Es geht hier und heute bloß um die zuverlässige Stromversorgung Deutschlands, also praktisch um nichts, weil der Strom ja schon immer aus der Steckdose kommt. Dass dieser Stromfluss aus der Dose gelegentlich vom anti-ampere-ialen Ast der Antifa aus gesellschaftshygienischen Gründen unterbrochen werden muss, ändert so wenig an der grundsätzlichen Zuverlässigkeit wie ein Bagger, der an der falschen Stelle baggert und so, ganz ohne antikapitalistischen Hintergrund, ebenfalls für kurze Zeit und regional begrenzt die Lichter ausgehen lässt. Weder für die Vulkanier in der Antifa, noch für den kabelzerbaggernden Bagger braucht es Reservekraftwerke.
Greenpeace meint nun, mit einem beim „Wuppertal Institut“ eigens bestellten Gutachten, der Plan, Backup-Kraftwerke für irgendwelche schwer vorstellbare Ereignisse, wie Dunkelflauten oder Hellbrisen zu installieren, sei aus dem Fenster geworfenes Geld, das besser eingesetzt werden könne, zum Beispiel, um die Industrie zu entschädigen, wenn sie wegen Strommangel die Produktion herunterfahren muss.
Aber von vorne.
Uniper, jenes leidgeprüfte Unternehmen, einst Teil von E.On, in dem die Aktivitäten mit konventioneller Energie gebündelt wurden, das mit den Regierungsentscheidungen zum Bezug russischen Gases erst in den Ruin getrieben, dann massiv gestützt und am Ende zu einem Staatsunternehmen mit gerade noch 0,88 Prozent Fremdbeteiligung verkommen ist – im Detail hier nachlesbar – hat warnend die Stimme erhoben.
Scheinbar sind bei Uniper – nach erst dreieinhalb Jahren weitestgehend dem Volksvermögen zugehörig – doch noch Reste unternehmerischen Geistes vorhanden. Herr Klingbeil, als Hüter des Volksvermögens, hat da offenbar seiner Aufsichtspflicht nicht genügt, denn was Uniper will, das ist ganz klar: Uniper will Gaskraftwerke bauen und damit womöglich sogar noch schmutziges, CO2-verdrecktes Geld verdienen. Um diesem unternehmerischen Ziel nachdruck zu verleihen, hat sich Uniper über die Statistiken der letzten zehn Jahre hergemacht und herausgefieselt, wie oft der Strom aus Sonne und Wind in diesen 3.652 Tagen mehr als zehn Stunden lang weniger als 10 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland beigetragen hat. Diese Dunkelflautenstatistik von Uniper besagt nun nichts weiter, als dass
- genau dieses 1.435 Mal passiert sei,
- es im Durchschnitt jeden dritten Tag so weit kommt,
- die Erneuerbaren im Durchschnitt jeden Monat einmal mehr als 24 Stunden am Stück fast nichts liefern,
- es zweimal in Jahr zu solchen Ausfallerscheinungen bei Sonne und Wind kommt, die drei Tage lang anhalten,
- man nur dreieinhalb Jahre warten muss, bis eine solche Dunkelflaute fünf Tage am Stück dauert,
- die längste gemessene Flaute in diesen 10 Jahren 161 Stunden dauerte.
Aus diesen Gründen, so Uniper, müssten die Dunkelflauten bei der Bemessung der Backup-Kapazitäten, für die der Bund im Herbst mit den Ausschreibungen beginnen will, gesondert berücksichtigt werden. Das heißt: Es sollten lieber ein paar mehr Gaskraftwerke gebaut werden als auch nur eines zu wenig.
Das Wuppertal Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Fischedick, stellt sich dem erwartungsgemäß entgegen, denn es handelt sich, wie schon nach der Selbstdarstellung eindeutig zu erkennen, nicht um eine neutrale, sondern eine primär der Nachhaltigkeit, dem Klimaschutz und der Eindämmung der Erderwärumung verpflichtete Institution. Der Tenor des Gutachtens lässt sich so beschreiben: Lieber kein einziges neues Gaskraftwerk als auch nur eines zu viel.
