FCK
AFD
Diese gesichert nicht rechtsextremistische Zeichenfolge prangte am Samstag wie das berühmte Menetekel des Nebukadnezar von der Turmfront des Regensburger Doms. Projiziert mit nicht näher benannten Gerätschaften – wird wohl aber ein Laser-Beamer gewesen sein – aus einer Wohnung, in der sich eine „gesellige Runde aus Juristen, Geschäftsleuten und Ärzten“ zusammengefunden hatte, um „bei gutem Essen und teils mit Kindern das Viertelfinale der Frauen-Fußball-EM“ zu verfolgen.
Ob es die dem Frauen-Fußball innewohnende Sehnsucht nach größerem Nervenkitzel war, oder eine von langer Hand vorbereitete Aktion wegen des vermuteten Auftretens von Alice Weidel im Schloss Emeran bei der umstrittenen Gloria von Thurn und Taxis, wird sich so leicht nicht mehr herausfinden lassen. Zumal es die Polizei, nachdem der Nordturm des Doms soweit erklommen war, dass die Quelle der Botschaft in direkter Sichtlinie ausgemacht werden konnte, und die besagte Wohnung mit der geselligen Runde gefunden und von sechs Beamten („man weiß ja nie, ob hinter einer Fuck-AfD-Aktion nicht die Antifa oder gewaltbereite Linksextremisten stecken“) ohne Durchsuchungsbefehl aufgesucht worden war, ihre durchaus außergewöhnlichen Anstrengungen in ein einfaches Ordnungswidrikeitenverfahren nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz münden ließ.
Da der mutmaßliche Täter und vermeintliche Aktivist „bis dahin nicht polizeilich aufgefallen“ sei, wurde die Alarmbereitschaft für die Staatsschutzabteilung aufgehoben und die weiteren Ermittlungen, so sich solche eventuell noch als wünschenswert erweisen sollten, der Polizeiinspektion Süd überlassen.
Nun, was ist die Nachricht?
Es wurde versäumt, die Zustimmung des Freistaats Bayern einzuholen.
Ob die „gesellige Runde bei gutem Essen und teils mit Kindern“ vom stillschweigenden Einverständnis ausgegangen war oder sich zwischen den dramatischen Ereignissen beim Frauen-EM-Fußball-Viertelfinale einfach keine Zeit mehr dafür fand, wird sich wohl nie mehr klären lassen.
In Berlin, beim Sommerinterview, wo es nicht um die Projektion von Licht (wäre am Tag auch dumm gewesen), sondern um die Projektion von Schall ging, war man sich der Zustimmungspflichtigkeit offenbar besser bewusst. In der Hauptstadt wohnt halt die Klugheit.
Dennoch dürfte die lässliche Sünde zu Regensburg mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nur dazu führen, dass das Ordnungswidrigkeitsverfahren mit dem endet, was es verdient, nämlich einer freundlichen Ermahnung und der Schließung der Akte.
Es ist ja gottseidank nichts passiert:
- „Für die AfD-Vorsitzende Alice Weidel war es wohl ein glücklicher Zufall, dass ihr geplanter Besuch der Schlossfestspiele am Samstag ausfiel.“
- „Bei der Aktion am Samstag blieb der Dom unbeschädigt.“
Na, wer sagt’s denn. Weidel und der Dom blieben unbeschädigt.
(Alle kursiv gesetzten Textteile sind Zitate aus diesem Bericht von Merkur.de. )
Ob die bei Merkur.de absichtlich so schreiben, wie sie schreiben, um ihr Publikum da abzuholen, wo sie es vermuten, oder ob die selbst schon gar nicht mehr anders können, möchte ich lieber gar nicht wissen.