
PaD 9 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad92026 Was kommt nach der Realität
Das wird ein sehr gewagter Artikel, denn die uns bekannte Realität hat gerade erst damit begonnen, sich zu verabschieden. Viele haben dies noch nicht „realisiert“. Von daher ist es gewagt, darauf hinzuweisen. Es ist wie bei „Des Kaisers neue Kleider“. Wir sind gewohnt, genau das für real zu halten, was wir für real halten wollen.
Es ist auch ein bisschen wie das Ende des Turmbaus zu Babel. Die gemeinsame Sprache wurde zerstört. Gott selbst soll es gewesen sein, der dies – lange vor Donald Trump – per Edikt in Kraft gesetzt hat. Was aber ist eine Sprache anderes als ein Hilfsmittel zur Beschreibung und Mitteilung der wahrgenommenen Realität in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?
Natürlich ist das nicht alles, was Sprache ausmacht und bewirken kann. Das soll uns aber nicht daran hindern, mit unseren Fragen am fundamentalen Kern der Sprache anzusetzen und dort nach der Substanz der Realität – in quantitativer und qualitativer Hinsicht – zu suchen.
Sprache ist im weitesten Sinne eine Verabredung zwischen Menschen, eindeutig bestimmbaren Dingen und Prozessen eine eindeutige Lautfolge, bzw., in der Schriftform, eine eindeutige Zeichenfolge zuzuordnen. Das setzt natürlich voraus, dass alle an dieser Verabredung Beteiligten das entsprechende „Ding“ als Abbild in ihrer Erinnerung gespeichert haben. Das abgedroschene Beispiel: „Erkläre einem Blinden, wie ein Veilchen aussieht!“, genügt, um diese Notwendigkeit zu illustrieren. Man kann erklären so viel man will, und wird dennoch nie erfahren können, selbst dann nicht, wenn der Blinde in der Lage ist, die gehörten Erklärungen wörtlich zu wiederholen, welche Vorstellung der Blinde aus diesen Erklärungen entwickelt. Da klafft eine Lücke im Verständnis, die nicht wirklich überwunden werden kann.
Mit einem ausreichenden Maß an Selbsterkenntnis müssen wir uns jedoch eingestehen, dass wir alle, wenn auch in unterschiedlichen Wissensbereichen, ebenso wenig eine Vorstellung von manchen Worten haben, wie der Blinde eine Vorstellung vom Veilchen hat, obwohl andere sich mit diesen Worten ganz selbstverständlich zu verständigen wissen.
Dieser Makel fällt im Alltag nur wenig auf, weil wir uns üblicherweise unter Menschen bewegen, die den gleichen Ausschnitt der Realität betrachten und benennen, wie wir selbst.
Aber was ist, wenn im Bereich trivialer Selbstverständlichkeiten, deren Benennung innerhalb der Sprachgemeinschaft stets zu vollkommen eindeutigen Assoziationen führte, plötzlich mit neuen Begriffen Unruhe gestiftet wird? Wenn bewährte Begriffe ihre Bedeutung wechseln oder gänzlich verlieren?
Geht damit nicht ein Stück Realität verloren?
Diese Frage ist nicht trivial, denn wir kennen keine andere Realität als die, die wir uns in unserem Gehirn[1] aus unseren Sinneseindrücken gestaltet haben. Natürlich existiert so etwas, wie die Realität, auch außerhalb unseres Körpers und unseres Geistes, ist aber von ganz anderer Art als das, was unsere Sinnesorgane wahrzunehmen im Stande sind. Da sind nur Elektronen, Photonen, Protonen, Quarks, Quanten, Wellen, Felder, Vakuum, Dunkelheit.
[1] „Gehirn“ steht hier nur stellvertretend für den Sitz unseres Bewusstseins und unserer Erinnerungen. Vermutlich reicht unser „Apparat“ weit über das Gehirn hinaus. Aber das ist eine andere Baustelle.
Elektromagnetische Wellen mit Wellenlängen von 650 bis 780 Nanometern haben keine Farbe. Das Rot, was wir wahrnehmen, wenn elektromagnetische Wellen dieser Wellenlänge unser Auge treffen, ist nur ein Trick unseres Gehirns, eine spezielle Art der Darstellung eben dieser Wellenlängen auf eine Weise, von welcher der Klatschmohn, der sie reflektiert, nichts weiß.
Sprechen wir also vom Abbild der Realität in unserem Gehirn, sprechen wir von der Verknüpfung von Wahrnehmungen und Ideen mit Worten, von denen wir annehmen, sie würden beim Hörer eine gleichartige, zumindest sehr ähnliche Vorstellung auslösen. Sprechen wir von jenem Veränderungsprozess, der dazu führt, dass eben das zunehmend nicht mehr der Fall ist.
