Krieg (3) Irrlichter im Nebel

PaD 10 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad102026 Krieg 3 Irrlichter im Nebel

Die Kriege beginnen, zusammenzuwachsen.

Kein Wunder, wenn es keine Front mehr gibt.

Um das Ausmaß des von 1939 bis 1945 tobenden Krieges zu beschreiben, wurde zum zweiten Mal der Begriff „Weltkrieg“ verwendet. Jetzt, wo sich zum dritten Mal ein ausuferndes Inferno andeutet, wird der Dritte Weltkrieg immer noch nur als Möglichkeit erwähnt, obwohl alleine die geografische Ausdehnung der Kriegshandlungen bereits ausreichen würde, um dieses Prädikat zu verleihen.

Krieg 1

Da ist zuerst einmal der Krieg gegen Russland zu betrachten, der von der gesamten NATO geführt wird und als reiner Abnutzugskrieg erscheint, aber durchaus nicht auf die „Kontaktzone“ in der Ukraine begrenzt ist. Ukrainische Sabotagetrupps und neuerdings ukrainische Langstreckenwaffen treffen Ziele tief im russischen Hinterland und richten dort beträchtliche Schäden an. Russische Tanker sind weder im Atlantik, noch in der Nordsee oder in der Ostsee noch sicher davor, aufgebracht und beschlagnahmt zu werden. Zuletzt hat es ein russisches LNG-Schiff im Mittelmeer getroffen, das, wie es heißt, von einem ukrainischen Schnellboot versenkt wurde.

Von russischen Angriffen auf Einrichtungen außerhalb der Ukraine ist hingegen nichts bekannt. Allerdings steht Russland in diesem Krieg nicht ganz alleine da. Unterstützung durch Lieferung von Waffen und Munition, bzw. Zulieferungen benötigter Teile und Materialien kommen aus China, aus Nordkorea, das sogar Soldaten in die Ukraine entsandt hat, und in großem Umfang aus dem Iran, von wo erhebliche Mengen der von Russland in der Ukraine eingesetzten Drohnen stammen.

Krieg 2

Zudem haben die USA in russlandfreundlichen Staaten Süd- und Mittelamerikas interveniert, Venezuelas Staatschef Maduro entführt, die Sanktionen gegen Kuba nochmals verschärft, wobei die Option, Kuba zu besetzen, nach wie vor offen steht, aber nicht zu den vordringlichen Zielen gehört.

Krieg 3

Mit dem Krieg gegen Russland verbunden ist der „Kalte Krieg“ gegen die EU. Eine ganz und gar verrückte Sache. Die europäischen NATO-Mitglieder und die Briten wurden, unter dem Vorwand, sie würden von Russland überfallen, sollte die Ukraine eines Tages nicht mehr standhalten können, genötigt, sich weitgehend selbst zu entwaffnen, sich zugleich zum Zwecke der Aufrüstung massiv zu verschulden und ihre zivilstaatlichen Aufgaben zugunsten der Militarisierung zu vernachlässigen. Unter dem gleichen Vorwand wurden sie dazu gebracht, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und Weißrussland aufzugeben, was eben nicht nur die Exportwirtschaft beschädigt hat, sondern die EU auch vom Bezug preiswerter und zuverlässig verfügbarer Energierohstoffe aus Russland abgeschnitten hat. Dies hat die EU in eine kaum umzukehrende Spirale aus Inflation, Rezession und Deindustrialisierung getrieben, die den (Sub-) Kontinent Schritt für Schritt in die internationale Bedeutungslosigkeit führt, wozu letztlich auch verhängte und angedrohte Zölle der USA ihren Teil ebenso beitragen, wie die innere Destabilisierung durch unkontrollierte Masseneinwanderung.

Krieg 4

Währenddessen hat sich Israel mit seinem Krieg im „eigenen Land“ die Hamas vom Hals geschafft und damit den Rücken frei bekommen für den Krieg gegen den Iran und die mit dem Iran verbündete Hisbollah im Libanon.

