Was bringt einen – ansonsten vernünftig wirkenden – Menschen dazu, sich am Freitagvormittag um 9.00 Uhr ins Auto zu setzen, 20 Kilometer durch die Prärie zu fahren, nur um Brot zu kaufen?
Nun, der Verrückte bin ich. Und die Antwort lautet: Weil ich dort, in Oberhatzkofen, das Brot gefunden habe, das mich wirklich begeistert.
Das wird jetzt eine lange Geschichte, denn wirklich gutes Brot gibt es nur selten, und man muss es einmal gegessen haben, um zu wissen, was wirklich gutes Brot ist.
Als die Zonengrenze noch jung war, trennte der einfache Stacheldrahtzaun das Gehöft des Bergmüllers in Ebersdorf bei Neustadt bei Coburg in zwei Hälften. Die östliche Hälfte sah damal so aus:

Das Foto habe ich als vielleicht 8-Jähriger mit meiner Agfa-Click Kamera selbst aufgenommen. Die DDR hatte vorsichtshalber damals schon die Fenster und Türen im Erdgeschoss zugemauert und das Haus allmählich verfallen lassen.
Die westliche Seite war die für uns als Sonntagsspaziergänger zugängliche. Die Bergmühle.

Dieses alte Foto aus dieser Zeit habe ich im Internet geklaut. Ich hoffe, der Rechteinhaber kann mir verzeihen. Man bekam hier ein gutes Bier, aber auch Sinalco, die üblichen Braten mit Klößen, aber eben auch wunderbare Brotzeiten, und das Brot für die Brotzeiten, das haben die Bergmüllers in einem alten Holzbackofen selbst gebacken. Es war kein verführerisches Brot mit aufgeblasen krustiger Rinde, das frisch verzehrt werden wollte, weil es schon am zweiten Tag all seinen Reiz eingebüßt hat. Es war ein grundsolides Brot, große Laibe, geschlossene Rinde, innen sehr fein strukturiert, mit einem kräftigen Geschmack und – es war wochenlang haltbar, ohne an Geschmack oder Konsistenz zu verlieren. In den 70er Jahren habe ich Münchner Teamkollegen dahin geführt – und die haben sich dann, immer wenn sie in Neustadt waren, von dort Brot gekauft und mit nach München genommen.
So ein Brot habe ich später nicht mehr wiedergefunden. Natürlich habe ich Bäckereien gesucht, deren Brot sich nicht als Schwamm mit harter, scharfkantiger Kruste präsentiert hat, und auch meistens noch ein Brot gefunden, mit dem ich mich zufriedengeben konnte. Aber mit der Zeit haben sich in vielen Bäckereien Fertigbackmischungen durchgesetzt. Klar. Spart Zeit. Man braucht keinen Sauterteig zu pflegen, den Teig nicht tagelang zur Reife zu bringen. Den Sack mit der Backmischung ins Rührwerk, Wasser dazu, ein bisschen rühren – und ab in den Ofen. Je größer die Bäckerei, desto futuristischer der Ofen. Die Brotlaibe werden auf einem Gestell in den Ofen gefahren, computergesteuerte Temperaturführung, pieep-pieep-pieep – fertig, und auf dem Gestell geht es wieder raus auf dem Ofen und in den Verkauf. Von wegen, jeden Laib noch einzeln in den Ofen einschießen …
Es schmeckt halt alles gleich. Zehn Bäckereien im Umkreis – und keine hat noch ein eigenes, charakteristisches Brot.
Als sich dann die Qualität noch einmal veränderte, und zwar nicht zum Guten, habe ich angefangen mir Brot von einer bekannten Münchner Großbäckerei per Post nachhause schicken zu lassen.
Ein Paket, 10 Laibe, 20 Kilogramm Brot, in Viertel geschnitten und eingefroren. Das reichte dann immer für zweieinhalb bis drei Monate. Ich war lange damit zufrieden. Dann haben auch die etwas anders gemacht. Die Konsistenz hat sich verändert. Das Brot zerfiel im Mund zu sandigen Krümeln. Das hat mir gar nicht gefallen.
Also habe ich wieder einmal die umliegenden Bäckereien aufgesucht und Brotsorten ausprobiert. Parallel dazu habe ich mich per Google auf die Suche nach einer Bäckerei in Niederbayern gemacht, die noch auf Stein bäckt. Doch. Die gibt es noch. Es war das unscheinbarste Suchergebnis, das es mir am meisten angetan hat.
Bernes Holzofenbackstube
Hat noch nicht einmal eine eigene Website, nur ein paar Einträge auf Instagramm und bei einer Wasserschutz-Initiative, und da, beim Wasserschutz-Weizen, habe ich auch das erste Bild vom Bäckermeister gefunden.

