So lange der „Staat“, der sich die Sorge um die Altersvorsorge der Bürger als Treuhänder zugewiesen hat, noch in der Lage sein wird, pro Rentner und Monat einen Euro zu überweisen, so lange wird der olle Blüm nicht zu widerlegen sein, denn: Die Rente ist sicher. Das gilt selbst dann, wenn einst das Renteneintrittsalter auf das vollendete neunzigste Lebensjahr festgelegt werden sollte.
Sprechen wir heute mal nicht vom Rentenproblem.
Sprechen wir von einer Rentenlösung.
Alle Rentenpolitiker und die von den Rentenpolitikern eingesetzten Rentenkommissionsmitglieder und Rentenkommissionsvorsitzenden starren doch wie gebannt auf das, was hinten rauskommt. Also auf die Rentenzahlungen. Das sei zwar in vielen Fällen gar nicht viel, in noch mehr Fällen auch nicht gerade viel und nur in wenigen Fällen doch tatsächlich etwas mehr als der niedrige Durchschnitt.
Das ist nicht gut, denken die genannten Kreise, doch mit einer mentalen Kraftanstrengung gelingt es ihnen immer wieder, alle Nebenaspekte, wie die Höhe der Mieten, die Energiekosten, die Inflation bei den Lebensmitteln, die Zuzahlungen bei den Krankenkassen und was der Geldfresser mehr sind, vollständig auszublenden und sich nur auf die Renten zu konzentrieren.
Dann ist das, was sie hintenrauskommen sehen, auf einmal gut, sehr gut, ja im Grunde viel zu gut, für die Rentner. Das ist doch Geld, das man an anderer Stelle sehr viel besser gebrauchen könnte. Dann denken sie mit Grauen an die vielen schönen Milliarden, die der Staat alljährlich zuschießen muss und suchen nach Wegen, diese wieder einzusparen. Gut, der Rentenzuschuss deckt bei weitem nicht die Ausgaben der Rentenversicherung, die der Rentenkasse von der Politik aufs Auge gedrückt wurden, aber das ist halt der Jammer mit den Treuhändern. Umsonst machen die das nicht. Da muss schon was hängen bleiben, für die ganze treuhänderische Arbeit, und es sind ja nur die Wahlversprechen der Vergangenheit, die jetzt halt Geld kosten. So ist das, in der Demokratie. Man kann nicht auf der einen Seite die mit den größten Versprechungen wählen und dann mosern, wenn sie das Geld irgendwo hernehmen müssen. Die Rentenkasse ist sozusagen schon gewohnheitsmäßig so etwas wie des Wahlkämpfers Portokasse. Da darf man schon mal zulangen. Wo kämen wir denn hin!
Vielleicht sollte man die großen Rentenkassendenker einmal darauf aufmerksam machen, dass das Rentensystem nicht nur ein hinteres Ende hat, wo das herauskommt, was zum Sterben zu viel, aber zum Leben zu wenig ist, sondern dass es auch ein vorderes Ende gibt, dessen Input ganz maßgeblich bestimmt, was hinten überhaupt maximal rauskommen kann.
Das hören die überhaupt nicht gerne. Da kneifen sie schon vorsorglich die Backen zusammen, bevor sie staatsmännisch daherreden und behaupten, man könne die Beitragssätze doch nicht noch weiter anheben, das würde die Wirtschaft, die schließlich für die Hälfte aufkommen muss, vollends strangulieren. Außerdem werden sie sagen, dass sie sich ja alle Mühe gegeben hätten, Millionen von potentiellen Beitragszahlern unkontrolliert ins Land zu lassen, dass aber die Saat einfach nicht aufgehen wolle, was – man sei inzwischen übereinstimmend zu dieser Auffassung gekommen – nicht zuletzt am Klima liege, dass zwar für viele noch zu warm sei, zum Sterben, aber eben doch viel zu kalt zum Arbeiten. Damit sind sie dann auf der Einnahmeseite aber auch schon wieder am Ende. Geht nicht. Fertig.
Aber an das Wichtigste denken sie nicht.