Woran denken Sie zum Beispiel beim Wort „Zensur“. Es wird sich unmittelbar die Vorstellung einstellen, dass „jemand“ darüber bestimmt, was „andere“ in Wort, Schrift und Bild zum Ausdruck bringen dürfen.
Sie werden sich womöglich auch an den Wortlaut des Artikels 5, Grundgesetz, erinnern, wo es unter anderem heißt: Eine Zensur findet nicht statt.
Wenn Sie nun ihr aktuelles Wissen um die Meinungsfreiheit mit Artikel 5, Grundgesetz abgleichen, und darauf vertrauen, dass dieses Grundgesetz die tiefste Wahrheit über unsere staatliche Ordnung enthält, werden Sie augenblicklich nicht mehr wissen können, was Zensur ist. Sie findet – nach ihren Erfahrungen und Ihrem Vorwissen darüber, was Zensur ist, durchaus statt. Das Grundgesetz besagt, sie fände nicht statt. Was also ist das, „was nicht stattfindet“, und wie heißt das, was stattfindet, wenn der Begriff Zensur für das verwendet wird, was niemand kennt und was auch nicht stattfindet?
Es bleibt nur ein Ausweg. Mit dem, was als unverrückbare Wahrheit im Grundgesetz festgelegt ist, muss etwas ganz anderes gemeint gewesen sein, ein Vorgang, ein Prozess, von dem Sie, wie der Blinde in Bezug auf das Veilchen, zwar den Namen kennen, ohne jedoch einen Inhalt dazu abgespeichert zu haben.
Verstehen sie nun, dass etwas im Gange ist, das an der Realität zehrt und im Begriff ist, sie zu ersetzen?
Oder der Begriff „Studierende“. Das ist noch nahe an der Realität, aber immer, wenn die Studenten sich nicht dem Studium widmen, sondern in den Semesterferien faul in der Hängematte vor sich hin dösen, hat die Semantik einen Dachschaden. Der wird auch nicht geheilt, wenn eine Studie herausfindet: „Viele Studierende arbeiten neben dem Studium in der Gastronomie.“
Da wäre auch noch die Sache mit den Binären und den Nonbinären anzumerken. Irgendwo im Keller liegt bei mir noch ein ungefähr 50 Jahre altes Buch über Zahlensysteme. Vom binären Zahlensystem habe ich immer noch eine sehr konkrete Vorstellung, die ich jederzeit abrufen kann. Von nonbinären Menschen habe ich keine Vorstellung. Trotzdem scheint es von solchen Exemplaren nur so zu wimmeln. Man hat versucht, mir zu erklären, es handle sich dabei weder um Männer, noch um Frauen, aber eben auch nicht um Eunuchen. Es ist wie mit der Zensur. Was ist der Mann, der kein Mann ist, bzw. nicht stattfindet? Was ist die Frau, die keine Frau ist? Im Grundgesetz, Art. 3, Satz 2, steht dazu: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass es in Satz 3 heißt: „Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden“, löst die Frage nach der Gleichberechtigung der Nonbinären nicht wirklich.
Doch die drei hier angeführten Beispiele sind nichts als die Spitze eines Kristalls einer Schneeflocke an der Spitze eines Eisbergs an dem die Titanic der Realität vorbeischrammt und dabei den eigenen Untergang einleitet.
+Deutschland ist ein reiches Land.
+Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.
+Preiswerte und zuverlässige Energie ist für ein Industrieland unerlässlich.
+Windräder sind Naturschutz.
+Wir werden die Ukraine unterstützen, so lange es notwendig ist.
+Wir haben Platz.
+Demokratie im Kampf gegen rechts.
+Deutscher Ingenieursgeist wird unseren Aufschwung beflügeln.
+ Man muss nicht gleich Insolvenz anmelden, man braucht nur aufhören zu arbeiten.
?Das reiche Land strotzt nur so vor Sondervermögen und im nächsten Haushalt fehlen nur 130 Milliarden Euro.
?Wir sind bald kein Industrieland mehr – wozu also brauchen wir preiswerten und zuverlässigen Strom?
?Windräder schützen vor der Verwandlung des Waldes durch die Klimakatastrophe in eine Wüste – sie verwandeln ihn selbst.
?Wir kennen keine Obergrenzen, auch nicht wenn es um die Ukraine geht.
?Wir haben Platz, aber nur für Stehplätze – Wohnungen haben wir nicht.
