
PaD 48 /2025 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad482025 Noch 14 Tage bis zur Sonnwendfeier
Sich wichtige Datümer im Kalender zu notieren, war nicht die Sache der Urchristen. Wahrscheinlich hätte nicht einmal Maria selbst sagen können, welchen Tag man schrieb, als ihr Sohn Jesus das Licht der Welt erblickte. Heutzutage, im Zeitalter der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz löst man das Problem so: Wer ganz am Ende der Flucht noch seinen Ausweis verliert, dessen Geburtstag wird schon bei der Registrierung des Asylgesuchs auf den 1. Januar des vermeintlichen Geburtsjahres festgelegt.
Damals war das ein sehr viel langwierigerer Prozess, bis die römische Kirche anlässlich des zweiten Konzils von Konstantinopel den Beschluss fasste, Jesus sei vor exakt 381 Jahren auf die Welt gekommen und das Fest seiner Geburt sei fortan stets am 25. Dezember zu begehen.
Es fand da etwas statt, was heute als kulturelle Aneignung verpönt wäre, schließlich wurde dem alten römischen Fest der Geburt des Sonnengottes Invictus der Mantel des Christlichen übergestülpt, so dass dem Volk das Wesentliche des Bewährten und Geliebten geblieben ist, weshalb auch kein Grund für eine Rebellion bestand. Dass das Invictus-Gedenken dabei untergegangen ist, dürfte der Masse der Römer dabei gar nicht aufgefallen sein.
Ja, vielleicht ist es ein Fehlschluss, wenn ich von unserem heutigen Verhalten auf das damalige schließe und annehme, auch den Römern sei es damals nur darum gegangen, ein rauschendes Fest zu feiern.
Es dauerte dann auch nicht mehr allzu lange, bis von den „Alten Römern“ nur noch eine Erinnerung übrig war. Heutige Historiker überschlagen sich geradezu in immer neuen Theorien über den Niedergang des Weltreichs, die „Degenerations-Theorie“, gipfelnd im Schlagwort von der „Spätrömischen Dekadenz“, die über lange Zeit vorherrschende Lehrmeinung war, wird angegriffen, um ihr zum Beispiel die Theorie von der „Großen Transformation“ gegenüber zu stellen, nach der Rom gar nicht untergegangen sei, sondern lediglich einen Transformationsprozess durchlaufen habe, an dessen Ende das „Mittelalter“ gestanden habe.
Nun, es gibt durchaus die Notwendigkeit, die spätrömische Dekadenz aus dem Gedächtnis der heute Lebenden zu tilgen:
Nur wer die Geschichte nicht kennt,
kann auch keine Parallelen finden
und nichts aus ihr lernen.
Ich zitiere ein bisschen aus der Wikipedia, um Parallelen sichtbar zu machen:
| Die reguläre Armee war in der spätrömischen Epoche besonders im Westen oft nicht mehr in der Lage, die Grenzen effektiv zu schützen.
Gründe waren wohl eine gemessen an den Herausforderungen zu geringe Mannschaftsstärke sowie Rüstungsfortschritte der Germanen (…) Andererseits waren die Römer den Barbaren militärisch grundsätzlich weiterhin überlegen. So behielten die kaiserlichen Truppen nach wie vor in der Regel die Oberhand über die hunnischen und germanischen Kriegerverbände; es ist kein Zufall, dass das römische Heer die weitaus größten Verluste nicht bei der Abwehr äußerer Feinde, sondern in inneren Konflikten erlitt. (…) Die neuere Forschung betont daher vor allem die Finanzierungsprobleme des Reiches: Ostrom konnte aufgrund seiner Wirtschaftskraft, der insgesamt stabilen Lage des Kaisertums in der Festungsstadt Konstantinopel und der weitgehend friedlichen inneren Verhältnisse auch im 5. und 6. Jahrhundert eine Armee unterhalten, die ihren Aufgaben insgesamt gerecht werden konnte. Im Westen war dies nach 400 immer weniger der Fall, vor allem, weil die Zentralregierung angesichts andauernder Wirren schrittweise die Kontrolle über wichtige Reichsteile einbüßte. (…) Das Steueraufkommen Westroms sank dementsprechend dramatisch ab, die regulären Truppen konnten nicht mehr finanziert werden. Der weströmische Staat fiel im 5. Jahrhundert letztlich einem politischen Erosionsprozess zum Opfer. Die notgedrungenen Anwerbungen nichtrömischer Söldner nahmen zugleich immer mehr zu, da dies ungleich billiger und zeitsparender war als der Unterhalt regulärer Truppen. Hinzu kam der Druck auf die Grenzen. Westrom gelang es nach Ansicht mancher Forscher zuletzt nicht mehr, die Germanen zu kontrollieren und in den Reichsverband einzubinden.