Rentenkommission – die glorreichen Dreizehn

– SATIRE –

13 Superhirne sollen auf Wunsch der noch amtierenden Regierung gemeinsam einen Plan für die Zukunft der Rentner entwickeln.

Nee, nee. Nicht die Zukunft der Rente.

Die Zukunft der Rente ist längst gesichert. Wer mal sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, hat auch Rentenpunkte. Der Summe aller Rentenpunkte stehen die Beitragseinnahmen und der Bundeszuschuss gegenüber. Dividiert man die Einnahmen der Rentenkasse durch die Ansprüche, ergeben sich die Rentenzahlbeträge.

Fertig.

Die Zukunft der Rentner ist ein anderes Thema.
Die Zukunft muss den heutigen und den künftigen Rentnern so rosig erscheinen, dass sie bei den bevorstehenden Urnengängen wieder rot und schwarz wählen, weil es eben nur Merz und Klingbeil sind, die diese rosige Zukunftsvision wahr werden lassen können.
Damit dürfte es nun jeder verstanden haben:

Die Zukunft der Rente ist sicher.

Die Zukunft der Rentner soll im Entwurf einer Vision sichtbar werden.
Nun ist eine 48-%-Haltelinie keine rosige Vision, wie auch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht gerade von allen Berufstätigen angestrebt werden dürfte. Da stößt die Kommission auf Unverständnis einer zu großen Wählerkohorte, als dass man die gefahrlos vor den Kopf stoßen könnte.
Die andere Seite, die noch Erwerbstätigen, umfasst zwar beinahe doppelt so viele Wähler, ist jedoch lange nicht so homogen, wie die Gruppe der Rentner. Hier könnte man durchaus mit Beitragserhöhungen arbeiten und feststellen, dass die meisten davon im großen Irrgarten der Gehaltszettel gar nicht bemerken, in welchem Ausmaß sie zusätzlich zur Kasse gebeten werden.

Wäre da nicht der Arbeitgeberbeitrag.
Die Arbeitgeber bilden in der Rentenfrage wiederum eine geschlossene Interessengruppe, die sich jedem, wie auch immer gearteten Anstieg der Lohnnebenkosten entschlossen in den Weg stellt. Die Gruppe der Arbeitgeber stellt zwar unter den Wählern nur einen fast vernachlässigbar kleinen Anteil, dafür stammt von diesen aber der Löwenanteil aller offenen und verdeckten Parteispenden, was die Anhebung des Rentenbeitrags allenfalls in Zeiten des Aufschwungs einer sowieso schon prosperierenden Wirtschaft denkbar macht, keinesfalls aber in Zeiten der Rezession, noch dazu, wenn diese Rezession von den gleichen Politikern verursacht wurde, die den Arbeitgebern wegen der Rentner noch einmal in die Kasse greifen wollen.

Fürwahr keine guten Voraussetzungen für eine Kommission, eine Lösung zu finden, die nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre.

Natürlich kann man auch daran denken, den steuerfinanzierten Anteil der Rente noch einmal anzuheben, wäre da nicht die sowieso exorbitant ansteigende Staatsverschuldung, deren Zinslast schon bald keinerlei haushaltspolitische Spielräume mehr erkennen lassen wird.
Die Kommissare der Kommission werden also sehr schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass die Grenzen des Rentensystems längst ausgelotet und nicht mehr weiter zu verschieben sind.
Sesselpupser, Korinthenkacker, Warmduscher und Erbsenzähler wären damit am Ende. Kreative Querdenker und Intelligenztestgewinner nehmen die Herausforderung an und suchen die Lösung außerhalb des dysfunktionalen Systems.
Ein Mathematiker könnte dem Problem zunächst mit analytischen Gleichungen zu Leibe rücken, um festzustellen, wo die passende Lücke aufzufinden sein könnte, über die der Weg aus dem engen System hinaus in die weite Welt anzutreten sei. Analytisch meint dabei, mit einem Gleichungssystem auf der höchsten Ebene zu beginnen, also an die Tafel zu schreiben:

