So hat Merz es nicht gesagt.
Er sagte, die Rente wird künftig nur noch die „Basisabsicherung“ sein.
Nun, seit jeher gilt: Die Basis ist die Grundlage des Fundaments. Drunter ist nichts mehr, und daher meine ich, „Basisabsicherung“ und „Grundsicherung“ durchaus insofern gleichsetzen zu dürfen, als sich die „Zahlbeiträge“ nicht mehr unterscheiden werden.
Das ist heute noch anders. Heute gibt es viele Rentner, deren Rente schon unterhalb der Grundsicherung liegt, weshalb diese aus anderen Staatstöpfen aufgestockt werden muss. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Rentenformel genau so konstruiert ist, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Das ist allerdings nicht böser Wille der Rentenmathematiker, es ist die Abwertung der menschlichen Arbeit, die zwar nicht erst mit Schröders Agenda 2010 begonnen hat, davon aber doch nocht einmal kräftig beschleunigt wurde, mit der expliziten Zielsetzung, den größtmöglichen Niedriglohnsektor zu etablieren. Das ist nur teilweise gelungen. Der Spagat zwischen staatlichen Leistungen fürs Nichtstun, die sich am notwendigen Lebensunterhalt orientierten, und den später staatlich festgesetzten Mindestlöhnen, die sich ebenfalls am notwendigen Lebensunterhalt orientierten, also ganz klar leistungsfeindlich ausgerichtet die Entscheidung herausforderten: Freizeit ohne Ende oder 40-Stunden-Woche, bei gleichem Einkommen, ist misslungen. Wo eine starke Spreizung erforderlich gewesen wäre, hat es nur zu einem mit bloßem Auge nicht mehr wahrnehmbaren Winkel gereicht.
Jenen Millionen, die seinerzeit in Hartz-IV getrieben wurden, oder in aussichtslose Ich-AGs, in die Leiharbeit und in Mini-Jobs, denen fehlen inzwischen die notwendigen Rentenpunkte aus gut 20 Jahren.
Das ist die eine Seite. Es fehlen aber nicht nur den Rentnern die Beitragspunkte, es fehlen den Rentenkassen die Beitragseinnahmen. Dazu fehlen den Krankenkassen, der Pflegeversicherung und der Arbeitslosenversicherung ebenfalls die Beiträge.
Und das Problem hat noch eine dritte Seite. Jenen, die über ihre Steuern und über ihre Beiträge diese Lücke gezwungenermaßen finanzieren müssen, fehlt das dafür aufgewendete Geld entweder für den Konsum, was auch nicht gut ist, für die Wirtschaft, oder in den privaten Rücklagen fürs Alter.
Dies alles, um das deutsche Geschäftsmodell des Exportweltmeisters in die sich wie ein Buschfeuer ausbreitende Globalisierung zu retten. Dies ist gründlich misslungen.
Von der Ausgangsbasis her war Deutschland Hersteller hochwertiger Produkte, die vom Ausland nachgefragt wurden, weil sie dort entweder gar nicht oder nicht in der erforderlichen Qualität oder nicht zu den Preisen der deutschen Industrie hergestellt werden konnten. Deutschland war aber nicht nur der Hersteller dieser hochwertigen Produkte, sondern hatte eine breit gefächerte Wirtschaft, die auch weitgehend die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigen konnte. Es gab eine deutsche Unterhaltungselektronik-Industrie, Radiogeräte, Fernseher, Tonbandgeräte, Plattenspieler, alles kam aus Deutschland. Heute ist davon nichts mehr übrig. Es gab eine deutsche optisch-feinmechanische Industrie, die Fotoapparate, Filmkameras und Projektoren herstellte. Heute ist davon nichts mehr übrig. Es gab eine deutsche Bekleidungsindustrie, es gab eine Haushaltsartikel-Industrie, es gab eine Spielwaren-Industrie. Heute ist davon nichts mehr übrig.
Dies alles und noch vieles mehr, kommt heute hauptsächlich aus Fernost. Wer halt nichts anderes gelernt hat, als Hemden zu nähen, ist arbeitslos. Wer einen durchaus hochqualifizierten Beruf in den verlorenen Branchen hatte, ist arbeitslos oder irgendwo zu schlechteren Konditionen untergekommen.
Die Billig-Importe aus Fernost haben geholfen, die Lebenshaltungskosten der deutschen Beschäftigten niedrig zu halten, was geholfen hat, auch die Löhne und Gehälter niedrig zu halten, die Teilhabe am Produktivitätsfortschritt aufzukündigen und kaum mehr als den Inflationsausgleich zu gewähren.
