Günther, Söder, Wüst? Geht alles nicht.

Flugshow der Kandidaten

Markus Söder, wiewohl nur Franke,
gehört mindestens ebenso zu Bayern
wie der Islam zu Deutschland.

Daran möge sich die Zähne ausbeißen, wer will.

 

Haltlose Spekulationen, aber keine Satire

Es ist noch nicht offiziell, aber dass 2026 ein neuer Bundestag gewählt werden muss, wird kaum jemand noch in Zweifel ziehen wollen. Auch die Gründe dafür wagt kaum noch jemand ernsthaft zu verleugnen. Das Land rutscht immer tiefer in die Krise, Friedrich Merz zaudert und wackelt, statt konsequent zu führen, die AfD wird von Woche zu Woche stärker, da muss einfach schnell noch einmal gewählt werden, der Machtanspruch ein letztes Mal mit Aussicht auf Erfolg geltend gemacht werden. 

Damit sind wir wieder auf dem Stand von vor fünf Jahren, als Angela Merkel nicht mehr wollte und die Union ihr Personal gesichtet hat, um zu entscheiden, wer auf den Schild gehoben werden soll.

In  meinem Dossier „EWK – Zur Lage“ habe ich damals, im Januar 2021, meine eigenen Überlegungen dazu angestellt. Ich habe diesen Text heute aus dem Archiv geholt, weil ich darin erstmals einen Herrn namens Daniel Günther ans Licht gezogen habe.

Lesen Sie:

Deutschland ist in das Wahljahr 2021 eingetreten und wird womöglich erstmals seit 2005, selbst bei kaum verändertem Wahlverhalten einen Bundeskanzler bekommen, der nicht Angela Merkel heißt.

Es ist heute noch nicht der Tag der Endabrechnung mit Angela Merkel. Doch der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, wer sie wohl beerben wird, der scheint gekommen.

Von den Meinungsumfragen her liegt die Union mit einem Anteil um die 35 % klar vorne, gefolgt von den Grünen, die sich knapp unterhalb der 20% Marke wohnlich eingerichtet haben. Die SPD dümpelt bei 15% vor sich hin. Unter dem Personal dieser drei Parteien wird der künftige Kanzler zu finden sein, denn weder FDP noch Linke können mehr als Juniorpartner einer Koalition werden, und der AfD wird auch weiterhin die Eignung zur Mitregierung abgesprochen werden.

Interessant ist, dass einzig die kleinste der drei infrage kommenden Parteien mit Olaf Scholz bereits ihren Kanzlerkandidaten auf das morsche Parteischild gehoben hat. Um auch nur in die Nähe einer Regierungsmehrheit zu gelangen, müsste allerdings ein Wunder geschehen. Es können ja nur Grüne, SPD und Linke, oder Grüne, SPD und FDP zusammengehen. Linke und FDP in einer Regierung halte ich für ausgeschlossen. Da kommen, Stand heute, 42 Prozent heraus. Das reicht nicht. Weil dieses mögliche linksgrüne Bündnis aber im gleichen Wählerbecken fischt, hilft es nichts, wenn die SPD auf 20% zulegen sollte, denn diese Stimmen fehlen dann bei den Grünen und bei der LINKEn.

Auf der anderen Seite müsste ein Wunder geschehen, wenn die Union nicht den Kanzler stellen sollte. Die Zeichen stehen im Bund auf Schwarz-Grün, nach heutigen Zahlen ist die absolute Mehrheit sicher erreicht – und zur Not muss halt die FDP mit ins Boot. Wenn ich Herrn Lindner richtig verstanden habe, würde er Jamaika diesmal nicht wieder platzen lassen.

Da die größte Partei einer Koalition traditionsgemäß den Kanzler stellt, werden wir auch vor Robert und Annalena verschont bleiben, und auch vor jedem anderen Kandidierenden (m/w/d) aus den Reihen der Grünen, so sich denn ein anderer nominieren ließe. Weiß man ja noch nicht.

Es geht jetzt also ans Eingemachte, und dieser Begriff trifft ganz gut das, was die CDU auf ihrem jüngsten Parteitag an Aspiranten auf den Parteivorsitz zu bieten hatte. Armin Laschet, der grinsende Sieger, Friedrich Merz, der beleidigte Verlierer und Norbert Röttgen, der Zählkandidat, der dafür sorgen durfte, dass sich die beiden anderen nicht direkt zerfleischen.

