Die aktuellen Nachrichten über geradezu wundersame Fähigkeiten der KI, selbständig in fremde Systeme einzudringen, verbunden mit der Information: Wenn die KI einen Auftrag hat, wird sie alles versuchen, ihn zu erfüllen und auch auf irreguläre und illegale Methoden zurückgreifen, klingen auf eine ganz andere Weise gefährlich als die eher leisten Töne, mit denen die Möglichkeiten der KI, menschliche Arbeit zu übernehmen, angepriesen werden.
Dennoch sehe ich das größere Problem im Eindringen der KI in die Arbeitswelt.
„Ausbrüche“ der KI aus Testumgebungen können verhindert, oder zumindest kontrolliert und bei Verdacht auf Schadwirkungen ggfs. abgebrochen werden. Der Zugriff aufs Internet, der ja Voraussetzung für derartige Ausbrüche ist, bleibt schließlich nicht unbemerkt und kann zudem reguliert werden. Hingegen soll der Einsatz von freigegebenen Nutzanwendungen beim Kunden, wenn man es so nennen will, die Schadwirkung „Personalabbau“ hervorbringen. Da gilt: Je mehr, desto besser!
Mag es sich bisher noch weitgehend um Jobs handeln, wie sie in Service- und Supportcentern anfallen um Fragen von Kunden zu beantworten, bzw. deren Wünsche zu erfüllen, mag es sich um dispositive Tätigkeiten handeln, die in den Prozessen von Unternehmen eingesetzt werden können, um aus dem Bestelleingang heraus Lagerbestände oder Just-in-Time Lieferungen zu optimieren, so sind damit doch bereits in erheblichem Umfang Personal- und Kosteneinsparungen möglich.
Andere Anwendungen, die in Wissenschaft und Forschung zum Einsatz kommen, um die Geschwindigkeit der KI bei der Informations- und/oder Lösungssuche zu nutzen, und auch solche, die z.B. im Medizinbetrieb eingesetzt werden, um Diagnosedaten zu analysieren, setzen zwar aufwändigere Modelle voraus, haben geringeres Einsparpotential, verschaffen aber Vorteile durch die schnelle Verfügbarkeit von Ergebnissen.
KI im militärischen Bereich ist entscheidend für Präzisions-Waffensysteme, in denen aus Bedrohungsszenarien die Zielerkennung, die Auswahl der Abwehrwaffen (und das reicht von der „dummen“ Kanone, über land-, luft- und seegestützte Raketen, Drohnen und Marschflugkörper, bis hin zu ganzen Kriegsschiffen) und der Abschussbefehl erfolgt, der vom Menschen in der Operationszentrale kaum noch korrigiert werden kann, alleine weil die Vorwarnzeiten zu kurz geworden sind, um die Entscheidungen noch Menschen überlassen zu können.
Die KI-Einbrüche im Bereich des Journalismus sind weit fortgeschritten, bei der Erstellung von Bildern, Grafiken und ganzen Videos handelt es sich bereits nur noch um Fingerübungen der KI, so dass hier wieder erhebliche Einsparpotentiale erschlossen werden können, wenn auch in einer Branche, mit insgesamt eher wenigen Beschäftigten.
KI in der industriellen Produktion, zielt auf optimale Prozesssteuerung, kann Robotern zu erweiterten Tätigkeitsfeldern verhelfen, kann Störungen erkennen, bevor sie Auswirkungen zeigen, usw., usw.
Schätzungen über den zu gewärtigenden Jobverlust gehen immer noch von relativ kleinen Zahlen aus, doch fürchte ich, dass dies täuscht.
Meine Zweifel werden gestützt von einer einfachen betriebswirtschaftlichen Regel: Investitionen müssen sich rentieren.
