Trump – mit Zolltyrannei zur Weltherrschaft

PaD 30 /2025 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad30 2025 Trump – Mit Zolltyrannei

Der Plan ist kühn. Der Plan hat Aussicht auf Erfolg. Aussicht auf Erfolg, weil er nur mit plumpen psychologischen Mitteln kämpft und alle  Risiken, die sich bei Anwendung schnöder Logik ergäben, schlicht unter den Tisch fegt. An Letzterem wird er allerdings scheitern.

Aber von vorne:

Der Petro-Dollar ist noch nicht tot, aber er kränkelt. Der Zeitpunkt, an dem wir ihn auf der Intensivstation sehen werden, ist nicht mehr allzu fern. Die Möglichkeit, Waren aus aller Herren Länder zu importieren, und dafür mit nichts als frisch bedrucktem Papier zu bezahlen, weil dieses frisch bedruckte Papier von den Handelspartnern dringend benötigt wurde, um ihren Bedarf an Erdöl zu decken, während die Öl-Exporteure mit diesem bedruckten Papier jene US-Staatsanleihen kauften, deren Erlös wiederum verwendet wurde, um neue Importe zu bezahlen, war ein für die Ewigkeit gedachter Kreislauf, der einzig dadurch Bestand hatte, dass Mineralölprodukte weltweit ausschließlich in Dollar gehandelt wurden. Dass das so blieb, dafür sorgte für lange Zeit das US-Militär, das hin und wieder eingesetzt wurde, um weithin ausstrahlende Exempel zu statuieren.

Natürlich war allen Verantwortlichen auf der ganze Welt klar, dass es sehr viel einfacher wäre, den direkten Handelskontakt zwischen Warenproduzenten und Ölproduzenten zu pflegen und den parasitierenden Zwischenhändler USA auszuschließen, der in seiner Rolle als Zahlungsmittelbereitsteller größere Gewinne erzielte als die anderen Beteiligten, aber da gab es kleine Probleme. Die Ölproduzenten am persischen Golf waren kleine Länder mit kleiner Bevölkerung und daher als Absatzmarkt für die Großindustrie in keiner Weise geeignet. Luxusgüter, ja, die konnte man absetzen, aber sonst?

Mit dem Heranwachsen Chinas zur wirtschaftlichen, und dann auch militärischen Weltmacht, mit dem Wiedererstarken Russlands unter Putin, mit dem Erwachen Indiens, der Gründung der BRICS Vereinigung, entstand ein Wirtschaftsraum, der sich dem Zustand der Autarkie annäherte und zunehmend auf Importe von Energierohstoffen von außerhalb dieses Wirtschaftsraumes ebenso verzichten konnte, wie darauf, russisches Öl oder Erdgas mit US-Dollar zu bezahlen. Da war plötzlich der Rubel gefragt, und mit dem Rubel (und dem Yüan) öffneten sich über das Energiegeschäft hinaus weitere Handelsmöglichkeiten.

Nun erkannte man in den USA, dass sämtliche Anstrengungen, den ölreichen Nahen Osten militärisch zu dominieren, dass die Kriege gegen den Irak, die Zerstörung Libyens und Syriens, die fortwährenden Gemetzel im Libanon, der ganze „Krieg gegen den Terror“ und das Sanktionsregime gegen den Iran, ihre unmittelbaren Ziele zwar weitgehend erreichten, dass die Entwicklung zur Autarkie der nichtwestlichen Hemisphäre damit aber nicht aufgehalten, sondern eher beschleunigt wurde.

Die Idee,  Russland zu besiegen, zu destabilieren, zu zerschlagen, um den neu entstehenden Machtblock  entscheidend zu schwächen, dazu den ersten massiven Angriff dabei über die Ukraine vorzutragen, von der Breszinszki behauptet hatte, sie sei der Schlüssel für Russlands Macht, wurde – man muss rückblickend sagen – hektisch und ohne hinreichende strategische Analyse in Angriff genommen. Da stand noch diese Hybris der unbesiegbaren Armee, der amerikanischen Wunderwaffen im Vordergrund, denen Russland nichts entgegenzusetzen hätte, selbst dann, wenn man nur die Ukrainer damit ausrüsten würde und kämpfen ließe. Kombiniert mit massiven Sanktionen gegen Russland, sollte es gelingen, Putin zu Fall zu bringen und damit auch den Weg zur Unterwerfung Chinas zu eröffnen.