Das war gut für den Export. Neben jenen Unternehmen, die mit hochwertigen Produkten die Nachfrage des Auslands auf sich zogen, konnten nun auch Unternehmen im internationalen Wettbewerb antreten, die Allerweltsprodukte auf dem Weltmarkt angeboten haben und dabei aufgrund der von Schröder gesenkten Lohnnebenkosten auch attraktive Preise anbieten konnten. Dieser Wettbewerb war und ist jedoch hart und erzwingt weiterhin die Senkung der Personalkosten.
Gegenwärtig verlieren wir zudem wichtige Basis-Industrien. Insbesondere die Abwanderung der Chemie, der Stahlindustrie und des Maschinenbaus, bringen neue Import-Abhängigkeiten mit sich, die zu der alten, damals noch bezahlbaren Energieabhängigkeit hinzukommen. Dies führt zwangsläufig zu weiteren Schieflagen, von denen die gewaltigste der Zusammenbruch der Automobilindustrie ist.
Auf den Punkt gebracht:
Deutschland ist nach dem zweiten Weltkrieg aus eigener Kraft zu einer leistungsfähigen, weitgehend autarken Volkswirtschaft herangewachsen, in der ein Lohn-, Preis- und Rentengefüge existierte, das aus der Vollbeschäftigung heraus so funktionierte, dass sich der sparsame Vier-Personen-Arbeitnehmer-Haushalt, so er denn wollte, den Traum vom Eigenheim erfüllen konnte. Aber nicht nur das: Die Rentenversicherung konnte ihre Beitragszahler lange vor der Rente für vier, fünf oder sechs Wochen in Kur schicken, Schulen und Hochschulen funktionierten und brachten junge, gut ausgebildete Menschen ins Berufsleben, die dann tatsächlich die Renten der Älteren finanzierten. Insgesamt ein Land im Wohlstand.
Aus dieser weitgehend autarken Volkswirtschaft ist im Zuge der Globalisierung eine weitgehend importabhängige Volkswirtschaft geworden, die mit den Importgütern auch die Arbeitslosigkeit und die Entwertung beruflicher Kenntnisse und Erfahrungen importiert hat. Im Zusammenwirken mit der absurden Energiewende und der ungeregelten Massenmigration hat sich Deutschland zu einem Land entwickelt, das seinen einstigen Wohlstand verloren hat, und die Reste dessen nur noch durch permanent wachsende Neuverschuldung am Leben halten kann.
Dass es so kommen würde, war absehbar. Kritische Analytiker der maßgeblichen politischen Entscheidungen, zu denen auch ich mich zähle, haben dies vorhergesagt, schon als Peter Hartz erstmals seine Maßnahmenpakete vorgestellt hat, und bei jeder weiteren Fehlentscheidung erneut und mit dem Hinweis auf die dadurch zusätzlich hervorgerufenen Probleme.
Die Ursache des Rentenproblems ist nicht die umlagefinanzierte Rente. Die Ursache des Rentenproblems ist die fortschreitende Entkernung der Volkswirtschaft. Erst dadurch ist jene Situation entstanden, die weit mehr war und ist, als nur eine Stimmung, dass sich deutsche Familien gar keine Kinder mehr leisten können, weil Kinder zum finanziellen Risiko geworden sind. Das ist die Ursache der tückischen demografischen Situation, die sich die jungen Paare ja nicht selbst gewünscht haben, sondern die einzig durch die politischen Weichenstellungen hergestellt worden ist.
Pessimisten sind längst überzeugt, dass Deutschland nicht mehr zu retten ist. Wenn Jens Spahn, Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU, immerhin der noch stärksten Fraktion im Deutschen Bundestag nun erklärt, die Regierung verwalte nur noch den Niedergang, dann ist das fürwahr kein Grund für gesteigerten Optimismus.
Es ist allerdings ein starkes Signal dafür, dass diese Niedergangsverwalter schleunigst abgelöst werden müssen, wenn es aus dem tiefen Tal heraus einen erfolgreichen Neubeginn geben soll. Abgelöst durch eine Mannschaft, die mit dem gleichen Mut, der gleichen Kraft und Ausdauer daran gehen will, Deutschland wieder aufzubauen, wie es jene getan haben, die 1949 die Verantwortung für Deutschland von den Besatzungsmächten zurückerhalten haben.
Verdammt noch mal!
Der Scherbenhaufen war 1949 um vieles größer als heute. Und es ist ein Wirtschaftswunder gelungen.
Es kann noch einmal gelingen.
Allerdings nicht mit Grünen, nicht mit Linken, nicht mit dem, was sich heute immer noch SPD nennt.
Wie es gelingen kann, was getan werden kann und getan werden muss, wie die Maßnahmen ineinander greifen und aufeinander aufbauen, das habe ich in meinem Buch „Wie der Phönix aus der Ampel“ in einer Art „Masterplan für Deutschland“ aufgezeigt.
Das Buch ist im Mai 2024 erschienen. Zwei verlorene, ja politisch vergeigte Jahre später, will ich es noch einmal in Erinnerung rufen. Auch, weil die Chance hoch ist, dass das Gespann Klingbeil-Merz noch dieses Jahr zerbricht und – als letzte Chance für Deutschland – Neuwahlen möglich macht.
Dann werden AfD und Union gemeinsam die Verantwortung übernehmen müssen, weil es gar nicht mehr anders geht – weder rechnerisch, noch wegen der realpolitischen Herausforderungen.

Lieber Herr Kreutzer,
ich lese Ihre Kommentare und Paukenschläge immer sehr gerne und mit großer Zustimmung, da Sie meistens hervorragend analysieren und argumentieren. Auch diesem aktuellen Kommentar ist weitestgehend zuzustimmen – bis auf den Schluss.
Zitat: „dass diese Niedergangsverwalter schleunigst abgelöst werden müssen, wenn es aus dem tiefen Tal heraus einen erfolgreichen Neubeginn geben soll. Abgelöst durch eine Mannschaft, die mit dem gleichen Mut, der gleichen Kraft und Ausdauer daran gehen will, Deutschland wieder aufzubauen, wie es jene getan haben, die 1949 die Verantwortung für Deutschland von den Besatzungsmächten zurückerhalten haben.“
Ja, das ist richtig. Aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die heutige Union dies noch kann!?! Wenn Deutschland irgendetwas gar nicht mehr brauchen kann, dann ist es eine von der Union geführte Regierung. Und somit auch keine Beteiligung der AfD, denn abgesehen von ein paar hohlen Naziköpfen wie Herrn H. in T., ist die Afd doch nur ein CDU-Ableger, in dem sich viele ehemalige Christdemokraten tummeln. Und das Parteiprogramm der Afd stimmt gerade in Wirtschaftspunkten doch sehr weitgehend mit dem der CDU überein.
Deren Denken ist aber vor vielen Jahrzehnten stehengeblieben, die aktuelle Welt verstehen weder Union noch AfD, egal ob geopolitisch noch wirtschaftlich und schon überhaupt nicht sozialpolitisch.
Eine Regierungskoalition von Union und AfD wäre das größte anzunehmende Unglück für unser Land, und das nicht wegen einiger tumber Naziköppe in der AfD.
Dass Kanzler Merz nicht für das Wohl des deutschen Volkes, sondern für das Wohl von Black Rock arbeitet, ist ja kein Geheimnis, siehe diesen tagesaktuellen Anlass.
Aber wahrscheinlich kommt es ja dann doch gar nicht zu einer Neuwahl und CDU/AfD-Koalitiom, weil die jetzige Regierung uns doch so gerne in einen Krieg mit Russland führen möchte und da konsequent und zielstrebig drauf hin arbeitet.
Nun sollen ja auch die Wehrpflicht auf bis zu 70Jährige ausgedehnt werden, fordert der Präsident des Reservistenverbandes, Bastian Ernst (CDU).
Also fangen Sie am besten schon mal an, sich wieder fit zu machen fürs Robben durch einen Schützengraben.
Die Union mit Merkel hat ja erst den Niedergang eingeleitet.
Warum glauben Sie, werden die es bei einen Neuanfang besser machen. Ersteinmal muss der ganze alte Dreck verarbeitet, aufgearbeitet und die dafür Verantwortlichen juristisch dingfest gemacht werden.Damit meine ich besonders die geöffneten Grenzen,das mutwillige zerstören unserer Atomkraftwerke,den Habeck seine stümpefhafte Wirtschaftspolitik, die Corona Maßnahmen welche besonders unsere Kinder geschädigt haben, den Lauterbach mit seinen Impflügen und nicht zuletzt die vielen Milliarden Steuergelder welche, gut honoriert, von deutsche Politikern an die UA verschleudert wurden. Solange das nicht auf den Weg gebracht wird,geht der Untergang in diesem Land mit schnellen Schritten voran.ich jedenfalls werde nur noch dieser Partei meine Stimme geben, welche genau und ausdrücklich dies in ihren Wahlprogramm verankert hat.
1. Die Union wird gebraucht, um eine Mehrheit zustande zu bringen. Außerdem steckt in der Partei immer noch einen Menge Vernunft. Die ist momentan aber über die Brandmauer stummgeschaltet. Ein Wahlergebnis mit 27% AfD und 23 Prozent Union bringt die Brandmauer zum Einsturz.
2. Wir haben keine Zeit, um erst den ganzen alten Mist aufzuarbeiten. Damit mögen sich Historiker beschäftigen. Jetzt kommt es darauf an, dass die, die es können und wollen, mit dem Gestalten beginnen.
3. Der Niedergang endet, wenn die Versager nicht mehr an der Macht sind, nicht erst, wenn alles aufgearbeitet ist. Das muss parallel laufen, aber der Wiederaufbau muss Priorität haben.