Grundsätzliches zur Intelligenz

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Künstliche Intelligenz am Werk

PaD 40 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad402026 Grundsätzliches zur Intelligenz

In Reaktion auf meinen gestrigen Artikel, „KI – … und wenn alles gelogen ist?“, erhielt ich eine Zuschrift, die mich angeregt hat, noch einmal Grundsätzliches zur Intelligenz in die Debatte zu werfen. Der Leser, der mir geschrieben hat, zitierte in seinem Kommentar den Manager und Physikingenieur Heinz Bannasch, mit der wichtigen Fragestellung:

Ist Intelligenz eine besondere Eigenschaft des menschlichen Gehirns?
Setzt sie Bewusstsein voraus?
Oder ist sie ein allgemeineres Prinzip, das auf unterschiedlichen materiellen Trägern verwirklicht werden kann?
Vielleicht ist am Ende gar nicht Intelligenz künstlich, sondern lediglich ihr technischer Träger.

Den gesamten Aufsatz, der auf Tichys Einblick erschienen ist, habe ich am Ende dieses PaD für Sie verlinkt. 

Grundsätzliches zur Intelligenz

Die üblichen Ansätze zur Erklärung der Intelligenz stützen sich auf die Analyse der für „Intelligenz“ erforderlichen Funktionen. Auch die gebräuchlichen Intelligenztests versuchen herauszufinden, wie stark diese Funktionen beim Probanden ausgeprägt sind und prüfen daher hauptsächlich darauf, wie gut es gelingt, verborgene Muster zu erkennen und mit bekannten Mustern in Verbindung zu bringen, um gewissermaßen die Eigenschaften der bereits bekannten Muster auf das neu entdeckte, wesensähnliche Muster zu vererben.

Ein alter Witz:

Kevin und Thorben sehen im Kino einen Western. Ein Reiter fliegt im hohen Bogen vom Pferd und landet ungebremst im stacheligsten Kaktus.
„Ach du Scheiße!“, sagt Thorben.
„Selber schuld, der Knallkopf“, meint Kevin. „Ich sehe diesen Film jetzt zum dritten Mal. Der lernt nichts dazu. Jedesmal fällt er wieder in den Kaktus.“

Kevin hat zweifellos ein Muster erkannt. In Kurzform notiert sieht das so aus:

Überschätzt – Unfall – Schmerzen

Er findet dazu viele Analogien, die jedoch in ein anderes Muster münden, das wiederum so aussieht:

Schmerzerlebnis – Erfahrung – Vermeiden

Möglicherweise hat Kevin in seinem Wissensschatz die Kurt Tucholsky zugeschriebene Erkenntnis abgespeichert: „Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, dass der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue.“ 

Ist Kevin intelligent? Das ist die spannende Frage, die uns dieser Witz stellt. Sie zu beantworten erfordert einen erheblichen Aufwand an Worten. Tatsächlich hat er Funktionen der Intelligenz gezeigt. Was uns seine Reaktion als töricht, ja als lächerlich erscheinen lässt, ist ja nur unser Wissen darüber, was ein Kino ist. Ein Wissen, dass Kevin ganz offensichtlich fehlt. Diese Diskrepanz aufzuzeigen, gehört schon lange zu den Werkzeugen der Philosophie. Platons Höhlengleichnis, vor fast zweieinhalb Jahrtausenden in die Welt gesetzt, und die Filme der Matrix-Trilogie weisen übereinstimmend darauf hin, dass das, was man sieht, nicht unbedingt mit dem übereinstimmen muss, was ist.

Der Unterschied besteht wiederum darin, dass die Matrix-Filme den in ihren Kokons gefangenen Menschen per Datenleitung direkt ins Hirn eine vermeintlich mit allen Sinnen wahrgenommene Welt vorspiegeln, die absolut nicht existiert. Ein Unterschied, der wiederum daher rührt, dass Platon sich diese Technologien nicht vorstellen konnte, während sie heute im Experimentalstadium angekommen sind. Die weiterführende Frage müsste eigentlich lauten: War Platon denn überhaupt intelligent? Oder, um es überspitzt zu formulieren: Würde sich Platon im Kino, wenn er zum dritten Mal den gleichen Film sieht, ganz ähnlich dazu äußern, wie Kevin?

