Jeder Fünfte würde vor der AfD-Regierung flüchten

Die Welt zitiert aus einer INSA-Umfrage, die im Auftrag der BILD durchgeführt wurde:

22 Prozent der Befragten geben in einer Umfrage an,
Deutschland verlassen zu wollen, sollte die Partei
auf Bundesebene an die Macht kommen.

„Die Partei“ steht hier nicht für die Partei, die immer recht hat, sondern für „AfD“. Sicherlich hat die Umfrage und die Veröffentlichung der Ergebnisse nichts mit der Wahl in Sachsen-Anhalt zu tun. Man wollte es halt einmal wissen – und nun weiß man es und lässt es uns wissen.

Selbstverständlich ist INSA mindestens so seriös wie der Durchschnitt der Seriosität von Welt und BILD, weshalb kein Zweifel daran bestehen kann, dass die Befragten einer repräsentativen Auswahl entstammten und dass das veröffentlichte Ergebnis nach sorgfältiger Analyse der Rohdaten auf deren Basis ermittelt wurde.

Die Frage, die sich allerdings stellt, ist eine ganz andere, nämlich wie viele der 220 von 1001 Befragten die gleiche Antwort auch gegeben hätte, hätten sie nur einen Tag Zeit gehabt, über ihre Antwort nachzudenken. Es gibt da nämlich einen großen Unterschied zwischen einem „starken Statement“ gegenüber einem Meinungsforschungsinstitut und dem ernsthaften Beschluss, sich anderswo niederzulassen, wo die Bedrohung durch völkisch gesinnte Mitbürger als deutlich geringer eingeschätzt wird als sie es unter einer AfD-Regierung werden würde.

Bevor es um die Frage gehen soll, aus welchen Kreisen die Fluchtwilligen wohl stammen, muss geklärt werden, ob es für deren Flucht überhaupt die Zielländer gäbe, die bereit wären, rund 18,5 Millionen Republikflüchtlinge aufzunehmen. Die Annahme, überall auf der Welt würden die AfD-Flüchtlinge mit Teddybären und Reffjutschiss-wällkamm-Rufen aufgenommen, mit Unterkunft, Geld- und Intergrationskursen im Rundum-sorglos-Paket verwöhnt, bis ans Ende ihrer Tage, könnte sich nämlich als Irrtum erweisen.

Am einfachsten wäre es noch, nach Spitzbergen zu flüchten. Vor genau 101 Jahren ist Deutschland dem Spitzbergen-Vertrag beigetreten, der es den Angehörigen aller Unterzeichnerländer erlaubt, dort ohne Visum zu leben und zu arbeiten. Die Bedingung ist jedoch, dass man selbst für Wohnraum und Lebensunterhalt sorgen kann. Ist das nicht, oder nicht mehr gegeben, zum Beispiel wegen Jobverlust, erfolgt die Ausweisung, die – anders als von Deutschland gewohnt – auch durchgesetzt wird. Sieht sehr großzügig aus, so dass es verwundert, dass derzeit überhaupt nur knapp 3.000 Menschen auf Spitzbergen leben. Wer als wohlstandsverwöhnter Deutscher nur ein bisschen googelt, wird Spitzbergen als Fluchtziel schnell ausschließen.

Gut. Die Aufzählung der Länder, die sowieso nicht in Frage kommen, beginnt mit Russland. Wer Weidel und Chrupalla nicht ausstehen kann, wird sich auch mit Putin schwertun. Aber nicht nur mit Putin. Mit Trump hat man es auch nicht leicht. Mit Xi und Kim, selbst wenn sie Flüchtlinge aus Deutschland aufnehmen würden, kämen diese doch ebenfalls eher vom Regen in die Traufe. Überhaupt sind die meisten Länder der Erde nicht daran interessiert, Zuwanderer aufzunehmen. Ausnahmen sind da noch Paraguay oder Panama. Da muss man allerdings Geld mitbringen, um eingelassen zu werden. Umsonst ist auch dort nur der Tod.

