Sie wissen, dass es auf meiner Seite keine Kommentarfunktion gibt, und dass ich nur äußerst selten einmal eine Zuschrift aus meinem Leserkreis veröffentliche. Das liegt nicht daran, dass bei mir keine Kommentare, kein Lob, keine Kritik, keine Anregungen eingingen.Es ist eine Frage des Zeitmanagements. Mit der Beanwortung meiner Post habe ich schon genug zu tun.
Heute mache ich eine Ausnahme.
Konrad Wasielewski, mit dem ich relativ häufig in Kontakt stehe, hat eine gute, präzise und kompakte Zusammenfassung dessen abgeliefert, was sich im Spannungsfeld zwischen USA, NATO und EU seit einiger Zeit so abspielt. Zum Schluss seiner Ausführungen erwähnt er dann auch, dass ich dies im Großen und Ganzen in meinen Dossiers „EWK – Zur Lage“ so vorhergesagt habe. Diese Bestätigung meiner Prognosen hat mich natürlich gefreut, weil es schließlich Sinn und Zweck der Lage ist, längerfristige Trends frühzeitig zu erkennen, einzuordnen und mögliche Folgen abzuschätzen.
Aber lesen Sie erst einmal, was Herr Wasielewski zu sagen hat:
| Guten Abend Herr Kreutzer,
wir leben ja tatsächlich in interessanten Zeiten. Warschauer Pakt ist schon eine Weile Geschichte, mehr von innen heraus erodiert, genauer gesagt, vom Kopf her. Wenn auch zweifellos getriggert durch äußere Umstände. Gegenwärtig nun wird, ebenfalls wieder von innen her, nicht nur heftig am Zerfall der Nato, sondern auch am Zerfall der EU gearbeitet. Dass die „EU 3“ bei der Zerlegung beider Systeme heftig mitwirken (insbesondere bei Zerlegung der EU, die Nato betreffend tun das vor allem die USA selber, das hatte schon mit dem für die Nato angeblich überraschenden AUCUS-Coup begonnen), kann kaum ohne Mitwisserschaft und billigende Inkaufnahme, wenn nicht heimliche Steuerung durch die USA geschehen. Eine wirklich eigenständige Handlungsweise der EU „gegen die USA“ ist nicht denkbar, ist, soweit derartiges jetzt aufgeführt wird, Theater. Es dürfte sich also bei der „Widerborstigkeit der EU“ um ein Spiel der USA über Bande handeln. Europa wird mit Hilfe der vasallentreuen EU soweit möglich erst einmal noch abgemolken. Von der Leyen versprach Milliardeninvestitionen aus EU-Ländern in den USA und die Inkaufnahme einseitiger Zölle auf Exporte aus der EU in die USA, verstärkte Waffenkäufe der EU, die in den USA, wo sonst, getätigt werden. Die „Sanktionen“ der EU gegen Russland betreffen die EU selbst, sie wird zum Energieimporteur aus den USA. Was von Europa als Machtfaktor und wirtschaftlich relevanter Akteur dann noch übrigbleibt, soll sich selbst überlassen bleiben, die USA signalisieren bereits, sich mit Russland wieder besser stellen zu wollen, wirtschaftliche Partnerschaft zu verstärken. Die USA wollen sich dadurch, dass sie Russland ein wenig, Westeuropa aber total geschwächt und wirtschaftlich vollständig den USA unterworfen haben, besser gegenüber ihrem noch verbliebenen Hauptrivalen aufstellen können, gegen den sie schon zu viel Boden verloren haben, wirtschaftlich, weltpolitisch. Mit ihrer Idee, den Raub fremden russischen Staatsvermögens durch ewigwährende „Sanktionen“ abzusichern und sich mit dem damit verbundenen nachhaltigen Vertrauensverlust gegenüber Euroclear – gibt es schon jetzt Absetzbewegungen? – endgültig zum Paria zu machen, haben die alten noch von der globalistischen Fraktion der USA installierten europäischen „Regierenden“ ihre Schuldigkeit getan und die Nato ihre Mission erfüllt: Westeuropa wird irrelevant, die Beziehung zwischen Westeuropa und Russland, insbesondere zwischen Deutschland und Russland, wird nachhaltig zerstört. Die hiesigen gegenwärtig führenden Polit“eliten“ werden bereits (siehe Nationale Sicherheitsstrategie der USA) mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass sie nachdem auch das erledigt ist, demnächst gehen können, und die Reste von anderen, nationalstaatlicher denkenden, „rechten“ Politikern aufgekehrt werden sollen. Die AfD steht in den Startlöchern. Lustig wird es nicht, da wären wir jetzt bei Ihrer Kühlschrank-Assoziation. Die USA vollziehen gerade tatsächlich einen deutlichen Wandel ihres weltpolitischen Ansatzes, nachdem die Hoffnung, Russland zu balkanisieren und die Bruchstücke einzeln und jedes für sich in die globalistische Verwertungskette einzugliedern, um sich anschließend China vorzunehmen, nicht aufgegangen ist. Russland hat mit seinem Ausfall aus der belagerten Festung diesen Umdenkprozess entscheidend getriggert, wenn nicht überhaupt erst ausgelöst. Ein Befreiungsschlag.
