Über den Umgang mit Gold

Ein Leser schreibt mir:

Hallo Herr Kreutzer,

ich las vor wenigen Jahren bei Ihnen, man solle Gold und Silber mit über die Währungsreform hinaus mitnehmen und nicht alles zu relativ hohen Kursen (also wie jetzt) verkaufen.

Dies dürfte derzeit viele Leser interessieren und vor allem, ob man die Entwicklung der Edelmetallpreise nach der Währungsreform grob abschätzen kann z.B. aus der Vergangenheit heraus.

Herzliche Grüße

Die Fragestellung erscheint einfach. Die Antwort ist es auch, nur die Erläuterung macht es nötig, etwas weiter auszuholen.

Worum geht es bei dieser Fragestellung?

Es geht um den Unterschied zwischen Sachwerten und Geld, und es geht um die Möglichkeiten, das eine in das andere so umzuwandeln, dass dabei möglichst ein Gewinn entsteht.

Der Unterschied zwischen Sachwerten und Geld besteht darin, dass der Sachwert, ob es sich um ein Grundstück, einen LKW, einen Goldbarren oder einen Sack Kartoffeln handelt, von dem, der ihn gebrauchen kann, direkt sinnvoll genutzt werden kann. Geld hingegen, kann nicht direkt genutzt werden, es sei denn, man verbrennt es, um sich am Feuer zu wärmen. Geld bietet lediglich die Möglichkeit, nützliche Dinge zu kaufen, und das aber nur, wenn jemand da ist, der die gewünschten Dinge zum Kauf anbietet.

Umgekehrt ist es natürlich so, dass, wer einen Sachwert besitzt, diesen aber aus den unterschiedlichsten Gründen in Geld umwandeln will, jemanden finden muss, der bereit ist, ihm dafür Geld anzubieten.

Trivial?

Ganz und gar nicht.

Dies kommt in der Frage des Lesers ganz klar dadurch zum Ausdruck, dass er auf die Gefahr einer Währungsreform hinweist.

Der Begriff „Währungsreform“ wird gerne dahingehend missverstanden, dass dadurch Vermögen vernichtet, bzw. auf einen Bruchteil seines Wertes eingedampft wird.

Die Vermögensvernichtung findet vor der Währungsreform statt, und zwar über die Inflation, die stets die Notwendigkeit einer Währungsreform erst hervorbringt.

Inflation heißt im Grunde nichts anderes, als dass zusätzliche Geldmengen in Umlauf kommen, während das Warenangebot gleich bleibt, schlimmstenfalls sinkt. Der Markt reagiert darauf sehr schnell, indem die Preise steigen, bis wieder ein Gleichgewicht zwischen Geldmenge und Warenangebot herrscht. Die Herstellung dieses Gleichgewichts kann sehr lange dauern, weil die steigenden Preise dazu führen, dass mehr Kredit aufgenommen wird, was zu einer neuerlichen Aufblähung der Geldmenge und zum weiteren Anstieg der Preise führt.

Der Zweck der Übung ist im Grunde ganz einfach, aber nicht so leicht zu erkennen:

Die Schulden der Schuldner werden
aus dem Vermögen der Gläubiger getilgt.

(Gläubiger ist übrigens auch  schon derjenige,
der sein Geld der Sparkasse geliehen hat,
indem er dort ein Sparguthaben hält.)

In der Inflation steigen ja nicht nur die Preise, es steigen – notgedrungen – auch die Löhne und nicht zuletzt auch die Staatseinnahmen.

Wer also vor der Inflation bei einem monatlichen Netto-Einkommen von 3.000 Euro einen Kredit über 30.000 aufgenommen hat, tut sich um einiges leichter, diesen Kredit zu tilgen, wenn sein Einkommen durch die Inflation auf 30.000 Euro monatlich gewachsen ist.

Für den Gläubiger sieht das umgekehrt aus. Wenn seine anfänglichen 30.000 Euro noch ausgereicht haben, davon einen guten, jungen Gebrauchtwagen zu kaufen, kann er sich von den als Tilgung zurückerhaltenen 30.000 Euro gerade noch ein gebrauchtes Mofa kaufen.

Spätestens wenn die Fläche der Geldscheine nicht mehr ausreicht, um die vielen Nullen aufzudrucken, die sich bei Banknoten über 100 Milliarden Euro zwangsläufig ergeben (100.000.000.000), wird an der Währungsreform gearbeitet.

Üblicherweise wird dabei das alte, inflationierte Geld, in einem bestimmten Verhältnis gegen neues Geld umgetauscht. In einem einfachen Beispiel ginge das zum Beispiel so, dass alle noch vorhandenen Geldvermögen und Schulden im Verhältnis 10:1 umgetauscht werden. So werden aus 100 Milliarden 10 Milliarden. Aus 10 Millionen wird 1 Million, aus 30.000 werden 3.000, und so weiter. Selbstverständlich werden auch die Preise ungefähr im gleichen Verhältnis sinken.

