Krieg (10) Freies Geleit

Es gibt einen neuen Plan für die Straße von Hormus.

Vor lauter Timmy und Fritze haben hierzulande viele schon vergessen, dass es diese Meerenge überhaupt gibt, zumal der Tankrabatt ja wirkt, wie es heißt.

Nur zur Erinnerung:

Nach dem Überfall der USA und Israels auf den Iran, beginnend mit dem so genannten „Enthauptungsschlag“ am 28. Februar, hat der Iran nicht nur sämtliche US-Basen im Nahen Osten mit Raketen beschossen und dabei auch vieles getroffen, sondern eben auch die Straße von Hormus so weit geschlossen, dass nur noch „freundliche“ Schiffe auf einer besonderen Route nach Entrichtung einer Maut passieren durften.

Donald Trump, nicht faul, hat flugs eine Gegenblockade verkündet, mit der auch iranfreundlichen Schiffen die Durchfahrt verwehrt werden sollte. Zudem ist er begeistert davon, mit dem Entern und der Beschlagnahme fremder Schiffe – wie Piraten – gut zu verdienen.

Die stärksten atomgetriebenen russischen Eisbrecher sehen gegen diesen Völkerrechtsbrecher ziemlich alt aus.

Sein jüngster Plan, dessen Umsetzung inzwischen angelaufen sein dürfte, sieht so aus:

Als Hilfsakt einer humanitären Aktion soll den im Golf festgehaltenen Schiffen mit dem Einsatz von 15.000 Soldaten, die mit mehr als 100 Luftfahrzeugen und mehreren Lenkwaffenzerstörern anrücken, freies Geleit aus dem Golf in die Weite der Ozeane gewährt werden. Gleichzeitig wird wohl die Blockade iranischer Häfen durch die US-Streitkräfte aufrecht erhalten werden.

Ein ziemich faules Ei.

Dieser „humanitäre“ und vollständig „defensive“ Einsatz findet unter dem Schutzmantel einer so genannten „Waffenruhe“ statt, bei der gleichzeitig zwei „Seeblockaden“ in Kraft sind.

Meine Kurzinterpretation der völkerrechtlichen Situation, die selbstverständlich von jenen nicht geteilt werden muss, die sich das anders zurechtgelegt haben:

Seeblockaden sind nach dem Kriegsvölkerrecht – abgesehen von ein paar Formalitäten – zulässig. Das Brechen einer Seeblockade ist folglich ein zulässiger Kriegsakt. Kriegsakte im Waffenstillstand sind Kriegsakte, die den Waffenstillstand aufheben.

Die Absicht der US-Strategen kann es nur sein, die Reeder einiger zivilen Handelsschiffe mit viel Geld dazu zu überreden, ihre ältesten und unbeladenen Kähne als Blockadebrecher zur Verfügung zu stellen. 

Die schippern nun, mit je einer handvoll lebensmüder Seeleute an Bord, auf die Engstelle zu.

Die Erwartung besteht darin, dass der Iran von seinen versteckten Positionen aus Schnellboote und/oder Raketen und/oder Drohnen startet, um diese Schiffe anzugreifen.

Der Start iranischer Maßnahmen soll von der Luftaufklärung erfasst werden, die Koordinaten der Startpunkte sollen an die Lenkwaffenzerstörer, bzw. die Kampfflugzeuge übertragen werden, was binnen Minuten zur Zerstörung der jeweiligen iranischen Stellungen führen soll.

Die Erwartung geht soweit, dass mit jedem Schiff, dass sich der Engstelle nähert, weitere iranische Stellungen erkannt und bekämpft werden können, bis auch noch das letzte Schützenloch eingeebnet ist.

Die Berechtigung dazu wird daraus gezogen, dass der Iran ja mit dem Versuch, den Ausbruch der festgehaltenen Schiffe zu verhindern, die Waffenruhe bricht, was zum sofortigen Wiederaufflammen der Kampfhandlungen führt.

Alle diese Rechtfertigungen sind jedoch nur Larifari zur Beruhigung der eigenen Öffentlichkeit. Ansonsten ist einfach Krieg, und im Krieg ist grundsätzlich alles erlaubt, vorausgesetzt man steht am Ende als Sieger da.

Laut Russia Today berichten die Briten (ausgerechnet die Briten) von inzwischen drei Vorfällen gegen Schiffe:

    • #50 – Angriff: Die UKMTO hat eine Meldung über einen Vorfall elf Seemeilen westlich von Sirik (Iran) erhalten. Der Kapitän eines in Richtung Norden fahrenden Massengutfrachters hat berichtet, von mehreren kleinen Booten angegriffen worden zu sein. 
    • #51 – verdächtige Aktivitäten: Die UKMTO hat von mehreren Kapitänen in der Nähe von Ras Al Khaimah (VAE) die Meldung erhalten, dass sie per UKW-Rundfunk angewiesen wurden, ihre Ankerplätze zu verlassen. 
    • #52 – Angriff: Die UKMTO hat eine Meldung über einen Vorfall 78 Seemeilen nördlich von Fujairah (Vereinigte Arabische Emirate) erhalten. Ein Tankschiff hat gemeldet, von unbekannten Geschossen getroffen worden zu sein.

Alle Besatzungsmitglieder der zwei Angriffe seien „wohlauf“.

Die Annahme, der Iran würde in diese Falle tappen, ist zumindest leichtfertig. Der Iran ist nicht gezwungen, die erwartete Reaktion zu zeigen. Er hat andere Optionen, in den humanitären, defensiven Krieg der USA wieder einzutreten. Es ist noch nicht einmal ein Verlust für den Iran, wenn eine größere Zahl von Schiffen, samt ihrer Fracht den Golf verlassen sollte. Er behält dennoch die Kontrolle über die Straße von Hormus – schon alleine aus geografischen Gründen, und er wird diese Karte wieder ziehen, sobald er es für günstig erachtet.

Es wird wieder heiß am Golf. Nach meiner Einschätzung aber anders als von Trump und Hegseth erwartet.

 

 

1 Kommentar

  1. Zum Geschehen vor Ort auf Anfrage, kriegstypisch sehr viel Nebel und Falschmeldungen, von dem permanenten Lügengeschwätz von Trump und Co. gar nicht zu reden.
    Also mal zur Rechtslage;
    Ja, die USA begehen ununterbrochen Kriegsakte allein schon mit der Belagerung, also greift die 60 Tage Frist nicht. Außerdem waren bei dem Überfall auf den Iran auch die Vorraussetzungen für diesen angeblichen Check durch den Kongress gar nicht erfüllt, also illegal nach US – Recht ab Tag 1. Noch dazu : Diese bedingte 60 – Tage Genehmigung ist selbst verfassungswidrig. Falls das noch irgendwen interessiert.

Kommentar hinterlassen