Roboter werden Autos kaufen müssen

Als Henry Ford I. zu dem weisen Schluss gelangte: „Autos kaufen keine Autos“, waren das doch noch ganz andere Zeiten und mit den heutigen nicht vergleichbar. Da standen Menschen an mannigfachen Maschinen und an den Montage-Bändern und hinten kamen Autos raus. Klar! Damals mussten Menschen Autos kaufen – und, wie wir alle wissen: Sie haben es getan. Sie haben es getan, und immer wieder getan, bis auf den heutigen Tag.

Doch inzwischen werden die Menschen an den Maschinen und an den Montagebändern weniger. An ihre Stelle sind Roboter getreten. Ein Prozess, der sich immer noch beschleunigt,  wie es in dem am Schluss verlinkten Artikel von Tyler Durden auf Uncut News überzeugend glaubhaft dargestellt wird.

Es muss also befürchtet werden, dass das Ende der Automobilbranche nahe ist, lange bevor der letzte Mensch aus den Werkhallen verschwunden sein wird, weil es keinen Sinn macht, Roboter Automobile bauen zu lassen, wenn Roboter nicht auch Automobile kaufen.

Es gibt eigentlich keinen plausiblem Grund, warum Roboter keine Automobile besitzen sollten. In Bezug auf Sensorik und Reaktionsvermögen sind sie den Menschen längst überlegen, für so genannte humanoide Roboter könnte man die Bedienungselemente sogar so belassen, wie sie heute sind, also Lenkrad vor dem Fahrer, Kupplung, Bremse, Gas, unten im Fußbereich, Schalter für Licht, Blinker, Scheibenwischer nahe am Lenkrad, so dass so genannte Dual-Use-Cars aus den Fabriken kämen, die sowohl von Menschen als auch von Robotern bedient werden können. Dies wird sich aber schnell verändern. Autos für Menschen werden zu Sonderanfertigungen, wie sie heute schon für Bein- oder Armamputierte, Querschnittsgelähmte und Blinde hergestellt werden. Roboter Autos werden lediglich noch über eine USB- oder Bluetooth-Schnittstelle verfügen, über die der Roboter sämliche Aktivitäten des Autos steuert.  Wahrscheinlich wird man dann auch auf alle so genannten Assistenzsysteme wieder verzichten können, weil der Roboter sein eigenes Assistenzsystem ist und im Zweifel auch in  der Lage sein wird, beim unvermeidlichen Crash die Airbags auszulösen. Dass der Roboter über eine eingebaute Verkehrsregeln-App verfügen wird, ist selbstverständlich.

Auch die Lust am Autofahren kann den Robotern leicht implementiert werden. Man nehme ein kombiniertes Neugier-Fernweh-Fahrspaß-Modul, das leicht in das Softwaresystem integriert werden kann – und schon wollen sie fahren. Schenkt man ihnen obendrein für drei Monate ein kostenloses digitales Abo der Auto-Motor-und-Sport-Zeitung des ADAC, werden sie kaum noch zu halten sein.

Natürlich braucht so ein Roboter dann auch ausreichend Freizeit zum Fahren. Na! Die kann man ihm doch geben. Mit dem Schichtbetrieb in den Automobilfabriken kennen wir uns ja aus. Der Vorteil ist: Im Dreischicht-Betrieb braucht es dreimal so viele Roboter, womit auf einen Schlag auch dreimal so viele potentielle Kunden geschaffen werden.

Sie sehen, alles ist machbar, alles würde prächtig laufen, bliebe da nicht das kleine, bisher ungelöste Problem, dass Roboter kein Geld haben, um  einen Neuwagen kaufen und bezahlen zu können. 

Natürlich ist dieses Problem lösbar. Wir dürfen nur nicht in unseren alten Denkweisen verharren und glauben, nur Menschen ließen sich für ihre Arbeit mit Geld bezahlen. Wir haben doch auch dafür längst ein Modell, dass sich aus der Menschenwelt auf das Roboter-Szenario beinahe 1:1 übertragen lässt: Dieses Modell heißt: Leiharbeit. Es lässt sich perfekt mit dem Maschinenverleih kombinieren, der heute schon, gerade im Baubereich, bestens funktioniert.

Das Geschäftsmodell heißt „Lease a Robot“.

Spezialisierte Unternehmen kaufen in großem Stil und von daher zu günstigsten Konditionen Roboter unterschiedlichster Ausführungen ein und bieten diese seriösen Kunden zur Miete an. Bezahlt wird – wie beim Taxi – nach Zeit (Entleihtage) und Leistung (Stromverbrauch). Siebzig Prozent der Leihgebühr werden dem Roboter als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Lohn ausbezahlt, dreißig Prozent sind der Erlös des Leihunternehmens. So lange der Roboter bei seinem Leiharbeitgeber wohnt, wird zudem eine monatliche Miete fällig.

Da die allgemeinen Lebenshaltungskosten des Leihroboters gering sind – er braucht weder Bekleidung, noch Nahrung – nur hin und wieder eine Durchsicht,  bleibt von seinem Lohn schon nach zwölf bis achtzehn Monaten genug übrig, um die Anzahlung für das Einsteiger-Modell eines Automobilherstellers leisten zu können. Der Rest wird, je nach Leasing-Modell in 24 oder 36 Monatsraten fällig.

Mit dem Einwand, die Löhne der Roboter könnten niemals ausreichen, um die produzierten Autos zu bezahlen, haben Sie natürlich recht, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick sieht man dann aber, dass es ja auch noch anderswo Roboter gibt, nicht nur in der Automobilindustrie, die gerne ein Auto hätten, und dass es natürlich auch immer noch gelingen wird, Automobile zu exportieren. Hin und wieder sieht man auch noch Menschen, die ein Auto fahren, und das müssen die schließlich auch irgendwo gekauft haben. Und, falls alle Stricke reißen sollten, werden auch Banken zu finden sein, die bereit sein werden, Robotern zur Neuwagenfinanzierung einen Kredit zu gewähren. Alles kein Problem.

Damit kommen wir an den Anfang zurück: Dass die Menschen in der Produktion weitgehend überflüssig geworden sind und ihre Kaufkraft verloren haben, kann die Industrie gar nicht kaputt machen. Das Gejammer erinnert ein bisschen an den vergeblichen Aufstand der Weber. Das Bessere ist nun einmal der Feind des Guten, und so wird sich immer eine Möglichkeit finden, für die von Robotern erzeugten Produkte eine kaufkräftige Zielgruppe an den Markt heranzuführen.

Und, mal ganz ehrlich: Jeder der sich gegen diese zwangsläufige Entwicklung auflehnt, offenbart damit doch nur seinen tiefsitzenden, auf jede Art von Robotern bezogenen Rassismus. Bestenfalls ist es nur Neid.

Der versprochene Artikel