Niemand weiß, wie viel Geld bereits in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz investiert wurde. Gelegentlich ist von inzwischen 3 Billionen Dollar die Rede, und ein Ende ist nicht in Sicht. Niemand weiß, wieviel Geld noch investiert werden muss, bevor die Investitionen amortisiert sein werden und dann tatsächlich Gewinn abwerfen.
Das Spiel ist ja auch kompliziert, und beteiligt sind längst nicht nur mehr die großen Tech-Konzerne. Jede Menge kleiner Garagenunternehmen sind unterwegs, um neue Anwendungsbereiche für die KI und damit auch neue Fertigkeiten der KI zu erschließen.
Dabei ist der Weg für das Produkt bis zu seiner vollen Wirksamkeit immer noch relativ lang.
Das, was in den Laboren entsteht, muss ja erst Anwender finden, die bereit sind, die Lizenzgebühren zu bezahlen, und diese Anwender müssen dann Umsätze generieren, ab denen der Saldo aus Lizenzgebühren und Personalkostenersparnis eine zusätzliche Rendite verspricht.
Auch ohne konkrete Zahlen zu kennen, lässt sich das Prinzip der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung darstellen. Stellen wir folgende Annahmen in den Raum:
Ein führendes KI-Unternehmen hat in seine Produkte vom Start der Entwicklung bis zur Marktreife innerhalb von drei Jahren eine Billion Dollar investiert. Aufgrund der rasanten Weiterentwicklung müssen die Investitionen in die derzeitige Generation innerhalb der nächsten drei Jahre wieder hereingespielt werden, weil sie danach entweder gar nicht mehr eingesetzt werden können, oder nur noch erheblich reduzierte Lizenzgebühren abwerfen werden. Erwartet wird darüber hinaus ein Gewinn vor Steuern in Höhe von 300 Milliarden Euro.
Es gilt also, Anwender zu finden, aus deren Budgets jährlich 433 Milliarden Dollar an Lizenzgebühren generiert werden können. Bei diesen Anwendern wird allerdings zunächst ein erhöhter Aufwand für die Implementierung der KI in die betrieblichen Prozesse erforderlich, der im ersten Jahr durchaus um die 150 Milliarden Dollar ausmacht. Der erhoffte Personalabbau wird erst gegen Mitte des ersten Jahres beginnen und ab dem zweiten Jahr voll wirksam sein. Erhofft wird durch den KI-Einsatz eine Kostensenkung von 150 Milliarden Dollar über die drei Jahre hinweg.
Die Kosten für den KI-Einsatz bei den Anwendern summieren sich in diesen drei Jahren auf 1,45 Billionen Dollar. Um die Gesamtkosten um 150 Milliarden zu reduzieren, müssen 1,6 Billionen an Personalkosten eingespart werden, und zwar in den Jahren 2 und 3 je 0,8 Billionen.
Unterstellen wir ein durchschnittliches Jahreseinkommen der freizustellenden Beschäftigten von 80.000 Dollar ergibt dies:
800.000.000.000 : 80.000 = 10 Millionen
Natürlich müssen die hier gesetzten Annahmen noch mit Vorsicht genossen werden. Doch halte ich 800 Milliarden Euro jährlicher Personalkosteneinsparungen pro einer Billion Entwicklungskosten für eine Hausnummer, die irgendwo in der Mitte dessen liegen dürfte, was realistisch angenommen werden kann.
Dem gegenüber stehen die Beschäftigten in den entwickelten Staaten der westlichen Welt, nimmt man die EU, GB, die USA, Kanada und Mexiko zusammen, dann finden wir dort rund 400 Millionen Beschäftigte.
Sollten die 3 Millionen bisheriger Investitionen der Entwicklungsunternehmen, von denen gelegentlich die Rede ist, zutreffen, müsste die Zahl der Beschäftigten von 400 Millionen auf 370 Millionen zurückgehen. Nur 7,5 Prozent.
Schlimm, oder nicht schlimm, das ist hier die Frage.