Ihr Szenario Nr. 1 zur Ukraine im Dossier „zur Lage“ vom November 2024 (!) endete mit dem Satz: „Dem dürfte der zügige Zerfall der Nato folgen.“ Das fand ich damals doch sehr mutig vorausgesagt, über die Zukunft, zu der bekanntlich Voraussagen schwierig sind. Im Dossier Ende Januar 2025 hatten Sie dann dieses Szenario (und Szenario Nr. 2) wiederholt, die beiden weiteren, weitaus gefährlicheren seien vom Tisch. Es gehe insgesamt um weiterreichende Regelungen über Einflusssphären und Arrondierungen, Brzezinskis Chessborad habe ausgedient, die Ukraine sei nur noch Verhandlungsmasse in diesen größeren Zusammenhängen. In einem Post vom Februar 2025 hatten Sie dann (mit berechtigtem Stolz) in einer Eigenwerbung auf die hohe Trefferquote ihrer Prognosen hingewiesen. Inzwischen kann das jeder sehen. Inzwischen scheint es sich so zu ergeben. Hoffentlich. Herzliche Grüße und weiterhin Kraft für lucide politische Wettervorhersagen wünscht Ihnen Konrad Wasielewski |
Ich füge hier den Volltext meiner diesbezüglichen Aussagen vom November 24 und Januar 25 für Sie ein, als ein kleines Beispiel für das was ich in „EWK – Zur Lage“ so zum Besten gebe.
|
EWK – Zur Lage – Stand November 2024 (…) Wahrscheinlicher ist jedoch aus heutiger Sicht, das muss ich eingestehen, dass Donald Trump das Amt am 20. Januar 2025 antreten wird. Mit einer Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, sowie Richtern des Supreme Courts, die in vielen Fragen auf seiner Seite stehen werden, sollte er es relativ leicht haben, seine Vorhaben umzusetzen. Wäre da nicht der Widerstand der Straße, der sich bereits wieder, von einer radikalen, links-woken Gesinnung getragen, in Anti-Trump-Protesten bemerkbar macht. Ursächlich dafür ist neben einer Anti-Trump-Grundstimmung vor allem auch das „Projekt 2025“, das von der „Heritage Foundation“, einem den Republikanern nahestehenden Think Tank entwickelt wurde und auch einen Plan für die ersten 180 Tage der Trump-Präsidentschaft enthält. Trump hat zwar erklärt, er kenne dieses „Projekt“ nicht und habe auch nichts damit zu tun, doch seine eigenen Äußerungen unterscheiden sich eben nicht so sehr von den darin vorgeschlagenen Maßnahmen, dass dies als Distanzierung ausreichen würde. Der SPIEGEL hat in diesem Artikel aus dem Sommer 2024 die Inhalte zusammengefasst. Dass die sichtbaren Anti-Trump-Proteste bisher weitaus kleiner ausfallen als 2016 darf nicht als Resignation oder Schwäche der Demokraten und ihrer Anhänger angesehen werden. Die erbitterten Gegner Trumps sind auch nicht in den Winterschlaf verfallen. Es sieht eher nach einem Strategiewechsel aus und einem Widerstand, der nicht mehr von „Chaoten“ auf der Straße vorgetragen wird, sondern von „Agenten“ in den Ämtern und Institutionen, die Trumps Pläne mit subversiven Mitteln sabotieren und die Wirkung ins Gegenteil verkehren sollen, um die Menschen gegen Trump aufzubringen. Die im Projekt 2025 aufgestellte Forderung nach einer „Säuberungsaktion“, mit der radikale Linke aus dem Staatsdienst entfernt und durch loyale Parteigänger ersetzt werden sollen, antizipiert die Gefahr, die durch solchen passiven Widerstand mit Dienst nach Vorschrift und Dienst gegen die Vorschrift auf jeden lauert, der sich auf eine funktionierende Administration verlassen muss. Doch dies ist überwiegend Innenpolitik mit zwar vorhandenem, aber überschaubarem Einfluss auf die außenpolitische Effektivität Trumps.
