Nachdem der Iran zu dem Schluss gelangte, von den USA in Verhandlungen oft genug betrogen worden zu sein, um Trump & Co. kein Wort mehr zu glauben, ist der Ausweg eines Waffenstillstands verschlossener als die Straße von Hormus.
Nun handelt es sich hier nicht um eine Slapstick-Komödie aus Stummfilmzeiten, wo sich Kontrahenten so lange gegenseitig eine Torte nach der anderen ins Gesicht drückten, bis ein externes Ereignis die Aufmerksamkeit ablenkte, obwohl die Choreographie von Schlag und Gegenschlag daran erinnert. Es handelt sich auch nicht um den Kampf auf Leben und Tod, wie ihn einst zwei Gladiatoren zur Unterhaltung der zahlenden Zuschauer in einer römischen Arena mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestritten.
Es ist ein Krieg, in dem sich Israel und der Iran aufs Äußerste bekämpfen und dabei nicht nur sämtliche Golfstaaten in Mitleidenschaft ziehen, sondern über die Energieverknappung die ganze Welt aus der Rolle des Zuschauers herausholt und die Nationen zu mehr oder minder schwer Getroffenen macht.
Die Rolle der USA, die gerne den lachenden Dritten spielen will, kehrt sich gerade um in die Rolle dessen, der – unabhängig davon, wie der Krieg ausgeht – schon heute als Verlierer feststeht. Verloren haben sie nicht nur sehr viel Geld sowie extreme Mengen an Munition und Kriegstechnik, das wäre zu verschmerzen, sondern vor allem den Nimbus des unbesiegbaren Weltpolizisten mit seinem gigantischen Militärapparat, dessen Waffen als unbezwingbar galten.
Der letzte Stand der Eskalationsspirale sieht den US-israelischen Angriff auf das iranische Kernkraftwerk Buschehr, ursprünglich von Siemens geplant und ein gutes Stück weit errichtet, dann von den Russen fertig gebaut und in Betrieb genommen, und auf die iranischen Atomanlagen in Natanz, wo vor allem die Urananreicherung stattfindet, bzw. stattgefunden hat.
Der Iran hat postwendend Raketen auf Zentralisrael abgefeuert. Eine schlug in der Stadt Arad ein und verursachte erhebliche Schäden und eine große Zahl von Verletzten. Die andere schlug in der Nähe der atomaren Anlagen bei Dimona ein, ohne nennenswerte Schäden zu verursachen. Allerdings erklärte der Iran dazu, man hätte das Atomkraftwerk und die Anlagen zur Bombenherstellung durchaus treffen können, es habe sich vorerst nur um einen „Schuss vor den Bug“ gehandelt.
Diese Drohung ist ernst zu nehmen. Selbst wenn die Rakete eigentlich das Kraftwerk hätte treffen sollen, wäre der Iran nun in der Lage, die Steuerungsdaten so zu korrigieren, dass der nächste Schuss sitzt.
Zugleich erklärte der Iran allerdings, die Raketen, mit denen auf die Insel Diego Garcia gezielt wurde, nicht abgeschossen zu haben. Er verfüge über keine Raketen die 4.000 km weit fliegen, und bestätigte damit die vor dem Krieg sicher geglaubten Erkenntnisse seiner derzeitigen Gegner. Auch dies erscheint eher glaubhaft. Die Insel ist ein bisschen weit weg, um in diesem Krieg eine entscheidende Rolle zu spielen. Sie wird von Briten und Amerikanern gemeinsam als Stützpunkt im indischen Ozean genutzt.
Wenn da aber tatsächlich Raketen unterwegs waren, stellt sich die Frage, wer hier einen Angriff simuliert hat, und was damit bezweckt werden sollte. Es heißt überwiegend, die Israelis hätten mit dem Hinweis auf die Reichweite iranischer Raketen die Europäer, die ja innerhalb des gleichen Radius liegen, mit in den Krieg ziehen wollen. Die Tatsache, dass die Briten ein Atom-U-Boot in die Region entsandt haben, lässt allerdings die Vermutung aufkommen, dass dieser Angriff in London ausgeheckt worden ist um als Angegriffener die Rechtfertigung für die eigene Teilnahme am Krieg zu haben.
Die nächste Eskalationsstufe ist angekündigt.
Donald Trump persönlich hat den Iran aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus absolut und vollständig freizugeben, weil er den Iran sonst in die vollkommene Dunkelheit bomben werde, also bereit sei, sämtliche Kraftwerke und Energie-Infrastruktur zu vernichten. Unabhängig davon schreitet die Bereitstellung von US-Bodentruppen und unterstützenden Kampfhubschraubern und Flugzeugen zur Bekämpfung von Bodenzielen voran. Einsatzzweck für mich weiterhin unklar.
Die Gegendrohung des Irans kam sofort. Sollte das geschehen, „… werden kritische Infrastruktur sowie Energie- und Öl-Infrastruktur in der gesamten Region als legitime Ziele betrachtet und unwiderruflich zerstört. Die Ölpreise werden langfristig steigen.“ Das erklärte Mohammad Bagher Ghalibaf, der nicht etwa für die iranische Armee, auch nicht für die Revolutionsgarden, sondern für das iranische Parlament spricht. Es muss darauf hingewiesen werden, dass unter dem Begriff „kritische Infrastruktur“ auch die überlebenswichtigen Meerwasserentsalzungsanlagen zu verstehen sind.
Kurz vor Kriegsbeginn habe ich gefragt: Wer zuckt zuerst?
Vier Wochen später laufen wir auf eine Situation zu, die mit „Letzte Zuckungen“ zu beschreiben sein wird.
… und, wie gesagt, wir sind alles andere als nur Zuschauer.
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