Wir wissen heute, dass dieser Versuch in die Hose gegangen ist, auch wenn der Konflikt noch andauert. Russland ist stärker denn je zuvor. Russland, China und der Iran sind enger zusammengerückt als je zuvor. Der gesamte, so genannte „globale Süden“ steht fester zusammen und ist, wenn schon nicht zwingend und in jeder Beziehung pro-russisch, so doch zumindest anti-US-amerikanisch eingestellt.

Die Dominanz des Petro-Dollar, Basis der US-Macht und des US-Reichtums, schwächelt stärker.

Was folgte war klassische Hegemonialpolitik in brutalster, kaum noch verhohlener Manier. Die europäischen Vasallen wurden in einem Akt durchaus schmerzhafter Sanktionen, die sie gegen sich selbst mit zu tragen hatten,  vom Handel mit Russland abgeschnitten, insbesondere vom Bezug russischer Energierohstoffe. Um den absoluten Willen zu zeigen, wurden sogar in einem völkerrechtswidrigen Zerstörungsakt die Nordstream Pipelines gesprengt, nachdem diese, trotz vorangegangener Drohungen (fast) fertiggestell worden waren. Womit der Westen dem Beispiel seiner Gegner folgte, und den direkten Handel zwischen EU-Waren- und US-Öl-/Gas-Produzenten hergestellt, bzw. erzwungen hat. Es mag zwar Überwindung gekosten haben, sich nicht mehr als Gegenleistung für fremdes Öl mit Importen zu versorgen, was der Petro-Dollar ermöglichte, sondern nun eigenes Öl und Gas verkaufen zu müssen, doch als Quasi-Monopolist konnte nun jeder Preis gefordert werden.

Das Dumme dabei: Es wurde immer noch in Dollar bezahlt, mit denen nichts anzufangen war. Der Binnenmarkt, durch Jahrzehnte des Imports auf Pump wirtschaftlich am Boden liegend, sieht man von der Waffenindustrie, den Software-Schmieden und der Finanzindustrie ab, kann die neue Dollar-Flut nicht aufnehmen, ohne tiefer in die Inflation zu sinken. Zinsen hoch? Das Patentrezept der Volkwirtschaftler versagt, was Trump erkannt hat, die FED aber nicht erkennen will. Die Inflation kam ja nicht von innen, sie wurde von außen eingeschleppt. Also muss das Geld investiert werden, es muss eine neue Industrie geschaffen werden. Make America great again!

Steuererleichterungen, Investitionsanreize, billige Energie! Aufbruch!

Es geht nicht so schnell. Auch Trump ist kein Zauberer, dem es gelingen könnte, per Abrakadabra und einem Händeklatschen das Werk von Jahrzehnten in sieben Tagen zu vollenden, während Russland und China trotz aller Sanktionen immer stärker werden, wirtschaftlich und militärisch, und vor allem die Abhängigkeit des US-Binnenmarktes von Importen einfach nicht schwinden will. Gegen die Importe sind die US-Produzenten noch lange nicht stark genug. Da fehlen lange Jahre der Erfahrung, da fehlen die Fachkräfte, und wo es Fachkräfte gibt, sind sie gegen chinesische Fachkräfte viel zu teuer, um wirklich konkurrieren zu können.

Damit droht nun auch der MAKA-Plan zu scheiteren. Nicht, weil er undurchführbar gewesen wäre. Er scheitert an der Ungeduld Trumps, der, um nicht abgerwählt zu werden, innerhalb einer Amtszeit schaffen muss, was eines langen Atems bedürfte, um zum Erfolg zu führen. Putin hatte die Zeit, Xi ebenfalls. 

Also muss jetzt die Konkurrenz weg vom US-Binnenmarkt.

Trumps Zölle sind nicht nur Protektionismus zum Schutz der eigenen, wieder aufzubauenden Industrie. Sie sind ein Vernichtungsfeldzug gegen Freund und Feind gleichermaßen, weil die Unterscheidung in Verbündete und Feinde für die USA in der momentanen Situation keinen Sinn mehr hat. Der Zwang, fünf Prozent des BIP für Waffen auszugeben, dient nicht etwa der Stärkung der NATO, sondern ist ein Akt der Unterwerfung und der Zerstörung von Staatsfinanzen und der Beschädigung der Ertragskraft der Volkswirtschaften. Ein Punkt für die USA.