?Jährlich wandern rund 250.000 gut qualifizierte Deutsche aus, samt Ingenieursgeist.
?Jeder kann bei uns Wirtschaftsminister werden.
Bevor der Gedanke verschwindet: Realität existiert nur in unseren Gehirnen. In jedem ein kleines bisschen anders, in manchen ganz anders.
Es kommt nämlich unweigerlich die Frage auf, ob es denn wirklich die Realität sei, die verschwindet, oder ob es nur an der Vernunft hapert, ob es eigentlich die Verblödung ist, die zu einer Fehlwahrnehmung der Realität führt.
Im Grunde ist dies ein Henne-Ei-Problem. Der Zusammenhang ist da, aber die Kausalität nicht mehr zu ergründen.
Ich komme zurück zu meinem Eingangssatz: Das wird ein sehr gewagter Artikel.
Was, wenn es sich beim Verlust von Vernunft und Realität, beim intensiven Kampf zwischen alten weißen Männern und jungen woken Diversen um die Geburtswehen einer neuen Entwicklungsphase der Menschheit handelt?
So ähnlich, wie der Übergang vom Säugetier auf vier Pfoten zum aufrecht gehenden Menschen mit zwei Händen und zwei Füßen. Das war der Abschied aus der Harmonie der Biotope und ihrer Nahrungsketten, hinaus aus dem unbewussten Wissen um das Richtige, hinein in die Not der selbst verantworteten Entscheidungen, hinaus aus den Instinkten, hinein in den planenden Willen. Muss es den seinerzeit Zurückgebliebenen, hätten sie denn schon soweit denken können, nicht vollkommen irrsinnig vorgekommen sein, wie sich diese aufrecht gehenden Verwandten verhalten, wie sie aus der Artengemeinschaft heraustreten und sich alles und alle zu Feinden machen?
Lassen Sie es mich den Aufbruch ins Bewusstsein nennen. Die eigentliche Menschwerdung, die Vertreibung aus dem Paradies, wie es die Bibel schildert, war mit vielen neuen Notwendigkeiten und Verpflichtungen verbunden, aber es war ein Fortschritt, eine Loslösung, quasi eine Entbindung, hinein in eine neue Perspektive.
Als Jäger und Sammler, so heißt es, irrten sie umher, die alten Gewohnheiten und Eigenschaften noch vorhanden, doch in einem neuen Geiste angewendet. Schon in dieser Phase trat als völlig neue Qualität das Eigentum in Erscheinung. War es erst nur das Revier, um das gekämpft wurde, kamen bald die Herden der umherziehenden Hirten dazu, die Vorräte an Körnern, Nüssen, Früchten, die als Werkzeuge und Waffen benutzten Steine. Aber es kam noch weiteres Neues hinzu, nämlich der Versuch, die Naturgewalten zu besänftigen, indem man ihnen Opfer brachte und Rituale vollführte.
Als Abel sesshaft wurde und Kain ihn erschlug, ohne aber diesen neuen Geist noch aufhalten zu können, entstanden die ersten Reiche und aus kleineren Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden große Kriege. Der Krieg, als Vater aller Dinge, schuf immer neue Waffen, rüstete immer neue Heere aus, machte die Menschen immer klüger, immer geschickter. Sie fuhren über die Meere, eroberten ferne Lande, aber immer noch war es die Kraft der Muskeln von Mensch und Tier, was ihre Erfolge begrenzte.
Die Naturgewalten waren weitgehend ergründet, Sonnenfinsternisse, Gewitter, Schlagregen und Dürre hatten ihre Bedrohlichkeit weitgehend verloren. Man wusste sich zu helfen, sich einzurichten, man baute Dämme und Zisternen, stolze Burgen mit tiefen Gräben, Getreidespeicher und so vieles andere mehr. Zu den Handwerken gesellten sich Wissenschaftler, Metallurgen, Astronomen, Mathematiker, Ärzte.
Die nächste Explosion des Bewusstseins begann mit der quasi unbegrenzt verfügbaren Energie, mit der Mechanisierung und der Dampfmaschine. Verbrennungsmotoren waren die zwangsläufige Folge und auf einem Nebengleis kam die Elektrizität daher.
Von da an war alles nur noch Maschine. Sogar der Mensch war eine Maschine. Nach der Logik der Maschine betrachtet, wurde das Gehirn als Steuerung gedacht, das Herz als Kraftmaschine, die Muskeln als die angeschlossenen Arbeitseinheiten. Alles schien in Einzelteilen reparierbar, was zu den Spezialisierungen der modernen Schulmedizin führte, die heute jedes Organ heilen kann, nur den Menschen nicht, weil der, wie der Wald vor lauter Bäumen, gar nicht mehr gesehen wird.