Bezieht man diese 7,5 Prozent auf Deutschland, dann sind wir bei 3 Millionen durch KI ersetzter Jobs. Das heißt: 155 Milliarden Netto-Kaufkraftverlust (brutto 240 Mrd.) die durch 45 Milliarden Grundsicherung längst nicht kompensiert werden können, 40 Milliarden Mindereinnahmen bei der Steuer, 90 Milliarden Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen, 45 Milliarden Mehraufwand für Grundsicherung, einschließlich nicht erwerbstätige Familienangehörige/ Bedarfsgemeinschaften.
So betrachtet, neigt man eher zu schlimm als zu nicht so schlimm.
Aber dies ist ja nur der Anfang.
Die KI kann damit ihren Siegeszug nicht abbrechen. Der nächste Schritt ist die Eroberung der Robotik. Die statisch an ihrem Platz festgenagelten Roboter an den Bändern mit ihren programmierbaren Aufgaben werden noch eine Weile bleiben, aber die humanoiden Roboter, deren KI es ermöglicht, sich ihre Arbeit selbst zu suchen, wie zum Beispiel das Auffüllen von Regalen im Supermarkt, die Beratung der Kunden in Möbelhäusern und Baumärkten, das Servieren von Speisen und Getränken in der Gastronomie, bzw., solche, die auf Zuruf alle innerhalb eines handwerklichen Gewerkes üblichen Arbeiten ausführen können, ob nun Montage von Leitungen (Elektro, Wasser, Abwasser) im Neubau nach digital erstellten Plänen, Verlegen von Fußböden, Streichen von Wänden, Montage von Einbauküchen, etc., solche, die im Versandhandel bestellte und vom selbstfahrenden Lkw angelieferte Großgeräte vor Ort montieren und in Betrieb nehmen, die werden die nächste Attacke auf die verbliebenen Jobs anführen.
Der Rationalisierungseffekt dürfte hier noch einmal die gleiche Größenordnung erreichen.
Jedes einzelne Unternehmen rechnet sich steigende Gewinne aus, wenn es den KI-Einsatz plant.
Volkswirtschaftlich wird damit aber der absolute Zusammenbruch ausgelöst.
Alleine der Staat, der erhebliche Teile seiner Aufgaben über Steuern und Beiträge finanziert, kommt schon mit 5 oder 6 Millionen Grundsicherungsempfängern nicht zurecht, wie soll er die doppelte Anzahl versorgen, wenn gleichzeitig Milliarden an Steuern (Lohn- und MwSt.) und Sozialabgaben wegfallen?
Im Einzelhandel wird der Kaufkraftverlust in vielen höherwertigen Segmenten gigantische Löcher reißen – und die frisch per KI rentabler gemachte Wirtschaft wird das schnelle Sterben vieler Unternehmen erleben, weil die erforderlichen Umsätze nicht mehr generiert werden können.
Die Maschinensteuer ist auch keine Lösung
Wenn der zusätzliche Gewinn pro Billion Investition bei den Anwendern nur 150 Milliarden beträgt, aber Kaufkraftausfälle von brutto 240 Milliarden zu kompensieren sind, geht das Spiel leider überhaupt nicht auf. Die Maschinensteuer würde die Rentabilität der Investitionen vernichten und sogar die bisherigen Gewinnerwartungen schmälern.
Auf den Punkt gebracht:
- Die Rentabilität einerer Investition in KI resultiert daraus, dass die Reduzierung der Personalkosten einen höheren Betrag einspart als an zusätzlichen KI-Kosten aufgewendet werden muss. (Personalkostenreduzierung = KI-Kosten + zusätzlicher Gewinn)
- Personalkostenreduzierung verursacht Kaufkraftschwund der Konsumenten und des Staates. Das Wohlstandsniveau sinkt.
- Kaufkraftschwund führt zu sinkenden Umsätzen und überproportional sinkenden Gewinnen.