Krieg 5

Am 28. Februar hat nun mit dem Überfall auf den Iran der nächste Krieg begonnen, in den unmittelbar alle Golfstaaten, die US-Basen beheimaten, einbezogen wurden. Hier ist der Nebel noch sehr dicht. Es können aus den bestätigten Informationen jedoch bereits einige Schlüsse gezogen werden.

Enthauptungsschlag fehlgeschlagen

Es ist wohl gelungen, den obersten Führer des Iran, Ajatollah Kamenei mit dem ersten Luftschlag zu ermorden, und mit ihm rund 50 ranghohe Regierungsmitglieder und Militärs, der erhoffte Erfolg, dass nämlich die iranische Opposition die Gelegenheit wahrnimmt und sich an die Macht putscht, ist jedoch vollständig ausgeblieben. Staat und Militär funktionieren den Umständen entsprechend gut.

Straße von Hormus dicht

Der Seeweg ist weder vermint, noch durch massive Hindernisse versperrt. Schiffe freundlicher Staaten (China, z.B.) dürfen sogar passieren, aber die Schiffe feindlicher Staaten, die sich im persischen Golf befinden, sitzen – teils in Brand geschossen – fest, und jene, die beabsichtigten diese Passage zu nutzen, haben sich entweder auf den Weg um das Kap gemacht oder warten in sicherem Abstand vor der Einfahrt auf bessere Zeiten. Damit sind etwa 20 Prozent der Welt-Öl-und-Gas-Förderung blockiert, was unmittelbar zu verheerenden Preisexplosionen geführt hat, die wiederum jene Staaten am meisten treffen, deren Abhängigkeit von Importen am höchsten ist. Deutschland gehört dazu.

Raketenzählen

Die spannende Frage, wer wohl am Schluss noch Raketen im Köcher hat, ist noch nicht entschieden. Es heißt, die iranischen Angriffswellen hätten zuletzt von der Intensität her nachgelassen. Das wird weniger auf drastisch gesunkene Vorräte an Raketen zurückgeführt als vielmehr auf die Vielzahl der von den USA und Israel zerstörten Abschuss-Vorrichtungen. Andererseits ist bei den gemeldeten Einschlägen iranischer Drohnen und Raketen kaum eine Reduzierung zu erkennen, was daran liegen mag, dass die Bestände an Abfangraketen bei der Zielauswahl bereits eine maßgebliche Rolle spielen. Auch die Ankündigung von Hegseth, die USA würden nun ihre Taktik ändern,  und nicht mehr mit weitreichenden Raketen und Marschflugkörpern angreifen, sondern gezielt Hellfire-Raketen einsetzen, deutet darauf hin, dass die in die Aufmarschräume mitgeführten Bestände an Tomahawks und ähnlichem Gerät weitgehend verbraucht sein dürften. Hellfire bedeutet aber, mit Kampfjets, ggfs. Hubschraubern über gegnerischem Gebiet operieren zu müssen, was die Gefahr von Verlusten dramatisch erhöht, durch die weitaus geringeren Kosten für Munition aber eher nicht kompensiert werden kann.

Schäden und Verluste

Dazu liegt noch alles im Nebel. Selbst Al Jazeera hat akutell nicht mehr als diese Info-Grafik von gestern zu bieten:

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Die iranischen Atomanlagen sollen attackiert und beschädigt worden sein, laut IAEA jedoch kein Austritt von Radioaktivität. Die USA haben – friendly fire oder nicht – drei F35 Jets verloren und wohl auch zwei Langstrecken-Radar-Anlagen. Die iranische Marine soll in den ersten Tagen komplett versenkt worden sein, wogegen spricht, dass erst gestern eine Fregatte vor Sri Lanka von einem US-U-Boot versenkt wurde, während heute eine weitere iranische Fregatte auf dem Weg in dieses Seegebiet befindlich sein soll. Das Service-Zentrum der Fünften US-Flotte in Bahrein soll von einer Rakete getroffen worden sein, die offenbar erhebliche Schäden angerichtet hat.

Sicher sind erhebliche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur in Teheran und weiteren iranischen Großstädten. Die militärische Bedeutung dieser Treffer ist unklar. 