Schnell folgte der sich rapide entwickelnde Nebenzweig der Elektronik. Die Ära der Rechenmaschinen, der Computer, der allgegenwärtigen Chips entfaltete sich rasant. Wir stehen am vorläufigen Endpunkt und bestaunen die ersten Zuckungen der künstlichen Intelligenz.
Kein Jahrhundert verging von Zuse bis Grok.
Am vorläufigen Ende und in starkem Kontrast dazu steht das Unvermögen, auch nur die einfachsten Gegenstände und Vorgänge im Alltag noch zu verstehen. Der Mensch mit seinem Smartphone gleicht dem Affen, der genau weiß, wie man eine Banane schält und wie sie schmeckt.
Von dem, was wirklich drin und dahinter steckt haben beide keine Ahnung. So wie der Affe nie in der Lage war, eine Bananenplantage anzulegen, ist der gewöhnliche, in Massen auftretende Smartphonenutzer nicht in der Lage, eine App zu programmieren, einen Server einzurichten, ein E-Mail-Postfach zu erschaffen.
Hundertausende russische Soldaten und hunderttausende ukrainische Soldaten wurden in den letzten vier Jahren von Waffen getötet, von deren Aufbau und Funktionsweise sie nicht die geringste Ahnung haben, die sie niemals selbst hätten herstellen können.
Bei dieser Vorstellung keimt eine Ahnung von der Perversion der Vernunft auf, die zu einer Realität geführt hat, die nicht mehr wirklich wahrnehmbar ist. Alles nur noch Oberfläche. Benutzerfreundliche Oberfläche mit tödlicher Wirkung.
Es sträuben sich nicht nur die Haare. Auch die Hirnwindungen schlagen Wellen. Es läuft etwas schief. Es ist nicht aufzuhalten, denn es folgt der Ratio. Aber es gibt Widerstand. Ziellos noch, abtastend, scheiternd …
Woher kommt denn die Idee von einer feministischen Außenpolitik? Doch nicht aus der Vernunft, nicht aus der an die Vernunft gekoppelten Wahrnehmung der Realität, sondern aus der noch völlig hilflosen Opposition gegen eine Ratio, der es an Empathie fehlt, der es an moralischen und ethischen Grenzen fehlt. Natürlich muss der Ansatz scheitern. Interessant ist, dass es ihn gibt, bzw. gegeben hat, dass sich der Aufschrei dagegen, das Gelächter darüber, derart in Grenzen hielt, dass die Trampolinspringerin tatsächlich als Außenministerin vereidigt wurde.
Die Qualität der Zeit lässt ewig Erstarrtes auf einmal erweichen. Die Permafrostböden der Gewissheit tauen auf.
Wie lange ist es her, dass eine solche Absicht niemals hätte verwirklicht werden können? 30 Jahre? 50 Jahre?
Wie lange ist es her, dass eine solche Absicht niemals gedacht worden wäre? 50 Jahre? 100 Jahre?
Ist es Toleranz, die dazu geführt hat, oder ist die Zeit reif für neue Experimente? Hat sich die Qualität der Zeit verändert?
Sind jene, die sich dagegen empören, die Hüter der Zivilisation, oder sind sie doch nur wieder wie die Weber, die den Fortschritt aufhalten wollen, um ihre Existenz zu sichern?
Ich bekenne mich gerne dazu, Vernunft und Ratio bewahren zu wollen. Darin kenne ich mich aus. Darin bin ich zu Hause. Darin kann ich trefflich argumentieren.
Ich kann mit diesen Mitteln, mit Vernunft und Ratio, aus meiner Realität heraus aber auch erkennen, dass dieses Haus der Menschheit nicht mehr lange halten wird. Es ist bereits überdehnt.
Ich kann nicht so weit in die Zukunft blicken, wie ich mir das wünsche. Doch gelegentlich fällt mir die Offenbarung des Johannes ein, und wenn ich mir die Enthüllungen um Jeffrey Epstein zu Gemüte führe, dann steht das Bild von der großen Hure Babylon vor meinen Augen:
Komm, ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt, mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei. Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und geschmückt mit Gold und Edelsteinen und Perlen und hatte in ihrer Hand einen goldenen Becher, voll von Gräueln, und die Unreinheit ihrer Hurerei, und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das Große Babylon, die Mutter der Hurer und aller Gräuel auf Erden. Und ich sah die Frau, betrunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu.