Heiner Flassbeck schreibt sich seit Jahrzehnten die Finger wund darüber, dass die Löhne in Deutschland viel zu niedrig sind. dass wir damit die ganze EU niederkonkurriert und mit den unausgeglichenen Handelsbilanzen in die Schulden getrieben hätten. Doch, doch. Da ist schon was dran.
Warum also nicht noch vor Ende Februar ein Gesetz verabschieden, dass alle Arbeitgeber verpflichtet, alle Löhne pünktlich zum 1. Juli 2026 um 10 Prozent zu erhöhen. Bei Zuwiderhandlung drohen Strafen von bis zu 10 Millionen Euro für jeden einzelnen Fall, also pro Mitarbeiter, dessen Lohn nicht erhöht wurde.
Die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung würden schlagartig um 20 Milliarden Euro steigen. Das Steueraufkommen aus der Lohnsteuer dürfte – wegen der Progression – sogar um 30 Milliarden anwachsen. Und auch den Krankenkassen und der Pflegeversicherung ginge es wieder besser.
Man könnte beides in die Rentenkasse werfen. Die Hälfte für eine Rentenerhöhung nutzen, die andere Hälfte anlegen und damit den Einstieg in eine teilweise kapitalgedeckte Rente bewältigen.
In den Netto-Löhnen und bei den Rentnern kämen, wegen der Progression, zwar nicht 10 Prozent an, aber zwischen 8 und 9 Prozent dürfte der Wert liegen.
Da die Preise wegen der Lohnerhöhung im Mittel nur um 5 Prozent steigen werden, bleiben drei bis vier Prozent zusätzliche Kaufkraft übrig. Damit kämen immerhin noch 10 Milliarden Mehrwertsteuer extra in die Kasse. Damit wiederum könnte man die Körperschaftsteuer auf den Gewinn der Kapitalgesellschaften von 40 auf 30 Milliarden Euro senken, was dort auch Freude auslösen dürfte.
Win! Win! Win!
Doch da beißt sich die Rentenkatze schon in den Schwanz.
5 % Preiserhöhung – da geht der Export in die Knie. Um wieviel kann man nicht sagen, aber es können durchaus viel mehr als 5% sein, die wegfallen, und dann haben wir noch ein paar Millionen Arbeitslose.
Solange wir nicht billiger produzieren als das Ausland, bricht alles zusammen.
Ja, weil wir niedrige Löhne und niedrige Renten zahlen und am Gesundheitssystem und an der Pflege sparen, geht es uns so gut, wie es einem mit niedrigen Löhnen und niedrigen Renten nur gehen kann. Unser Glück, dass es im Ausland leichter ist, mehr Geld zu verdienen und höhere Renten zu beziehen, denn nur weil die zu solchen Löhnen und für solche Renten nicht arbeiten würden, haben wir ja überhaupt unsere Chance im Export.
Doch. Es ist schon ein bisschen absurd, und es ist etwas dran:
Wir können uns wenig leisten, weil wir soviel für den Export leisten.
Das lässt sich noch erweitern: Wenn wir den Export noch ausbauen wollten, könnten wir uns noch weniger leisten.
Leider lässt sich der gordische Knoten, der sich in den über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen der Exportorientierung heute präsentiert, nicht so einfach zerschlagen, wie hier dargestellt.
Aber es muss dringend darüber nachgedacht werden, ob der für jedes Unternehmen erkennbare, betriebswirtschaftliche Nutzen einer hohen Exportquote, in der volkswirtschaftlichen Zusammenschau nicht mehr Schaden als Nutzen anrichtet.
Es muss dringend darüber nachgedacht werden, ob nicht erhebliche Teile der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft wieder in die Produktion für den Binnenmarkt überführt werden können.
Das ist kein Trumpismus. Das predige ich auch schon seit zwanzig Jahren.
