Trump auf dem Kriegspfad

Heute erklärt Finanzminister Bessent dem Iran, China und Russland den Krieg

Zur Zeit des Kalten Krieges gab es die Gilde der Kreml-Astrologen, die aus minimalen Veränderungen im Aussehen oder in der Sprache der Staatsführer der Sowjet-Union ihre Schlüsse über deren Gesundheitszustand zogen, um dann Spekulationen über mögliche Absichten, Gefahren oder auch Nachfolger anzuheizen. Dass sich gleichzeitig niemand öffentlich vergleichbare Gedanken über die amtierenden US-Präsidenten machte, war selbstverständlich. Von denen konnte ja gar keine Gefahr ausgehen, weil sie die Guten waren.

Nun gibt es zwar weiterhin ein kleines Häufchen von Kaffeesatzlesern, die sich in der Tradition ihrer Vorgänger der Gestik und Mimik des russischen Präsidenten annehmen, daneben aber auch auch ein ganzes Team aus Neurologen, Psychiatern und anderen Ärzten,  die bereits vor der Wahl 2024 „ernsthafte Anzeichen eines kognitiven Verfalls“ bei Donald Trump erkannt haben wollten.  Schon damals hantierten sie mit dem Begriff der Amtsunfähigkeit. Vor ein paar Wochen, im Mai 2026 sind diese Leute nun erneut an die Öffentlichkeit gegangen und haben erklärt, Trumps Zustand habe sich leider verschlechtert. Hört sich an, als sei er noch einmal ein gutes Stück amtsunfähiger geworden.

Betrachtet man Trumps derzeitige Außenpolitik näher, drängt sich der Vergleich mit Georg von Frundsberg auf, jenem an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit überaus erfolgreich agierenden Landsknechtsführer in kaiserlichen Diensten, der mit dem Spruch: „Viel Feind, viel Ehr!“, auf den Punkt brachte, dass es gerade der Sieg über eine Übermacht der Feinde ist, der dem Feldherrn die größte Bewunderung und Ehre verschafft.

War es für Frundsberg zu seiner Zeit noch gar nicht schwer, plötzlich einer Übermacht an Feinden gegenüber zu stehen und entsprechend Ehre einzuheimsen, sieht das bei Donald Trump schon etwas anders aus.

Trump ist schließlich die Übermacht.

Mit dem größten und teuersten Militär der Welt, errichtet und unterhalten aus einem Schuldenberg von gigantischen 40 Billlionen Dollar, wird die Sache mit der Ehre ziemlich schwierig. Im Gegenteil. Jedem Waffengang der USA gegen einen schwächeren Gegner haftet der schale Geruch des ungleichen, ja unfairen Kampfes an, und wenn das Ding dann auch noch misslingt, wenn sich der überstürzte Rückzug aus Afghanistan nahtlos in das Bild des Rückzugs aus Vietnam einfügt, wenn im Irak nur Chaos angerichtet wurde,  wenn der IS, der Feind aus dem „War against Terror“, jetzt in Syrien die Macht in Händen hält, dann ist doch, damned!, irgendetwas völlig schief gelaufen.

Natürlich kann man sich das als POTUS alles und immer wieder irgendwie schönreden. Aus den Reihen der eigenen Vasallen wird da auch niemand widersprechen wollen – und trotzdem sitzt der Stachel tief im Fleisch, zumal die Russen immer noch behaupten, nicht die USA hätten Deutschland im Zweiten Weltkrieg besiegt, sondern sie selbst, die Russen seien es gewesen. Das schmerzt – und eindeutig zu widerlegen ist es auch nicht.

Weniger kühne Recken würden jetzt die Waffen strecken, die Wunden lecken und versuchen, erst einmal mehr nirgends mehr anzuecken, bis in fünfzig oder hundert Jahren endlich Gras darüber gewachsen sein wird.

