So hört es der deutsche Nachrichtenkonsument brandaktuell von der Tagesschau, vom Spiegel, von ntv, usw.
Ein bisschen spät, wie ich finde.
Eigenlob an:
Dass es so kommen würde, ja gar nicht mehr anders kommen konnte, habe ich vor nunmehr 18 Monaten klipp und klar vorhergesagt.
Zitat:
Es ist kalte, strategische Logik, dass Israel die permanente Bedrohung durch die Palästinenser nur beenden kann, wenn es Palästinenser im Gaza-Streifen und in der Westbank nicht mehr gibt, und nach meiner Einschätzung ist Israel gewillt, dieser Logik folgend zu handeln und erst die militärischen Ressourcen der Palästinenser zu zerstören, ihre Kämpfer zu töten, und dann die Kinder und die Alten zum Wegzug aus den Palästinensergebieten zu bewegen.
Nachdem es jetzt die offizielle Bestätigung gibt, erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass sich ein sehr hoher Anteil der Prognosen, die ich in meinem Dossier „EWK – Zur Lage“ veröffentliche, im Nachhinein als völlig oder weitgehend zutreffend herausstellen. Aber urteilen Sie selbst:
Eigenlob aus.
Ich stelle hier den diesbezüglichen Abschnitt aus „EWK – Zur Lage“, Ausgabe Januar 2024 zur Verfügung, in dem die gemachte Prognose aus den seinerzeit bekannten Informationen schlüssig hergeleitet wird.
EWK – Zur Lage, Januar 2024
Der andere Krieg
Am 7. Oktober 2023 haben Palästinenser Israel attackiert und damit die Spannungen im so genannten Nahen Osten wieder einmal sichtbar gemacht. Ich nenne hier ganz bewusst nicht die Hamas als Angreifer, weil dies m.E. nur die verwirrende Unterscheidung zwischen einer Art „Armee“ (böse) und einer Art „Zivilbevölkerung“ (gut) herstellt, die ich von meiner Warte aus nicht erkennen kann.
Seit diesem 7. Oktober attackiert Israel ununterbrochen die Palästinenser im Gaza-Streifen, mit dem Ziel, die militärischen Fähigkeiten der Palästinenser so weit zu zerschlagen, dass von diesen „nie wieder!“ ein Angriff auf Israel ausgehen kann.
Die Palästinenser sind damit von der Rolle des Angreifers in die Rolle des Verteidigers gelangt und werden von der israelischen Armee buchstäblich in die Ecke gedrängt. Eine Entwicklung, die so vorhersehbar war, wie der Sonnenuntergang am Abend.
Es ist schwer zu glauben, dass die Führung der Palästinenser davon ausgegangen sein könnte, Israel mit der Geiselnahme von rund 250 Israelis an den Verhandlungstisch zu zwingen, um den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten rückgängig zu machen, die Mauern um die Palästinensergebiete einzureißen, Palästina als souveränen Staat anzuerkennen und einen Friedensvertrag, vielleicht auch noch einen Beistandspakt zu schließen.
Die Annahme, mit einer hinreichend großen Provokation könnte Israel zu einer maßlosen Überreaktion bewegt werden, die wiederum Unterstützung aus der arabischen Welt mobilisiert und das Israel-Bild der Menschen in der westlichen Welt zu Gunsten der Palästinenser verändert, passt da schon eher ins strategische Denken der Palästinenser und ihrer Unterstützer. Vor allem aber deckt sich diese Annahme mit dem Ablauf der Ereignisse so vollständig, dass dieser Plan bisher aufgegangen zu sein scheint.
Die dadurch erhoffte Wende, das Einknicken Israels vor der Weltmeinung, ist allerdings bisher ebenso ausgeblieben, wie die massive Unterstützung durch die Hisbollah und den Iran. Dass die Huthis im Jemen an diesem Konflikt ihr eigenes Süppchen kochen und die Schifffahrt im Roten Meer behindern, schadet Israel kaum und hilft den Palästinensern überhaupt nicht. Es ist nicht mehr als eine Machtdemonstration, gerichtet an die jemenitische Bevölkerung, die die Huthis endlich als Führungsmacht des Jemen anerkennen soll, während dem Iran, als dem großen Bruder, ein Beweis der Nützlichkeit und Loyalität geliefert wird.
Dass eine US-geführte Koalition Schiffe ins Rote Meer entsandt und damit begonnen hat, Ziele im Jemen zu bombardieren, ist ein sinn- und nutzloser Nebeneffekt. Billiger wäre es, jene Schiffe, auf die es die Huthis abgesehen haben, schlicht und einfach um das Kap der guten Hoffnung fahren zu lassen, statt durch den Suez-Kanal, und schon gäbe es diesen Konflikt nicht mehr.
Wie also wird es weitergehen?
War ich Ende November noch unschlüssig, ob der Waffenstillstand halten und verlängert würde, was der Hamas die Gelegenheit gegeben hätte, sich in der Zivilbevölkerung unsichtbar zu machen, oder ob Israel den Versuch unternehmen wird, die Palästinenser tatsächlich bis zum letzten Kämpfer aufzureiben, stellt sich diese Frage nun nicht mehr.