Den nachstehenden Text habe ich erstmals am 18. Januar 2007 veröffentlicht:
Internationaler Wettbewerb
Vom Innenleben einer Worthülse
| Pierre de Coubertin | Olympische Spiele | Pierre de Coubertin gilt als der Erfinder der Olympischen Spiele der Neuzeit,
Carl Anton Willem Hirschmann kann als geistiger Vater der Fußballweltmeisterschaften angesehen werden. Mit einiger Mühe müsste sich sogar noch herausfinden lassen, wer jene Tradition begründet hat, deren zweijähriger Turnus dazu führt, dass am 4. Oktober 2008 im deutschen Schwarzenfeld die 16. Weltmeisterschaft der Tabakschnupfer ausgetragen werden wird, doch wer sich jenen gegenstandslosen Dauerwettkampf ausgedacht hat, der den schlichten Namen Internationaler Wettbewerb trägt, das wird wohl nie mehr so genau zu ergründen sein. |
| Carl Anton Willem Hirschmann | Fußball Weltmeisterschaften | |
| ? | Tabakschnupfer Weltmeisterschaft | |
| ??? | Internationaler Wettbewerb |
Man kann noch vermuten, dass der Internationale Wettbewerb – entstehungsgeschichtlich – aus jenem international-arbeitsteiligen Wirtschaften hervorgegangen ist, das – noch früher – die einstige internationale Zusammenarbeit abgelöst hat. Aber wirklich sicher wissen wir lediglich, dass der Internationale Wettbewerb von Jahr zu Jahr schärfer wird, und dass sich ihm keiner entziehen kann. Es wird uns tagtäglich eingeschärft, wir müssten uns anstrengen, um im Internationalen Wettbewerb bestehen zu können, ja es heißt sogar, wegen des Internationalen Wettbewerbs sei nichts mehr wie früher. Es ist der Internationale Wettbewerb, dem alles unterzuordnen ist, und wir nehmen das heutzutage „gesamtdeutsch“ viel ernster, als damals die Brüder und Schwestern in der Ostzone das ihnen zugedachte Propagandagetöse zur Förderung des Wettbewerbs um Planerfüllung und -übererfüllung unter allen sozialistischen Bruderstaaten.
Es heißt, wer sich zurücksehne, nach jenen besseren Zeiten, die herrschten, bevor der Geist des Internationalen Wettbewerbs über die Wirtschaftsweisen und Staatenlenker ausgeschüttet wurde, der habe einfach nicht bemerkt, dass sich die Welt, die Zeiten, die Gegebenheiten, die Umstände, ja einfach alles geändert hätte und, als ewig Gestriger, einfach immer noch nicht begriffen, worum es im Internationalen Wettbewerb geht.
Nun, da wird es doch allerhöchste Zeit, dass wir endlich zugeben, dass wir es tatsächlich nicht wissen, und ganz naiv die Frage stellen:
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Dass sich Herrn Sinn bei dieser Frage die Haare sträuben, dass die Herren Straubhaar und Rürup in Freudentänze verfallen und lauthals gemeinsam die Arie des Rumpelstilzchens intonieren: „Ach wie gut, dass niemand weiß, …“, darf uns nicht erschrecken.
Ist die Frage erst einmal gestellt, wird Frau Bundeskanzler uns nämlich beistehen. Sie wird in wackerer Aufschwungpose die Fäuste in die Hüften stemmen und ihre Weisen mit den abgespreizten Ellenbogen locker-flockig in die Rippen knuffen und sie ermuntern:
Wir müssen also den Mut zur Frage aufbringen, dürfen nicht länger fürchten, man könne an unserer guten Erziehung zweifeln, wenn wir mit einer unbedacht gestellten Frage jemanden in eine peinliche Situation bringen sollten. Mit solch‘ edelmütiger Haltung lernt man nämlich weder etwas dazu, noch kommt man auch nur einen Schritt weiter.
Wohlauf denn! Nur frisch gefragt!
Die Antwort kommt postwendend in den nächsten Spätnachrichten:
Das, mit dem Internationalen Wettbewerb, sei eigentlich ganz einfach, heißt es:
Rund 200 Mannschaften,
mit insgesamt rund 6,5 Milliarden Mitgliedern,
messen im Internationalen Wettbewerb permanent ihre Kräfte und Fähigkeiten.