Wenn ich über die mit Macht betriebene Abschaffung des Bargeldes nachdenke, finde ich in der Offenbarung des Johannes ein sonderbares Mal, das Zeichen des Tieres, bei dem es sich durchaus um einen implantierten RFID-Chip handeln könnte:
Das zweite Tier brachte alle dazu – ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave –, auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen. Ohne dieses Zeichen konnte niemand etwas kaufen oder verkaufen. Und dieses Zeichen war nichts anderes als der Name des Tieres, in Buchstaben geschrieben oder in Zahlen ausgedrückt.
Wie erwähnt, ich kann nicht weit in die Zukunft schauen. Gewiss, es gibt Entwicklungen, die unvermeidbar erscheinen, doch es gibt auch immer wieder den „Joker“, jenen Effekt, der in dem Satz beschrieben ist: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“
Diese Aussage mag sich der empirischen Beweisführung entziehen. Es werden ja immer nur die „Gut-Fälle“ gezählt, aber dass es diese „Gut-Fälle“ gibt, dass sie dokumentiert sind, in all ihrer der Ratio hohnlachenden Absurdität, ist ein Grund zum Innehalten.
Was ist Vernunft?
Lassen wir alle Vorüberlegungen weg und kommen direkt zur Quintessenz:
Vernunft ist lediglich die auf dem jeweiligen Wissensstand beruhende, hochgradig effiziente Form der Beherrschung der Realität. Damit ist die Vernunft – anders als die Logik – keineswegs ein in sich kongruentes und allgemeingültiges Prinzip, das aus jeder Perspektive heraus die gleichen Antworten liefert, sondern ein extrem biegbares Werkzeug zur Zielerreichung, und damit ein Kernbestandteil des Egoismus.
Lassen Sie diese Erkenntnis ruhig erst einmal sacken.
Wer sich stets vorausschauend, den eigenen Vorteil suchend, nur von der Vernunft leiten lässt, wird dadurch in der Lage sein, immer weitere Teile der Realität zu beherrschen, ja er wird die Realität in den Köpfen seiner Mitmenschen verändern, weil sie diesen Beherrscher in allen ihren Überlegungen und Plänen mitdenken müssen. Er dringt praktisch in sie ein, setzt Grenzen, weckt Ängste, erzwingt Gehorsam.
Erinnern Sie sich an die Beschaffenheit Ihrer Realität unter dem Einfluss der Corona-Jahre? Können Sie sich erinnern, wie und von wem diese Realität erschaffen wurde? Sind Sie sich dessen bewusst geworden, dass Sie und wir alle Opfer einer Macht geworden sind, die strikt einer eigenen, egoistischen Vernunft folgte?
Diese Implosion der vertrauten Realität und ihre Verformung in eine neue, bedrohliche, beengende Realität darf nicht in moralischen Kategorien bewertet werden. Das führt in den Irrgarten von Täter und Opfer, von Schuld und Sühne, von gut gemeint und schlecht gemacht.
Tatsächlich gilt es nur eine Frage zu beantworten: War es ein Erfolg, war es ein Teilerfolg, wurde ein Teilziel erreicht, oder ist der Versuch in die Hose gegangen?
Alles andere zählt nicht.
Betrachten wir das vorläufige Endergebnis der Menschheitsära der Vernunft von unten her, bietet sich ein schreckliches, chaotisches Bild.
Zombifizierte, manipulierte Massen in tiefer Unsicherheit, voller Verlustängste, bis in die Familien hinein argwöhnisch gegenüber dem Nächsten, gefangen in einem nicht zu befriedenden Konkurrenzkampf, deren ganze Vernunft nur noch dazu ausreicht, möglichst nicht aufzufallen, möglichst nicht aus der Reihe zu tanzen, sich in kollektiven Wahnvorstellungen noch das Gefühl von Zugehörigkeit zu verschaffen und gleichzeitig ihr Bewusstsein mit Betäubungsmitteln jeglicher Art – von TikTok-Katzenvideos über den abendlichen Absacker bis zum Kokainkonsum – auszuschalten, um überhaupt irgendwie weiter funktionieren zu können.
Betrachten wir die gleiche Realität von oben her, ist eine sich stabilisierende, zunehmende Ordnung zu erkennen, in der sich Reichtum in Machtstrukturen manifestiert und Machtstrukturen Reichtum hervorbringen. Die perfekte Beherrschung der Realität, weit abgehoben von den darunter liegenden, kurzlebigen Machtstrukturen so genannter Regierungen, so genannter Opposition, so genannter Demokratie oder Autokratie.
