Selbstverständlich bleiben Klingbeil und Bas an der Spitze. Wer will schon in Verdacht geraten, das sinkende Schiff als erster zu verlassen? Niemand.
Die Argumentation, man wolle die Partei mit einem solchen Schritt nicht ins Chaos stürzen, ist da schon deutlich weniger überzeugend. Man darf das nicht einfach so als Floskel hinnehmen und darüber hinweg gehen.
Was Klingbeil da gesagt hat, bedeutet doch nicht weniger, als dass die ganze noch lebende SPD im Grunde ein chaotisch zerstrittener Haufen ist, ähnlich dem einstigen Vielvölkerstaat Jugoslawien (die Ältesten erinnern sich), der zerfallen musste, als der alte Haudegen Marschall Josip Broz Tito, der einzig den Zusammenhalt garantiert hatte, das Zeitliche hinter sich gelassen hat.
Sind es wirklich Lars Klingbeil und Bärbel Bas, die in der SPD alle Fäden in Händen halten und die Ordnung innerhalb der Partei aufrecht erhalten? Kann mir jemand sagen, womit? Sind es die politischen Zielvorgaben, die so prägnant in die Partei hineinwirken, und die Argumente der Vorsitzenden, die da niemanden aus der Reihe tanzen lassen? Oder sind es die Wege in Ämter und Positionen, an denen Klingbeil und Bas als Wächter sitzen, so dass man das in der Seele des Sozialdemokraten kochende Chaos bestmöglich verdeckt, um den Passierschein zu erhalten? Oder ist es das Geld, das gefügig macht, weil es nur dahin fließt, wo Zustimmung signalisiert oder zumindest gekonnt geheuchelt wird?
Bei allem Rätselraten darf allerdings nicht vergessen werden, dass es sich bei der SPD durchaus um ein sinkendes Schiff handelt und dass dieser Niedergang nicht dadurch aufgehalten werden kann, dass Kapitän und Erster Offizier keine Zeit damit verschwenden, das Leck unterhalb der Wasserlinie in Augenschein zu nehmen, sondern einfach – beide Maschinen volle Kraft voraus – den Kurs halten, weil sie hoffen, mit dieser Strategie doch noch irgendwie irgendwo anzukommen.
Nehmen Sie es mir nicht übel, liebe Sozialdemokraten, aber ist ein sinkendes Schiff nicht schon Chaos genug?
Müsste – um im Bild zu bleiben – der dringende Befehl von der Brücke jetzt nicht lauten: Alle Mann an die Pumpen! Und gäbe es da nicht verdammt viel abzupumpen, von allem, was über die Jahre in den Rumpf der SPD eingedrungen ist und ihr den Auftrieb genommen hat?
Man mag ursprünglich angenommen haben, dass es der Stabilität der sich entkernenden Partei gut tun würde, ein bisschen Wasser in die Ballast-Tanks zu füllen. Dumm nur, dass die Partei an dem Punkt, bis zu dem der Ballast tatsächlich zur Stabilisierung diente, nicht mehr aufhören konnte, ohne Sinn und Verstand Wasser aus fremden Quellen (Linke, BSW, Grüne, Wokismus) zu bunkern.
Eine Hoffnung, dass die SPD diesen Ballast wieder loswerden könnte, besteht meines Erachtens nicht. Das würde vermutlich mehr als die Hälfte der Wähler direkt in die Arme der Originale treiben und von den rund 15 Prozent im Bund wahrscheinlich nur noch 7 oder 8 Prozent übrig lassen – in Bayern weniger als 4,9 Prozent.
Alles, was der SPD noch helfen könnte, wäre ein starkes neues Thema, das weder von Linken, Grünen oder von der AfD schon besetzt ist. Die Union ist hier absichtlich nicht aufgeführt, denn ihr steht – etwas zeitverzögert – die gleiche Entwicklung bevor.
Ein neues, starkes Thema zu finden und zu besetzen ist, zugegebenermaßen, sehr schwierig. Mir fällt da ja spontan selbst nichts ein.
Aber Auflösen kann sich die SPD eben auch nicht. Schließlich verfügt die Partei immer noch über ein beträchtliches Vermögen. Das darf nicht einfach auf die letzten verbliebenen Mitglieder aufgeteilt werden. Das ist gesetzlich verboten. Die Satzung der SPD (das Organisationsstatut) sagt darüber in §36 (Auflösung, Verschmelzung und Ausschluss) auch nichts, so dass das Parteivermögen direkt an den Bund fiele.
Eine Lösung, die nur greifen könnte, wenn Lars Klingbeil bei der Auflösung der SPD immer noch Bundesfinanzminister wäre. Das kann man wohl aber ausschließen.
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