Irrtümer

In den USA werden divergierende Stories über den Anlass des Überfalls auf den Iran erzählt. Diese reichen von der Sorge vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff des Irans auf Israel und die US-Basen am Golf (Trump), bis hin zu der Saga, Israel habe die USA durch den Befehl zum Angriff in Zugzwang gebracht, den Verbündeten zu unterstützen. Beiden Versionen wird widersprochen. Man sollte sich darauf besinnen, was der tatsächliche Nutzen einer Ausschaltung des Irans für die USA wäre. Hier fällt sofort eine weitere Verbesserung der geostrategischen Lage der USA ins Auge, die seit der Kampagne von „7 Kriege in 5 Jahren“ unverhüllt als Kriegsziel bekannt ist. Der nächste Segen besteht in der Kontrolle über weitere, erhebliche Teile der Öl- und Gasreserven dieser Welt und die Kontrolle über den persischen Golf, samt der Straße von Hormus. Nützlich ist ebenfalls ein Ziel, damit China von einem Teil seiner Energieversorgung abzuschneiden, und – last but not least – die Unterbrechung der Drohnenlieferungen des Iran an Russland und damit ein Vorteil im Ukraine-Krieg. 

Eine echte Hoffnung darauf, dass die Oppostion im Iran nach dem Enthauptungsschlag vom 28.2. die Macht übernehmen könnte, dürfte nie bestanden haben. Die vorher wohlwollend betrachteten Unruhen im Iran und die erwarteten rigiden Reaktionen des Regimes dürften eher dem Zweck gedient haben, das Feindbild „Iran“ noch einmal in die Köpfe zu hämmern, auf dass der Angriffskrieg nur auf gedämpften Protest stoßen dürfte. Dazu passt auch, dass aus den zuletzt vermeldeten 3.000  bis 5.000 Opfern unter den Demonstranten im Verlaufe des Krieges 30.000, an anderer Stelle 35.000 und an noch anderer Stelle 40.000 geworden sind.

Im Iran scheint man davon ausgegangen zu sein, man könne den von Trump angedrohten Angriff in den von Oman moderierten Verhandlungen zumindest noch eine Weile hinauszögern. Es mag daher – meine Spekulation – bei den Luftabwehrkräften nicht die höchste Alarmstufe geherrscht haben, so dass die erste Angriffswelle weitgehend unbehelligt ihre Ziele erreichen konnte, worunter sich, nach militärischer Notwendigkeit, eben auch die bekannten Radar- und Luftabwehrraketen-Stellungen befunden haben. Wie viel Zeit von der Entdeckung der Angriffswelle bis zum unvermeidlichen Einschlag verblieben ist, ist unklar. Offenbar hat die Reaktionszeit aber nicht ausgereicht, um die Abwehrsysteme zu aktivieren. Darüber wird man nun auch im Kreml intensiv nachdenken. 

Im Iran scheint man ebenso davon ausgegangen zu sein, dass die Glaubensbrüder in den Golfstaaten Angriffe auf US-Basen auf ihrem Staatsgebiet billigen, vielleicht sogar unterstützen würden. Die bisherigen Reaktionen deuten jedoch auf das Gegenteil hin.

In Israel scheint man die Hisbolla im Libanon als irrelevant angesehen zu haben. Die Einberufung von 100.000 Reservisten deutet darauf hin, dass ein Eingreifen im Libanon nun doch dringend notwendig geworden ist, was die militärische Lage für Israel durchaus erschwert. Sollte der Iran sich darauf verlassen, von dort eine nachhaltige Entlastung erwarten zu können, dürfte sich dies ebenfalls als Irrtum herausstellen.

Weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit, nicht nur die Demokraten, lehnen Trumps Krieg gegen den Iran ab. Das Prinzip, dass sich das Volk im Krieg hinter den Anführer stellt, scheint nicht mehr zu funktionieren.  Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dass schon bisher weit mehr als nur sechs Amerikaner gefallen sind, wird es eng für Donald Trump.