Die reine Vernunft ist unersättlich. Die reine Vernunft akzeptiert keinen Stillstand. Wer stehenbleibt, fällt zurück. Es geht um die effiziente Beherrschung der Realität. Es geht nicht um die Menschheit, es geht um den Triumph einzelner Figuren auf dem Spielfeld der Geschichte.
Diese Realität ist an ihre Grenzen gelangt. Sie zerfällt vor unseren Augen, doch wir können noch nicht erkennen, was danach kommt, ob danach überhaupt noch etwas kommt.
Der Mensch, frei geboren, mit natürlichen Rechten und seinem Streben nach Glück, ist in dieser Realität zur Karikatur dieses Ideals geworden. Das hat nur in geringem Umfang damit zu tun, dass die Freiheit des einen dort enden muss, wo die Freiheit des anderen beginnt.
Hauptsächlich hat es damit zu tun, dass der Freiheitsanspruch einiger Weniger sämtliche Freiheiten der Masse verdrängt hat.
Es ist ja nicht nur der Majestätsbeleidigungsparagraph. Der ist ja nur das Sahnehäubchen der Verachtung, das über dem Berg von Verordnungen und Pflichten und über dem ausbeuterischen Anspruch auf den Ertrag der Arbeit der Massen thront und vorgibt, Recht zu sein, obwohl es doch nur die Wiederkehr eines alten Hutes auf einer hohen Stange ist.
Ich würde gerne weiter in die Zukunft schauen. Leider ist es mir verwehrt.
Doch so, wie vorhersehbar ist, dass alle Dominosteine einer langen Reihe umfallen werden, sobald der erste gefallen ist, ist schon heute zu erkennen, dass die Inkompetenz, wie sie sich in der Gegenwart bereits an vielen Stellen, noch scheinbar isoliert zeigt, sich mit hohem Tempo weiter ausbreiten wird. Man muss nicht in Berlin Monate lang auf einen Termin bei einer Behörde warten, um das zu erkennen, man muss nicht in einer frostigen Nacht in einem Flugzeug sitzen, weil niemand sich verantwortlich fühlt, die Leute herauszulassen, man muss nicht sehen, wie hier Kraftwerke in die Luft gesprengt werden, während man Brücken unter der Last ihrer Jahre gnädig einstürzen lässt. Man muss nicht der einst sprichwörtlichen Pünktlichkeit der Bahn vergeblich nachtrauern, nicht die Flucht der Industrie ins Ausland wahrnehmen und zu alledem das Gerede vom besten Deutschland aller Zeiten und vom baldigen Aufschwung bei strikter Ausrichtung an unseren Klimazielen hören, um die schon fast explosionsartige Ausbreitung der Inkompetenz zu erkennen.
Die ist nicht auf Deutschland beschränkt, auch nicht auf die EU. Nordamerika ist voll ergriffen. Asien wehrt sich noch dagegen. Doch ich bin sicher: Alle Dominosteine werden fallen.
Hollywood wird vielleicht noch einen letzten großen Film drehen, mit dem Titel: „Schilda has fallen“.
Und dann?
Ich weiß es nicht.
Eine gute Freundin mit der ich sehr unregelmäßig, dafür jedoch in sehr intensivem Austausch zu solchen Fragen stehe, hat mir zu meinem Buch „Spätlese“ die folgende Rezension geschrieben:
Warum schweigen heute die Musen? Musen sind Urbilder in der griechischen Mythologie. Sie sind die Schutzgöttinnen der Künste. Man geht davon aus, dass dem Künstler aus tieferen Schichten des Seins Bilder zufliegen, dass jeder Schaffende sich aus den Ideen im Sinne Platons inspirieren läßt. Die Eingaben und Vorstellungen erscheinen ihm quasi wie in einem Traum, kommen aus dem Unbewussten. Mit seinen besonderen Techniken der Schreibkunst ist der „von der Muse Geküsste“ in der Lage, diese Intuitionen in unsere Welt zu tragen, sodass auch wir uns von ihnen inspirieren lassen können.
Lesen wir E.W. Kreutzers Spätlese, so werden wir tatsächlich von seinem Werk inspiriert. Er hat diese besondere Gabe, in vielen kleinen Traumbildern und anderen Episoden in die tieferen Schichten des Seins einzutauchen. So öffnet sich manchmal der Vorhang, ein Lichtschein, um dann wieder zu vergehen. Was bleibt ist ein Berührtsein und viele neue Gedanken, die den Schleier des Seins vielleicht weiter beiseite schieben.