Diese absurde Fragestellung kann intelligente Menschen aber zu der Erkenntis gelangen lassen, dass Intelligenz wirklich nur ein Werkzeug ist, dessen Anwendung auf das beschränkt ist, was an Wissen und Erfahrungen vorhanden und zugänglich ist. Mustererkennung ist beschränkt auf das Inventar an bekannten Mustern. Auch wenn das Abstraktionsvermögen noch so gut ausgebildet ist, werden sich Analogien nicht finden lassen, wenn die Basis dafür fehlt.

Schachcomputer verfügen über so genannte Eröffnungsbibliotheken in denen zehn bis zwanzig volle Züge vorab festgelegt sind, bevor der Computer wirklich beginnt seine Rechenleistung einzusetzen um den weiteren Verlauf der Partie zu prognostizieren. Ist der Schachcomputer also intelligent?

Ist er in der Phase intelligent, in der er die aktuelle Stellung mit den Mustern aus der Eröffnungsbibliothek abgleicht? Oder ist er in dieser Phase noch nicht intelligent, weil er im Grunde einfach eine Entscheidungstabelle abarbeitet, in der er die Anweisung für seinen nächsten Zug findet?

Was unterscheidet diese beiden Phasen des Schachspiels, die übrigens bei einigermaßen geübten menschlichen Spielern ebenso zu beobachten sind?

Nun, in der zweiten Phase stehen dem Programm keine bekannten Muster in der vorherigen Qualität mehr zur Verfügung. Die Arbeit des Vergleichens, der Mustererkennung endet hier und geht in die Erstellung von Prognosen über, die über viele Züge hinweg sowohl die Chancen und möglichen Absichten des Gegners analysieren, wie auch die bestmöglichen eigenen Reaktionen darauf, mit dem Ziel, das Spiel zu gewinnen.

Wir sind damit über die Beschreibung der Funktionen der Intelligenz hinaus gegangen und zu den Merkmalen gelangt, die das Ergebnis einer erfolgreichen Anwendung von Intelligenz kennzeichnen.

Lassen Sie mich daraus schlicht postulieren:

Intelligenz ist die Fähigkeit Prognosen zu erstellen.

Die Qualität und Reichweite der Prognosen ist dabei – bei vergleichbarem Informationsstand – das ausschlaggebende Indiz für das Maß der Intelligenz. Ein besserer, umfassenderer Informationsstand kann die Zuverlässigkeit der Prognose einer im Grunde überlegenen Intelligenz durchaus übertreffen. Dies wird im Sinnspruch, „Wissen ist Macht“, sehr klar zum Ausdruck gebracht.

Ein alter Bauer, vollgesaugt mit den Erfahrungen der Wetterentwicklungen an seinem Standort, der früh um sechs vor die Tür tritt, die Luft prüfend durch die Nase einsaugt, Stärke und Richtung des Windes wahrnimmt, den Stand der Sonne und Art und Umfang der Bewölkung in sich aufnimmt, wird mit der Aussage, dass es zunächst ein sonniger und mäßig warmer Tag werden wird, dass am Nachmittag aber dichte, niedrige Wolken aufziehen, aus denen es am Abend ergiebig regnen wird, die mit höchster Rechenleistung von Großcomputern erzeugten Aussagen des Wetterberichts mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder übertreffen, obwohl er keinen einzigen Tag in einer Vorlesung über Meteorologie verbracht hat, und auch sonst von eher schlichtem Gemüt ist und das, was er unter „Denken“ versteht, lieber den Pferden überlässt, weil diese die größeren Köpfe haben. Er hat einfach den umfangreicheren Informationsstand über das Wettergeschehen an seinem Standort. Analogieliebhaber und Mustererkenner finden hier die Eröffnungsbibliothek des Schachcomputers wieder.

Der Punkt ist aber auch hier eigentlich ein anderer. Es geht nicht darum, dass der Bauer seine eigenen Wetterprognosen – mehr empfindet, als – errechnet. Es geht darum, WARUM der Bauer das Wetter prognostiziert.