Ein erheblicher Teil der 18,5 Millionen Fluchtwilligen dürfte Staatsbürger eines EU-Landes sein. Für diese gilt die Freizügigkeit im gesamten EU-Raum. Wäre also einfach, über die Grenze nach Frankreich zu flüchten, doch ist die Gefahr, dass LePen an die Macht kommt nicht ebenso groß, wie die AfD-Regierung in Deutschland? Lieber nicht. Bella Italia? Da sind Meloni und Salvini bereits an der Macht. Geht auch nicht. Dänemark? Bei der Migrationspolitik? Da müsste es jedem AfD-Flüchtling doch schlecht werden. Spanien. Spanien ginge. Portugal womöglich auch. Die Arbeitslosigkeit in Spanien liegt bei knapp 10 Prozent. 50 Prozent höher als in Deutschland. Dafür gibt es für Alleinstehende monatlich 733,60 Euro bar auf die Hand, das müsste doch genügen. Leider ist das spanische Recht ein bisschen komplizierter als es in Deutschland über das angeblich allgültige EU-Recht gelehrt wird. Wer keine Arbeit hat, darf sich dauerhaft in Spanien nur niederlassen, wenn er eine ausreichende Krankenversicherung und ausreichende eigene finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Es kommt noch krasser: Wer direkt nach der Einreise spanische Sozialhilfe beantragt, verliert mangels finanzieller Unabhängigkeit rechtlich seinen Aufenthaltsstatus und wird abgewiesen. 

Dann doch lieber nach Österreich? Schon wegen der fehlenden Sprachbarriere? Österreich ist voll. Da passen keine 18,5 Millionen Piefkes mehr rein – vor allem aber: In Österreich ist die FPÖ eine nicht zu unterschätzende Gefahr, und die Identitären treiben da ebenfalls ihr Unwesen und fordern die Remigration. Lieber doch nicht.

Griechenland, Zypern, Malta, Ungarn…

Ach, sollen sich die Fluchtbereiten doch selbst ein Bild machen. Wer bin ich denn, dass ich denen bei der Wahl des Ziels behilflich sein sollte. Vermutlich wäre es für Deutschland ja gar nicht so schlecht, wenn wenigstens die radikalsten Antifaschisten die Flucht ergriffen. Oder die Omas gegen rechst. Aber die werden nicht weichen. Die werden garantiert hier bleiben und weiterkämpfen. Hängen doch Selbstwertgefühl und Lebensunterhalt weitehend davon ab.

Knapp dreihunderttausend Deutsche haben übrigens letztes Jahr die Flucht ergriffen und sind ausgewandert. Überwiegend hoch qualifizierte jüngere Menschen. Es soll bei diesen allerdings nicht die Furcht vor einer möglichen AfD-Regierung im Bund gewesen sein, die sie angetrieben hat, sondern die allgemeinen Umstände, von der Steuerlast bis zum Schulsystem, von der Wohnungsnot bis zur unzureichenden Sicherheit im öffentlichen Raum und zur permanenten Verengung des Meinungskorridors. 

Halt. Eines noch:

Jedem AfD-Flüchtling steht natürlich selbstverständlich das Recht zu, in einem EU-Mitgliedsstaat um Asyl zu bitten. Das müsste allerdings erst noch erprobt werden. Vermutlich würden Deutsche schon an der polnischen Grenze nach Deutschland verwiesen, um dort ihren Asylantrag zu stellen. Sollte hingegen in Ungarn ein Asylverfahren erfolgreich durchlaufen werden, könnte es immer noch sein, dass im Rahmen der europäischen Flüchtlingsverteilungsregelungen am  Ende wieder die Zuweisung nach Deutschland erfolgt.

Jeder Fünfte würde wollen…

Glücklicherweise hat die WELT in ihrem Bericht wenigstens darauf verzichtet, auf eine ungleich höhere Dunkelziffer hinzuweisen.

 

 

2 Kommentare

  1. Man lasse sie ziehen und diese Personen werden merken, dass sie in keinem anderen Land wirklich Chancen haben. Das würde sehr heilsam für diese woken Spontis sein. Wenn diese Personen weg wären, wäre das auch für ein neues Deutschland, was sich vom Kopf auf die Füße stellen würde, sehr gut. Übrigens, bei Putin hätten diese Personen auch keine Chance hineingelassen zu werden. Russland lässt nur Leute rein, die Russland etwas bringen und die propagierte Familienpolitik unterstützen. Diese Personen hätten also kein Glück, wenn sie denn wollten, dort unterzukommen.

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