Nein, man muss nicht Everybodys Darling sein. Da hat Herr Merz schon recht, wenn er auf Kritik und Anregungen aus dem Weißen Haus und der näheren Umgebung so reagiert: „Manches darin ist nachvollziehbar, manches darin ist verständlich, manches darin ist für uns aus der europäischen Sicht inakzeptabel.“
Recht hat er. Augenhöhe herstellen. Wir sind doch schließlich wieder wer – und niemandem Rechenschaft schuldig.
Ach, wie oft habe ich mir so ein standhaftes Vertreten deutscher Interessen von deutschen Politikern gewünscht. Es hätten ja gar nicht die großen USA sein müssen. Es hätte mir schon völlig genügt, wenn deutsche Interessen gegenüber der EU mit der gebührenden Intensität vertreten worden wären. Das wäre die Art von Haltung, die ich meine, nicht dieses woke Mimimimi…
Aber, ach!
Was tut er denn da, mit seiner ganzen schönen Haltung?
Vertritt er wirklich deutsche Interessen, wenn er Trump widerspricht, der behauptet die deutsche und EU Energiepolitik, die deutsche und EU Migrationspolitik und die deutsche und EU Bürgerrechtspolitik würden Deutschland und die EU ins Verderben stürzen, uns drohe nicht weniger als die zivilisatorische Auslöschung?
Da zeigt er doch eher eine trotzige als eine vernünftige Haltung.
Was Trump da in jenem Ton als Rat vorträgt, der väterlich genannt wurde, als es in Wokistan noch „Väter“ gab, sollte doch Anlass zu gründlicher Überlegung geben. Da kann man doch nicht einfach sagen: „Dass die Amerikaner nun die Demokratie in Europa retten wollen, dafür sehe ich keine Notwendigkeit. Wenn sie zu retten wäre – das würden wir schon alleine hinbekommen.“
Da ist ja nicht nur trotzig, das hat sogar Anklänge von Arroganz. Die sich noch steigern, wenn Merz sagt: „Ihr (die USA) braucht auf der Welt auch Partner, und einer der Partner kann Europa sein. Und wenn Ihr mit Europa nichts anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner.“
Erinnert mich an die Frage, wer mit wem wedelt: die Henne mit dem Ei oder der Schwanz mit dem Hund?
Aber auch das sind immer noch Stilfragen. Die darf man ruhig als ungeschickt einordnen, ohne dass damit schon wirklich Schlimmes verbunden wäre.
Die Katastrophe ist im Inhaltlichen angesiedelt.
Was reitet unseren Kanzler, das gescheiterte Projekt „Energiewende“ mit allen seinen bereits eingetretenen und absehbar drohenden Folgen, immer noch weiter zu verfolgen, obwohl Donald Trump mit seinem Strategiepapier und nachfolgenden Äußerungen eine Tür geöffnet hat, durch die man einfach nur gehen muss, um ohne Gesichtsverlust zu einer stabilen und wirtschaftlich tragbaren Energieversorgung zurückzukehren?
Was reitet unseren Kanzler, die längst als nicht mehr länger tragbar zu erkennende, unkontrollierte Massenweinwanderung als „Notwendigkeit“ darzustellen, wie gerade eben wieder in der Fernsehquizrunde für nur einen Kandidaten, aber Dutzenden unsichtbarer Elefanten, „Arena“?
Was reitet unseren Kanzler, wenn er behauptet, er sähe keine Notwendigkeit, die Auswüchse „UnsererDemokratie“ zu beschneiden, um die Demokratie zu retten?
Was glaubt er, auf welchem Weg und bis wann Deutschland wieder eine sichere Energieversorgung zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen haben wird, wenn an der Energiewende festgehalten wird? Noch während seiner Kanzlerschaft? Noch zu seinen Lebzeiten? Noch in diesem Jahrhundert?
Was glaubt er, was er als Kanzler bewirken kann, und ab wann es wirken könnte, dass die Zuwanderer, die schon im Lande sind und die immer noch kommen, zu jener Armee von Fachkräften geworden sein werden, die in der Lage wäre, mehr in die Staats- und Sozialkassen einzuzahlen als sie daraus beanspruchen? Noch während seiner Kanzlerschaft? Noch zu seinen Lebzeien, oder doch erst zum Ende des Jahrhunderts?
Was glaubt er, wie er mit seiner Politik die AfD-Wähler zur Rückkehr zur Union und zur SPD bewegen könnte, wenn er in Sachen Energie und Migration alles so weiter laufen lässt, wie es läuft, wenn er sich nicht aufrafft, deutsche Interessen in der EU durchzusetzen und wenn er sich nicht aufrafft, zu einer seriösen Haushaltspolitik zurückzukehren? Meint er wirklich, er könne die AfD vom Verfassungsgericht verbieten lassen und noch irgendwer würde ihm glauben, der Ausschluss der größten Oppositionspartei sei „Demokratie“? Das Stellen von Strafanzeigen gegen kritische Bürger, sei „Demokratie“? Meldestellen, Faktenchecker und der Digital Services Act hätten noch etwas mit Demokratie zu tun? Seit wann ist die EU denn eine demokratische Organisation?
Ich bin sicher, die Rede von der zivilisatorischen Auslöschung hat sich nicht nur auf die massenhafte Einwanderung von Kulturfremden bezogen, sondern eben auch auf die Demontage der Spielregeln, wodurch der Bevölkerung Rechte entzogen und neue Pflichten auferlegt werden, ohne dass „der Staat und seine Repräsentanten“ auch nur die geringste Gegenleistung erbringen würden.
Donald Trump hat recht. Und seine Drohung, die USA könnten die Europäer, wenn sie nicht umkehren, tatsächlich nicht länger als Partner betrachten, war nicht einfach nur so dahingesprochen.