Die Mannschaften tragen die Namen ihrer Nationen, oder, wenn das aus völkerrechtlich-verständlichen Gründen im Einzelfall nicht möglich ist, ersatzweise den Namen ihres Staates.
Wer als Mensch auf dieser Welt lebt, nimmt zwangsläufig am Internationalen Wettbewerb teil, selbst die Kubaner.
Ziel jeder Mannschaft ist es,
zumindest im Verhältnis zur Stärke ihres Teams,
möglichst aber auch in den absoluten Zahlen, in jedem Spielzyklus mehr Rohstoffe,
mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse, mehr Industrieprodukte und mehr Dienstleistungen als jede andere Mannschaft auf den Weltmärkten zu verkaufen.
Mehr ist nicht dahinter.
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Leider hat diese Erklärung sehr kurze Beine.
Man kommt nicht wirklich weit damit. Ganz im Gegenteil, unwissend, wie wir immer noch sind, neigen wir nach dieser Antwort dazu, die ganze Veranstaltung für einen ziemlichen Blödsinn zu halten. Jedenfalls solange, wie nicht wenigstens eine weitere Frage beantwortet ist:
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von seinem Sieg? |
Da verschlägt es dem Arbeitsminister glatt die Sprache, dem Wirtschaftsminister stockt der Atem und selbst der Finanzminister runzelt finster die vom Kopfrechnen zerfurchte Stirn, ob soviel Blödheit. Als der erste Schock überwunden ist, und Frau Bundeskanzler wieder beginnt, aufmunternd in die Rippen zu knuffen, erklärt Herr Weise, von der dafür zuständigen Bundesanstalt, dass es ganz selbstverständlich eine super-super-tolle Siegesprämie gibt, nämlich Arbeit, Arbeit, Arbeit! Für den ersten Platz sehr viel Arbeit, für den zweiten Platz viel Arbeit und für den dritten Platz immer noch Arbeit.
„Ja, und Arbeit, darum geht es, das ist sozial, was Arbeit schafft; das einzig Soziale ist das; die Arbeit, das habe ich schon immer gesagt“,
freut sich Frau Bundeskanzler und schwingt so schwungvoll auf, wie schon lange nicht mehr.
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von der dummen Fragerei.
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Soll das wirklich alles gewesen sein? Ist die Arbeit der Mühe Lohn?
Aber wie soll man an dieser Stelle noch eine vernünftige, weiterführende Frage formulieren, wenn selbst erklärte (oder selbsterklärte, oder selbsterklärende) Experten der Überzeugung sind, Arbeit sei das Allerwichtigste, die Arbeit selbst sei auch der Lohn?
Hunger macht satt.
Arbeit ist Lohn.
Dagegen ist nicht anzukommen.
Da muss man es schon ganz raffiniert anstellen, weit vom Thema ablenken, wenn man noch einen Schritt weiter kommen will. Also fragen wir jetzt ganz naiv:
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die Gewinner bekommen also Arbeit –
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Da fällt dem ehemaligen geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, die Kinnlade herunter.
„Dies muss sich ändern. Das geht nicht von heute auf morgen: Ein langer Lernprozess steht uns noch bevor. Er wird für beide Seiten schmerzlich, aber auch bereichernd sein,“
sagt er, um ein paar Sätze später auszuführen,
„Europa hatte den Luxus, seine Modernisierung ohne viel Wettbewerb von anderen Gesellschaften durchzuführen, ohne mit anderen Gesellschaften konkurrieren zu müssen. Im Gegenteil: Während Menschen in Europa im Zeitalter der Aufklärung selber für mehr politische Partizipation und Gerechtigkeit kämpften, nutzte der Kontinent seine technische Überlegenheit aus, um Dominanz in Asien, Afrika und Lateinamerika auszuspielen. Auch heute ist es nicht konsequent, in Europa selber Gerechtigkeit zu fordern, aber die Augen vor Unrecht in Afrika zu verschließen. Das bedeutet auch, dass wir im Norden unser Verhalten ändern müssen.“
Und dann sagte er noch:
„Ich danke Ihnen und freue mich auf unsere Diskussionen.“
(Aus der Rede von Bundespräsident Horst Köhler zur Eröffnung der zweiten Konferenz „Partnerschaft mit Afrika“ 13.01.2007, Accra, Ghana)
Wenn man sich das, was Bundespräsident Köhler da in seiner Rede vom 13. Januar gesagt hat, ganz langsam auf der Zunge zergehen lässt, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass man nicht herausfinden kann, was er den afrikanischen Verlierern des Internationalen Wettbewerbs damit eigentlich sagen will.