Donald Trump – und da betätige ich mich jetzt einmal als White-House-Astrologe – scheint vom Gegenteil beseelt, scheint die letzte Entscheidung herbeiführen zu wollen.

Seine Kriegserklärung, via Iran an China und Russland gerichtet, soll heute, 14.00 Uhr Ortszeit, also gegen 18.00 Uhr unserer Zeit bekanntgegeben werden. Nicht etwa vom Kriegsminister, sondern von Finanzminister Bessent. Vorher wurde schon bekannt, dass dieser dem Iran und allen, die meinen, dem Iran  zur Hilfe eilen zu müssen, den „wirtschaftlichen D-Day“ankündigen will. Sanktionen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

Das ist der blanke Irrsinn.

Ohne das Sanktionspaket schon zu kennen, kann durchaus bereits festgehalten werden:

Die USA haben, gemeinsam mit Israel, den militärischen Fight gegen den Iran nach Punkten verloren. Die Schäden an den US-Basen, an den Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten und der immense Munitionsverbrauch konnten die USA zwar nicht zur Kapitulation zwingen, aber immerhin dazu, sich mit dem 60-Tage-MOU eine Waffenruhe zu verschaffen, die wohl im Wesentlichen genutzt wurde, um Inventur zu machen und von deren Ergebnis aus die weiteren Chancen für militärische Attacken auf den Iran abzuschätzen. Diese Abschätzung scheint zu einem negativen Ergebnis gelangt zu sein.

Statt erneut Raketen zu verschießen und Bomben fallen zu lassen, sollen nun zur Abwechlsung wieder einmal die Sanktionen verschärft werden. Das alleine ist noch nicht der Irrsinn. Der Irrsinn besteht darin, Russland, Pakistan, China und jeden anderen Staat, der dem Iran hilft, bestrafen zu wollen. Denn eines ist klar: Der Iran wird Hilfe benötigen – und weder Russland noch China können zulassen, dass der Iran fällt und zum Einflussgebiet der weiterhin expansionslüsternen USA wird. Also wird dem Iran geholfen werden. Damit steht die dickste rote Linie auf der Landkarte, die die Welt je gesehen hat.

Es ist Irrsinn, weil den USA, wenn sie glaubhaft bleiben wollen, nichts anderes übrig bleiben wird, als mit militärischen Mitteln gegen die halbe Welt vorzugehen, um die Durchsetzung der Sanktionen zu erzwingen. Wie denn sonst … ?

China hat seinen Unternehmen bereits im Vorfeld verboten, sich US Sanktionen zu unterwerfen – und diese werden das Verbot der eigenen Regierung zweifellos ernster nehmen als den aus der Luft gegriffenen Anspruch der USA, sich in ihre Geschäfte mit Dritten einmischen  zu dürfen. Trump wird folglich Handelsrouten, Schiffe und Eisenbahnen angreifen müssen, wenn die Freunde des Iran das US-Embargo brechen. 

Das werden die Chinesen nicht lange hinnehmen. US-Kriegsschiffe sind große Ziele, die sich relativ langsam bewegen.

Und dann?

1 Kommentar

  1. Der IS war nie wirklich ein Gegner der USA, die USA haben die selbst geschaffen und IS hat am Ende auch das getan, was es sollte. Trump is natürlich kein strategischer Entscheider, sondern wie alle Politiker ein Mann mit begrenzten Spielräumen und noch begrenzteren intellektuellen Fähigkeiten. Dass er zunehmend Anzeichen von geistiger Unzurechnungsfähigkeit zeigt, stimmt ebenfalls, aber immerhin ist es bis zum Gemüsestatus von Biden noch ein gutes Stück.
    Bessant steht jetzt auf der Show Seite der Pseudolibertären, also ein Gegenspieler der Pseudoliberalen wie Sorros , mit der er zusammen vor einigen Jahren noch die Finanzkrise un Südostasien herbeigeführt hat;
    eine Shit Show das Ganze.

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