
PaD 29 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad292026 War on War off War on
Es ist noch nicht sicher, ob dies ein Artikel über Donald Trump wird. Es könnte auch einer über die Straße von Hormus werden. Es hängt halt alles zusammen, und nicht nur das. Sogar Kiew müsste erwähnt werden, denn der dortige weiteramtierende Präsident hat seinen Verteidigungsminister entlassen. Da fragt man sich warum. Er, der Verteidigungsminister soll in seinem Abschiedsstatement noch des Lobes voll gewesen sein. Worüber? Über sich selbst. Alleine das würde genügen, um wieder zu Donald Trump zu springen, wäre da nicht die Tatsache, dass Selenski Donald Trump nicht entlassen kann. Müßig, darüber zu spekulieren, ob er ihn entlassen hätte, wenn er es könnte. Er hätte. Schon damals, am Kamin im Oval Office.
Warum aber hat er seinen Verteidigungsminister in die Wüste geschickt? Gesundheitliche Gründe waren es wohl nicht. Russische Desinformationskampagnen werden es auch nicht gewesen sein. Das Naheliegendste: Mychailo Fedorow hat in den Augen Selenskis versagt. Weniger naheliegend, der ukrainische Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Oleksander Syrskyj, hat gegen Fedorow intrigiert, weil dieser ihm zu viel in seinen Job hineinreden wollte. Ganz und gar unwahrscheinlich: Selenski wollte sich eines politischen Konkurrenten entledigen, weil dieser insgeheim Ambitionen auf den Präsidentensessel gehabt haben soll. Dazu aber hätte es erst einmal wieder Wahlen geben müssen, dafür hätte der Krieg aber beendet sein müssen, und überdies hätte die Ukraine den Krieg gewinnen müssen …
Nun ist von Elsendorf aus schwer zu erkennen, welche Vorstellungen der gelernte Comedian Selenski von der erfolgreichen Arbeit eines Verteidigungsministers haben könnte. Vermutlich ist er nur schwer enttäuscht, dass Putin noch immer nicht kapituliert hat. Da liegt es nahe, alles beim Alten zu belassen und es lediglich mit einem anderen Verteidigungsminister zu probieren. Irgendwann muss es doch klappen.
Diese Taktik, erinnert entfernt auch an die Taktik Trumps im Iran Krieg. Der schaute 2024 interessiert zu, als Israel das iranische Konsulat in Damaskus bombardierte, was zwei iranische Generäle das Leben kostete. Er schaute interessiert zu als der Iran daraufhin am 13. April 170 Drohnen und 30 Raketen auf Israel abfeuerte. Am 31. Juli 2024 killten die Israelis dann Ismail Haniyya, den Anführer der Hamas, der sich anlässlich der Vereidigung des neuen iranischen Präsidenten Peseschkian in Teheran aufhielt, indem ein Sprengsatz im Gästehaus der iranischen Regierung gezündet wurde. Mit einem nächsten Enthauptungsschlag traf Israel den Hisbollah Führer Hassan Nasrallah bei einem gezielten Luftangriff auf sein Quartier in Beirut. Trump schaute weiter interessiert zu.
Der Iran rächte sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober mit einem massiven Drohnen- und Raketenangriff auf Israel, das angab, nur geringe Schäden erlitten zu haben, aber eine strikte Nachrichtensperre verhängte, so dass unklar blieb, welchen Schaden die 30 Raketen angerichtet haben mögen, die den Luftwaffenstützpunkt Nevantim, trotz amerikanischer Hilfe bei der Luftabwehr getroffen haben. Am 26. Oktober starteten die Israelis dann noch einmal einen eher symbolischen Angriff auf iranische Stützpunkte – und dann schlief dieses Scharmützel ein.
Offenbar war den Israelis klar geworden, dass die Grenzen ihrer militärischen Überlegenheit im Nahen Osten mit ihrer bisherigen Strategie erreicht waren.
Es galt, die Arsenale wieder aufzufüllen, und den großen Vernichtungsschlag gegen den Iran im Detail zu planen und sich zu versichern, dass Trump diesmal nicht als interessierte Zuschauer am Spielfeldrand stehen, sondern gemeinsam mit den israelischen Streitkräften zuschlagen würde.