Alles auf Anfang?

Nicht ganz. Wer es geschafft hat, im Laufe der Inflation seine Schulden weitgehend zu tilgen, steht besser da als vorher. Es ist ihm die sprichwörtliche Last von den Schultern genommen worden. Wer während der Inflation von seinem Vermögen zehren musste, oder als Gläubiger nur die alten Nomialwerte als Tilgung erhalten hat, hat massiv an Kaufkraft verloren. Klar, dass es vor allem die kleinen Leute sind, die von ihrem Ersparten zehren müssen, wenn die Preise durch die Decke gehen. Sie haben verloren, denn nur was am Ende noch übrig ist, wird im Zuge der Währungsreform noch umgetauscht.

Gold als sicherer Hort

Gold, als nützlicher Sachwert, wird vor, während und nach der Inflation gebraucht und nachgefragt. Die Industrie verbraucht erhebliche Mengen, etliches an Gold wird zu Schmuck verarbeitet, und etliches liegt einfach als krisensichere Anlage im Safe.

Der Preis ist abhängig von der Nachfrage. In normalen Zeiten, wenn weit und breit keine Krise am Horizont droht, geht die Nachfrage aus dem Bereich der Anleger zurück, der Goldpreis liegt auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Ziehen jedoch dunkle Wolken am Himmel auf, bauen die Anleger zunehmend Goldbestände auf, was zum Anstieg des Goldpreises führt. Gerät die Inflation in Fahrt, ziehen auch die Goldpreise massiv an. Das liegt nicht nur an der wachsenden Geldmenge, es liegt zu einem erheblichen Teil auch daran, dass immer mehr Gold gehortet und folglich immer weniger zum Kauf angeboten wird. Es kann also dazu kommen, dass der Goldpreis zeitweise die Inflation auf den Warenmärkten überholt.

Ist die Krise vorbei, normalisiert sich der Goldpreis wieder, weil die Anleger Gold abstoßen, weil sie Geld brauchen, um in rentable Anlagen zu investieren, und die Nachfrage nach Gold aus dem gleichen Grund wieder nachlässt.

Das bedeutet, die in einer Unze Gold gespeicherte Kaufkraft, die nach der Krise (und ggfs. nach einer Währungsreform) abgerufen werden soll, hängt davon ab, wie frühzeitig – also zu welchem noch günstigen Kurs – das Gold angekauft wurde.

Gold zum krisenbedingt vermeintlich erreichten Höchststand zu verkaufen, bringt zunächst einmal nur Inflationsgeld in die Kasse, das ohne die Korrektur durch eine Währungsreform voraussichtlich weiter inflationieren wird. In andere Anlageklassen umzusteigen bringt – über die Breite betrachtet und von echten Schnäppchen abgesehen – keinen zusätzlichen Nutzen, weil sich auch da die Inflation in den Preisen niedergeschlagen hat.

Sicherlich ist es auch möglich, Gold als Spekulationsobjekt zu nutzen. Darauf will ich hier jedoch nicht eingehen.

Wer Gold als Wertspeicher verwendet, sollte seine Anlageentscheidung ausschließlich unter langfristigen Gesichtspunkten betrachten und den Wert seines Goldschatzes nicht in Währungseinheiten bemessen, sondern in der jeweils aktuellen Kaufkraft.

Im März 2020, vor sechs Jahren, war die Feinunze Gold für rund 1.500 Euro zu haben. Die Tonne Weizen war für 150 Euro (Erzeugerpreis, Bayern) zu haben. Heute kostet die Tonne Weizen 175 Euro, die Feinunze Gold pendelt um 4000 Euro.

Welche Schlüsse daraus gezogen werden sollten, überlasse ich jedem selbst. 

Sie sollten wissen, was Sie mit dem Geld „Besseres“ anfangen wollen, wenn Sie überlegen, ihr vor einigen Jahren erworbenes Gold mit einem Preiszuwachs von 100 oder mehr Prozent zu verkaufen. Sollten Sie überlegen, jetzt noch Gold zu kaufen, sollten Sie sicher sein, dass Ihnen die Gewissheit, in ein paar Jahren wahrscheinlich mindestens 10 Tonnen Weizen für die Feinunze kaufen zu können, wichtiger ist, als im Geld zu bleiben und das Risiko der Inflation auf sich zu nehmen.

Von mir nur so viel: Die Nachfrage nach Weizen und anderem Getreide wird kaum nachlassen, so lange die Weltbevölkerung nicht deutlich schrumpft. Die Nachfrage nach Gold wird nachlassen, sobald sich die geopolitischen Unsicherheiten auflösen und nicht mehr zusätzlich zu den Inflationsgefahren auf die Finanzmärkte einwirken. Bedenken Sie: Alleine Trumps Ankündigung, sein Ultimatum an den Iran um lächerliche fünf Tage zu verlängern, hat die Notierungen massiv ins Rutschen gebracht. 

 

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