Aber der Roman kann nur wenige Leser ansprechen, denn er kratzt an der Schwelle zu neuen Ufern des Menschseins. Daher ist er für die meisten völlig unverständlich, gar langweilig, es gibt keine äußere Chronologie, statt dessen wird die Zeitfreiheit hervorgehoben. Allein diese Beziehung zur Zeit scheint seltsam. Nicht viele Menschen sind heute fähig, diesen Inspirationen zu folgen. Und gerade für diese Wenigen ist Kreutzers Werk zu lesen eine absolut wichtige Empfehlung. An Hand der einzelnen Kapitel, nicht chronologisch betrachtet, sieht man durchaus eine Entwicklung in seiner Ideenwelt, hin zu dem vollkommen neuen Sprung in der Menschheitsgeschichte. Auch wenn man nicht alles verstehen kann, das Lesen lohnt sich, und bei nochmaligem Lesen erschließt sich vielleicht noch mehr.
Warum schweigen heute die Musen? Die an den Anfang gestellte Frage beantwortet Jean Gebser etwa wie folgt: Wir Menschen entwickeln eine Erweiterung in unserem Bewusstsein hin zu mehr Erkenntnissen aus der tieferen Wirklichkeit.
Die Traumwelt des Unterbewussten, zu der auch die Musen gehören, aus dem wir alle die Gegenwart unseres Alltags schöpfen, wird durchsichtiger und klarer, bis hin zur Evidenz. Wir brauchen keine Musen mehr, um hinter den Vorhang zu schauen. Heute haben wir viele andere Möglichkeiten, tiefere Einblicke zu gewinnen.
Menschen, die sich schon in diese Richtung der Entwicklung bewegt haben, die sich vielleicht schon mit integraler Philosophie beschäftigt haben, lesen Kreutzers Buch in seiner noch im Diffusen suchenden Unverbindlichkeit als grandiose Bestätigung ihrer eigenen Erkenntnisse. Alle seine Fragmente lassen sich als Vorläufer der eigenen früheren Reflektionen deuten. Nichts bleibt mehr im Ungefähren. Es sind die Märchen und Legenden, manchmal auch Archetypen genannt, die jetzt konkreter verstanden werden können.
Das Buch ist ein literarischer Gewinn in diesen besonderen Zeiten.
(Der Titel ist nicht mehr lieferbar. Bei mir liegen jedoch noch einige Exemplare. Fragen Sie einfach per Mail bei mir an.)
Mehr als meine Hoffnung für das „Danach“ kann ich nicht beschreiben.
Ich hoffe, die Menschheit kommt von der Unrast wieder zur Besinnung. Begibt sich auf die Suche nach dem Sinn, der im Rennen um die Beherrschung der Realität verloren gegangen ist.
Ich hoffe, dass sich das Bewusstsein dahingehend erweitert, zu erkennen, dass die Realität jener Spiegel ist, in dem sich Dorian Gray gesehen hat. Dass allen intuitiv vor Augen stehen wird, wie sie mit jeder Tat und jedem Gedanken in die Realität eingreifen und deshalb von sich aus eine Harmonie anstreben, wie sie mit Gesetzen, Verboten und Geboten alleine nie zu erreichen ist.
Ich hoffe, dass trotz des Zusammenbruchs der gegenwärtigen Realität genug Wissen und mentale Kraft übrig bleibt, um Herausforderungen effektiv begegnen zu können, dass die Vernunft sich jedoch dem Zugriff des blanken Egoismus entzieht.
Carl Sagan meinte: „Wir sind eine Möglichkeit für das Universum, sich selbst zu erkennen.“
Da wir zweifellos Teil des Universums sind, besteht auch für uns eine Chance zur Selbsterkenntnis.
