Zwischen den USA und dem Iran scheint – trotzt der geplatzten Verhandlungen von Islamabad – tatsächlich immer noch so etwas zu herrschen, wie eine (Kriegs-)Waffenruhe. Was den Krieg Israels gegen den Iran betrifft, bin ich mir da nicht so sicher. Zumindest in den ersten Tagen der Waffenruhe war noch von israelischen Angriffen auf Ziele im Iran zu lesen, und das Wüten der IDF im Libanon hat ja nun überhaupt nicht aufgehört.
Der Iran hat die zu keiner Zeit physisch, wohl aber von den Schiffsversicherern faktisch geschlossene Straße von Hormus zumindest so weit geöffnet, dass Schiffe iranfreundlicher Nationen gegen Entrichtung einer Maut in Höhe von 1 $ pro Barrel, zu zahlen in Bitcoin oder Yüan, passieren durften. Dies über einen vorgeschriebenen, sehr engen Seeweg, dicht an der iranischen Küste entlang.
Da dies den USA nicht gefallen hat, hat Trump seinerseits eine Blockade über die Straße von Hormus, und damit über alle iranischen Häfen verhängt, mit dem Ziel den Iran von seinen Exporterlösen abzuschneiden. Die US-Blockade-Flotte scheint südlich im Arabischen Meer herumzulungern und hat offenbar schon einige Tanker aufgebracht, bzw. zur Umkehr gezwungen.
Dies wiederum ärgert China, das einen erheblichen Teil seines Öls aus der Golf-Region, bzw. vom Iran bezieht.
Dass allerdings der Iran seit der Waffenstillstandsvereinbarungen Drohnen und Raketen auf Israel oder US-Stützpunkte in der Region oder auf Infrastruktureinrichtungen der Golf-Anrainer abgefeuert hätte, davon ist nichts bekannt.
Sicher dürfte hingegen sein, dass die großen Transportflugzeuge der USA pausenlos unterwegs sind, um überall auf der Welt alles, was nur irgend geht, an Waffen und Munition einzusammeln und nach Israel und in die Golfstaaten zu schaffen. Niemand sollte annehmen, dass dies den Iranern nicht vollständig bewusst war, als sie dem Waffenstillstand zustimmten. Inwieweit es dem Iran gelingt, seinerseits die Arsenale aufzufüllen, ist fraglich. Die US-Blockade der iranischen Häfen dürfte zu den Maßnahmen gehören, dies zu unterbinden, und dies dürfte den USA so wichtig sein, dass ihnen der Schaden für die Weltwirtschaft, den sie damit anrichten, ganz egal ist. China versichert alle zwei Tage, keine Waffen an den Iran zu liefern. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich von Elsendorf aus nicht überprüfen. Inwieweit Nordkorea hilft, inwieweit Russland noch auf eigene Bestände verzichten kann, während der Ukrainekrieg weitergeht, ist unklar. Inwieweit die Waffenfabriken und die Raketenstädte des Irans noch intakt sind, und welche Quantitäten an Nachschub von dort noch erwartet werden können, ist ebenfalls unklar. Die mutige Rhetorik des Irans kann nicht als Indiz für tatsächlich verbliebene Fähigkeiten herangezogen werden.
| Nachträgliche Anmerkung:
Bei der nachstehend angeführten Botschaft aus China, kann es sich möglicherweise um einen Fake handeln, auf den ich selbst hereingefallen bin. Bitte mit Vorsicht genießen, auch wenn ich derartige Drohungen für nicht völlig aus der Welt gegriffen halte. Ein Leser hat mich per Kommentar zu intensiverer Überprüfung animiert. |
Aufhorchen lässt jedoch eine Botschaft aus China. Dort hat nämlich jemand aus der zweiten oder dritten Reihe erklärt: Sollte Israel die Atomkarte ziehen, würde Israel am nächsten Tag nicht mehr existieren.
So etwas sagt man nicht ohne Grund. Dahinter steckt die ernsthafte Befürchtung, Netanjahu stecke so tief in der Klemme, dass er sich bei erneutem Ausbruch der Kampfhandlungen nicht mehr anders zu helfen zu wisse. Es könnte also der Punkt erreicht sein, an dem die Voraussetzungen für den Einsatz israelischer Atomwaffen erfüllt sind. Kann damit zusammenhängen, dass der Iran gezeigt hat, dass er in der Lage wäre, die israelischen Atomwaffen-Anlagen in der Negev-Wüste bei Dimona zu zerstören, auch wenn erst einmal nur vor den Bug, also ein paar Kilometer daneben geschossen wurde.