Was ist von Trump für die Welt zu erwarten? Ukraine Trump wird den Krieg seiner Vorgänger in einer militärisch verschärften Form übernehmen müssen, mit klarer Beteiligung der NATO gerade bei den Angriffen auf das russische Hinterland. Wie weit der Krieg noch eskaliert, bevor Trump an die Macht gelangt, ist schwer vorherzusehen. Jedenfalls wächst mit jedem ATACMS-, Scalp- und Storm-Shadow-Angriff auf russisches Staatsgebiet die Gefahr von Vergeltungsschlägen auf britische, französische und amerikanische Militäreinrichtungen. Ich gehe nicht davon aus, dass Putin gleich die Airbase Ramstein angreifen wird, das wäre sozusagen ein Angriff auf die Kronjuwelen, verbunden mit einer großen Zahl von Todesopfern, aber eine Raketenattacke auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, nicht direkt auf die Gebäude, eher ins sowieso von Panzern zerpflügte Übungsgelände, das wäre nach meinen Überlegungen der angemessene Hinweis auf die roten Linien mit überschaubarem Schaden. Vor diesem Hintergrund erscheint es allerdings unmöglich, Russland schnell zu einem Friedensschluss (zwischen den USA und Russland?) zu bewegen, der eine wie auch immer „geformte“ Rest-Ukraine als künftiges Mitglied von NATO und EU hinterlässt. Nach den Spielregeln der Eskalation internationaler Konflikte, die mit Vernunft leider nichts mehr zu tun haben, nur noch mit Dominanzgehabe, kann Trump die Ukraine aber auch nicht so einfach Russland überlassen oder eine Rest-Ukraine als entmilitarisierte Pufferzone zwischen den Blöcken akzeptieren. Um das Gesicht zu wahren, müsste Trump eine russische Gegenleistung einfordern, die nach meiner Vorstellung zum Beispiel als ein neuer Abrüstungsvertrag daherkommen könnte, den man den amerikanischen und den russischen Wählern als eine Art „Sieg“ verkaufen kann. Dies allerdings braucht Zeit. Viel Zeit. Ob sich zur Überbrückung ein Waffenstillstand organisieren lässt, der durch russisches Stillhalten an der Kontaktlinie und die Einstellung von Waffenlieferungen an die Ukraine gefestigt werden könnte, ist fraglich. Russland ist durch den Betrug mit den Minsk-Vereinbarungen gewarnt, nicht jedem Versprechen des Westens blind zu glauben. Außerdem sind nicht die USA alleine an diesem Konflikt beteiligt, sondern eben auch die EU und Großbritannien, die wiederum ihre eigenen Interessen verfolgen. Folgende Szenarien halte ich für möglich:
(…) |
|
EWK – Zur Lage – Stand Januar 2025 (…) In Bezug auf die Ukraine sind noch keine Ansätze für eine Lösung des Konflikts zu erkennen. Die Rhetorik entspricht immer noch eher der von zwei Schwergewichtsboxern am Tag vor dem Kampf als der von Diplomaten, die sich auf schwierige Verhandlungen vorbereiten und Kompromisse auszuloten versuchen. Noch ist diese Kuh nicht vom Eis. Je enger es für Selenskis Militär wird – und es ist schon sehr eng – desto eher ist damit zu rechnen, dass die Briten noch einmal versuchen werden, eine Provokation zu setzen, die in den Bündnisfall der NATO mündet, noch bevor Putin und Trump sich über die Köpfe der Europäer hinweg auf eine Lösung einigen können. Ob Trump sich in einen solchen Krieg hineinziehen lassen wird? Das ist längst nicht mehr so sicher, wie es