(…) Der weitgehend fehlende Widerstand gegen die Germanen kann nach Ansicht mancher Forscher eigentlich nur zweierlei bedeuten: Entweder seien die einst so kriegerischen Römer im Westen auf einmal in Apathie verfallen, oder aber man habe die Barbaren gar nicht als bedrohliche Eindringlinge empfunden, sondern als Neuankömmlinge in den Diensten Roms, die lediglich die Aufgaben der regulären Armee übernahmen. Unfähige oder zu junge Kaiser (Honorius, Valentinian III.) und die Haltung manch eines magister militum (Heermeister), die Waffen gegen die eigenen Leute zu erheben, um so die eigene Position zu stärken, trugen zum Machtverlust des westlichen Kaisertums bei. Die Heermeister im Westreich waren im 5. Jahrhundert die eigentliche Macht hinter dem Thron, während ihr Einfluss in Ostrom begrenzt werden konnte. Manchem Kaiser, wie etwa Majorian oder Anthemius, gelang es aber noch in der Endphase Westroms, wenigstens zeitweise wieder die Initiative zu gewinnen; umkehren konnten sie den Prozess allerdings nicht. Westroms Macht war schon vor 476 bzw. 480 zeitweilig nur noch ein Schatten ihrer selbst – die kaiserliche Zentralregierung in Ravenna wurde schließlich von den (nicht immer germanischen) Heermeistern ausgehebelt. (…) Als dann Kaiser Anthemius 468 mit dem verzweifelten Versuch scheiterte, das reiche Nordafrika gewaltsam wieder zu unterwerfen, verlor das weströmische Kaisertum alle verbliebene Autorität und wurde 476 als überflüssig abgeschafft. |
Ich weiß nicht, ob Guido Westerwelle, als er von der „spätrömischen Dekadenz“ gesprochen hat, schon den Zustand Deutschlands, kurz vor der Wintersonnwende 2025 vorhergesehen hat. Google’s KI meint ja, es sei ihm nur um die Höhe der Hartz-IV-Sätze gegangen:
„Guido Westerwelle prägte 2010 den Begriff der „spätrömischen Dekadenz“, um Kritik am deutschen Sozialstaat und dem Versprechen anstrengungslosen Wohlstands zu üben, besonders nach dem Hartz-IV-Urteil. Er bezog sich damit auf eine Kultur des Verfalls und der Faulheit durch zu viel staatliche Alimentierung, löste heftige Kontroversen aus und distanzierte sich später von der Wortwahl, betonte aber, dass er das System, nicht die Betroffenen kritisiert habe.“
Stellen wir einfach gegenüber, was, lt. Wikipedia die spätrömische Dekadenz auszeichnete, und was, aus eigener Anschauung, in Deutschland heute an Vergleichbarem vorzufinden ist:
| Wikipedia über Rom | Deutschland aktuell |
| Unfähige oder zu junge Kaiser | Zerstrittene Koalitionen, maximal wortbrüchiger Kanzler, Marsch in die Deindustrialisierung |
| Anwerbung nichtrömischer Söldner | Massenmigration kulturfremder, junger Männer in die Sozialsysteme und den Wohnungsmarkt |
| Finanzierungsprobleme des Reiches | Finanzierungsprobleme des Bundes, der Länder und der Kommunen, maximale Neuverschuldung, in erheblichem Umfang für Konsumausgaben |
| Unzureichender Grenzschutz | Offene Grenzen, woran sich auch mit der neuen EU-Migrations-Strategie nichts ändern wird |
Abgesehen davon, dass die Römer noch nicht darauf erpicht waren, das Klima zu retten, das zu ihrer Blütezeit übrigens durchaus schon einmal ein bisschen wärmer war, als das, was wir als 1,5-Grad-Ziel noch gar nicht erreicht haben, gleichen sich die beiden Spalten der Tabelle doch wie ein Ei dem anderen.
Während in Bezug auf die Römer erst jetzt die Theorie aufgestellt wird, es habe sich nicht um den Niedergang, sondern lediglich um eine Transformation gehandelt, wird das aktuelle Regierungs- und Nichtregierungs-Handeln heute schon als die „Große Transformation“ angepriesen.
„Große Transformation“ klingt natürlich viel besser als „Untergang“, aber letztlich kann man jede Veränderung als Transformation bezeichnen. Bei den Römern, sagen die modernen Forscher, sei es die Transformation ins (finstere) Mittelalter gewesen. Heute sieht es so aus, als hätte die Transformation das Zeug dazu, uns in die Steinzeit zu katapultieren.
Ja, nun…, was soll’s?
Noch zwei Wochen, dann wird es wieder heller, die Fotovoltaik-Anlagen liefern wieder ein bisschen mehr Strom, der Einzelhandel freut sich, dass er Millionen falsch zugedachter Geschenke umtauschen darf, die Pyrotechnik-Hersteller machen das Geschäft des Jahres und Friedrich Merz wird uns auf ein wunderbares Jahr 2026 einstimmen.
Ach, wenn man ihm doch nur noch etwas glauben könnte.