Krieg (11) Die Leiden der Friedens-Optimisten

Optimismus ist das eine, Erfahrung das andere.

Wer erinnert sich noch an Trumps Wahlkampf? Innerhalb welcher Frist wollte er den Ukraine-Krieg beenden?

„Kurz nachdem ich die Präsidentschaftswahl gewonnen habe, werde ich den verheerenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine beendet haben, innerhalb von 24 Stunden“

Und wie lange ist das nun her? Zwei Jahre? Nicht ganz …

Und wie steht es um den Krieg in der Ukraine?

Am 15. August 2025 – noch kein Jahr her – trafen sich Trump und Putin in Anchorage. Es wurde über einen Friedensplan für die Ukraine gesprochen. Futter für die Optimisten.

Aber die beiden großen Jungs haben die Rechnung ohne Selenski gemacht – und die ach so wichtigen Europäer mussten auch vor der Tür bleiben. Seitdem reißen sich die Europäer förmlich darum, Selenski die 10-Milliarden-Euro-Scheine in die Taschen zu schieben, während die europäischen Rüstungsunternehmen ihre neuesten Kreationen unter Kampfbedingungen ausprobieren dürfen. Am Boden rücken die russischen Truppen vor, am russischen Himmel rauschen ukrainische Drohnen auf ihre Ziele zu und richten erheblichen Schaden an. 

Ist das die multipolare Welt, von der so viel gesprochen wird? Kiew – Moskau – Washington?

Glücklicherweise ist es inzwischen zu einem neuen Krieg gekommen, an dem sich die Optimisten wieder aufrichten konnten.

Da waren diese 12 Tage, vom 13. bis zum 24. Juni 2025, in denen es heiß herging. Bunkerbrechende Waffen auf die iranischen Bunker, iranische Raketen auf israelische Ziele, am Ende dann – am 22.6. – das Eingreifen der USA gegen den Iran und Waffenruhe ab dem 25. Juni.

Das hätte es doch gewesen sein können. Waffenruhen sind doch dazu da, sich an den Tisch zu setzen und Standpunkte auszutauschen und einen Weg zu suchen, wie es ohne neuerliches Blutvergießen weitergehen könnte. So denken jedenfalls Optimisten.

Es hat nur bis zum 28. Februar 2026 gehalten. Optimisten glauben heute noch, Trump hätte das nicht gewollt. Realisten sind überzeugt, wenn er nicht gewollt hätte, hätte er auch nicht müssen. Pessimisten schwurbeln was vom Schwanz, der nach Belieben mit dem Hund wackelt, wann immer er will.

Der Iran hat sich jedenfalls zur Wehr gesetzt. Beileibe nicht nur mit der Schließung der Straße von Hormus, also der Lösung für Weicheier, sondern mit einem bunten Strauß von Raketen und Drohnen, die rund um den Golf überall dort eingeschlagen sind, wo die USA ihre Stützpunkte unterhalten  – haben. Es ist ja sehr viel zerdeppert worden, von diesen iranischen Raketen und Drohnen,  von denen es im Juni 2025 noch hieß, es sei nichts mehr davon übrig. Dass auch in Israel ein paar Sächelchen kaputtgegangen sein sollen, wird als Tatsache hinter der totalen Nachrichtensperre vermutet. Dass in Gaza, im Westjordanland und im Libanon viel kaputt gegangen und weiter am Kaputtgehen ist, hat mit dem Krieg gegen den Iran nichts zu tun, heißt es in Israel. Dass eine Waffenruhe auch Israels Attacken auf den Libanon einschließen müsse, heißt es in Teheran.

Warum auch immer: Gerade als es am schönsten war, gab es wieder einen Waffenstillstand – für zwei Wochen, ab dem 8. April.

Die zwei Wochen sind lange um. Ein wirklicher Waffenstillstand war es nicht, aber eben auch kein richtiger Krieg – außer im Libanon. Mal flogen Drohungen hin und her, mal Raketen. Mal ging ein Apache-Hubschrauber hopps, mal eine iranische Drohnenstellung, nur im Libanon fielen die Wohnblöcke in sich zusammen als hätten die Bauunternehmen am Zement gespart.