Der Vorsitzende steht fest, und damit steht für mich fest, das der nicht Kanzler werden wird. Armin Laschet ist ein Mann, der sich in seiner Landesvaterschaft kommod eingerichtet hat und darüber am Ende seiner Stufenleiter nach dem Peter-Prinzip angekommen ist. Er wird nicht einmal als Kandidat nominiert werden, selbst dann nicht, wenn die scheidende Führerin absolut darauf bestehen sollte, denn innerparteilich ist sie jetzt bereits zur sprichwörtlichen lahmen Ente geworden, die man zwar anstandshalber noch im Glauben lässt, sie hielte die Fäden in der Hand, während man gleichzeitig versucht herauszufinden, wo sich das nächste Machtzentrum im christlich demokratischen Lager herausbilden wird und sich darauf hin auszurichten.

Auch in der CDU hat man bemerkt, dass ein „Weiter so!“, wie es Armin Laschet perfekt verkörpern würde, auch den Trend des Vertrauensverlustes bei den Wählern festschreiben würde. Das würde man allerdings schon am Wahlabend unangenehm verspüren, wenn Laschet als Sieger in der Disziplin „Schlechtestes CDU-Ergebnis bei einer Bundestagswahl“ aufs Podest klettern müsste. Bleiben vorerst Merz und Röttgen übrig.

Es gibt allerdings auch noch den Vorsitzenden der bayerischen Schwesterpartei, der Anspruch auf die Kandidatur erheben könnte und dies vermutlich auch tun wird oder schon getan hat. So etwas macht man schließlich nur dann öffentlich aus, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Meines Erachtens wäre Markus Söder gut beraten, diesmal noch nicht anzutreten. Sein Image als Macher, das er noch dazu in der Pandemie ziemlich überzogen herausgestellt hat, strahlt gerade nicht jene Souveränität aus, die er sich davon vielleicht erhofft, sondern eher ein hemdsärmelig-pragmatisches Improvisieren und ist daher keine Garantie für den Wahlerfolg. Seine bayrisch-christlichen Kreuz-Aufhänge-Aktivitäten sind ebenfalls noch nicht vergessen und haben viele, selbst in der CSU, verstört. Es fehlen ihm noch acht Jahre, um jene Reife auszustrahlen, die man sich vom Bundeskanzler wünscht.

Auch das werden die Strategen in den Parteien kaum anders einzuschätzen vermögen und dem Bayern daher, sollte er wirklich wollen, alle verfügbaren Steine in den Weg legen.

Nun verengt sich die Auswahl wieder auf Merz und Röttgen, und damit wird die Frage aufgeworfen, wie sich die Wähler der Grünen verhalten, wenn man sie als potentiellen Koalitionspartner auf einen Kanzler Friedrich Merz oder Norbert Röttgen einschwören will.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Ergebnisse der Grünen unter dem Vorzeichen einer Koalition unter einem Kanzler Merz um fast die Hälfte, also auf vielleicht 12 Prozent absacken würden, weil man sich taktisch lieber für die SPD und eventuell auch für die LINKE entscheidet, statt dem Blackrock-Mann eine Chance zu geben. Das wiederum würde die angestrebte Koalition entscheidend schwächen und eventuell sogar ein Jamaika-Bündnis erforderlich machen.

Merz wird mit seinem bisweilen arroganten und verletzenden Auftreten die Chance, nominiert zu werden, verspielen.

Bleibt einzig Norbert Röttgen?

 

Ich glaube, ich habe es vor geraumer Zeit schon einmal erwähnt. Es könnte sein, dass die CDU noch einen ganz anderen Kandidaten aus dem Hut zaubert, nämlich den still und leise, unauffällig und von Skandalen verschont, erfolgreich in Schleswig Holstein – geradezu jungfräulich – vor sich hin arbeitenden Daniel Günther, der auch noch nie von Angela Merkel geschasst werden musste.

Doch kaum hat sich das Karussell bis dahin gedreht, stehen wir auch schon wieder am Anfang, nämlich beim amtierenden Vizekanzler Olaf Scholz.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Angela Merkel noch weit vor der Bundestagswahl nicht mehr in der Lage sein könnte, das Amt auszufüllen. Es muss ja nicht gerade Corona mit schwerem Verlauf sein. Es gibt viele Möglichkeiten, ein neuer, starker Schub ihrer Zitter-Krankheit, die ich immer noch mit Parkinson assoziiere, könnte sie ebenfalls veranlassen das Amt niederzulegen – und zwar in die Hände des Vizekanzlers, der dann wohl bis zur Bundestagswahl die Richtlinien der Politik bestimmen würde.

So gesegnet mit dem Kanzlerbonus wäre, wenn er es klug und geschickt anstellt, ein senkrechter Höhenflug in der Wählergunst möglich.