Strafzölle gegen derzeit 70 Länder, zum Teil bemessen am Handeldefizit der USA mit diesen Ländern, zum Teil aber auch nur orientiert am Ziel der Zerstörung der Konkurrenz, oder aus persönlichen Kränkungen angesetzt, wie es bei der Schweiz der Fall zu sein scheint, sind die Methoden des Rabauken auf dem Schulhof, der Mitschüler, die sich nicht zu wehren wissen, gnadenlos abzieht, auch wenn sie ihn gerade in der Stunde vorher bei der Klassenarbeit haben abschreiben lassen. Verhandlungen zu Handelsthemen mit den USA geraten immer offensichtlicher zur Farce.

Trump setzt in seinem Poker auf das psychologische Mittel der Angst. Er weiß, dass der Gewinn eines Unternehmens davon abhängig ist, wie hoch es seine Kapazitäten auslasten kann. Oft gilt, dass bei 90 Prozent und mehr die Gewinne reichlich sprudeln, dass es bei 85 Prozent eng wird, bei 80 Prozent allenfalls noch eine schwarze Null zu erreichen ist, und dass im Bereich darunter nur noch Verluste geschrieben werden können.

Der Vorstoß zielt weniger auf die Regierungen, weil dieses Kalkül da überhaupt nur von den wenigsten verstanden wird, sondern auf die CEOs der Konzerne, die ihre Felle davonschimmen sehen. Die haben die Wahl zwischen mehreren Übeln:

  • radikal Kosten senken, Mitarbeiter entlassen, trotzdem auf Gewinne verzichten, nur um den Umsatz in den USA nicht zu verlieren,
  • überall auf der Welt nach anderen Abnehmern suchen, dazu Kosten senken, auf Gewinne verzichten, nur um den Umsatz nicht zu verlieren,
  • das Unternehmen im Versuch, vorhandene Werte zu retten, zu zerschlagen und zu liquidieren,
  • nach vergeblichem Kampf den Gang zum Insolvenzgericht anzutreten.

Was die Unternehemensführer auch immer unternehmen, es hat negative Folgen auf die Beschäftigungslage, die Sozialsysteme, die Steuereinahmen und das BIP der Staaten, in denen sie ansässig sind, was durch eine zwangsläufig wachsene Staatsquote die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen noch einmal schwächt.

Da wären jetzt staatliche Strategien zur Wirtschaftsrettung gefragt, doch nach diesen Strategen sucht man – zumindest in der EU – wohl vergeblich. Das hat sich am Ergebnis der Verhandlungen der EU mit den USA gezeigt. Da ist zwar die in den luftleeren Raum gestellte Forderung von 35 Prozent Zöllen auf 15 Prozent reduziert worden, doch daneben ist eben auch die Forderung nach einem „Geschenk“ in Höhe von 600 Milliarden Dollar zur freien Verfügung Trumps akzeptiert worden, von 750 Milliarden für Zwangs-Öl-und-Gas-Käufe ganz zu schweigen. Da kann man leicht auf 20 Prozent Zoll verzichten, und nur noch 15 Prozent fordern, wenn die Milliarden ganz unabhängig vom Handelsvolumen abgedrückt werden müssen. Das Ziel eine Volkswirtschaft zu vernichten, und der Industrie dort die Luft zum Atmen so weit zu nehmen, dass die benötigten Importe der USA gerade noch kostendeckend erzeugt werden können, ist auf diese Weise ebenso erreicht.

Ein dumpfes Bauchgefühl mag Trump gesagt haben, dass das immer noch nur die halbe Miete ist, und der Plan in die Hose gehen wird, wenn die Wirtschaft des Westens erst einmal zerstört und die US-Wirtschaft immer noch nicht genesen ist, während Russland, China, die gesamte BRICS-Bande und der rebellische globale Süden als lachender Dritter am Spielfeldrand stehen und dem Spektakel mit Interesse zusehen.

Daher nun, mit dem unverhohlenen Anspruch, Herrscher der Welt zu sein, die Drohung: Wer auch immer auf dieser Welt noch Energierohstoffe aus Russland bezieht, werde in seinen Handelsbeziehungen mit den USA mit Strafzöllen von 100, oder wer weiß wie viel Prozent belegt, was tatsächlich einem vollständigen Handelsembargo entspräche.

Wir sehen hier keinen Handelskonflikt mehr, finden nirgends auch nur die Spur einer Verhandlungsmasse, sondern nur noch die offene Kriegserklärung der USA an den ganzen Rest der Welt, sollte man sich dem Willen des Imperators nicht freiwillig beugen.