Damit hat der Iran offiziell einen Platz unter dem Atomschirm Chinas erhalten. Eine Situation, die neu ist, für die Welt.
War der atomare Schutzschild der USA so konzipiert, dass er rein der Abschreckung diente, und zwar vor einer Situation, in der Russland und die USA sich gegenseitig mit Atomwaffen beharken und dabei die Auslöschung weiter Teile der Menschheit in Kauf nehmen, hat die Abschreckung, die China nun in die Welt gesetzt hat, eine ganz andere Qualität.
Russland, die USA und auch China selbst wären von diesem Schlagabtausch nach strategischem Kalkül nicht betroffen. Die Drohung richtet sich alleine gegen Israel, und sie ist insofern glaubhaft, als sich Israel tatsächlich mit einem einzigen Atomschlag ausradieren ließe, weil die Landfläche einfach zu klein ist, um noch ausweichen zu können. Selbst wenn es Israel im Erstschlag gelingen sollte, den Iran zur lebensfeindlichen, radioaktiv verseuchten Wüste zu machen – der Konflikt bliebe begrenzt. Das ist kein tröstliches Szenario. Es ist genau das Szenario, das mit beiderseitigen Overkill-Kapazitäten über den kalten Krieg hinweg und bis heute durch Abschreckung vermieden wurde. Nun erscheint der Atomkrieg führbar geworden zu sein und die Büchse der Pandora steht sperrangelweit offen.
Der zweite Aspekt der chinesischen Drohung liegt in der deutlicher als je zuvor erkennbaren Machtverschiebung, weg von den USA, hin zu China.
Was als eiskalte Machtdemonstration der Koalition aus Israel und USA begonnen hat und bis zum Punkt des Nachweises der Unfähigkeit dieser Koalition getrieben wurde, den Iran mit zigfacher materieller und finanzieller Überlegenheit in wenigen Wochen niederzuringen, hat sich in eine ernsthafte Machtdemonstration Chinas gewandelt. Ich würde niemandem raten, an der Ernsthaftigkeit der chinesischen Drohung zu zweifeln. Sie steht im Raum.
Trumps unstetes rhetorisches Geschwätz vom schnellen Ende des Krieges, von etwas Großem, das geschehen wird, davon, dass alle Ziele erreicht seien, wirkt dagegen so grotesk und realitätsfern, dass man sich belustigt abwenden möchte, wäre er nicht immer noch der Präsident der USA, dem dort niemand mehr mit dem nötigen Ernst entgegentreten will. Das System der Checks und Balances der USA scheint vollständig ausgehebelt zu sein.
Dass sich jetzt in der EU eine Koalition formt, die den freien Zugang zum persischen Golf gewährleisten will – allerdings erst nach dem Ende des Krieges, ist von vergleichbarer Absurdität. Was soll denn da gewährleistet werden? Sollten die USA den Krieg gewinnen und dem Iran ihre Bedingungen diktieren, dann wird Trump seine Mautstelle an der Straße von Hormus errichten und durchlassen, wenn er durchlassen will. Daran werden die Europäer nichts ändern, nicht mit Kriegsschiffen, nur mit Untertänigkeit. Sollte der Iran den Krieg gewinnen, wird der Iran bestimmen, wer freie Durchfahrt erhält und wer nicht, und auch daran werden die Europäer nichts ändern, es sei denn, sie wollen den Fehler Trumps wiederholen.
Die Waffenruhe gilt noch bis zum 22. April. Pakistan würde gerne vorher noch eine zweite Verhandlungsrunde organisieren.
Ich würde weder darauf wetten, dass die Waffenruhe tatsächlich noch eine Woche hält, noch darauf, dass eine zweite Verhandlungsrunde zu einem anderen Ergebnis führen würde.
Guten Abend,
laut „Le Chat“ kommt die Aussage von: deutsch.news-pravda.com/world/2026/04/10/661565.html
Mit freundlichen Grüßen
Guten Tag Herr Kreutzer, vielen Dank für den informativen Artikel. Sie schreiben darin u.a.: „Aufhorchen lässt jedoch eine Botschaft aus China. Dort hat nämlich jemand aus der zweiten oder dritten Reihe erklärt: Sollte Israel die Atomkarte ziehen, würde Israel am nächsten Tag nicht mehr existieren.“ Wer hat diese Aussage wann gemacht? Vielen Dank!
Ich habe mir das alles noch einmal gründlich angesehen. Leider kann ich nicht völlig ausschließen, selbst auf Fake News hereingefallen zu sein. Danke für Ihre Nachfrage.