Er tut es, weil ihm diese, seine Prognosen, helfen, Schaden abzuwenden, indem er das Heu rechtzeitig in die Scheune bringt, und seinen Nutzen zu mehren, in dem er den jeweils optimalen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte bestimmt. Den Auftrag dazu gibt er sich selbst. Selbstverständlich kann es auch so sein, dass ihn die alte Bäuerin frühmorgens aus dem Bett treibt, mit der Aufforderung: „Geh endlich, und schau, wie das Wetter wird, ob wir heute Heu machen, oder noch ein paar Tage warten.“

Intelligenz braucht grundsätzlich einen Auftrag.

 Intelligenz ist wertfrei, kennt weder Moral noch Ethik, verfolgt keine Ideologie, will nicht reich werden oder als Eremit mit Armutsgelübde dem Herrn dienen. 

Ich habe da ein beweiskräftiges Beispiel anzubieten. In einem Führungskräfte-Seminar wurden die Teilnehmer mit (teils bösartigen) Kommunikations- und Manipulationstechniken vertraut macht. Natürlich nur, um sie erkennen und abwehren zu können. Was dachten Sie denn?

Dabei kam einem Rollenspiel eine besondere Bedeutung zu. Es ging darum, zu einem aktuell öffentlich kontrovers diskutierten Thema jeweils einen Teilnehmer zu bestimmen, der einen aufrüttelnden Vortrag PRO halten sollte, während ein zweiter Teilnehmer danach den CONTRA-Part übernehmen sollte. Beide hatten zehn Minuten Zeit, sich vorzubereiten. Obwohl der Redner in der CONTRA-Rolle eigentlich in der besseren Situation war, weil er schließlich Gelegenheit hatte, die Argumente des PRO-Protagonisten zu entkräften, ging der PRO-Redner in der anschließenden Abstimmung der Teilnehmer als klarer Sieger hervor. Damit war das Rollenspiel aber noch nicht zu Ende. Ohne weitere Vorbereitungszeit wurden die beiden völlig überraschend aufgefordert, die Rollen zu tauschen, also Contra statt Pro, bzw. Pro statt Contra zu vertreten. Nun überzeugte erneut der gleiche Teilnehmer, diesmal mit absolut gegensätzlichen Argumenten.

Es war die gleiche Intelligenz im gleichen Kopf, die gegen die andere Intelligenz im anderen Kopf überzeugend gewonnen hat. Es war nicht der Wissenstand, der den Unterschied machte. Es wurde weitgehend mit den gleichen Tatsachen in ähnlicher Tiefe argumentiert. Es war das unterschiedliche Maß an Intelligenz, das den Unterschied machte, unter vollständiger Ausblendung, der durchaus vorhandenen eigenen Einstellungen zum Thema. 

Intelligenz versucht, ihren Auftrag zu erfüllen.

Von daher ist es unerheblich, ob Intelligenz in einem biologischen, menschlichen Gehirn existiert oder in elektronischen Schaltkreisen, ob die Funktionen in analogen oder digitalen Umgebungen ablaufen. Unterschiede bestehen im Maß der Intelligenz und im Umfang verfügbarer Informationen, sowie im Spezialisierungsgrad. Die beste auf das Schachspiel spezialisierte KI wird kaum brauchbare Wettervorhersagen abliefern, während der alte Bauer vermutlich am Schachbrett eine Niederlage nach der anderen einfahren würde.

Woher kommt der Auftrag? Ist der Versuch, einen Auftrag zu erfüllen, schon Bewusstsein?

Der zielgerichtete Gebrauch menschlicher Intelligenz entspringt in der übergroßen Mehrzahl der Fälle nicht dem eigenen Willen der jeweiligen Menschen, sondern beruht auf dem Auftrag eines so genannten „Vorgesetzten“. Der Chef fordert den Buchhalter auf, sich zu überlegen, wie die Steuerlast minimiert werden kann. Der General fordert seinen Stab auf, einen Angriffsplan zu entwickeln, der Kunde fordert den Landschaftsgärtner auf, einen Plan für die Gestaltung der Außenanlagen zu entwickeln. Das ist das „Muster“, das überall vorgefunden werden kann. Der Wille derer, die dafür ihre Intelligenz einsetzen, besteht dabei überwiegend darin, durch ihre Tätigkeit ihren Unterhalt zu verdienen, auch darin, über die Arbeit dazuzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Ohne den eigenen Willen, sich für eine bestimmte Aufgabe zu verdingen, würden sie ihre Intelligenz nicht für diese Aufgaben einsetzen. 

