Neustadt bei Coburg
Ich bin hier geboren worden und zur Schule gegangen. Mit 28 bin ich aus beruflichen Gründen nach München gezogen. Fast fünfzig Jahre später habe ich mich aufgemacht, um diese Stadt noch einmal bewusst zu erleben. Dass der Marktplatz umgestaltet worden war, hatte ich erfahren, dass es Veränderungen am Bachlauf der Röden ebenso wie die Umgestaltung des Arnoldplatzes gegeben hat, ebenfalls. Ich wollte mir ein neues Bild machen.
Es sind zwei Bilder geworden, die ich hier in wenigen Ausschnitten zeigen will. Das eine Bild ist das Bild einer sauberen, aufgeräumten Kleinstadt, die sich bemüht, einen guten Eindruck zu machen. Das andere Bild ist ein Bild des Verfalls in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Abstand dazwischen reicht von 20 bis 400 Metern, nichts mehr als drei oder vier Minuten zu Fuß voneinander entfernt. Alles „Innenstadt“.

Die Stadtpfarrkirche St. Georg

Der Marktplatz – den ich zu jeder Tageszeit so menschenleer erlebt habe, wie hier abgebildet. Rechts, das grüne Gebäude ist jetzt Hotel, vor 60 Jahren war es noch ein Kaufhaus. In der Mitte, die ehemalige Eisenhandlung Bauer, Geburtshaus von Prof. Erich Bagge, jetzt gibt es dort für eine handvoll Dauergäste Games und Snacks.

und links der Gasthof Eckstein.

Aus der Nähe betrachtet aber tot. Leerstand.

Zum neu gestalteten Arnoldsplatz (benannt nach Oscar M. Arnold) gehört diese wasserspeiende blaue Säue und der sich anschließende kleine Wasserlauf – und ein Denkmal für diesen Sohn der Stadt.

Dessen Sohn, Karl Arnold, hat – soweit ich weiß – von Neustadt noch kein Denkmal erhalten, obwohl er über seine Zeichnungen und Karikaturen im Simplicissimus ebensfalls weithin bekannt und geschätzt worden ist.

Das also ist jetzt das Stadtzentrum. Eine Steinwüste.

Auch die lebensgroße und lebensechte Skulptur eines an einen imaginären Baum pinkelnden Hundes wirkt auf der weiten Fläche unter der Kirche ziemlich verloren.
Natürlich gibt es auch noch einige hübsche Ecken mehr. Keine Frage.
Doch schlimm ist, dass sich überall dazwischen solche Abgründe auftun.

Leerstand, so weit das Auge reicht – rund 100 Meter vom Marktplatz entfernt

Die gegenüberliegende Straßenseite

Auch diese Straße mündet direkt in den Markt





Ich schätze vorsichtig, dass etwa jedes zehnte Haus im engeren Innen-/Altstadtbereich ganz oder teilweise leersteht und dem endgültigen Verfall entgegensieht.
Nach diesen Bildern wirken die vier Bäumchen vor dem Rathaus so unwirklich, wie eine Architekturzeichnung.
Im März haben die Neustadter ihren Oberbürgermeister Rebhahn von der SPD nach 30 Jahren Amtszeit abgewählt und sich mit nur 16 Stimmen Mehrheit für den CSU-Kandidaten Dominik Heike entschieden. Vielleicht hilft’s ja.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar