Lehrpflicht einführen? (Im Ernst? Nein!)

Vielleicht als Kontrastprogramm zu Ablenkung von anderen Übeln, getreu dem Pillendreher-Motto „Übel muss Übel vertreiben“, kocht ein Thema wieder hoch, das seit Jahrzehnten immer wieder neue Schlagzeilen hervorbringt.

Die Situation an den Schulen im Allgemeinen
und der Lehrermangel im Besonderen.

Der Vergleich mit Kriegsgefahr und Verteidigungsfähigkeit mag auf den ersten Blick als weit hergeholt erscheinen. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass es sich um die gleiche Art von Problem handelt.

Deutschland droht überrannt zu werden.

Die langjährige Abwesenheit von Krieg auf deutschem Staatsgebiet ist doch keine Garantie dafür, dass wir nicht schon nächstes Jahr mitten in einem neuen, großen Krieg stecken. Egal, wer ihn anzetteln mag, egal auf welchem Wege Deutschland hineingezogen wird. Es wäre gut, hätten wir dann ein Militär, das mit solchen Bedrohungen umgehen und Land und Leute schützen kann.

Nun ist zwar das Geld da, um die Bundeswehr aufzurüsten und auch die zivile Infrastruktur kriegstauglich zu machen, aber es fehlt an Soldaten, die diese Waffen im Ernstfall bedienen können, weil viel zu wenige sich freiwillig für den Dienst an der Waffe entscheiden.

Deutschland droht überrannt zu werden.

Die langjährige Rolle als Exportweltmeister zerbröselt vor unseren Augen. Es fehlt an Wissenschaftlern in den naturwissenschaftlichen Fächern, es fehlt an Ingenieuren, an Technikern, an IT-Spezialisten, um mit deutschen Ideen, Patenten und Produkten den Anschluss an die Weltspitze nicht endgültig zu verlieren.  Der naive Glaube, man müsse nur die Grenzen öffnen, dann würden die Fachkräfte schon ganz von alleine ins Land strömen, hat sich nicht erfüllt. Es kann, was die Fachkräfte-Zuwanderung betrifft, bestenfalls von Rinnsalen gesprochen werden. Dass aus der eigenen Bevölkerung zu wenig nachwächst, lässt sich, beginnend bei den Personalabteilungen der Großunternehmen und den Personalnöten der Handwerksbetriebe schnurstracks zurückverfolgen, bis in die Einrichtungen der frühkindlichen Bildung.  Auf allen Stufen ist das Niveau der Kenntnisse und Fertigkeiten dramatisch gesunken.

Ob das Geld da wäre, um das Niveau der schulischen Ausbildung wieder anzuheben, dürfte bei der Bedeutung dieser Aufgabe zwar nicht die Frage sein. Es muss einfach da sein! Doch davor steht noch eine viel schwerer zu beantwortende Frage: Wo sollen die Lehrkräfte herkommen, die diese Aufgabe übernehmen?

Gerade habe ich gelesen, dass es in Deutschland nicht nur so aussieht, dass es insgesamt zu wenige Studenten gibt, die sich auf das Lehramt vorbereiten wollen, sondern dass von denen, die den Weg bis in den Schuldienst zurücklegen, viele vor dem Erreichen der Altersgrenze aus dem Schuldienst wieder aussteigen. Fakt ist: Auf einen Lehrer, der regulär in Pension geht, kommen derzeit drei, die ihren Job als Lehrer vorzeitig aufgeben.

Die Ursachen für den Personalmangel bei der Bundeswehr und an den deutschen Schulen ähneln sich übrigens auch.  Beide Berufsgruppen genießen in der Bevölkerung kein besonders hohes Ansehen, beide Berufsgruppen werden nicht besonders gut bezahlt, beide sind nicht frei in der Wahl ihres Arbeitsortes, sondern haben oft willkürlich erscheinenden Versetzungen Folge zu leisten, und – last but not least – die Arbeitsbedingungen sind oft zutiefst frustrierend. Ich will da nicht weiter ins Detail gehen.

Nun glaubt man, das Personalproblem der Bundeswehr mit der vollständigen Wiederinkraftsetzung der Wehrpflicht lösen zu können, sollte die „freiwillige Wehrpflicht“ nicht ausreichend Zuspruch finden.

Man scheint zu glauben, man könne Zigtausend junge Männer für eine kurze Zeit – ein paar Monate, vielleicht ein Jahr – in Kampfanzüge stecken, und die dann im Kriegsfall sinnvoll einsetzen. Als was denn? Als Drohnenfutter?

Waren das nicht die Argumente, die für die Bildung einer reinen Berufsarmee vorgetragen wurden. Komplexe Waffensysteme, die Komplexität des Zusammenwirkens im Ernstfall, eben auch mit den Truppen der Verbündeten.

Nur zum Vergleich: Einen Mechatroniker lässt man drei Jahre im dualen System ausbilden, bevor er den Anweisungen des Meisters selbständig folgend einen Achsschenkelbolzen welchseln darf. Wehrpflichtige? Nach einem Jahr? Die haben bestenfalls den LKW-Führerschein gemacht und ein-, zweimal auf dem Schießplatz ein paar scharfe Patronen verfeuert. Das spricht nicht gegen diese Leute. Es spricht gegen die Idee.

Wenn Wehrpflicht sein soll, dann sollte auch Lehrpflicht möglich sein.

Bei der Musterung schaut man lediglich ins letzte Schulabschluss-Zeugnis und findet ganz leicht heraus, für welche Fächerkombination der Aspirant in Frage kommt. Dann bekommt er vier Wochen Methodik und Didaktik eingehämmert, zwei Wochen Jugendpsychologie, und dann geht es in den Simulator. Da steht er dann einer virtuellen Klasse gegenüber, deren Zusammensetzung und Leistungsstand dem Fortschritt des Lehrpflichtigen entsprechend eingestellt werden kann. Je nachdem, wie er sich da schlägt, darf er sich anschließend im Selbststudium für drei Monate sowohl fachlich als auch persönlich weiterbilden. Natürlich steht ihm jederzeit frei, auch noch nach Eintritt in die Lehrtruppe den Lehrdienst zu verweigern und stattdessen eine Stelle im Lehrersatzdienst anzutreten.

Nach sechs Monaten ist eine zweite Lehrprobe im Simulator zu bestehen, und dann kann der Schuldienst angetreten werden.

Den Lehrpflichtigen werden dazu nach bundeseinheitlichen Lehrplänen die faschspezifischen Curricula und die zur bundeseinheitlichen Verwendung vorgesehenen Lehrmittel zur Verfügung gestellt. Nach sechsmonatigem Einsatz an öffentlichen Schulen erfolgt mit der Überreichung einer vom Bundespräsidenten unterschriebenen Urkunde die feierliche Entlassung aus dem Lehrdienst und die Übernahme in die Lehrreserve. Angehörige der Lehrreserve können bis zum vollendeten 52 Lebensjahr jährlich zu bis zu vier Wochen zu Lehrübungen einberufen werden. 

Ob der Verzicht auf das schriftliche Dividieren in den vierten Klassen der Grundschule bereits vorsorglich zur Erleichterung der Einführung der Lehrpflicht erfolgte, wird noch zu ergründen sein.