Am 13. Juni begann der neue israelische Angriff. Attackiert wurden neben militärischen Zielen vor allem die iranischen Atomanlagen, außerdem wurde gezielt Jagd auf Kommandeure des iranischen Militärs und auf die führenden Kernphysiker des Landes gemacht. Wie schon im Oktober des Vorjahres zeigte der Iran sich von den Angriffen unbeeindruckt und reagierte unmittelbar mit neuen Angriffswellen auf Israel, deren Wirkung wiederum strikt vor der Weltöffentlichkeit verborgen wurde. Endlich, am 22. Juni, griffen die USA direkt in den Konflikt ein und versuchten mit schweren bunkerbrechenden Waffen die iranischen Atomanlagen zu zerstören, und erklärten zwei Tage danach, das Ziel sei erreicht und dass die Waffen jetzt ruhen würden.
Die Ereignisse des laufenden Jahres sind noch besser in Erinnerung. Nach dem großen Wundenlecken, der Auffüllung der Arsenale und einem neuen strategischen Plan, starteten USA und Israel am 28. Februar den neuen Angriff auf den Iran, der mit einem Enthauptungsschlag gegen die religiöse und militiärische Führung in Teheran beginnen und den sofortigen Zerfall der staatlichen Ordnung im Iran auslösen sollte. Dieser Plan ging nicht auf. Der Iran schlug unmittelbar zurück, traf Ziele in Israel, aber auch Ölförderanlagen, Raffinerien und Terminals, vor allem aber die US-Stützpunkte in Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irak, Jordanien und Kuwait, und verkündete ab dem 2. März die Schließung der Straße von Hormus. Die Trefferwirkung iranischer Drohnen und Raketen war immens und machte vor allem die radargestützte Luftüberwachung durch die milliardenteuren AN/FPS-132 Frühwarnanlagen weitgehend blind. Aus dem Iran hört man über die Schadwirkungen der US-Angriffe weniger, doch dürften auch dort erhebliche Schäden zu verzeichnen gewesen sein. Nicht weniger schädlich erwies sich die Blockade der Öllieferungen aus dem Golf, die drohte, die gesamte Weltwirtschaft ins Chaos zu stürzen.
Unterstützt wurde der Iran durch die Hisbollah, die vom Libanon aus Angriffe auf Israel startete.
Nach 40 Tagen verkündeten USA und Iran am 8. April eine zweiwöchige Waffenruhe. Es bestehen nur geringe Zweifel daran, dass es den USA vor allem daran gelegen war, die zur Neige gegangenen, vor Ort verfügbaren Bestände an Luftabwehrraketen wieder aufzufüllen. Aber auch der Iran dürfte ein Interesse daran gehabt haben, sich neu zu ordnen und die durch Verluste gerissenen Lücken in der Verteidigung wieder zu schließen.
Es kam zu langwierigen, von Pakistan moderierten Verhandlungen, aus denen schließlich am 18. Juni das Memorandum of Understanding (MoU) hervorging, das eine 60-tägige Waffenrufe als Zeitraum für Friedensverhandlung vorsah. Israel und die Hisbollah sollten daran ebenso gebunden sein, und der Iran sollte die Straße von Hormus während dieser Zeit für den Schiffsverkehr wieder öffnen. Die Vereinbarungen waren schwammig, Missverständnisse vorprogrammiert.
Seit einer Woche ist der heiße Krieg wieder da. Die Straße von Hormus ist wieder geschlossen, und zwar gleich doppelt, denn die USA blockieren die Schifffahrt von und zu den iranischen Häfen mit ihren Kriegsschiffen, während der Iran Schiffe beschießt, die versuchen, die iranische Blockade zu unterlaufen.
Trumps Idee, eine Gebühr in Höhe von 20% des Wertes von Schiff und Ladung von jedem zu erheben, der die Straße von Hormus unter dem Schutz der USA passiert, ist inzwischen wieder eingestampft worden. Nicht eingestampft wurde die Drohung der USA, nun auch die zivile Infrastruktur des Iran, Straßen, Brücken, Kraftwerke, etc. aufs Korn zu nehmen.
Nachdem nun auch die USA den ersten Tanker mit iranischem Öl kaputtgeschossen haben, müssen sich die 20.000 im Golf gefangenen Seeleute auf rund 1.500 Schiffen vorkommen, wie die Tontauben in der Wurfmaschine. Die Bewegung der Ölpreise zeichnet die Dramatik der Lage nach.