Während ich – inzwischen längst gewohnheitsmäßig – für eine sichere und autarke Stromversorgung plädiere und sowohl Dunkelflauten als auch Hellbrisen für Wetterbedingungen halte, welche die Unzulänglichkeiten der so genannten Erneuerbaren verdeutlichen, so dass – wenn schon Wind und Solar die unsinnig teure Hauptrolle spielen sollen – wenigstens ausreichende Backup-Leistung vorhanden sein muss, was den Strom zwar noch einmal verteuert, aber wenigstens durchgehend sichere Stromversorgung garantiert und die Wahrscheinlichkeit eines aus dem Energiemix entstehenden, großflächigen und langanhaltenden Blackouts sehr stark reduziert.
Hat das Wuppertal neue Erkenntnisse, die auch mich zum Umdenken bringen könnten?
Ach! Nein.
Ich zitiere hier die Zusammenfassung aus dem Börsenblatt vom 28. Mai 2026:
|
Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag von Greenpeace: Demnach reicht im Wesentlichen ein besseres Zusammenspiel aus
um Schwankungen bei Wind- und Solarstrom zuverlässig auszugleichen. Die stärkere Flexibilität könne auch bis zu fünf Tage dauernde Dunkelflauten überbrücken, stellte die Umweltorganisation klar. Erst dann würden Backup-Kraftwerke relevant, wobei diese Kapazitäten vorrangig aus bestehenden Biogasanlagen bereitgestellt werden sollten. Bei längeren Dunkelflauten sollte es nach Ansicht von Greenpeace auch kein Tabu sein, über Abregelungen in der Industrie zu sprechen. Die Bundesregierung müsse energieintensive Unternehmen in die Pflicht nehmen, in diesen extrem seltenen Fällen alle paar Jahre ihre Produktion vorübergehend zu drosseln, erklärte Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace, am Donnerstag. Dies könne freiwillig und gegen Vergütung geschehen. Das Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke, so Peters. „Deutschland braucht keine weiteren Gaskraftwerke, damit die Lichter an bleiben.“ |
Das ist derselbe alte Käse, wie er seit Jahren von den Verfechtern der Elektrizitätswende erzählt wird. Ich gehe kurz darauf ein:
Energieeffizienz ist nichts, was man bei Dunkelflaute schnell mal einschalten könnte. Energieeffizienz, primär also der Wirkungsgrad von elektrischen Anwendungen, ist etwas, was bei einem gewissen Stand der Technik und der entsprechenden Durchdringung in Wirtschaft und/oder privaten Haushalten eine Konstante darstellt, die sich nur mit technischem Fortschritt verändert. Das gehört in die Frage der Resilienz bei schwachem Ertrag von Wind und Sonne überhaupt nicht in die Diskussion. Kann sein, dass bis zur Inbetriebnahme der Gaskraftwerke noch ein paar Promille Effizienz herausgekitzelt werden können, was ggfs. für die Bemessung der Gesamtkapazität zu berücksichtigen wäre – für die auch weiterhin anstehenden Mangelsituationen ist hier keine akute Unterstützung zu finden.