Nach dieser erbaulichen, weil unverbindlichen Spekulationsrunde stellt sich die Frage, was Deutschland im gerade angebrochenen Jahr wohl noch so bevorstehen mag.

Das ist also fünf Jahre her.

Man muss schon sehr grün sein, und das nicht nur hinter den Ohren, wenn man zu dem Schluss kommt, das wären gute Jahre, sowohl für die Klimawelt im Allgemeinen als auch für Klimadeutschland im Besonderen gewesen. Neutral betrachtet, die Wirtschaft, die Sicherheit und die Grundrechte beurteilend, waren es verlorene Jahre eines sich beschleunigenden Niedergangs in einem nicht nur von der Brandmauer gespaltenen Land.

Mich beschäftigt daher die Frage, wen die Union wohl diesmal ins Rennen schicken wird. Dabei wird es wieder nicht darauf ankommen, welchem potentiellen Kandidaten man welche herausreichenden Leistungen für Deutschland zutraut, sondern erneut nur darauf, mit wem man bei den Wahlen, wenn man sie schon nicht mehr gewinnen können wird, am wenigsten schlecht abschneidet.

Diese Frage scheint auch die potentiellen Kandidaten zu beschäftigen, und wer ganz genau hinschaut, erkennt, dass das Rennen um die bestmögliche Positionierung in diesen ersten Tagen des Jahres 2026 bereits begonnen hat. Zumindest zwei Herren aus den Reihen der Union haben schon einmal gezeigt, wo sie das größte Stimmenpotential vermuten: Söder und Günther. Zumindest auf Deutschland bezogen handelt es sich nicht nur um ideologische, sondern auch um regionale Antipoden.

Günther gibt den linken Law-and-Order-Mann, der überzeugt ist, die Presse gehöre so reguliert, dass Feinde der Demokratie, wie z.B. Nius (Achtung Reichelt) einer Art Qualitätstest unterzogen, im schlimmsten Fall auch verboten werden müssten. Natürlich bemühen er und die Qualitätspresse sich sehr, den Ball, den er bei Lanz losgetreten hat, möglichst flach zu halten, doch die Gegenseite hat die unbrüderlichen Signale gehört und versucht dies bei ihrer Klientel nach Kräften auszuschlachten.

Söder hat sich für die Rolle des rechten Saubermannes entschieden und den Vorsitzenden der Schwesterpartei über die Bande (Weimer) angeschossen. Merz hat sich ja bislang nicht von seinem Tegernsee-Wolfi distanziert, Söder dafür umso deutlicher, und schon wurden reihenweise die Fähnchen in den Münchner Föhn gehängt. Während Merz dies schon gar nicht mehr schaden kann, weil er schon zu weit unten ist, um noch weiter abstürzen zu können, haben andere Weimer inzwischen fallen lassen und damit auch die Distanz zum Kanzler deutlich vergrößert.

In diesem ersten Schlagabtausch sehe ich Söder als Sieger. Sein Thema punktet parteiübergreifend landesweit, bedient jede Menge Vorurteile gegen „die, da oben“, und zeigt Söder in der Rolle des Herkules beim Ausmisten des Augiasstalles.

Günter hingegen spaltet. Sein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit zielt auf Zustimmung im linksgrünen Lager, bei gleichzeitiger Diffamierung des politischen Gegners und der alternativen Medien. Was er damit erreichen kann, ist nicht mehr, als die eigenen Zustimmungswerte im eigenen Lager zu festigen und das Feindbild „rechts“ zu pflegen. Zusätzliche Wählerstimmen im Osten kann er damit ebenso wenig gewinnen, wie er die weitere Abwanderung ehemaliger Stammwähler der Union in Richtung Weidel und Chrupalla verhindern kann.

Es kann natürlich auch noch ganz anders kommen.

Wenn man nämlich in den CDU-Gremien die Köpfe zusammensteckt und sich gegenseitig vergewissert, dass der Günther doch ein bisschen zu farblos ist, um eine Wahl zu gewinnen, dass man mit Hendrik Wüst kaum besser fahren würde, dass man aber den mit den besten Chancen auf keinen Fall als Kanzler will, dann könnte die Lösung Julia Klöckner heißen. Die hat ihr Amt als Bundestagspräsidenten doch hinreichend genutzt, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, spielt im Kampf gegen rechts eine maßgebliche Rolle, und mit den Leuten kann sie es auch. Das hat sie als Weinkönigin durchaus schon bewiesen.

Dass die Deutschen einer Frau mehrheitlich alles nachsehen, wurde mit Annalena Baerbock hinlänglich bewiesen.

Warum also nicht?