wo es nicht wirklich zum Lachen ist, würden sie es ignorieren.

Ein Herrscher, der über sich selbst lacht, weil er mitlacht, wenn andere sich über ihn lustig machen, ist kein Herrscher, sondern eine Witzfigur. 

Schlag nach bei Machiavelli, „Der Fürst“, Kapitel XVII, XVIII und speziell XIX.

 

 

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