Eine seriöse Prognose für den Fortgang der Auseinandersetzung ist im Augenblick nicht möglich. Einige Schlussfolgerung aus dem bisherigen Geschehen können jedoch gezogen werden.
- Die Kriegsparteien Iran, USA und Israel, streben einen Frieden nicht ernsthaft an. Waffenruhen und Verhandlungen werden lediglich genutzt, um Zeit zu gewinnen. Die Haltung der bisher von den USA „geschützten“ Golf-Staaten ist ins Wanken geraten. Wer noch zuverlässig hinter den USA steht und wer sich bereits auf den Iran ausrichtet, ist nicht sicher festzustellen. Fest steht, die US-Stützpunkte am Golf sind keine sichere Bank mehr, was die Frage, ob und wie die dort eingetretenen Schäden repariert und verloren gegangenes Equipment ersetzt werden soll, zu einem Problem werden lässt.
- Die Nachschub-Logistik der USA ist zum Pferdefuß geworden. Wo auch immer auf der Welt noch Waffen und Munition lagern, die herbeigeschafft werden können, die Wege sind weit, die Häfen der Stützpunkte am Golf können wegen der Blockade nicht angefahren werden. Die Marine muss zur Wartung und Aufmunitionierung nach Diego Garcia schippern, und die Luftbrücke braucht funktionsfähige Landebahnen.
- Der Iran hat massenhaft Drohnen und Raketen verschossen und sich damit durchaus Respekt verschafft. Es kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass auch hier der Verbrauch weit über den gleichzeitig nachproduzierten Stückzahlen liegt, Verluste durch US-Angriffe auf Lager und Produktionsstätten noch gar nicht berücksichtigt.
- Was passiert, wenn den USA die Munition ausgeht, haben wir mehrfach erlebt. Es wird eine Waffenruhe angestrebt. Dies schließe ich für den weiteren Verlauf dieser Auseinandersetzung aus. Der Iran wird nicht noch einmal in diese Falle gehen, sondern weiter attackieren, auch wenn keine Patriot mehr startet. Das ist übrigens vergleichbar mit der Lage in Kiew. Es könnte am Ende so aussehen, wie das dritte Vietnam-Erlebnis (nach Afghanistan) der USA. Rückzug aus dem Golf, die Golfstaaten sich selbst überlassen. Israel hingegen noch im Rahmen des Möglichen unterstützen.
- Was passiert, wenn dem Iran die Drohnen und Raketen ausgehen? Es ist mit einer Fortsetzung der Luftangriffe zu rechnen, bis am Boden kein Ziel mehr zu erkennen ist. Der Iran würde dann jedoch nicht kapitulieren, sondern sich auf die Ankunft von Boden- und Luftlandetruppen vorbereiten. Mit 1,65 Millionen Quadratkilometern Landfläche gibt es da ein paar mehr Ausweichmöglichkeiten als im Gaza-Streifen (365 km²). Selbst wenn es gelingen sollte, eine Besatzungstruppe zu installieren, die Situation vor Ort würde sich kaum von der in Afghanistan unterscheiden.
- Eingreifen Dritter? Weder Russland noch China werden aktiv militärisch in diesen Konflikt eingreifen. Waffen und Aufklärungsdaten werden jedoch an den Iran geliefert. Auf westlicher Seite werden womöglich die Briten, kaum aber die EU-Staaten Truppen entsenden.
Und wer ist für all das letztlich verantwortlich?
Eindeutig und unzweifelhaft Donald Trump.
Der Krieg wäre Ende Oktober 2024 mit minimalen Schäden im Iran und in Israel zu Ende gewesen, wenn er ohne das Einverstaändnis der USA überhaupt begonnen hätte. Der Krieg wäre Ende Juni 2025 noch einmal zu Ende gewesen, hätten die USA sich nicht hineinziehen lassen.
Die Aussichten, ihn jetzt noch zu beenden, ohne eine nochmalige brutale Eskalation in Gang zu setzen, sind gering. Tendenziell ist ein dauerhafter Krisenherd geschaffen worden, aus dem heraus immer wieder heiße militärische Auseinandersetzungen entstehen werden.
Keine Ruhe am Golf.
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