Dreht Trump durch?
Der MAGA-Mann, dessen klares Eintreten für die nationalen Interessen der USA ich lange als Vorbild für die Unseren angesehen habe, macht mir nun ernsthaft Sorgen.
Die Klärung der Frage, ob ich mich die ganze Zeit über geirrt habe, oder ob Trump jetzt plötzlich und unerwartet durchdreht, stelle ich noch zurück. Sie führt jetzt nicht weiter. Im Augenblick geht es darum, das aktuelle Geschehen einzuordnen.
Diesen Versuch habe ich damit begonnen, herauszufinden, ob und wann und in welcher Funktion der POTUS einmal Angehöriger der US-Army gewesen sein könnte. Ergebnis: Er hat nicht gedient. Nie. Zu keiner Zeit, in keiner Funktion.
Das ist nicht unbedingt ein Makel.
Wenn aber einer, der das Militär und den Krieg nur aus Hollywoodfilmen kennt, sich dazu hinreißen lässt, gegen die Warnungen seiner Militärs Hals über Kopf den Iran zu überfallen, dann wäre ein bisschen militärische Erfahrung in einem mittleren Offiziersrang und in einem der vielen Kriege der USA womöglich nützlich gewesen, Chancen und Risiken vorher besser abzuwägen.
Nun zeigt sich, dass der Immobilien-Tycoon glaubte, auch beim Militär käme es, wie bei den Wolkenkratzern in New York, nur auf die Größe an, und, dass, wer den größten Turm hat, automatisch gewinnt.
Diese Überzeugung ist spätestens in der Mitte der dritten Woche seines Krieges einer gewissen Verwunderung gewichen.
Das hat damit begonnen, dass der Iran sich von seinen apokalyptischen Drohungen nicht hat einschüchtern lassen, sondern sich erfolgreich verteidigt.
Dann kam die Überraschung dazu, dass jene 40 bis 50.000 Mann, die auf den US-Basen rings um den Golf stationiert sind, nicht in der Lage waren, die Drohnen und Raketen des Iran in ausreichendem Umfang abzuwehren, so dass dort doch eine ganze Menge an Ausrüstung und Material verschrottet wurde.
Vor allem aber ist er höchst überrascht, dass der Iran die Straße von Hormus nicht physisch geschlossen hat, sondern einfach nur selbst entscheidet, welche (freundlichen) Schiffe passieren dürfen und welche (unfreundlichen) beim Versuch in Brand geschossen werden.
Noch überraschter dürfte er gewesen sein, als ihm seine Admiralität mitteilte, dass man nicht gewillt sei, mit den großen und teuren Kriegsschiffen die Einfahrt zu erzwingen, weil das Risiko, dabei selbst versenkt zu werden, nahe bei 100 Prozent liegt, während die Chance, den Engpass nachhaltig freizukämpfen nahe bei null Prozent liegt.
Nun denkt der Bau-Unternehmer, dass sein Turm zu klein sei, sei nicht schlimm, man könne ja immer noch aufstocken. Erst hieß es, er wolle 5.000 Marines aus Südostasien abziehen und in die Golf-Region verlegen, inzwischen ist ein für Landungsoperationen konstruiertes Schiff mit 2.500 Mann Elitetruppen auf dem Weg. Was damit geplant ist, erschließt sich mir nicht. 1944 waren immerhin 330.000 Soldaten der Alliierten erforderlich, um gegen die bereits schwer dezimierten deutschen Truppen in der Normandie an Land zu gehen. Jetzt mit 2.500 Mann die Insel Karg zu besetzen, wäre unter Umständen möglich, vorausgesetzt, es gelingt tatsächlich die Straße von Hormus ohne größeren Schaden zu durchfahren (siehe Karte). Aber was wollen die dann da? Die iranischen Öl-Verladeanlagen beschützen? Gegen sich selbst?
Trump glaubt aber offenbar selbst nicht daran, dass dies gelingen könnte.
Sonst wäre er nicht auf die Idee gekommen, andere, bisher nicht am Krieg beteiligte Staaten, darum zu bitten, Kriegsschiffe zu entsenden, um die im Golf gefangenen Handelsschiffe hinaus, und die vor dem Golf wartenden Schiffe hinein zu geleiten.
Das Echo auf diese Aufforderung hält sich in Grenzen, weshalb Trump sich genötigt sah, sehr, sehr ungünstige Entwicklungen für die NATO anzudrohen, sollte man seiner Aufforderung nicht folgen.
Doch auch bei der NATO dürfte aus zwei Gründen ein kräftiges Stirnrunzeln eingesetzt haben.
Stirnrunzeln 1: Seit wann sind die Schiffe Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands, etc., so viel unsinkbarer als die US-Schiffe? Da stimmt doch was nicht!
Stirnrunzeln 2: Seit wann ist China in der NATO? China hat doch nicht das geringste Interesse die Straße von Hormus für die USA und die EU freizuräumen. Chinesische Schiffen genießen freie Fahrt im Golf. Alle wissen das. Trump nicht?
Stand heute – komme ich zu der Überzeugung, dass der Angriff auf den Iran sich festgefahren hat. Echte strategische Erfolge sind nicht in Sicht. Für die Fortsetzung der Attacke als Abnutzungskrieg haben die USA die schlechteren Karten. Trump hat das womöglich schon eingesehen. Zeitnah zugeben wird er das wohl aber nicht. Da spielt sein Ego nicht mit.
Übrigens:
Inzwischen mache auch ich mir Sorgen um Netanjahu.