Das muss in die Hose gehen.

340 Millionen US-Amerikaner gegen der Rest der Welt?

340 Millionen Amerikaner, zerfallen in zwei politische Lager, die sich auf den Tod nicht ausstehen können, eine durch jahrzehntelange Importabhängigkeit ausgehöhlte Wirtschaft, 40 Millionen unter der Armutgrenze, Großstädte, von marodierenden Banden heimgesucht, am Rande der Unregierbarkeit, ganze Bundesstaaten auf Grund des Klimaarlamismus vor dem Zusammenbruch der Energieversorgung: Fürwahr längst nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Werden diese der ganzen Welt ihren Willen aufzwingen, werden sie von der ganzen Welt Tribut fordern können, für nichts, außer der vagen Hoffnung, nicht von den USA mit Krieg überzogen zu werden?

Der Krug geht nur so lange zu Brunnen, bis er bricht.

Trump hat überzogen. Das Dumme ist, er kann auch nicht mehr zurück.

Indien hat bereits offiziell erklärt, es werde weiterhin Öl aus Russland beziehen, da habe den Indern niemand dreinzureden. Die Chinesesen werden sich diesem Diktat noch weniger beugen. Macht Trump mit seiner 100%-Drohung ernst, schneidet er die USA von wichtigen Importen ab. Er wird die Belieferung samt 100%-Zoll auch mit Waffengewalt nicht erzwingen können. Er hat nichts in Händen, außer der Hoffnung auf die Gier der Unternehmer, der Unternehmensvorstände, und die Hoffnung, diese würden auf die Regierungen einwirken, den Energiehandel mit Russland einzustellen.

Es sind aber nicht die Regierungen, die russisches Öl brauchen und daher kaufen. Es sind die Unternehmen selbst. Lassen sie sich von billiger Energie abschneiden, werden sie untergehen, versuchen sie  im Handel mit den USA mit 100% Zoll zu überleben, werden sie ebenfalls untergehen.

Die Lösung liegt außerhalb des von Trump abgestecken Spielfeldes, und dafür ist er selbst verantwortlich.

Russen, Chinesen, Inder und viele andere sind noch nicht so wohlstandsverwöhnt wie die Europäer und die US-Amerikaner. Die stecken den Verlust der Umsätze mit den USA weg. Ja, es wird wehtun, aber die Alternative ist viel schlimmer. Also werden sie die Gürtel enger schnallen, die Zusammenarbeit untereinander vertiefen, sich auch von Abhängigkeiten von Lieferungen aus den USA befreien, gerade im HighTech-Bereich, wo die Schwelle zur Ebenbürtigkeit bereits erreicht ist, und letztlich einen großen geschlossenen Wirtschaftsraum errichten, der einen Grad von Autarkie erreichen wird, den die USA niemals erreichen können.

Die Europäer, einschließlich Großbritannien, stehen längst vor der Entscheidung, ob sie sich von den USA in deren Überlebenskampf als Kollateralschaden in den Untergang treiben lassen, oder sich endlich emanzipieren und ihren Wirtschaftsraum aus den Klauen des US-Imperialismus befreien. Ob das in den Hauptstädten und in Brüssel bereits erkannt wurde, muss allerdings noch bezweifelt werden. Es sieht eher so aus, als starre das Kaninchen regunglos auf die Schlange, in Erwartung des erlösenden Giftbisses.

Trump hat überzogen. Die Europäer könnten allerdings noch zurück.

 

P.S.: Meine bisher gepflegte Begeisterung für Donald Trump und seinen Versuch, die USA wieder groß zu machen, brauche ich deswegen nicht zu revidieren. Nach wie vor wünschte ich, wir hätten in der EU, vor allem aber auch in Deutschland, Politiker von diesem Gestaltungswillen zu Gunsten der eigenen Staaten und der eigenen Bevölkerung. 

Dass Trump jetzt überzogen hat, steht in einem anderen Kapitel der Geschichte, das soeben erst aufgeschlagen worden ist. Sein aktuelles Handeln schadet nicht nur dem Rest der Welt, sondern auch dem eigenen Volk, und das erlaube ich mir nun ebenso zu kritisieren, wie ich sein vorheriges Handeln als vorbildlich und nachahmenswert beschrieben habe.

Ob sich mit dem kurz bevorstehenden Treffen mit Putin noch einmal etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.