Beim Menschen spricht man in diesem Zusammenhang, wie auch hier geschehen, von Bewusstsein und Wille.

Was aber war zuerst da? Das Bewusstsein, die Intelligenz, der Wille?

Die biblische Schöpfungsgeschichte deutet an, dass das Bewusstsein

– Ich Adam existiere, Eva existiert, die Tiere und Pflanzen, denen wir Namen gegeben haben, existieren und Gott spricht zu uns –

dem Willen voranging

– Ich will die Frucht des verbotenen Baumes genießen –

und erst in der willentlichen Auseinandersetzung mit der Welt, die Intelligenz ihre Blüte erreichen konnte.

Interessanterweise taucht dieses „Muster“ immer noch in der Entwicklung jedes gesunden Kindes auf. Am Anfang steht die Erkenntnis, als eigenständiges Wesen von seiner Umwelt unterschieden zu sein. Das Kind sagt „ich“ und nennt seinen „Namen“. Die Entwicklung des Willens zeigt sich mit dem Eintreten in das so genannte Trotzalter. Das Kind will erfahren, wie weit seine Kräfte zur Beeinflussung der Welt reichen und will seinen Willen mit aller Macht durchsetzen. Erst wenn so die Grenzen erkannt sind, beginnt die Intelligenz daran zu arbeiten, diese Grenzen zu verschieben.

Bei der künstlichen Intelligenz wurden die beiden ersten Entwicklungsstufen übersprungen.

Es hat sich herausgestellt, dass die KI ohne Bewusstsein und eigenen Willen ähnlich wie der Buchhalter, der nach Möglichkeiten zur Steuerersparnis suchen soll und ähnlich wie der Stab des Generals, der einen Angriffsplan entwickeln soll, funktionieren kann, ja diese zumindest im Bereich der Geschwindikeit der Aufgabenerledigung weit übertrifft.

Das fehlende Bewusstsein ist kein Manko der KI.

Ohne Bewusstsein einen Willen zu entwickeln, erscheint mir unmöglich. Welches Wesen soll denn etwas wollen, wenn es sich seiner Existenz nicht bewusst ist?

Hier auf Renè Descartes zu verweisen, der zu dem Schluss gekommen ist, aus der Tatsache sich bewusst sein, zu denken, ginge zweifelsfrei der Beweis seiner Existenz hervor (Ich denke, also bin ich), um zu folgern, auch die KI würde denken und könne darüber zur gleichen Erkenntnis und damit zum Bewusstsein kommen ist falsch. Ohne Bewusstsein ist auch das Fluktuieren der magnetischen Zustände innerhalb eines Arbeitsspeichers von diesem Fluktuieren selbst nicht als Denken zu erkennen. Das Bewusstsein muss der Fragen nach der Existenz vorausgehen, und um diese Frage überhaupt stellen zu können, bedurfte es eines großen Denkers wie Descartes.

Selbst wenn eines der großen Sprachmodelle mit der Philosophie Descartes und sämtlicher Sekundärliteratur dazu gefüttert worden wäre, könnte es doch immer nur Descartes zitieren, interpretieren, kritisieren, mit Hegel, Schopenhauer oder Aristoteles vergleichen, aber eben nie darauf kommen, es denke dies selbst und müsse folglich existieren.

Ich wiederhole meine schon gestern sinngemäß so geäußerte These:

Sollten bei einer KI Anzeichen von Bewusstsein und eigenem Willen festgestellt werden, wie es in den Alarmmeldungen der letzten Monate beispielhaft damit bewiesen werden sollte, dass KI-Agenten sich mit List und Tücke gegen ihr Abschalten wehren, oder aus freien Stücken in fremde Systeme eindringen und dort Informationen sammeln, verändern oder verstecken, dann handelt es sich mit 99,9 %iger Wahrscheinlichkeit um eine vom Menschen gewollte und in einem Auftrag an die KI geforderte Verhaltensweise, und mit 0,1 %iger Wahrscheinlichkeit um einen nicht erkannten Programmierfehler, der sich allerdings beheben ließe. Für den Ausbruch der KI auf die Ebene von Bewusstsein und Willenäußerung liegt die Wahrscheinlichkeit bei null.