Dann hat sich Trump bei den pakistanischen Vermittlern zum 80. Geburtstag ein Übereinkommen bestellt, mit dem er sich neue Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis machen könne. Es muss ja nicht zu viel drinstehen. Nur die einfachsten Sachen. Die Straße von Hormus wolle er selbst wieder öffnen, wenn die Iraner mitspielen und nicht nur die Schiffe mit freundlicher Flagge, sondern alle wieder durchlassen. Wenn’s sein muss, dann halt auch gegen Gebühr. Und wenn es sein muss, könnten auch eingefrorene iranische Gelder wieder aufgetaut werden. Über alles Weitere könne man dann ja später noch reden.

Die Iraner haben dem zugestimmt. Aber schon mal vorgebaut, dass die USA auch mindestens 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau spendieren müssten, und dass ein Friedensabkommen auch den Libanon einbeziehen müsse, und dass über das angereicherte Uran auch noch gesprochen werden müsse, und dass sie – natürlich – bei ihrer Haltung bleiben würden, keine Atomwaffen anzustreben, und dass natürlich auch über ihre Raketen gar nicht erst gesprochen werden müsse, und dass sie erwarten, dass Trump seine Truppen aus den Nachbarstaaten abzieht.

Da haben die Optimisten die Sektkorken knallen lassen und die Ölpreise gingen auf Talfahrt, die Aktienkurse zogen an … und Netanjahu setzte seinen Vormarsch im Libanon fort. War er Verhandlungspartner? Nein. Ist er an einen Vertrag zu Lasten Dritter gebunden, wenn er der Dritte ist? Nein.

Putin hat Trump zum Geburtstag gratuliert. Telefonisch. 55 Minuten lang. Es soll auch um die Ukraine gegangen sein. Da will Trump ja immer noch Frieden stiften. Selenski hört ja nicht auf ihn, also wendet sich Trump an Putin. Ist irgendwie komisch, finden Sie nicht auch?

Das pakistanisch-iranische Geburtstagsgeschenk, ein Memorandum of Understanding, ist übrigens noch gar nicht ausgepackt. Das soll am Freitag passieren, da soll es unterschrieben werden, in Genf – oder nicht in Genf, digitalelektronisch oder füllfederhaftig, alles noch nicht entschieden.

Die Optimisten sind überzeugt, das werde klappen. Irgendwie. Und der gute Wille, nach der Unterschrift über die Inhalte zu sprechen, sei ja auch da, schließlich steht das da drin, sogar mit einer präzisen 60-Tage-Frist.

Was die Optimisten auch hier schon wieder übersehen: Donald Trump und der immer noch unsichtbare Sohn des dem Enthauptungsschlag zum Opfer gefallenen Vaters können ja verabreden, was immer sie wollen. Aber es sieht so aus, als wollten die beiden großen Jungs erneut den Fehler begehen, die Rechnung ohne den Wirt zu machen. Der heißt hier zwar nicht Selenski, sondern Netanjahu, aber auch der lässt sich halt von niemandem etwas sagen, weiß er doch die deutsche Staatsräson hinter und niemand außer JHWH über sich.

Der Ukraine-Krieg befindet sich im fünften Jahr.

Am Golf sitzt Netanjahu und kann jederzeit dafür sorgen, dass die Straße von Hormus wieder geschlossen wird und damit die ganze Welt erpressen. Wie lange also wird dieser Krieg noch dauern?

Wagen Sie eine optimistische Prognose!

1 Kommentar

  1. In Punkto Ukrainekrieg sollte es eher heißen, dass damals die Europäer Trump die Rechnung versalzen haben. Selenskyj hat doch nichts zu bestimmen. Er ist Anhängsel politisch vor allem von GB und materiell vor allem von DE. Auch Trump könnte Selenskyj zwingen, macht er aber nicht, denn er spielt ein unsauberes Zweifrontenspiel. Die Europäer wollen dagegen nicht. Sie suhlen sich in den eigenen Kriegsplänen gegen Russland. Die Dummen dabei sind die Ukrainer – von allen Seiten ausgenutzt. Die einzigen die in der Ukraine z.Z. noch gewinnen, sind die Politiker der 1. Garde. Nicht für umsonst hat Selelnsky X Grundstücke in aller Welt. Dass der keinen Frieden will, ist ja klar, aber wenn er nicht mehr unterstützt werden würde, wäre er entweder politisch oder gar körperlich tot.

Kommentar hinterlassen