Den Ofen hat er selbst gemauert, hat er mir erzählt, als ich ihn zum ersten Mal besucht habe, und dass er auf der MS Deutschland gefahren ist und Brot gebacken hat, bevor er wieder an Land gegangen ist und sich dann in Oberhatzkofen seinen Ofen gebaut hat, wo er nun ausschließlich „Vollsauerteig-Brot“ im Holzbackofen bäckt, und dieses Brot nur freitags und samstags, und auch da nur vormittags, in der Backstube und per Bäckermobil verkauft.
Mein heutiger Einkauf, bei Berne:

3 Laib Dinkelvollkorn

3 Laib Körndlbrot

2 Laib Gewürzbrot

2 Laib Zwiebelbrot
Dazu kamen noch 10 Brezeln und ein Hefezopf.
Mitte März bin ich garantiert wieder in Oberhatzkofen, denn länger reicht mein Vorrat nicht.
Sollten Sie jetzt Lust auf Brot bekommen haben und sollte Oberhatzkofen noch innerhalb Ihres Jagdreviers liegen:
Bernhard Kraus bäckt und verkauft in der
Eichenstraße 32
84056 Oberhatzkofen
und per Verkaufswagen in der
Max-von-Müller-Straße
in Rottenburg an der Laaber
aber immer nur freitags und samstags.
Eine Telefonnummer zum Vorbestellen gibt es natürlich auch. Fragen Sie mich danach, dann bekommen Sie die Rufnummer von mir.
Ok, ein wenig organisieren, dann läuft diese Kommentarschiene. Das Thema selber ist schon sehr bedeutsam, grundsätzlich nicht zu unterschätzen. Ich habe schon vor Jahrzehnten einen eigenen Holzbrotbackofen gebaut, was es so als Bauinfo gab. Nicht alles war letztendlich technisch zufriedenstellend, aber es hat funktioniert. Ich verweise auf erfreuliche Ergänzungen wie Lammkeule, Pizza etc. Ist aber ein anderes Thema. Heute, als ziemlich alter Knabe, an anderer Stelle, backe ich immer noch sehr gern ein eigenes Brot. Volles Verständnis!
Wir haben auch so ein Backhäuschen. Ich nenne es unseren schnellen Brüter. Mein Mann hat ihn vor vielen Jahren mit unseren Söhnen gemeinsam gebaut. Wir benutzen ihn oft. Schade, das man kein Foto einstellen kann.
Gütiger Himmel, was für ein Aufwand, um zugelassen zu werden. Sei’s drum. Was das Brot anlangt, läufst du bei mir offene Türen ein. Wenn ich von irgendwo nach D zurückkomme, ist mein erster Einkauf: Brot. Aber richtiges. Bin aber ebenfalls jedes Mal entsetzt über Qualität und Preis. Habe mir deswegen eine Brotbackmaschinerie zugelegt. Ich weiß, ich weiß, die ersetzt keinen Backofen. Ich experimentiere noch.
Meine Ernährung ist brot- und kartoffelbasiert, so wie seit der Kindheit vertraut. Für ein gutes Brot lege ich – mit dem Rad – gern lange Strecken zurück, denn echtes Bäckerbrot ist sehr, sehr selten geworden. Passable Kartoffeln weniger – bevorzugt mehlig kochend,da ich Prignitzer bin.
Ja, gutes Brot ist selten geworden.
Es gab mal in der Nähe von Biberach an der Riss einen Bäcker Weber aus Leidenschaft, der sich auf dem Hof seiner Schwester einen großen zweistöckigen Holzbackofen gebaut hat und so gutes Brot gebacken hat, dass die Kunden weite Wege auf sich genommen haben. Und er hat sein Wissen in ein gutes Buch gegossen.
Hier in der Nähe von Dessau/Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt gibt es einen Jungen Bäcker, der ebenfalls sehr gutes Brot nur einmal pro Woche bäckt und ohne viel Werbung an Menschen verkauft, die es wissen und zu ihm kommen.
Und in München gibt es eine Bäckerei, die von der Tochter des Hauses übernommen wurde. Sie hat dann sehr bald das bis dahin reichhaltige Angebot auf wenige Artikel reduziert, die aber nach entsprechender Schulung von ihren Angestellten handwerklioch gefertigt werden. Leider weiß ich nicht mehr, wie sie heißt.
Alles läuft darauf hinaus, dass wir unser leben wieder mehr und mehr in die eigenen Hände nehmen dürfen. Mein Motto: Wenn jeder das tut, was er gut kann und was er von Herzen gerne tut, ist für ALLES gesorgt! Und dann braucht es auch kein Geld mehr für den Austausch. Ohne Geld bleiben nur noch wenige Probleme und Ungerechtigkeiten in der Welt übrig.
Herzliche Grüße
stefan nathan
lecker lecker 😋