Beitragseinnahmen + Bundeszuschuss = Rentenzahlungen

Danach werden die einzelnen Komponenten der Gleichung weiter aufgeschlüsselt. Dann zeigt sich nämlich schon alleine bei der näheren Betrachtung der Beitragseinnahmen, dass diese sowohl von der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten als auch vom durchschnittlichem Beitrag pro Beschäftigtem abhängen, wobei Letzterer sowohl vom jeweiligen Lohnniveau als auch vom Beitragssatz abhängt, während die Zahl der Beitragszahler von der konjunkturellen Lage, der Alterspyramide und vom Qualifikationsniveau abhängt.

Auf der anderen Seite ein vergleichbares Bild. Die Rentenzahlungen hängen von der Zahl der Rentner und der durchschnittlichen Rentenhöhe ab. Die Zahl der Rentner hängt ab von der Alterspyramide und vom Renteneintrittsalter, während die durchschnittliche Rentenhöhe wiederum vom Beitragsaufkommen und vom Bundeszuschuss abhängt, wobei der Bundeszuschuss so bemessen wird, dass Rentner mit einer durchschnittlichen Erwerbsbiografie mindestens den Lebensstandard von Grundsicherungsempfängern halten können, wobei sich die Höhe der geleisteten Beitragszahlungen in einer feinen Nivellierung der Rentenzahlbeträge gerade noch ablesen lassen soll.

Sesselpupser, Korinthenkacker, Warmduscher und Erbsenzähler wären damit keinen Schritt weiter. Kreative Querdenker und Intelligenztestgewinner wittern jedoch bereits jenen Hauch frischer Luft, der den nahen Ausgang aus dem Höhlensystem der Rente anzeigt.

Haben Sie diesen Ausgang aus dem System auch schon entdeckt?
Der Schlüssel ist der Lebensstandard. Nein. Nicht so, dass der Lebensstandard der Grundsicherungsempfänger abgesenkt werden muss, um den Rentnern bei Absenkung der Rentenansprüche immer noch mindestens den gleichen Lebensstandard zu garantieren. Das würde die Wähler wieder nur der AfD zutreiben.

Der Lebensstandard ist doch eine Funktion aus Rentenhöhe und Preisniveau!

Das Preisniveau ist zwar in Deutschland regional geringfügig unterschiedlich, bewirkt letztlich aber nur im Vergleich zwischen unterschiedlichen Volkswirtschaften bei identischer Rentenhöhe deutliche Unterschiede im Lebensstandard.

Das Preisniveau selbst hängt weitgehend von der Schuldenlast ab, die eine Volkswirtschaft zu tragen hat, weil Zins und Zinseszins zwangsläufig jene Inflation bewirken, ohne die auch nur der Versuch, die Kredite zu bedienen, scheitern müsste. Klar, dass sich steigende Preise mit der Zeit auch in steigenden Löhnen niederschlagen, was wiederum zu steigenden Preisen führt, steigende Preise ermutigen die Wirtschaft auch zu Investitionen, was in der Mehrzahl der Fälle zu neuerlichen Kreditaufnahmen führt, usw., usw., wobei der Effekt, dass immer größere Anteile der volkswirtschaftlichen Leistung den Gläubigern zufließen, irgendwann in jeder Volkswirtschaft dazu führt, dass das Geld knapp wird und weder für die Infrastruktur, noch für die Rentner noch das aufgewendet werden kann, was für den Erhalt von Straßen, Brücken, Krankenhäusern und den Lebensstandard der Rentner notwendig oder auch nur wünschenswert wäre.

Die beste Lösung für das Rentenproblem lautet:
Deutsche Rentner müssen raus aus Deutschland!