(Vielleicht -und mich würde das freuen – wird es Ihnen klarer, wenn Sie die vollständige Rede nachlesen.)
Was meint Köhler, wenn er von Gerechtigkeit spricht? Was meint er, wenn er sagt, auch heute sei es nicht konsequent, in Europa selber Gerechtigkeit zu fordern, aber die Augen vor Unrecht in Afrika zu schließen?
Geht Horst Köhler möglicherweise davon aus, dass Internationaler Wettbewerb und internationale Zusammenarbeit lediglich zwei unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Sache sind? Hält er das olympische Motto „Dabeisein ist alles“ für austauschbar identisch mit dem neoliberalen Propaganda-Spruch „Arbeit ist alles“?
Nein, die soeben gestellte Frage nach dem Schicksal der Verlierer führt in die Sackgasse jener
„Gleiche-Chancen-und-Wohlstand-und-Bildung-und-sauberes-Wasser-für-alle-Phantasien“, die dem Volk als Endziel allen Wirtschaftens vorgegaukelt werden, um es ruhig zu halten.
Wir müssen doch noch einmal vollkommen neu ansetzen, diesmal vielleicht mit der klassischen Erkenntnisgewinnungsmethode des kaufmännischen Dreisatzes:
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Rohstoffe/Waren/Dienstleistungen |
auf dem Weltmarkt kaufen, |
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alles kaufen müssen, |
auf dem Weltmarkt verkauft haben? |
Da kommt, ganz klassisch nach dem Dreisatz (1 x 3 :197) heraus, dass auf jeden Verlierer von all den Waren und Rohstoffen, von den Dienstleistungen und Feldfrüchten, welche die Gewinner verkauften, durchschnittlich ganze drei Hundertsiebenundneuzigstel entfallen, oder, verständlicher ausgedrückt, jeder bekommt rund 1,5 Prozent.
Nun lachen alle Wirtschaftsweisen und Weltwirtschaftsprofessoren wieder über alle Backen, die Äuglein strahlen hell und schon soll, nach gelungenem Beweis für die segensreichen Wirkungen des Internationalen Wettbewerbs, die Tafel wieder abgewischt werden, als noch einer den Finger hebt, und die allerdümmste Frage stellt, die noch zu stellen ist:
| Und womit bezahlen die 197 Verlierer ihre durchschnittlichen anderthalb Prozent?
Es heißt doch, dass Gewinner diejenige Mannschaft wird, die auf dem Weltmarkt am meisten verkauft – und nicht diejenige, die am meisten verschenkt. |
Da lacht nun selbst Sabine Christiansen glockenhell und erteilt einem alten Handwerksmeister das Wort, der vorsorglich und genau zu diesem Zweck bei der ARD einen Platz in der ersten Reihe eingenommen hat.
„Das, lieber Herr Innungsobermeister, können Sie sicherlich am besten beantworten“, säuselt sie, nicht ohne dabei wohlkalkuliert verschwörerisch-verschmitzt in die Kamera zu lächeln.
