Münchens sturmerprobter Oberbürgermeister, Dieter Reiter, der Ozapft-is Gigant der SPD, ist in einen neuen Mega-Skandal verwickelt, aus dem er sich mit den folgenden Worten herauszuwinden versuchte:
„Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung.“
Es wird ihm nichts helfen.
Wer das N-Wort sagt, ist erledigt. Gesellschaftlich, politisch, finanziell. Es wird noch einige Monate dauern, bis die Meldekette von der Meldestelle über das BKA zum beleidigten 188er und von da zur Staatsanwaltschaft und zum anordnenden Richter durchlaufen ist, aber dann wird Dieter Reiter in den hoffentlich vorsorglich zurechtgelegten Morgenmantel schlüpfen und sich zum Ablichten durch die Kameraleute von ARD und ZDF, BILD, SZ und Abendzeitung vor die Haustür stellen.
Die spannende Frage ist, wer – oder wie viele – als 188er in Frage kommen und wie viele Anzeigen eingehen werden.
Es kommt darauf an.
Es kommt darauf an, was gemeint ist, mit dem N-Wort. Wer sich angesprochen fühlt.
Leider habe ich für diese lächerlichen, kindisch-kryptischen Sprachverrenkungen noch nie vertieftes Interesse empfunden, und seit Harry Potter ohne Zittern und Zagen „Lord Voldemort“ über die Lippen gekommen ist, statt verschwurbelt von dem zu reden, dessen Name nicht genannt werden darf, erst recht nicht mehr.
Diese XYZ-Wort-Abstinenz nötigt mich nun allerdings, zu raten, was Dieter Reiter gesagt haben könnte. Es muss ja etwas sein, was irgendwie mit München und seiner Bürgermeisterei zusammenhängt.
Nacktbader?
Ein ewiges Ärgernis am Isarstrand sind die Nackbader. Niemand sagt in München „die Nacktbadenden“. Das liegt auch daran, dass die Nacktbader die meiste Zeit nicht baden, sondern grillen und Müll verstreuen und einen unkeuschen Anblick bieten, vor allem dann, wenn sie über die ausgewiesenen Nacktbadezonen hinauswuchern bis an den Monopterus im Englischen Garten.
Ein N-Wort? Nun, vielleicht weil sich die Nackbader als Freikörperkulterende gelesen wissen wollen und sich durch das N-Wort auf eine primitive und sexualisierte Form des Daseins reduziert fühlen? Man weiß es nicht.
Nockherbergderbleckte?
Au weia! Das klingt schon sehr, sehr gefährlich. Das Derblecken ist eine Tätigkeit, die von eigens herangezüchteten Bajuwaren aller Stämme einmal jährlich ausgeübt wird, um bajuwarische Lebensart zu zelebrieren. Auserwählte Honoratioren und Honoratiorinnen drängen sich bei hochprozentigem Starkbier im Saal der Paulanerbrauerei und lauschen müden Scherzen, die über sie gemacht werden, um den Fastenprediger und die Singspieldarsteller anschließend mit differenziertem Lob zu überschütten.
Wenn aber aus, dann aus.
Ist das rituelle Derblecken abgeschlossen, schüttelt man sich einmal, manche brauchen auch zweimal, und dann ist der Ministerpräsident wieder Ministerpräsident, die Minister sind wieder Minister, der Bürgermeister ist wieder Bürgermeister, Svenja Schulze ist wieder Svenja Schulze und Ilse Aigner wieder Ilse Aigner.
Wer am Tag danach noch jemanden als Derbleckten anspricht, legt es schon darauf an, einen 188er zu provozieren.
Nymphomaninnen und Nymphomanen?
Versteht sich von selbst. Sagt man nicht. Der Gentlemen genießt und schweigt.
Nörnbercha Wörschtla?
Hoppla! Das aus dem Mund des SPD-Oberbürgermeisters der Isar-Metropole? Wenn Sibirien zu Bayern gehören würde, Reiter wäre längst dorthin verbannt. Das hat ja nicht einmal der Seehofer gewagt.
Neubürger?
Problematisch. Kommt ganz auf die Betonung an. Bürger ist ja schon was Gutes. Gibt es aber bald nicht mehr, stirbt mit dem Bürgeld. Heißt dann Grundsicherer.
Nubier?
Könnte sein, wenn Reiter ein anderes Wort für Neger gesucht hätte. Die meisten Nubier sind ja stark pigmentiert. Aber nicht alle stark Pigmentierten sind Nubier. Das gilt es zu bedenken. Das gilt es auch zu bedenken, wenn es um Rumänen geht. Nicht alle Rumänen …
Tut mir leid. Ich weiß es nicht.
Kurzzeitig dachte ich auch an Nachttischlampe. Quatsch. Nicht an Nachttischlampe: an Nazischlampe!
Da könnte sich schon jemand beleidigt fühlen. Ist aber nicht. Darf man sagen. Jedenfalls im satirischen Kontext, was auch immer das sein mag. Außerdem, so lange sie noch nicht zu den 188ern gehört, wäre es auch außerhalb des satirischen Kontextes nur halb so schlimm. Sie steht doch nicht im politischen Leben des Volkes! Sie steht hinter der Brandmauer. Da findet kein politisches Leben statt.
War es nun ein Verbrechen, eine Straftat, eine Ordnungswidrigkeit oder nur eine Aussage unterhalb der nach unten offenen Strafbarkeitsgrenze, wessen Dieter Reiter bezichtigt wird?
Oder muss man statt auf Dieter Reiter einen kritischen Blick auf den Vorstand und die Mitglieder des Vereins „Rassismus und diskriminierungsfreies Bayern“ werfen, die das N-Wort zum Anlass nahmen, Reiter zu einer Stellungnahme aufzufordern, ein Akt, der selbstverständlich Eingang in die druckerschwärzegesättigten Spalten des Münchner Merkur gefunden hat. Der war übrigens mal stramm konservativ, der Münchner Merkur. Nicht, dass das besser gewesen wäre. Aber eben ganz anders.
Was der Merkur noch schreibt, und was ein Stirnrunzeln bezüglich der Arbeit des Münchner Stadtrats auslöst:
„Der Stadtrat hat das N-Wort als rassistisch anerkannt“.
Die Anerkennung eines Wortes als rassistisch – so, so. Innerhalb der Gerichtsbarkeit der Stadt München – so, so.
Da ist man ja geneigt zu sagen: „Kein Wunder, wenn München pleite ist!“
In München regieren übrigens genau heute noch 24 Stadtratende der Grünen/Rosa Liste, 19 von SPD/Volt und 4 von der ÖDP. Da wundert einen auch die Anerkennung eines Wortes nicht mehr. Für die Opposition aus CSU, FDP, Bayernpartei und AfD war das fürwahr eine sechsjährige Wanderung durchs Jammertal.
Bin gespannt, was die Münchner sich morgen so zusammenwählen werden.
Werte Knobler! Kleiner Hinweis, der dazu geeignet ist, das Rätsel zu lösen – viel Spaß.
Wer das N-Wort nennt, wird eiligst „N-Wort“ genannt.