Gedenken

Vom 20. Juli 1944 an dauerte der Krieg noch 292, nach anderer Zählweise 293 Tage. Wäre es in einem höchstwahrscheinlich existierenden Paralleluniversum zum Gelingen des Attentats gekommen, und könnte ich dieses Paralleluniversum irgendwie erreichen, wüsste ich gerne, wie lange er dann noch gedauert hätte.

So aber packe ich mein Gedenken in ein Gedicht.

 

Krieg ist schlimmer als Heimweh
Egon W. Kreutzer

 

Verantwortlich für rund hundert Millionen Euro,
sinnvoll investierter Steuergelder,

überschallschnell,

trägt der Kampfpilot den Tod ins Ziel.

 

Ein sorgfältig Auserwählter.

Hundert Prozent körperliche Leistungsfähigkeit,

hundert Prozent geistige Fitness,

null Prozent Emotion.

 

Mit der Maschine verbunden: Als Cyborg,

füllt er die noch bestehenden Lücken des Systems

und ist zugleich die letzte, noch auszumerzende Schwachstelle.

 

Die Boden-Luft-Rakete,

Schusspreis um die zwei Millionen,

ist, einmal gestartet, nicht wiederverwendbar.

 

Eine Transportmaschine voller Leichenteilsäcke

landet und parkt weit abseits.

 

Der Pressesprecher und das Geseiere vom feigen Hinterhalt

verschmelzen zum Synonym für den frühen Tod der Wahrheit,

den zu rächen der Krieg sich überdies noch als alternativlos erwiesen haben soll.

 

Fake News!

Die Transportmaschine ist längst mit vollem Laderaum wieder in der Luft.

 

Wer hat jemals gehört,

dass jemand vor Heimweh

der Brechreiz überwältigt hätte?