Frühjahrsirrsinn

Kommt ein Vogel geflogen
Da zischt er ab ...

Es ist schwer was los. 

Seit drei Tagen beobachte ich täglich Luftkämpfe zwischen einem Sperber und einer Krähe am Himmel über Elsendorf. Die Krähe verjagt ihn regelmäßig, doch er kommt immer wieder zurück. Eine Art Abnutzungskrieg. Vollkommen unvereinbare Ziele. Die Krähe gibt vor, nur ihr Nest zu verteidigen, der Sperber will doch nur frühstücken. Verständigung unmöglich. Man spricht ja nicht einmal die gleiche Sprache. 

Auch die Verständigung mit dem Wal ist schwierig. Er ist zwar, wie es heißt, aus eigener Kraft in seine schwimmfähige Badewanne hineingeschwommen – aber jetzt, wo das Navy dem Schlepperkapitän zuruft: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, gebärdet er sich wie ein Altsozialist aus der ehmaligen DDR: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer …“ Sie werden die so genannte „Barge“ wohl versenken müssen. Ob Timmy dabei mit untergeht, wie die aufgebrachten Rettungsleugner behaupten, wird sich herausstellen.

(Nachtrag, 10.45 Uhr: Jetzt ist er doch raus. Von wegen, kann nicht rückwärts schwimmen. Das ist wie bei den Hummeln. Die können ja eigentlich gar nicht fliegen, wissen das aber nicht.)

Grotesk auch die problematische Verknotung im blauen Band der transatlantischen Freundschaft. Keck behauptet Friedrich der Lange, er könne bei Trump weder Plan noch Ziel und schon gar keine Strategie erkennen – was kein Wunder ist. Eingeweihte wissen längst, dass der Kanzler an einer pathologischen Plan-, Ziel- und Strategieerkennungsschwäche leidet, die zuverlässig dafür sorgt, dass er Klingbeil einfach für einen netten Menschen hält, den er gerne um sich hat (sh. auch: Shakespeare, Julius Cäsar, 1. Akt, 2. Szene: Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein.). Klingbeils Ziele, Pläne und Strategien durchschaut er jedoch nicht. Er erkennt sie nicht einmal.

Ferndiagnostisch, und daher möglicherweise fehlerbehaftet, ist Trump zwar nicht gerade ein Leichtgewicht, wiegt aber doch wohl ein paar Kilogramm weniger als Klingbeil. Für Merz, der ja ebenfalls rank und schlank daherkommt, ist das der Typus Brutus, dem er seit jeher misstraute. Ach hättte Merz doch stillgehalten. Trump kümmert sich nicht um Motive oder Handicaps. Er springt auf das an, was an Worten vorne rauskommt. Obwohl Merz vor einem deutschen Gericht mildernde Umstände geltend machen könnte, King Donald kennt  keine Gnade, schon gar nicht, wenn da jemand aus dem Vasallenstadel antritt, ihn und seine stolze Streitmacht mit solchen Sprüchen zu delegitimieren. Da braucht der Trump gar keinen Paragraphen 188 dazu. Er versteckt sich nicht hinter Meldestellen, Staatsanwaltschaften und Richtern. Er schlägt selbst zu. Eine Gerade gegen den Kopf: „25 Prozent Zoll auf alle deutschen Autos“, und wenn der Gegner die Deckung hochzieht, folgt der linke Haken auf die Leber: „Truppenabzug, erst mal 5.000 Mann.“ Zu seinem Glück erkennt Merz auch hier weder Ziel noch Plan oder Strategie, steckt die Schläge weg, als sei nichts gewesen und beteuert, physisch in den Seilen hängend, mental jedoch obenauf: „Wir verstehen uns sehr gut.“

Ist vielleicht besser so.

Donald Trump hat nun allerdings Zeit für Deutschland und die EU. Aus der Ukraine ist er ja schon länger raus. Da sitzt er nur noch im Situation Room und sieht auf den Bildschirmen, was seine Spionagesatelliten zeigen, dass der Selenski nämlich (Franz Josef Strauß würde sagen: „A Hund isser scho, der Tselenski“) dem Putin ein schönes Spielzeug nach dem anderen zusammenhaut. Und das nicht nur am Schwarzen Meer, wo von Tuapse außer schwarzem Rauch nichts mehr übrig ist, sondern auch weit im Hinterland, 1.500 km von der Front. Im Ural bei Perm, wie auch in Nischni Nowgorod, gingen Öl-Anlagen und Munitionsfabriken in Flammen auf. Da muss er sich schon mal nicht mehr drum kümmern. Dann die Sache mit dem Uran im Iran. Weil er den Kongress um Zustimmung zum Krieg bitten müsste, hat er den Krieg einfach für beendet erklärt. Die Waffenruhe hält ja schon ein paar Tage. Was der Netanjahu im Libanon macht, geht ihn ja nichts an. Da sagt er ganz bibelfest: „Bin ich denn meines Bruders Hüter?“, verdrängt dabei aber vollständig, dass dies der Spruch war, den Kain vorbrachte, nachdem er Abel erschlagen hatte.

