Kleines Irresein am Montagmorgen

Da hat man bei der BILD einen Blick in das Magazin Cicero geworfen und unter der Rubrik „Politik, Inland“ eine eigene Story zum Cicero-Interview mit einem Sternekoch gemacht. Es ist halt Sommerloch.

Außerdem ist so ein Sternekoch ja eine Autorität für alles. Wer wenig Essen für viel Geld an den Mann zu bringen weiß, der muss sich ja auskennen. So wundert es nicht, dass uns die BILD serviert, was Tim Raue über Linke, über Migranten, über die Sicherheit jüdischen Lebens, über die AfD und über Berufspolitiker im Allgemeinen denkt.

Das ist natürlich ein Statement der BILD, dem geneigten BILD-Konsumenten eine Meinung zu servieren, die hilfreich ist, die Grenzen des Sagbaren neu zu definieren.

Heißt:

  • Linke wollen alles verbieten, alles glatt bügeln, nur ihre eigene Meinung gelten lassen.  Das ist nicht Demokratie.
  • Ordnung und Respekt sind hohe Werte, und es ist ein großer Fehler, diese Werte nicht von den Migranten einzufordern, die neu zu uns kommen.
  • Unser historisches Versprechen, dass Menschen mit einer Kippa angstfrei über die Straße gehen können, kann in Berlin niemand mehr garantieren.
  • Die AfD ist demokratisch gewählt, also muss man sie aushalten.
  • Viele Politiker haben in ihrem Leben nie richtig gearbeitet, haben den Bezug zur Realität verloren und vergessen, dass ihre eigentliche Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass es dem Volk gut geht.

Na, wenn das nicht Volkes Stimme ist, die da aus dem Mund des erlauchten Sternekochs zu uns spricht, will ich Meier heißen!

Mich erinnern diese Aussagen an die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit. Ach, wie war das doch beruhigend, zu wissen, dass ein Nero, Kaiser, selbstverständlich, in seinem Wahn, bzw. in seiner Vision vom Schöneren, Besseren, Neueren, trotz vermeintlicher Allmacht, gerade eben mal nur Rom anzünden konnte. 

Nur Rom!

Ein Fliegenschiss auf der Landkarte des Römischen Reiches. Zu mehr hat es nicht gereicht.

Lebten wir heute noch in diesen guten alten Zeiten, Merkel hätte allenfalls die Tore Berlins öffnen können, so wie die Trojaner das Haupttor Trojas eingerissen haben, Habeck hätte seinen Wärmepumpen- und Windradtraum, seinen grünen Stahl und seinen grünen Wasserstoff, nur in Berlin propagieren, Merz hätte seine Schuldenorgie allein mit Berlin als Sicherheit und Faustpfand feiern können – aber der Rest der Republik wäre von alledem vollkommen unbehelligt geblieben.

Dies hat natürlich alles nicht nur mit dem menschlichen Willen zu tun, sondern vor allem mit dem technischen Fortschritt.

Warum hat Nero nicht mehr als Rom anzünden können?

Weil das Feuermachen eine sehr umständliche, zeitraubende Angelegenheit war.

Nein, da hätten Sie jetzt garantiert nicht daran gedacht. In einer Welt, die seit ungefähr 60 Jahren von Billionen von Einweg-Gasfeuerzeugen geprägt ist, wo sich ein Feuer mit einem Fingerschnipsen erzeugen lässt, denkt ja niemand daran, dass die vorangegangene Ära der Benzinfeuerzeuge auch nur dreißig Jahre dauerte.

Davor gab es nur Zündhölzer, und auch die erst seit 1833.

Davor lagen über 30.000 Jahre, in denen zum Feuermachen Funken geschlagen wurden, erst Stein auf Stein, dann Stahl auf Stein. Funken, mit denen Zunder zum Glimmen gebracht wurde, woran sich dann wiederum trockenes Gras, Reisig, kleine Äste entzünden ließen, um schließlich Feuerholz zum Brennen zu bringen.

Noch davor, musste man auf einen Blitzschlag warten, und losrennen, wenn der Baum brannte, um ein bisschen Feuer zu ernten und davonzutragen, und es dann nicht ausgehen zu lassen, bis zum nächsten Gewitter.

Ja, die gute alte Zeit.

Neben den Statements des Sternekochs, der bei der BILD als Orakel den neuesten Meinungstrend verkünden durfte, gibt es in der endlosen Weite der Presselandschaft aber auch einen weiteren neuesten Meinungstrend.

Stichwortgeber ist der oberste Verkünder der NATO, Generalsekretär Mark Rutte.

Von Tagesschau über ZEIT, Welt, SZ bis hin zum MDR und vielen, vielen anderen, heißt es nun, am Montag, den 11. August 2025:

„Rutte hält Gespräche über Gebietsabtretungen für unvermeidbar.“

Na, so was!

Irgendwie rückt damit die wahre Natur des Krieges als Stellvertreterkrieg zwischen Russland und dem Westen ins Licht der Scheinwerfer.

Denn nur so ist es möglich, dass sich die Kontrahenten in Alaska zusammensetzen, gemeinsam ihre Wunden lecken und dabei festlegen, wieviel Ukraine der Sieger für seinen Aufwand als Entschädigung erhalten soll, während der Verlierer, um nicht das Gesicht zu verlieren, darüber auf Augenhöhe verhandelt. 

So macht man das. Was soll die Ukraine bei diesen Verhandlungen, was Selenski? Und was haben die Europäer dabei zu sagen? Die sollen doch froh sein, dass ihnen dieses Fass ohne Boden weggenommen wird.

Indes ist Friedrich Merz dabei zu beobachten, wie er sich fleißig zurückrudernd im Kreise dreht. Es muss an seinem starken linken Arm liegen, der das geradlinige Zurückfahren unmöglich macht. Und natürlich sind es auch die Angriffe von rechts aus den eigenen Reihen, die ihn aus der linken Ecke nicht zügig herauskommen lassen.

Ich plädiere für den Great Reset. 

Rücktritt, Vertrauensfrage, konstruktives Misstrauensvotum, wie auch immer, und dann Neuwahlen, die BILD im Wahlkampf mit noch ein paar Sterneköchen gegen links, für Recht und Ordnung, gegen Berufspolitiker ohne Realitätskontakt und dem Slogan“AfD  aushalten!“

Und Merz kann ja auch guten Gewissens aufhören. Es gibt kein Wahlkampfversprechen mehr, das noch darauf wartet, gebrochen zu werden. Alles erledigt. Mission accomplished. Der Merz hat seine Schuldigkeit getan.