Weit verbreitete Inkompetenz ist die Ursache vieler Probleme und Katastrophen. Ein winziger Bereich grassierender Inkompetenz ist in der Silvesternacht gerade wieder sichtbar geworden. Was nachfolgend beschrieben wird geht über diesen Bereich nicht hinaus, soll aber helfen, das gleiche Problem als Ursache vielfacher Fehlentwicklungen zu erkennen.
Böllerbastler
Alle, die nicht müde werden, Böllerverbote zu fordern, wobei sie natürlich nicht nur die Böller, sondern das gesamte Feuerwerksgeschehen meinen, sehen sich wieder einmal bestätigt. In Bielefeld zwei Tote, anderswo eine weggesprengte Hand, der nächste hat nur drei Finger verloren. Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter mit Böllern beworfen, mit Raketen beschossen. Außerdem die armen Katzen, Hunde, Meerschweinchen und Goldhamster, nicht zu vergessen die Vöglein im Walde, die alle Jahre einen Schock fürs Leben erleiden. Da muss man doch mit Verboten dagegenhalten.
Was da an Angst und fürsorglichen Angstprojektionen zum Vorschein kommt, ist immer noch der ernstzunehmende Teil der Verbotsargumente. Allerdings steckt hinter vielen Versuchen, den anderen den Spaß zu nehmen, doch auch nur eine kaputte Persönlichkeit, die ihre Selbstbestätigung darin findet, anderen durch Verbote jene Freude zu nehmen, die sie selbst sich – aus welchen tiefenpsychologischen Gründen auch immer – verbietet, und dadurch ein Gefühl der Macht zu erlangen.
Betrachten wir zunächst die Fälle, in denen es manchen gelingt, sich selbst mit Feuerwerkskörpern zu verletzen. Da ist als Ursache die Inkompetenz überhaupt nicht zu verkennen. Sprengstoff ist nun einmal Sprengstoff. Wer da selbst beginnt, sich einen Böller zu basteln, und seine Kenntnisse für ausreichend hält, obwohl sie es nicht sind, wird entweder statt des großen Knalls eine harmlose Verpuffung oder das funkensprühende Abbrennen erleben, oder eben statt des großen Knalls eine unerwartet hohe Sprengwirkung. Das ist einfach nur Inkompetenz, vor der jene erfahrenen Sprengmeister, die beinahe jeden Tag damit beschäftigt sind, Blindgänger aus dem Weltkrieg zu entschärfen, nur fassungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber solange es noch problemlos möglich ist, sich Holzkohle, Schwefel und ein passendes Düngemittel zu beschaffen, wird diese Inkompetenten, von denen stets mehr nachwachsen, als wegsterben, nichts daran hindern, sich ihre Knallkörper zu basteln. Selbst schuld. Hat auch nicht wirklich etwas mit Silvester zu tun. Mit frei verkäuflichem Feuerwerk schon gar nichts.
Ähnlich gelagert die Fälle, wo man sich, weil das freiverkäufliche Feuerwerk einfach nicht den richtigen Kick auslöst, aus dubiosen Quellen, die Mittel beschafft, von denen der richtig große Wumms ausgehen soll.
Arme Tiere
Wenn’s knallt, im Wald, fährt der Fuchs in seinen Bau, die Vögel fliegen kurz auf und das Reh rennt 50 Meter davon. Der Jagdhund sitzt – ohne Gehörschutz – regungslos neben dem Jäger, bis der befiehlt: „Such!“
Bei Gewitter suchen die Tiere des Waldes ebenfalls Deckung. Jäger und Jagdhund beeilen sich, den als Faraday’schen Käfig ausgewiesenen SUV zu erreichen und fahren nach Hause.
Feuerwerk ist im Wald ausgesprochen selten. Das ferne Blitzen und Knattern regt die Tiere nicht weiter auf. Womöglich sagen ihnen ihre Instinkte, dass ein Gewitter aufzieht.
Die armen Tiere, das sind jene Hunde und Katzen, Kanarienvögel und Wellensittiche, die in städtischen Wohnungen als Domestizierte gehalten werden und ihre natürlichen Fluchreflexe beim Auftauchen von Menschen vollständig verloren haben. Sonst würden sie am Dauerstress zugrunde gehen. Stattdessen fürchten sie sich vor dem Blitzen und Knallen in der Silvesternacht.
Die international tätige Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ weiß um den Stress, den die Silvesterknallerei bei Haustieren auslösen kann und hält deshalb eine Reihe von Empfehlungen (bitte lesen) bereit, mit denen die Angst und der Stress der Tiere zumindest gemildert, bestenfalls sogar ganz überwunden werden können. Desensibilisierung gehört dazu.
Es sind die Tierhalter, die für das Wohl ihrer Tiere verantwortlich sind. Dazu gehört es, die Mittel und Methoden zu kennen, also sich auch gezielt um Informationen, bzw. Hilfsmittel zu bemühen. Dazu gehört es unter Umständen eben auch, die richtigen Prioritäten zu setzen und zu Silvester zu Hause zu bleiben, beim Hund, genauso, wie verantwortungsvolle Eltern auch zu Hause bleiben, statt das Kleinkind im Kinderbettchen allein zu lassen. Wer dies nicht für erforderlich hält, zum Beispiel, weil es die eigene Bequemlichkeit stört, muss auf das Haustier verzichten oder sich als Tierhalter absolute Inkompetenz vorhalten lassen. Wer beim Erwerb eines Haustiers nicht daran denkt, dass alle Jahre Silvester gefeiert wird, muss sich ebenfalls Inkompetenz vorhalten lassen.
