Tag des deutschen Einheitsgraus … oder sogar -brauns

Wer nicht danach suchte, hat wahrscheinlich bis gestern nichts davon gewusst, dass die schamhaft versteckten Veranstaltungen aus Anlass des höchsten vaterländischen Feiertages in diesem Jahr wieder am 3. Oktober stattfinden – und dies im Bundesland Bremen.

Das Bremer Volks (700.000 Ew, 0,85 % der deutschen Bevölkerung) kann sich da an allerlei Ausgestelltem erfreuen, Events beiwohnen und die in windigen Zelten nahe am Weserstadion untergebrachten Verfassungsorgane, Bundesrat, Bundestag und Bundesregierung besuchen. Sogar ein Nachbau des Plenarsaals wird einladen, darinnen zu singen bei „Deutschland singt und klingt“.

Der eigentliche Hauptakt ist für den 3. Oktober, punkt 12.00 Uhr vorgesehen. In nichtöffentlicher Sitzung im großen Saal der Bremer Glocke, Fassungsvermögen: 1.392 Sitzplätze, werden Bundespräsident und Bundesratspräsident je eine Rede halten, woran die geladenen, nichtöffentlichen Honoratiorinnen und Honoratioren direkt, sowie alle übrigen Deutschen draußen im Lande via Fernsehübertragung teilhaben könnten, wenn sie dies nur wollten.

Ohne die Reden von Steinmeier und Bovenschulte hätte die ganze Veranstaltung ungefähr den Flair der Eröffnung einer Landesgartenschau.

Mit ist es mehr die Stimmung früherer Volkstrauertagsversammlungen, von daher verständlich, dass die Bevölkerung draußen bleiben muss.

Die Leute gehen hin und gucken. Interessierte finden womöglich Interessantes, die anderen eine Gelegenheit, die Freiluftgastronomie zu besuchen.

Man kann diese Feierlichkeiten drehen und wenden wie man will: Sie bringen Deutschland nicht zum Leuchten und auch sonst nicht weiter. Jürgen Klopp, mit seinem klaren Bekenntnis, nationale Begeisterung auslösen zu wollen, wird – so er denn auch in der neuen Funktion den gewohnten Erfolg haben wird – dahingehend alleine mehr bewegen, als die versammelten Verfassungsorgane in Bremen in der Glocke.

Warum also nicht so?

… und das nicht nur in Berlin, sondern in allen Städten und Gemeinden, bis ins kleinste Dorf, wo die Feuerwehrkapelle vor dem Wirtshaus aufspielt und der Wirt Freibier ausschenkt.

Das, was alle Jahre woanders, irgendwo in der Provinz aufgezogen wird,  verblasst dagegen im Einheitsgrau eines Landes, dass sich nicht feiern darf, weil eine Feier, wie z.B. alljährlich in Paris, nicht gewollt ist. Am Können liegt es nämlich nicht.

Bitte sehen Sie sich auch die Seite von Deutschland singt und klingt an – scrollen Sie dort hinunter bis zu „So war’s 2025“ und sehen Sie dort das knapp 4-minütige Video an. Ich wüsste gerne von Ihnen, was Sie von dieser Initiative halten. Entweder gleich in die Kommentare oder per Mail an mich.

6 Kommentare

  1. Jürgen Klopp und Frank Walter Steinmeier passen ganz gut zusammen. Ob der Beitritt der neuen Bundesländer schon eine „Wiedervereinigung war, ist fragwürdig. Demzufolge bleibt auch an der deutschen Einheit ein Fragezeichen, die ja auch spürbar weniger zwischen West und Ostdeutschland halluziniert werden kann als etwa zwischen Deutschland und – oha- Österreich. Ich wohne ja 10000 km weit weg und habe von dem Trauerspiel ja nur Ihren Beitrag und ein paar Überschriften von offenbar (erwartbar) unsäglichen Äußerungen des BP mit bekommen. Reicht mir.

    Dieser Kommentar wurde von Egon W. Kreutzer entschärft.

  2. Ich möchte weder mit der Klöckner singen, noch mit sonst einem Vertreter dieser Politkreise.
    Ich kann mich noch gut an die Vorbereitungen der Einheitsfeier vor ein paar Jahren in Mainz erinnern:beteits 14 Tage vorher begann man mit zahlreichen Abaperrungen, so dass man als Normalsterblicher kaum noch sein Ziel erreichte (auf dem Fahhrrad), ohne riesige Umwege zi fahren.
    Saß der werte Her Merz eigentlich schon im Zug in die neue Hauptstadt Deutschlands am Dnepr? Nirgendwo lese ich seinen Namen. Hatte seine fulminante Hetze bei der Verleihung des Friedenspreises an die Nato ihn so erschöpft, dass eine Weinkönigin ihn vertreten musste? Eine Weinkönigin von der wir, bis zu einer Neuauszählung der BTW, nicht mal wissen, ob sie zurecht im Bundestag sitzt

    • Ich mache das mit den eingerückten Teilen öfters. Es ist meine Art, etwas aus dem laufenden Text auszuklammern, weil es eigentlich den Charakter einer Fußnote hat, oder weil es sich um ein umfangreiches Einschiebsel in einem unübersichtlichen Satz handelt. Muss ja niemand nachmachen ;-))

  3. Da feiern sich die Machtinhaber selbst. Es ist kein Fest für uns, sondern ein Fest, in dem immerzu UnsereDemokratie beschworen wird. Ich will nicht in UnsereDemokratie leben müssen, sondern in einer Demokratie. Es nervt, wenn immer von Zusammenstehen gesprochen wird. Wenn wir schon alle zusammenstehen sollen, frage ich mich, warum wir Ostdeutschen nicht anerkannt sind, warum wir Vulgärdemokraten sein sollen, warum wir als Dunkeldeutschland abgekanzelt wurden oder als kleine Kinder, die den Segensreichtum des Siedlungsgebietes mit ihren Häuptlingen nicht mehr trauen. Wir sind keine Einheit. Und wir Ostdeutschen sind die Paria dieses Siedlungsgebietes. Wir sind gefährlich für die Machinhaber, weil wir wissen, wie sich eine Diktatur anfühlt. Wir erkennen den Weg dahin. Dann kommen die hilflosen Versuche, dass wir überall uns selbst einen Tag der Einheit organisieren sollen/können. Die Machtinhaber sind zutiefst verzweifelt und haben Angst vor uns. Deshalb beschwören sie immer, die deutsche Einheit. Gestern habe ich einen Teil einer Rede von einem SPD’ler in Bremen gehört. Der rief zur Einheit aller auf, die sich in Deutschland einbringen wollen. Das heißt, er sprach NICHT von uns Deutschen. WIR im Osten, wollten uns 1989 die Demokratie holen. Das waren keine Migranten, niemand aus der Ukraine, niemand aus Afrika oder Arabien. Ost-und Westdeutsche haben damals an der Mauer in Berlin zusammen gefeiert. Es ist ganz allein UNSER Tag, ein Tag der Deutschen! Dieser Tag wird missbraucht durch die Machtinhaber.

    Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, sind wir alle unwideruflich gefesselt

    Captain Picard vom Raumschiff Enterprise (24. Jahrhundert)

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