- Sinkende Gewinne erschweren die Amortisation der Investition und führen in einen Verdrängungswettbewerb.
- Die KI vernichtet ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage.
Henry Ford wusste bereits, dass Autos keine Autos kaufen.
Heute wissen wir, dass die Chinesen aufhören, europäische Autos zu kaufen.
Das Geschäftsmodell, fehlende Binnenkaufkraft durch Exporte zu kompensieren, stößt auf wachsende Schwierigkeiten.
Die Wirtschaftsweisen sehen zwar massive Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt kommen, sind jedoch insofern noch guter Dinge, als sie annehmen, die KI könne dazu beitragen, die demografischen Veränderungen und den dadurch verschärften Fachkräftemangel so zu kompensieren, dass Wachstum trotz sinkender Beschäftigung möglich sein wird. Der hier von mir angesprochenen Punkt, nämlich Kaufkraftverlust überall da, wo die KI im Binnenmarkt und in den Exportmärkten der westlichen Welt menschliche Arbeit und damit Löhne und Gehälter durch Kapitaleinsatz, Amortisationsraten und Kapitalrendite substituiert, wird anscheinend noch nicht thematisiert. Vermutlich, weil das Problem vom Arbeitsmarkt und der Demografie her untersucht worden ist. Diese Perspektive lässt den Schluss zu, der Fachkräftemangel könne durch KI kompensiert werden, vernachlässigt allerdings die Verschiebungen zwischen den Produktionfaktoren Arbeit und Kapital und deren Folgen auf Einkommen und Kaufkraft.
Wer ganz tief in die aktuell betrachteten Fakten und daraus entwickelten Prognosen zum Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des KI-Einsatzes einsteigen will, für den gibt es bei „Wirtschaftsdienst – Zeitschrift für Wirtschaftspolitik“ eine interessante Zusammenstellung der Annahmen führender Wirtschaftswissenschaftler, die 2025 veröffentlicht wurde.
Guten Morgen, ich empfehle dazu das Buch von Andreas Eschbach „Freiheitsgeld“. Gleichzeitig kommt der Gedanke das die UNO versagt und einige digitale Entwicklungen zu Menschenrecht erklärt wie z.B. das Internet, WhatsApp, aber eben auch KI. Dies zeigt die Entwicklung schneller vorangeht als der Mensch dies verarbeiten kann. Dazu kam mir der Nebengedanke das es eine Prämie bei Unterschreitung oder Einhaltung eine maximalen Nutzungszeit pro Tag/Woche von digitalen Endgeräten geben müßte für die gesamte Familie – dies statt unsinniger Verbote und „nur“ zu Lasten der Kinder!!! Mit freundlichen Grüßen
Sie, wissen nicht, was die KI bedeuten wird, Ich weiß es nicht und „führende Experten“ schon gar nicht!
Leichter ist es auszurechnen, was nicht geht-Sie haben ein Beispiel gebracht.
Wer Intelligence mit Intelligenz übersetzt, dem fehlt es schon mal daran. Die gleiche KI, die ein komplexes mathematisches Problem gelöst hat, scheitert an einer Mittelstufenaufgabe. .Wenn man die Texte dazu jeweils liest, versteht man auch warum. Der inmere Algorithmus einer KI ust sehr primitiv, due LLMs machen nur auf neuem Level, was Computer schon immer gut konnten: Riesige datenmengen verarbeiten. Ärzte kann man ersetzen, seil sie enorm fehlerhaft arbeiten, die Ki schafft da weniger neue Risiken als die alte verringert, Wissenschaftler (also echte meine ich ) eher nicht. Datenzentren im All sind Unsinn- das ist vielleicht das letzte große Betrugsmanöver vor dem “ GreatTaking“.
Es ist eine führende Facette des aktuellen Turmbaus zu Babel. Aber, was tatsächlich an diesem Turm noch gebastelt werden kann, bevor Ende ist, dass ahnt, glaube ich, niemand.