Wer da jetzt plötzlich das Wort „Remigration“ im Kopf hat, hat die Zusammenhänge noch nicht verstanden.
Alles reine Mathematik. Im Vergleich von Kaufkraft und damit von Lebensstandard ist bei den Migranten doch nicht das Preisniveau maßgeblich, sondern das verfügbare Einkommen. In Nigeria einen Dollar pro Tag zur Verfügung zu haben, bedeutet eben trotz eines Preisniveaus, das in Nigeria 80 Prozent unter dem deutschen liegt, sehr viel weniger Kaufkraft (nämlich etwa 130 €/Monat) als mit etwa 1.000 Euro/Monat vom deutschen Steuerzahler beschenkt zu werden.
Da wird es so schnell nicht zur Remigration kommen. Das ist ein ganz anderes Prinzip!

Umgekehrt wird ein Schuh draus!
Wenn man nämlich einen deutschen Durchschnittsrentner mit seinen 1.100 Euro nach Nigeria verfrachtet, dann verfügt er dort über eine Kaufkraft von 6.000 Dollar! Wo soll er hin, mit dem ganzen Geld? Man könnte also die Rente um 50 Prozent kürzen, und er hätte immer noch mehr als die doppelte Kaufkraft zur Verfügung wie hier im immer noch kalten Deutschland, wo ja auch noch die Heizung an der Kaufkraft zehrt!

Wenn es eine Win-Win-Situation gibt, dann doch diese!

Die Rentenkassen sind auf einen Schlag um die Hälfte entlastet. Der Bundeszuschuss kann ganz wegfallen und die Beitragssätze für die Jungen können obendrein gesenkt werden, was auch die Arbeitgeber entlastet – und den Rentnern geht es im Lebensabend dreimal so gut. Die müssen nicht mehr Flaschen sammeln, die können sich an den Feiertagen Kaviar und Krimsekt leisten!
Natürlich ist Nigeria das extremste Beispiel, und nicht jeder Rentner wird sich so ohne weiteres in Nigeria niederlassen wollen, andererseits besteht auch keine Notwendigkeit, die Renten gleich um 50 Prozent zu kürzen. Schon die Kürzung der Renten um nur 10 Prozent würde die Sorgen der Bundesregierung bezüglich der Rentenfinanzierung für einige Jahre vollständig verschwinden lassen.
Und jetzt wird die Liste der Länder, in denen man sich für 90 Prozent der Rente mehr leisten kann als mit 100% in Deutschland sehr lang.
Sehen Sie sich die hier verlinkte Liste genau an! Ab einem Lebenshaltungskosten-Index von 80 (Deutschland = 100) lohnt es sich, als Rentner über das Auswandern nachzudenken, wenn die Rente um 10 Prozent gekürzt wird. Da kämen durchaus schon Slowenien, Tschechien und Portugal in Frage, aber auch Kiribati und die Malediven.
Um dreißig Prozent und mehr sind die Lebenshaltungskosten in Kroatien, Ungarn, Polen niedriger, um nur einige zu nennen.
Richtig spannend wird es dann in Rumänien, Bulgarien, Südafrika, wo man sich für 90 Prozent Rente schon fast 200 Prozent Lebensstandard leisten kann.

Natürlich werden die Bedenkenträger, Sesselpupser, Korinthenkacker und Erbsenzähler sofort aufstehen und darauf hinweisen, dass deutsche Rentner doch über keinerlei Ersparnisse verfügen, vielen auch die Sprachkenntnisse fehlen, um an einen solchen Umzug überhaupt zu denken. Aber, so richtig diese Argumente auch sind, sie sind leicht zu entkräften.
Wo das Geld vorhanden ist, um Migranten nach Deutschland einzufliegen, sollte doch auch das Geld aufzutreiben sein, um deutsche Rentner auszufliegen. Das könnte man sogar noch aus der Rentenkasse nehmen, weil die dadurch ja schließlich massiv entlastet wird. Und was die Sprachkenntnisse betrifft: Unsere Botschaften vor Ort werden schon dafür sorgen, dass sehr schnell sehr große deutsche Rentner-Areas entstehen, in denen man mit Deutsch als alleiniger Sprache wunderbar zurechtkommt.

Weil hier aber weit über das Rentensystem hinausgedacht wurde, entstehen auch weit darüber hinaus wunderbare Nebenwirkungen!