Steuerbarer Stromverbrauch ist nichts Neues. Keine Energieform ist so gut steuerbar wie Strom. Schalter umlegen, Strom fließt, Schalter zurück, Strom ist aus. Das ist bedarfsgerechte Steuerung des Stromverbrauchs. Gemeint ist hier aber die angebotsorientierte Steuerung. Strom soll nicht verbraucht werden, wenn er gebraucht wird, sondern wenn er zur Verfügung steht. Um es ins Groteske zu überzeichnen: Wenn die Sonne im Sommer zu Mittag hoch steht und die Solaranlagen liefern wie verrückt, ist der richtige Zeitpunkt um die Beleuchtung einzuschalten. Ist die Sonne weg und der Wind mag auch nicht, dann heißt es „Licht aus!“ und mit den Hühnern ins Bett. Ich will gar nicht bestreiten, dass es (einfache?) technische Möglichkeiten gibt, Waschmaschine und Smartmeter so zu koppeln, dass das Waschprogramm startet, wenn der Strom billig ist, kann aber nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass in jedem Haushalt mit Waschmaschine auch Zeitpläne existieren, die mit einem Zufallswaschgang nicht unter einen Hut zu bringen sind. Zudem spielt sich längst nicht der gesamte Stromverbrauch in privaten Haushalten ab. Großunternehmen schalten schon heute mal die Heizung der Kippbratpfannen in der Kantine für ein paar Minuten ab, um Lastspitzen zu vermeiden. Das lässt sich allerdings nur bei Verbrauchern mit einer gewissen Trägheit realisieren. Man kann – von vernachlässigbaren Ausnahmen abgesehen – weder Fertigungsanlagen noch den Bürobetrieb am Wetter ausrichten. Der Arbeitstag in Industrie, Handwerk und Handel kann nicht über 24 Stunden oder noch längere Zeiträume verschmiert werden, ohne dass Chaos ausbricht – und Tarifmodelle, die kontinuierlichen Strombezug mit schwankenden Preisen bestrafen sind ebenfalls nicht günstig für die Wettbewerbsfähigkeit.
Batteriespeicher sind teuer, verbrauchen erhebliche Flächen, neigen zur Selbstentzündung und sind gut geeignet, um jene kurzfristigen Frequenzschwankungen im Netz abzufedern, die durch den Zufallsstrom entstehen, bevor Reservekraftwerke eingreifen. Sie haben aber einfach nicht die Speicherkapazität, um Deutschland alle drei Tage 10 Stunden und einmal im Monat mehr als 25 Studen lang zu versorgen. Nur für diesen einen 25-Stunden-Ausfall wären nämlich 1,4 TWh Speicherkapazität erforderlich.
Um aber im richtigen Vergleich zu bleiben sind die zur Ausschreibung anstehenden, von der EU auf 12 Gigawatt Leistung begrenzten Gaskraftwerke heranzuziehen. Die könnten in 25 Stunden immerhin 300 Gigawattstunden abliefern, und wenn der Ausfall der Erneuerbaren drei oder fünf Tage dauert, dann wären sie nicht leer, wie die Batterien, sondern könnten munter weiter Strom produzieren.
-
- Investitionskosten (CAPEX): Bei Großspeichern (Utility-Scale) im GWh-Bereich liegen die Kosten pro Kilowattstunde (kWh) im Jahr 2026 voraussichtlich unter 300 €/kWh, oft im Bereich von 200 bis 300 €/kWh. [1, 2]
- Berechnung:
-
- Niedrige Schätzung (200 €/kWh): (300.000.000 x 200 € = 60 Mrd. €
- Hohe Schätzung (300 €/kWh): (300.000.000x 300 € = 90 Mrd. €
-
- Batteriemodule (LFP): Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) dominieren den Markt (ca. 95% der Neuanlagen) und bieten hohe Zyklenfestigkeit.
- Wechselrichter & PCS: Komponenten zur Umwandlung von Gleichstrom (DC) in Wechselstrom (AC).
- Balance of System (BoS): Container, Kühlsysteme, Sicherheitsausrüstung und Feuerlöschsysteme.
- Netzanschluss & Infrastruktur: Planung, Bau der Umspannwerke, Transformatoren und Trassenanbindung
Für die Herstellung von Gaskraftwerken mit 12 GW Leistung schätzt Google einen Investitionsbedarf von ungefähr 6 bis 13 Milliarden Euro. Da es sich um hochinnovative, „H2-ready“ Anlagen handelt, bewegen sich die Schätzungen eher am oberen Ende dieser Spanne. [1]
Wenn alles nicht reichen sollte – und es wird eines schönen Tages nicht reichen, womit offenbar auch die Verfasser der Studie rechnen, bleibt ja immer noch die Möglichkeit,bei längeren Dunkelflauten der Industrie den Strom abzuschalten. BRAVO!