Aber die Straße von Hormus, die dichtet er noch ab, nur für den Fall, dass die Abdichtung durch den Iran selektiv undicht sein sollte. Bei soviel Dichtung haben sich die Vereinigten Emirate nun gleich einen Doppelschlag ausgedacht. Erstens: Raus aus der OPEC – und so viel Öl fördern, dass es kracht, und zweitens, dieses Öl dann über Terminals außerhalb der Straße von Hormus verschiffen. Da wird jeder Immobilienmakler mit glänzenden Augen aufstehen und erklären: „Ich habe es euch immer wieder gesagt: Auf die Lage kommt es an. Auf die Lage und auf die Lage.“

Auch wenn sich da von den VAE her sehr schnell etwas bewegen könnte: Bis das Signal an den Zapfsäulen in Deutschland ankommt, wird noch einiges Wasser den Rhein hinunterfließen. Da kann die Bundesregierung ja auch nichts machen und ihre Effektivität unter Beweis stellen, wie sie es beim Tankrabatt geschafft hat. Wie immer kurz vor Feiertagen stiegen die Preise an den Tankstellen auch am 30. April, punkt 12 Uhr (verkündige dorten, du habest uns hängen gesehen, wie das Gesetz es befiehlt) kräftig an, um dann am 1. Mai, punkt null Uhr, um die besagten 16,7 Cent zu sinken, bis sie mittags dann wieder in der Mitte zwischen den Preisen vom 29. und 30. April angekommen waren. Es gilt die Hack- und Pickordnung. Erst dürfen sich die Mineralölkonzerne an der Beute laben. Was übrig bleibt, ist für die Verbrenner. 

Ach ja, bei Volkswagen ist der Gewinn im ersten Quartal um 28 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gesunken. Die Marke hat es aber auch schwer. Da ist ja nicht nur die Konkurrenz, die sich schon freut, den 25.000 Euro ID.Polo (das Goggomobil der 2020er Jahre) vom Markt zu fegen, da ist vor allem dieser belastete, durchaus ethnisch-abstammungsrassistisch lesbare Volksbegriff, der auf dem Binnenmarkt bei Neukunden zunehmend Schwierigkeiten bereitet. Ich wette, so lange sich der Konzern nicht umbenennt und damit ein klares Bekenntnis für unsere Demokratie, Respekt und gegen rechts ablegt – Vorschläge zum Beispiel: „Vielfaltskutsche“, „Bunticar“, „Familiennachzugspassat“ – wird der Niedergang des Niedersächsischen Tafelsilbers nicht aufzuhalten sein.

Ähnliches hört man übrigens von den Krankenkassen. Die Versicherten müssen mehr zahlen, dafür bekommen sie weniger Leistungen, weshalb auch Ärzte, Krankenhäuser, Apotheker und Pillendreher weniger einnehmen. Die Differenz zwischen dem, was mehr gezahlt werden muss und dem, was weniger eingenommen werden wird, soll wohl dem Bundeshaushalt zugeführt werden. Wem denn sonst?

Ölheizungen und Gasheizungen dürfen, anders als homöopathische Behandlungen, weiterhin ohne direkte Strafzahlungen weiterbetrieben und sogar neu installiert werden. Da hat Merz Wort gehalten. Habecks GEG ist weg. Dafür heißt es jetzt GMG. E stand für Energie, M steht jetzt für Modernisierungs. G stand für Gebäude, steht jetzt für Grünes und das hintere G bleibt als Gesetz unverändert.

Der Gag beim neuen Heizhammer: Du darfst zwar weiter mit Öl und Gas heizen wollen. Gar kein Problem. Aber eben nicht mehr einfach mit Öl oder Gas, sondern mit grünem Öl oder grünem Gas. Dies aber wird es weder vor 2045 noch nach 2045 zu irgendeinem Zeitpunkt in ausreichenden Mengen geben. Im Gesetz könnte also ebenso stehen, du kannst deine alte Heizung behalten, darfst sie künftig aber nur mit dem naturbelassenen Presssaft aus Enzianwurzeln betreiben… Also nicht.

Da ist es doch tröstlich, dass die Geier aus allen Fraktionen inzwischen ihre Runden über dem Bundestag drehen, während die davon wach gewordenen Hyänen aus den Redaktionen sich von allen Richtungen her anschleichen.

Mit etwas Glück fällt die Regierung noch bevor das GMG und das Krankenkassengesetz vom alten, von den Demoskopen längst als abgewählt erkannten Bundestag verabschiedet werden, wie auch das neue Steuergesetz, an dem Klingbeil sitzt und wie eine Norne jene Fäden durchtrennt, die bislang den Mindest-Zusammenhalt zwischen Eigentum und Eigentümer und zwischen Arbeit und Einkommen gewährleisteten.

Die Walpurgisnacht haben sie noch überstanden.

Da scheint es ein geheimes Bündnis zu geben, nach dem Motto, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Sollte Merz in seinen Memoiren einmal schreiben wollen: „Meine Kanzlerschaft war von vornherein als Himmelfahrtskommando geplant“, dann öffnet sich das Startfenster in nur zwei Wochen.

Merke: Vatertag = Christi Himmelfahrt = 14. Mai 2026

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. ich meine sogar gelesen zu haben das die GAsanbieter künftig selbst entscheiden sollen wen sie mit Gas beliefern, es de facto kein ANrecht auf Versorgung mehr geben soll.

    Alles zum Wohle oder so ähnlich…

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