Stattdessen diskutiert die Welt über eine Friedensordnung nach dem Ende des Krieges, ganz so, als wollten beide Kontrahenten nichts anderes, es könnte sich aber keiner der beiden aus eigener Kraft und aus Furcht vor einem möglichen Gesichtsverlust, dazu aufraffen, den ersten Schritt zu tun und dabei eigene Positionen der Stärke aufzugeben.
Die Penetranz, mit der die so genannte „Zwei-Staaten-Lösung“ vorgetragen wird, wird dabei allmählich unerträglich. Ausgerechnet genau das, was beide Seiten ganz und gar nicht wollen, soll die finale Lösung sein?
Abgesehen davon, dass alleine die Frage nach der Grenzlinie zwischen beiden Staaten an einem wie auch immer gearteten Verhandlungstisch nicht mehr gelöst werden kann, weil es zwangsläufig zu völkerwanderungsähnlichen Umsiedlungsaktionen kommen müsste, sehe ich nirgends ein Gremium, dass die Macht hätte, den Kontrahenten eine solche Lösung aufzuzwingen. Es ist das Mäntelchen des guten Willens, das sich die Unbeteiligten umhängen, um sich die Hände in Unschuld waschen zu können, wenn es zum Äußersten kommen sollte, was man danach aber, als die Macht des Faktischen, aufatmend akzeptieren würde.
Auch die „Schnapsidee“, die zwischen der CIA und Ägypten besprochen worden sein soll, dass Ägypten nämlich nach dem Ende des Krieges die Sicherheit im Gaza-Streifen garantieren soll, bis die Palästinensische Autonomiebehörde die Verantwortung übernehmen könne, würde die Region dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung nicht näher bringen, wohl aber Ägypten in den Konflikt hineinziehen und dabei destabilisieren. Dazu hat Foreign Policy die Argumente hier zusammengetragen. Fakt ist:
Israel kann überhaupt nicht mehr zurück.
Der Status vom 6. Oktober 23 ist nicht mehr herstellbar. Ein Zustand, in dem gegenüber der „Vorkriegszeit“ so weitreichende Zugeständnisse an die Palästinenser gemacht würden, dass diese das Kriegsbeil endgültig begraben, ist erst recht nicht zu erreichen, denn das hieße, die Palästinenser zum Sieger der Auseinandersetzung auszurufen, was die Verhältnisse vollkommen auf den Kopf stellen würde. Ein Zustand weiterer Demütigung und Einhegung der Palästinenser, den diese um des Friedens willen akzeptieren, ist auch nicht vorstellbar, empfanden sie ihre Rolle doch ohnehin schon unerträglich. Mag sein, dass sie sich in eine solche Rolle begeben müssen, weil die Kräfteverhältnisse nichts anderes zulassen, doch ihr Verlangen nach Rache würde dadurch nur verstärkt und auf einen neuerlichen Ausbruch oder eine nicht enden wollende Terrorserie hinauslaufen.
Es ist kalte, strategische Logik, dass Israel die permanente Bedrohung durch die Palästinenser nur beenden kann, wenn es Palästinenser im Gaza-Streifen und in der Westbank nicht mehr gibt, und nach meiner Einschätzung ist Israel gewillt, dieser Logik folgend zu handeln und erst die militärischen Ressourcen der Palästinenser zu zerstören, ihre Kämpfer zu töten, und dann die Kinder und die Alten zum Wegzug aus den Palästinensergebieten zu bewegen. Letzteres muss nicht kurzfristig und quasi „auf einen Schlag“ in Form einer völkerrechtswidrigen Vertreibung geschehen, sondern wird sich – unumkehrbar – über Jahre hinziehen, in denen die Jungen sich nach und nach absetzen und die Alten allmählich aussterben.
Um diesen Zustand zu erreichen, braucht Israel keine westliche Militärhilfe. Dass die USA schon im November 2023 Hilfslieferungen im Umfang von 14,5 Milliarden Dollar zugesagt haben, hat einen anderen Grund. Es ist vor allem ein starkes Signal an den Iran, dass ein Angriff auf Israel den Kriegseintritt der USA zur Folge hätte, und es ist – neben dem Ersatz für im Krieg verbrauchte Waffen und Munition – auch die Ausrüstung, die Israel im Falle eines Angriffs befähigen soll, die Angreifer so lange aufzuhalten, bis die US-Militärmaschinerie vor Ort kampfbereit Stellung bezogen hat.
Dass auch Deutschland Waffenlieferungen zugesagt und sogar zwei geleaste Heron-Drohnen zurückgegeben hat, hat daneben eher symbolischen Charakter.
Ich rechne damit, dass Israel in dieser Auseinandersetzung seine Kriegsziele erreichen wird, ohne dass dies allerdings schon zu einer nachhaltigen Befriedung des Nahen Ostens führen wird.
In Tschetschenien hat man übrigens bereits damit begonnen, Häuser für Flüchtlinge aus dem Gaza-Streifen zu errichten. Wahrheit? Oder Potem-kinsche Dörfer? Keine Ahnung – aber eine passende Meldung.
Wie ich gestern hier bereits erläutert habe, ist „EWK – Zur Lage“ ein kostenpflichtiger Service, ausgerichtet darauf, aus der Fülle tagesaktueller Nachrichten besondere Muster und neue Trends frühzeitig zu erkennen und deren voraussichtliche Entwicklung einzuschätzen. Auch Sie können davon profitieren. Alle Informationen dazu finden Sie hier.