630 bestbezahlte Parlamentarier, die, vom Volk bestimmt, Sorge dafür tragen sollen, Schaden von eben diesem Volke abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren, hätten heute im Plenum des Deutschen Bundestages sitzen können. Die Fernsehbilder aus dem Reichstag ließen jedoch erkennen, dass nicht jeder blaue Sessel auch tatsächlich besetzt war. Das nur am Rande.
Auf der Tagesordnung stand der Haushalt für 2026. Gefüllt wurde die Tagesordnung mit Reden, deren einzig erkennbares Ziel darin bestand, auszuloten, wie viele Tage diese Regierung noch vor sich hat, bevor sie auf die einer oder andere Weise einsehen oder gezwungen sein wird, sich von der Macht zu verabschieden.
Dabei ist die Gefahr, durch 18 Abgeordnete aus den eigenen Reihen in der Rentenfrage gestürzt zu werden, inzwischen nicht mehr die größte, die Kanzler Merz und seinem MiezeVize-Kanzler Klingbeil droht.
Es ist die Wirtschaft, die von den Fahnen geht. Nach einigen harten Anklagen aus den Zentralen der Großkonzerne, ob nun Chemie oder Energie, ob Stahl oder Automobil, die der Regierung deutlich machten, wohin ihr Kurs in Sozial-, Finanz-, Wirtschafts- und Klimapolitik führt, aber doch lediglich Korrekturen forderten, wenn auch weitreichende und schmerzhafte, ist nun der Mittelstand in den Ring gestiegen.
Die Drohung der Großen, das Land zu verlassen, hat diese, vom Klimaverfolgungswahn befallene Regierung noch nicht erschüttern können. Einerseits rückt damit die Erfüllung der deutschen Klimaziele deutlich näher, was mehr als nur klammheimliche Freude auslöste, und andererseits wähnte man sich immer noch sicher und geborgen in den Sesseln der Regierungsflieger, weil die Entscheidungen der Konzerne schließlich in keiner Weise an der Brandmauer rüttelten.
Der deutsche Mittelstand, nach wie vor Rückgrat der Volkswirtschaft, aber bereits arg gebeutelt, auch wenn die dort in der Masse auftretenden Entlassungswellen, Betriebsschließungen und Insolvenzen in der Tagesschau kaum einmal Erwähnung gefunden haben, hat nun aber die Freundschaft zumindest so weit aufgekündigt, dass man erklärte, sich nun auch – ungeachtet des Brandmauer-Gehabes der Linksdemokraten – mit der AfD ins Benehmen setzen und deren Vorschläge und Absichten prüfen wolle.
Dass sich auch der Verband der Bäcker dem angeschlossen hat, sollte niemanden verwundern, der weiß, wie hart es an der Backstubenfront zugeht:
- Es lässt sich kaum noch Personal finden. Wo in den Backstuben morgens um drei die Arbeit beginnt, ist es die Sehnsucht nach der Work-Life-Balance, die davon abhält, Bäcker zu werden, und wo man sich in den Verkaufsläden die Beine in den Leib stehen muss, ohne davon mehr zu haben als jene, die sich im Bürgergeld eingerichtet haben, da ist es schlicht der fehlende Lohnabstand, der davon abhält, sich als Verkäuferin (Verkäufer sowieso nicht) zu bewerben.
- Die Energiekosten fressen den Gewinn. Bäckereien sind nun einmal energieintensive Unternehmen, egal, ob im Handwerksbetrieb oder in der Großbäckerei die nur noch für die Supermärkte produziert. Auch hier können die Großen die Energie immer noch günstiger einkaufen als die Kleinen, aber bei beiden wird die Marge arg belastet, so dass es immer öfter heißt, es lohnt sich nicht mehr.
- Die Kunden können sich den Bäcker nicht mehr leisten. Unvermeidliche Preiserhöhungen einerseits und sinkende Lebensmittelbudgets, weil bei gleichbleibenden, bzw. eher sinkenden Reallöhnen immer größere Anteile des verfügbaren Einkommens für Energie (Heizung, Strom, Auto) aufgewendet werden müssen. Die Folge: Der Bäcker erreicht die für einen Überschuss erforderliche Mindestauslastung seiner Kapazität nicht mehr und muss aufgeben.
Sie glauben das nicht? Hier der Beweis:
Bäckereischließungen seit 12/2024 /Anzahl Mitarbeiter
-
Schaefer, Illingen, Bäckerei, hat Insolvenz angemeldet mit 13 Filialen geschätzt
40 -
Genussmanufaktur, Wildenheid, Bäckerei, hat Insolvenz angemeldet geschätzt
10 -
REWE, Frankfurt, Einzelhandel, die hauseigene Glockenbrot-Bäckerei wird geschlossen 480 -
Wiskandt, Pforzheim, Filialbäckerei, hat Insolvenz beantragt 50 -
Henningsen, Husum, Filialbäckerei, hat Insolvenz angemeldet, 25 dürfen noch weiterbacken, 33 müssen gehen 33 -
Schlereth, Knetzgau, Filialbäckerei, hat Insolvenz angemeldet 40 -
Café Kostbar, Lilli’s Kuchenwerkstatt, Saarbrücken, Gastronomie, stellen den Betrieb ein geschätzt
20 -
Nagorny, Glaucha, Filialbäckerei, hat Insolvenz beantragt geschätzt
30 -
Verweyhen, Ahaus, Bäckerei, hat aufgegeben geschätzt
30 -
Discher, Öhringen, Bäckerei, gibt auf 50 -
Leifert, Gifhorn, Bäckereikette, hat Insolvenz angemeldet – 40 Filialen sind betroffen 220 -
Meyer’s, Nordfriesland, Bäckereikette, hat mit 10 Filialen Insolvenz angemeldet 84 -
Seidels, Döbeln, Bäckerei, mit Filialen in Leipzig, Nossen und Dresden, hat Insolvenz angemeldet geschätzt
30 -
Nissen, Glücksburg, Bäckerei, mit 14 Filialen ist insolvent 80 -
Nieland, Hattingen, Bäckerei, ist insolvenzt, der Betrieb ist eingestellt. 40 -
Mäschle, Laupheim, Bäckerei, stellt den Betrieb ein 50 -
Banschbach, Aglasterhausen, Bäckerei, hat Insolvenz beantragt 74 -
Mecklenburger Backstuben, Waren, Großbäckerei, hat Insolvenz beantragt – 55 Filialen 410 -
Frank Weber, Coburg, Bäckerei, wird geschlossen geschätzt
15
Das sind aber nur die, ich mitbekommen habe.Und nur die aus den letzten 12 Monaten. Das Bäckereisterben hat schon lange vorher begonnen. Aber: Während meiner ersten Aufzeichnungsperiode, also in den ersten Jahren nach Schröders Agenda 2010, gab es so gut wie keine Betriebsschließung bei Bäckereien.
Ich habe es in meinem 2014 erschienenen Buch „Wo bleibt die Revolution – Sollbruchstelle der Macht“, so prognostiziert. Die „Revolution“ wird von der regionalen Mittelständischen Wirtschaft ausgehen und getragen werden. Die Neuausgabe von 2020 ist übrigens noch lieferbar, ebenso wie der Titel „Demokratie – Fiktion der Volksherrschaft“. Beide Bücher ergänzen einander. Hier bei BoD.