Hallo Egal Anders, bei der Suche nach dem Autor kann vielleicht die KI weiterhelfen 😉
Am ehesten war das wohl Naomi Alderman. Sie vertritt ausdrücklich die These, dass wir heute in der „dritten Informationskrise“ leben: Die erste sei die Erfindung der Schrift gewesen, die zweite der Buchdruck, und die dritte das Internet. Alderman beschreibt dabei, dass Menschen in solchen Umbruchsphasen durch die plötzliche Informationsfülle ängstlich, wütend, verunsichert und stärker zu Fundamentalismus neigen – das passt sehr nah zu deiner Erinnerung. (Der Guardian)
Besonders stark passt diese Stelle aus einem Guardian-Interview: Alderman sagte, das Internet habe die größte Krise menschlicher Kommunikation seit dem Buchdruck ausgelöst; nach der Erfindung des Buchdrucks habe die neue Verfügbarkeit von Information schließlich zu heftigen Lehrstreitigkeiten und Gewalt der Reformationszeit geführt. Sie formuliert außerdem, dass bei einem enormen Zuwachs verfügbarer Information „wir alle sehr ängstlich“ und „sehr wütend“ würden. (Der Guardian)
Zweitwahrscheinlich wäre Jeff Jarvis. Sein Buch heißt sogar The Gutenberg Parenthesis: The Age of Print and Its Lessons for the Age of the Internet und zieht den Vergleich zwischen Buchdruck und Internet ganz ausdrücklich. Bei ihm liegt der Akzent aber eher auf dem historischen Medienumbruch und den „Lektionen“ des Druckzeitalters für das Internetzeitalter, weniger auf dem emotionalen „Verlust aller Sicherheit“. (Jeff Jarvis)
Die von dir erinnerte Formulierung „explosionsartiger Verlust aller Sicherheit“ habe ich in genau diesem Wortlaut nicht verifizieren können. Inhaltlich passt sie aber deutlich stärker zu Naomi Alderman als zu Jarvis. (Der Guardian)
Wenn du möchtest, suche ich im nächsten Schritt noch gezielt nach dem exakten deutschen Artikel / Zitat, aus dem diese Erinnerung stammen könnte.
Leider weiß ich nicht mehr, wo ich es gelesen hatte: Der Autor vertrat die Ansicht, Gutenbergs Buchdruck verursachte damals den selben explosionsartigen Verlust aller Sicherheit, wie heute das Internet.
Realität war das, was die Kirche als Realität predigte. Mal abgesehen von ein paar Scholastikern innerhalb der Kirche hatte niemand überhaupt mitbekommen, dass es andere Vorstellungen von Realität geben kann. Mit Gutenbergs Technologie konnte plötzlich jeder sein eigenes Weltbild unter die Leute bringen.
Der Buchdruck führe zu 200 Jahren Religionskriegen. Menschen, die glauben wollten, Marias jungfräuliche Geburt sei Realität, brachten Menschen um, die glauben wollten, die Geschichte von Marias jungfräulicher Geburt sei ein Gleichnis.
Die Religionskriege ebbten erst ab, als die Generation um Isaac Newton behauptete, wir bräuchten keine Kirche, die uns Sicherheit gibt. Wir könnten mit Hilfe der „Mathematisch Fundierten Naturphilosophie“ unsere Zukunft berechnen.
Daraus ergibt sich eine etwas unschöne Antwort auf ihre Frage.
Auf den Zusammenbruch des Glaubens, das Weltbild der Wissenschaft sei Realität, werden 200 Jahre Religionskriege folgen. Und ein neuer Glaube, den wir uns Heute noch nicht vorstellen können.
Übrigens: Möglicherweise ist Ihr Beitrag hier der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Der wieder 200 Jahre Religionskriege auslöst.
Ich habe mittels KI nach Autoren gesucht die diese Ansicht teilen und bin auf den mir unbekannten Autor Jean Gebser gestossen der in unserer Zeit laut KI folgendes sagen würde 😉
Die Menschen heute können sehr viel. Sie bauen Maschinen, Computer und künstliche Intelligenz. Aber oft verstehen sie nicht wirklich, was sie da tun und was das mit ihrem Leben macht. Die Technik wird immer stärker, aber der Mensch wird dadurch nicht automatisch klüger oder bewusster.
Das ist das eigentliche Problem unserer Zeit:
Wir haben viel Wissen, aber oft wenig echte Einsicht.
Wir können viel kontrollieren, aber wir verstehen uns selbst immer weniger.
Dadurch entstehen Angst, Stress, Entfremdung und ein Leben ohne inneren Halt.
Die Krise unserer Zeit ist deshalb nicht nur eine politische oder technische Krise. Sie ist vor allem eine Krise des Bewusstseins. Die alte Ordnung, die auf Macht, Egoismus, Kontrolle und bloßer Vernunft beruht, kommt an ihr Ende.
Was jetzt geschieht, kann in zwei Richtungen gehen:
Es kann zum Zusammenbruch führen.
Oder es kann der Beginn von etwas Neuem sein.
Die Hoffnung liegt nicht darin, noch mehr Technik zu schaffen oder alles noch besser zu beherrschen. Die Hoffnung liegt darin, dass der Mensch bewusster wird. Dass er wieder nach Sinn fragt. Dass er sich selbst besser erkennt. Dass er versteht, dass er mit anderen Menschen und mit der Welt verbunden ist.
Die Zukunft sollte deshalb nicht von kalter Berechnung bestimmt werden, sondern von einem tieferen Bewusstsein:
von Verantwortung, Menschlichkeit, Klarheit und Verbundenheit.