Die vielen, von deutschen Rentnern bewohnten großen Wohnungen werden frei und können von jungen Familien mit und ohne Migrationshintergrund übernommen werden. Wohnungsknappheit war einmal, wenn erst mindestens 10 Millionen Rentnerhaushalte aus Deutschland verschwunden sind!
Wenn dieser weit verstreute Wohnraum erst einmal frei wird, werden sich auch die Ausländerghettos mit ihren No-Go-Areas auflösen, was maßgeblich zur Entlastung der Polizei und zu einer positiven Wendung in der Kriminalstatistik führen wird. Auch dadurch kann viel Geld für riskante Einsätze und wirkungslose Prävention gespart werden.
Die Krankenkassen werden massiv entlastet. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass etwa die Hälfte aller Kosten des Gesundwesens von Menschen in ihren letzten Lebensjahren verursacht werden. Und wer bewegt sich in den letzten Lebensjahren? Die Rentner!
Gleiches gilt für die Pflegekasse. Senioren- und Pflegeheime werden sehr schnell vollständig überflüssig, die frei gewordenen Wohnflächen können dem allgemeinen Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden.

Etwas Schöneres können sich die Regierungspolitiker doch gar nicht vorstellen.
Endlich werden wieder Mittel im Bundeshaushalt frei. Daran hat doch niemand mehr geglaubt, so wie 1988 niemand mehr an die Wiedervereinigung geglaubt hat.
Es wird auch auf den Hass- und Hetze-Seiten im Internet ruhiger werden. Da sind doch überwiegend die Alten unterwegs, die überhaupt Zeit haben, krude Gedanken zu wälzen und zu veröffentlichen. Prinz Reuß und seine Spießgesellen sind doch der klassische Beweis für diese These. Sollten sie dann im Ausland immer noch Lust haben, Hassbotschaften zu verbreiten, dann doch eher gegen die dortigen Eliten als gegen die Regierung im fernen Deutschland.

Das war der Höhepunkt der Euphorie der 13 Kommissionsmitglieder.

Ein Höhepunkt, der mit einem einzigen Satz vollständig zerstört wurde, als nämlich die Auftraggeber der Kommission, Herr Bundeskanzler Merz, Frau Bundesministerin Bärbel Bas und Herr Stellvertretender Bundeskanzler Lars Klingbeil sich genau diesen Zwischenstand der Kommissionsarbeit präsentieren ließen.
Alle drei sprachen diesen Satz gleichzeitig und lippensynchron aus, als der Kommissionsvorsitzende seinen Vortrag beendet hatte:

„So geht es auf keinen Fall!“

Sie, liebe Leser, haben das schon geahnt. Sie kennen diese Regierung nur zu gut.

Fast ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung außer Landes zu schaffen, wo sie von ARD, ZDF, BILD und ZEIT nicht mehr erreicht werden, wo es ihnen zudem so gut geht, dass sie an Deutschland gar nicht mehr zurückdenken und an die deutsche Politik schon gar nicht, das hieße doch, ohne Not freiwillig auf die letzten Wähler zu verzichten, die ihr Kreuz immer wieder bei CDU/CSU und SPD gemacht hätten. Das hieße doch, das Land der AfD zu überlassen.

Da muss man nicht lange die Interessen abwägen.

Unsere Rentner bleiben hier. Basta!
Was wären wir denn ohne deren Stimmen?

– ENDE SATIRE –

Die Rentenkommission:
(alphabetisch)

Peter Bofinger
Tabea Bucher-Koenen
Georg Cremer
Florian Dorn                         stellvertretender Vorsitz
Constanze Janda                  Vorsitz
Annika Klose                         stellertretender Vorsitz
Camille Logeay
Monika Queisser
Pascal Reddig                       stellvertretender Vorsitz (Rentenrebell)
Jörg Rocholl
Silke Übelmesser
Frank-Jürgen Weise           Vorsitz
Martin Werding

+ eine Rentenfachkraft aus der Rentenversicherung Bund

Über die Besetzung der Nachfolgekommission hüllt man sich in Berlin noch in Schweigen.