Feuerwerk als Waffe
Das ist in Deutschland eine relativ neue Erscheinung. Feuerwerk als Waffe ist einerseits in den Händen der linksautonomen Szene verbreitet, wird andererseits aber auch gerne von jungen Zugewanderten eingesetzt, um in einer ungleichen Auseinandersetzung mit Unbewaffneten ihre Dominanz im öffentliche Raum zu stärken. Dass es bei diesen Gruppen auch „ganz sportlich“ immer wieder darum geht, Ordnungskräfte anzugreifen, Sanitätsfahrzeuge unter Beschuss zu nehmen und sogar die Feuerwehr am Einsatz zu hindern, ist nun nicht gerade ein Beleg für Inkompetenz. Die wissen genau, was sie tun. Tun es in organisierten Gruppen, teils nach einer vorher verabredeten Choreografie, und kommen selbst auch nur dann zu Schaden, wenn so genannte „Gruppen“ ihre Konflikte gegeneinander austragen.
Die Inkompetenz, wenn es sich denn nicht um ein billigendes Inkaufnehmen handelt, findet sich hier an ganz anderer Stelle.
Es ist die Politik, die für das Entstehen dieser gewaltbereiten Gruppierungen ebenso verantwortlich ist, wie für deren immer dreisteres Agieren im öffentlichen Raum, und das eben nicht nur zu Silvester. Sowohl die unverhohlen zur Schau gestellte Sympathie für die Antifa als auch die Förderung der unkontrollierten Zuwanderung und die – nicht nur – gefühlte Milde bei der Strafverfolgung, haben dieses Milieu geschaffen und groß werden lassen.
Ein Böller- und Feuerwerksverbot zu fordern, zeugt von der gleichen Inkompetenz, wie sie bereits mit den Messerverbotszonen zur Schau gestellt wird, von denen manche, um der Torheit die Krone aufzusetzen, auch noch zeitlich begrenzt sind, wie Parkverbotszonen beim Wochenmarkt.
Gesetze und Verordnungen zu verabschieden, ist doch nur eine Show fürs blöde Publikum, wenn Maßnahmen zur Durchsetzung nicht nur fehlen, sondern aus Mangel an Ressourcen – allenfalls als gelegentliche Stichproben unter strikter Vermeidung von „Racial Profiling“ – gar nicht wirksam ergriffen werden können.
Dieses Rad zurückzudrehen, wird – bei der Stärke der gewaltbereiten Gruppierungen – zu einer Herkulesaufgabe, der sich meines Erachtens keiner der verantwortlichen Innenpolitiker in Bund und Ländern zu stellen wagt.
Die Millionen und der Feinstaub
Ach Gott!
Schätzungen gehen davon aus, dass zum Jahreswechsel 25/26 etwa 230 Millionen Euro für Feuerwerksartikel ausgegeben wurden. Eine Steigerung von 15% gegenüber dem Vorjahr. Was hätte man mit dem vielen Geld nicht alles Gutes tun können!
Nun, für 230 Millionen Euro bekommt man etwa 10 Panzer Leopard 2a8 – ohne Munition, versteht sich.
Selbstverständlich könnte man für 230 Millionen auch rund 60.000 155 mm Artilleriegranaten beschaffen. Damit kommt die Ukraine immerhin etwa 10 Tage lang aus. Geliefert hat alleine Deutschland bis April 2025 454.000 Schuss. Die Ukraine verschießt das Zeugs aber schon seit ein paar Jahren.
Es ließen sich auch ungefähr 45 Patriot Raketen beschaffen. Das sind aber nur die Raketen, nicht das System, das kostet jeweils 1 Milliarde, und von diesen Systemen haben wir der Ukraine auch schon fünf übergeben.
Dabei soll übrigens auch jede Menge Feinstaub in die Luft geblasen werden. Und das nicht nur in einer Nacht pro Jahr, sondern in 365 Nächten!
Feuerwerk ist schön
Es gibt so viel Schönes auf der Welt, an dem sich Milliarden Menschen erfreuen.
Vom guten Essen bis zur Fahrt mit dem Heißluftballon, vom gepflegten Park bis zur Flusskreuzfahrt, von tollen Büchern bis zur Zirkusvorstellung, von der Hochzeitsfeier bis zur Andacht in der gotischen Kathedrale oder zum weinseligen Gespräch mit Freuden am offenen Kamin – und das Silvesterfeuerwerk gehört dazu, von Sidney bis San Francisco, von Rovaniemi bis Kapstadt.
Dies alles ließe sich verbieten, mit den gleichen, bzw. sehr ähnlichen Argumenten.
Alles kostet Geld, mit dem viel Gutes getan werden könnte – auch der Unterhalt der gotischen Kathedrale ist teuer. Was könnte man nicht sparen, ließe man den Kölner Dom und das Ulmer Münster einfach verfallen!
Alles ist gefährlich. Am guten Essen ist schon so mancher gestorben, selbst wenn keine Salmonellen drin waren. Ein Ballon kann abstürzen. Im Park lauern Gefährder. Im Zirkus – die armen Tiere! In Büchern – gefährliche Ideen! Wieviel Unglück ist nicht schon aus Hochzeitsfeiern enstanden, auch ganz ohne Beschuss von einer Obama-Drohne.
Aber was bliebe dann vom Homo sapiens noch übrig?
Wenden wir uns lieber gegen die Inkompetenz, wo immer sie uns begegnet. Deutschland ist voll davon.
… und wenn die erste Hälfte geschafft ist,
machen wir ein großes Feuerwerk.