Und der bodenständige Innungsobermeister, der aus langer Erfahrung sehr wohl weiß, wie man den goldenen Boden des Handwerks zu Blech und Stroh redet, lässt sich nicht zweimal bitten:
so hebt er an,
„wenn also heute ein Fliesenleger,
der ja gewiss viel Arbeit hat,
nicht in der Lage ist, einen Automechaniker zu bezahlen,
dann zeigt das doch, wo der Hase im Pfeffer liegt.
und der Kündigungsschutz gelockert
und die Erbschaftssteuer völlig abgeschafft wird,
wenn wir nur Arbeit haben
und die Arbeitsplätze erhalten können.
noch einen Verdienst aus seiner Arbeit,
auf dem Weltmarkt immer noch Geld verlangen zu müssen,
wie jeder andere auch, und dann müssen sie sich halt anstrengen,
damit sie sie wieder abbezahlen können.“
Alle arbeiten wie verrückt. Die Verrücktesten arbeiten praktisch umsonst und gewinnen so den Internationalen Wettbewerb, während die weniger Verrückten Schulden machen müssen, um die Lohnnebenkosten und die Bürokratie der Gewinner zu bezahlen.
Dass bis hierher nur von Verrückten und weniger Verrückten die Rede war, braucht niemand zu irritieren.
So ist die Welt.
Die ganz Verrückten und die weniger Verrückten wurden und werden gegeneinander ausgespielt. Im nationalen, wie im Internationalen Wettbewerb.
Bayern gegen Preußen,
Ossis gegen Wessis,
in dieser Woche aktuell und überreichlich
beim ZDF im Sonderangebot
das Wochenthema:
Alte gegen Junge,
aber natürlich auch immer wieder
Rote gegen Schwarze,
Grüne gegen Rosarote,
Schüler gegen Lehrer,
Nike gegen Adidas,
Arbeitslose gegen Sozialhilfeempfänger,
Alleinerziehende gegen Kinderlose,
Rentner gegen Beitragszahler,
Ärzte gegen Krankenkassen,
und gegen weiter,
und so weiter,
usw.
!
Und wir Verrückten merken es gar nicht, dass es sie gibt, die ganz Cleveren. Wir haben ja auch gar keine Zeit dafür. Wir verwenden so viel Zeit auf unsere Rolle im Internationalen Wettbewerb, dass wir noch nicht einmal dazu kommen, darüber nachzudenken, warum wir eigentlich immer noch mitspielen, beim Internationalen Wettbewerb.
Und wenn wir uns darüber klar werden sollten, dass wir uns dem Internationalen Wettbewerb einzeln und mit eigener Kraft nicht entziehen können, dann sollten wir doch wenigstens versuchen herauszufinden, ob das, was uns zur Teilnahme an dieser Olympiade des globalen Wirtschaftswahnsinns zwingt, nun wirklich irgendetwas, oder vielleicht doch eher irgendjemand ist.
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Nachbetrachtung
Der Sieg im Internationalen Wettbewerb ist, wenn man nicht rein verstandesmäßig lästert, sondern die Sache mit dem Herzen betrachtet, nichts als reinster Ausfluss tiefster christlicher Nächstenliebe.
Ein solcher Sieger gleicht in seiner Demut jener braven Frau, die sich für ihren nichtsnutzigen Ehemann von früh bis spät abrackert, ihm und dem Volk alle Jahre ein Kindlein gebiert , dabei nicht murrt und klagt, selbst wenn sie als Dank neben den Kindern nicht mehr empfängt, als regelmäßig eine ordentliche Tracht Prügel. Eine solche keusche und gottesfürchtige Frau ist das wahre Sinnbild von Ausdauer und Zähigkeit, sie verkörpert Bescheidenheit, Zielstrebigkeit und Pflichtbewusstsein – und vor allem: Sie schuftet stets für ihren Nächsten, ohne selbst irgendwelche Ansprüche zu stellen.
Sich eines Standorts zu bemächtigen, randvoll mit solchen nimmermüden und doch anspruchslosen Menschen, das ist das Bestreben der Global Player. Mit dem Internationalen Wettbewerb haben sie sich ein Instrument geschaffen, das zuverlässig anzeigt, wo solche Narren gehäuft anzutreffen sind.
…und wenn sie die Narren gefunden haben, dann passiert das, was die DIE WELT am 16. Januar 2007 unter der Überschrift „Angriff auf den Standort D“ wie hier verlinkt berichtet hat: https://www.welt.de/print-welt/article708545/Angriff-auf-den-Standort-D.html
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