Die Bundesregierung müsse energieintensive Unternehmen in die Pflicht nehmen, BRAVO! in diesen extrem seltenen Fällen alle paar Jahre ihre Produktion vorübergehend zu drosseln, erklärte Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace, am Donnerstag. Dies könne freiwillig und gegen Vergütung geschehen. BRAVO! Das Geld wäre sinnvoller investiert als in Gaskraftwerke, so Peters. „Deutschland braucht keine weiteren Gaskraftwerke, damit die Lichter an bleiben.“
Vielleicht kommt demnächst ja auch der Lichtspeicher neben den Wärmespeicher in den Keller, der das Licht mittags eingeschalteter Lampen am Abend und in der Nacht über Glasfaserbündel in die Zimmer transportiert und dort wieder zum Leuchten bringt. Da war doch mal was mit einem Rathaus ohne Fenster und den Lichtfangsäcken … ja, in Schilda.
Na dann. Gute Nacht.
Hallo Herr Kreutzer,
ich lese Ihren Blog nun schon mehrere Jahre und freue mich über die Möglichkeit zu kommentieren.
Die schönsten Artikel von Ihnen sind welche, die vor Humor oder Sarkasmus nur so strotzen.
Mein Vergleich zu allen Themen des Jetzt, ist die Serie „Wir Schildbürger“ von 1973, die nur einmal im Fernsehen lief.
Sie spiegelt das Jahrhunderte alte Verhältnis zwischen Obrigkeit und Untertan auf grandiose Weise wider.
Sollten Sie diese nicht kennen, so lege ich Ihnen dies nahe zu sehen.
Die Anregungen für noch humorvollere Artikel wird immens steigen.
Für meinen Ersten Kommentar soll es genug sein und verbleibe
mit Dank und besten Wünschen
Kerstin
Es ist leider noch schlimmer. Da weder Windkraftwerke noch Solarmodule in der Lage sind, einen stabile Wechselstromfrequenz zu produzieren, sondern sich lediglich auf vorhandene Wechselfrequenzen aufschalten können. Darf man in einem Stromnetz nicht mehr als 70 % dieser Quellen verwenden, ohne einen akuten Black-out zu riskieren. Das konnte man in Spanien besichtigen. Es geht also nicht nur um Dunkelflauten, man braucht ständig 30 % Strom aus Anlagen mit großen SchwungMassen. Die Annahme, dass große Batterie Speicher die Netzfrequenz stabilisieren, ist nur insofern richtig als dass sie die Frequenz stabilisieren, indem sie Kapazität zur Verfügung stellen. Positive, wie negative, wenn man allerdings in die Feinheiten hinein geht, dann sieht man, das große Batteriesysteme das Netz sogar weiter destabilisieren. Außerdem können Dunkelflauten durchaus nicht nur Stunden, sondern Wochen andauern. Das hat es in der Geschichte mehrfach gegeben. Es ist deswegen nicht nur vom Flächenverbrauch, vom Ressourcenverbrauch von den Finanzen von der Umweltverschmutzung, sondern auch schlicht und ergreifend von den nicht vorhandenen Arbeitskräften, der nicht vorhandenen Netzstruktur den nicht vorhandenen Netzmöglichkeiten – selbst wenn man unendlich viel Zeit und Geld hätte – vollkommen unmöglich ein Industrieland ohne riesige Wasserkraftvorkommen, mit so genannten erneuerbaren zu betreiben. Schlicht unmöglich. Es wird nicht dazu kommen ; vorher ist Deutschland, Bankrott oder atomar verstrahlt .