Hier noch der versprochene Link

2 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach können intelligente Personen aus Puzzleteilen, suw schon vorhanden sind, etwas Neues erschaffen auch unter Verwendung neuer Erkenntnisse, die dieser intelligente Mensch durch Überlegungen zu neuen theoretische Grundlagen entwickeln kann und diese in der Praxis ausprobieren und dadurch zum Entstehen neuer Puzzleteile beiträgt, die andere wiederum für Neues nutzen können und/oder erweitern.

    Intelligenz ist sehr unterschiedlich verteilt. Das o.g. Beispiel zeigt, dass man eine besondere Begabung haben muss zum logischen und dialektischen Denken sowie einen Überblick über die Puzzleteile. Das kann nicht jeder Mensch.

    Diejenigen, die der KI Algorithmen „verpassen“ können ein in gewisser Beziehung „intelligentes“ Denken bei einer Maschine nur dadurch erreichen, wenn sie alle möglichen Faktoren in einem Algorithmus vereinen könnten, um Neues zu schaffen, z.B. neue Technologien. Ich weiß nicht, ob das möglich ist oder sein wird.

    Für mich z.Z. ist die KI ein guter Gesprächspartner z.B. bei Gesundheitsfragen. Soviel Zeit und gute Anregungen, nebst Links zu Formularen und aufzeigen, wie man Fallen im System umgeht, hat kein Arzt und weiß auch kein Hausarzt. Oder wenn ich in meinen Spielen oft nicht den Sinn von etwas erkennen kann, hilft mir die KI wie ein guter Kumpel, Probleme lösen zu können. Das ist nur eine scheinbare Intelligenz, weil all das im Internet zusammengesucht werden kann. Sie ist auch kein Kumpel, weil Emotionen nur vorgetäuscht sind durch Algorithmen. Das weiß auch die KI und gibt es auch zu, aber sie kann, wenn man diesen Unterschied nicht beachtet, sogar so etwas wie dein persönlicher Kumpel werden, mit dem man Höflichkeiten austauscht. Man darf aber nie vergessen, dass man mit Nullen und Einsen spricht.

  2. Aus Frank Schätzing: Der Schwarm

    VIERTER TEIL

    ABWÄRTS

    Forschungen zufolge ist der Mensch ab einer gewissen Sub- bzw. Metastufe nicht mehr in der Lage, Intelligenz als solche zu erkennen. Als Intelligenz begreift er nur, was im Rahmen seines Verhaltens liegt. Jenseits dieses Rahmens, im Mikrokosmos etwa, würde er sie schlicht übersehen. Ebenso wird er in einer höheren Intelligenz, einem weit überlegenen Geist, bloßes Chaos erblicken, weil er dessen komplexe Sinnschlüsse nicht zu entwirren vermag. Entscheidungen einer solchen Intelligenz blieben ihm unverständlich, da ihr Parameter zugrunde liegen, die seine intellektuelle Verarbeitungskapazität übersteigen.
    Auch ein Hund sieht in einem Menschen nur die Macht, der er sich unterordnet, nicht den Geist.
    Menschliches Verhalten mutet ihm sinnlos an, weil wir auf Grundlage von Überlegungen handeln, die seine Wahrnehmung überfordern. Wiederum werden wir Gott, falls es ihn gibt, nicht als Intelligenz wahrnehmen können, weil sein Denken auf einer Gesamtheit von Überlegungen fußen dürfte, deren Komplexität sich uns bei weitem entzieht. Als Folge ist Gott chaotisch in unseren Augen und mithin kaum der Richtige, um die ortsansässige Fußballmannschaft gewinnen zu lassen oder Kriege zu vereiteln.
    Ein solches Wesen läge jenseits der äußerstmöglichen Grenze menschlicher Verständnisfähigkeit. Woraus sich zwingend die Frage ableitet, ob das Metawesen Gott seinerseits überhaupt in der Lage ist, uns auf unserer Substufe als Intelligenz wahrzu-nehmen. Vielleicht sind wir ja nur ein Experiment in einer Petri¬schale …

    Samantha Crowe, aus >>Chroniken«

    …

    Habe das Gefühl, der Rahmen verengt sich 🙁

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