Aussichten

Die von Donald Trump schon einmal in Aussicht gestellte, sich eventuell ergebende Notwendigkeit, Bodentruppen einzusetzen, sollte ernst genommen werden. Das deutet nämlich darauf hin, dass es nicht um die Verhinderung der iranische Atombombe, auch nicht um die Sorge vor iranischen Angriffen auf die US-Basen im Golf geht, sondern um die Unterwerfung und Besetzung des gesamten Staatsgebietes des Iran, wie auch bereits im Irak vorexerziert.

Sollte es den USA gelingen, über die Türkei und den Irak ausreichende Mengen moderner Kampfpanzer, Hubschrauber und Bodenkampfflugzeuge heranzuführen, böte sich das iranische Heer mit seinen – im Gegensatz zu seinen Raketenwaffen – hoffungslos veralteten und bunt zusammengewürfelten Panzern aller möglichen Ursprungsländer und einigen wenigen Hubschraubern lediglich als Sparringspartner in einer Art von Moorhuhnschießen an.

Hierin liegt allerdings die eigentliche Gefahr zum Dritten Weltkrieg. In dieser Situation bliebe nämlich die Bitte an den Kreml um militärische Hilfe nicht mehr aus, und Russland würde dem, sofern ausreichend Aussicht auf Erfolg besteht, auch Folge leisten.

Um in dieser Situation ausreichende Aussicht auf Erfolg erkennen zu können, muss zwingend vorher der Ukraine-Krieg mit einem unumkehrbaren russischen Sieg beendet werden.

Meine Einschätzung:

Sollte es in den nächsten Tagen und Wochen zu massiven Fortschritten der russischen Armee in der Ukraine kommen, dürfte der Krieg im Iran – nach Ausrufen des Erreichens der Kriegsziele durch die USA – relativ bald, und ohne ernstlichen Einsatz von Bodentruppen beendet werden. Der Iran bleibt weitgehend sich selbst überlassen.

Kommt Russland in der Ukraine nicht zügig voran, wird der Iran im Sommer durch US- und israelische Truppen besetzt, eine US-freundliche Regierung installiert und ein Milliarden-Dollar-Wiederaufbau-Programm gestartet, an dem sich ausländische Unternehmen und die US-Öl-Industrie goldene Nasen verdienen.

 

1 Kommentar

  1. In ihrer Aufzählung des Weltkrieges fehlen mindestens drei Kriege.

    China führt mit unauffälliger, zähflüssiger Bürokratie einen Krieg gegen die US Rüstungsindustrie.
    https://no01.substack.com/cp/185980275
    Und zufälligerweise erklärte China kurz nach dem 12 Tage Krieg seine SWIFT Alternative CIPS sei jetzt ausgereift. Jede Zentralbank kann ihr beitreten.

    Dann haben wir einen Informationskrieg. Israel behauptet, die Mullahs seien jetzt vollkommen durchgeknallt, bombardieren alles und jeden. Persien behauptet, Israel führt False Flag Operationen durch, mit denen es EU und Golfstaaten in den Krieg hineinziehen will.

    Dann die Vermutung, als Bodentruppen wollen die USA die in Persien lebenden Kurden einspannen. Ich befürchte, Sie haben mit Ihrer Einschätzung recht. Trump hat nichts aus dem USA-Türkei Desaster in Syrien gelernt. Zwei Tage nachdem die Türkei einen al-Qaida Terroristen als syrisches Staatsoberhaupt einsetzte, zog Trump das vom ihm selbst ausgesetzte Kopfgeld zurück und lieferte seine Kurden den Terroristen aus. Will Trump so etwas wiederholen?

    Wem sind noch weitere Kriege aufgefallen? (Soweit ich weiß, hat bisher noch niemand einen Zusammenhang des Afghanistan-Pakistan-Krieges mit dem Weltkrieg gefunden).

    Ich hoffe immer noch, wir bekommen nächste Woche wieder Nachrichten wie am 10. März 2023. Und wir können bald wieder den Chor der Roten Armee hier begrüßen.
    https://www.youtube.com/watch?v=Jrg0X9H6FGU

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