noch vor zehn Jahren sicher gewesen wäre. Trump wartet ja nicht auf die Chance zum Eingreifen. Im Gegenteil. Er will sich nicht in Kriege hineinziehen lassen. Vor welcher Entscheidung stünde er also, sollte es tatsächlich eine von den Briten ausgelöste, schwere militärische Provokation gegen Russland geben und Russland darauf mit einem harten Schlag auf britische Militäreinrichtungen in England reagiert? Sich durch die Einmischung der USA in das Abenteuer des Dritten Weltkriegs stürzen oder doch nur zusehen und weiter in Ruhe daran arbeiten, Amerika wieder groß zu machen? Ich tippe darauf, dass die USA unter Trump keinem europäischen Staat militärisch beistehen werden, sollte von dort eine Provokation gegen Russland ausgehen und von Russland militärisch gekontert werden. Zu den grundsätzlichen Möglichkeiten, den Ukraine-Krieg zu beenden, habe ich Ende November vier Szenarien vorgestellt, von denen die beiden gefährlichsten inzwischen irrelevant geworden sind. Es verbleiben diese beiden:
Von der vollständigen Einstellung der Ukraine-Hilfen ist noch nichts zu hören. Wohl hat das Außenministerium in Washington einen dreimonatigen Stopp für alle Auslandshilfen verhängt, um in dieser Zeit zu prüfen, was davon für Trumps Außenpolitik förderlich ist, und was nicht, wovon wohl auch Teile der nicht militärischen Hilfen für die Ukraine betroffen sind, aber eben nicht die Militärhilfe, die nicht aus dem Budget des State Department stammt. Wie groß ein möglicher Fehlbetrag in Selenskis Kalkulation ausfallen könnte bleibt noch unklar, wobei von den Kommentatoren eine Größenordnung im einstelligen Milliarenbereich angenommen wird, was durchaus dazu beitragen könnte, Selenski im Vorfeld von Verhandlungen zu disziplinieren. Parallel dazu bereitet man sich in Moskau und Washington darauf vor, miteinander über die Ukraine zu sprechen. Da die Ukraine für sich alleine nicht zu einem sinnvollen Kompromiss geführt werden kann, dürfte sie als Teil eines Pakets zur Arrondierung der Einflusssphären eher als flexibel einsetzbare Verhandlungsmasse dienen. Es wird seitens der USA primär zu sprechen sein über die Arktis, Grönland, Kanada, Mexiko, den Panama-Kanal, die Ostsee und das Weltfinanzsystem. Sekundär geht es um China, den Iran und den Jemen, und drittrangig ist über Syrien, den Irak und die Ukraine zu verhandeln. Alles Themen, bei denen einvernehmliche Regelungen über Einflusssphären und Zugriffsrechte angestrebt werden, um die Gefahr neuer Konflikte gering zu halten. Alles Themen, bei die von Russland erwarteten Zugeständnisse ihren Preis haben werden. Brzezinski’s Chessboard hat ausgedient. Die Ukraine ist nicht mehr das alles entscheidende Schlüsselfeld, das es zu besetzen gilt. Es kann nicht einmal mehr als sicher gelten, dass die USA noch ernsthaft die Rolle der einzigen Weltmacht anstreben. (…) |
„EWK – Zur Lage“ erscheint 6 mal jährlich als besonderer Service für Menschen, die mich mit einem Förder-Abo in meiner Arbeit unterstützen.
Sollten Sie jetzt erwägen, sich eventuell dem Kreis der Förder-Abonnenten anzuschließen, habe ich noch einen wichtigen Hinweis für Sie:
Abonnenten, die noch bis 31.12.25 abschließen, erhalten kostenlos ein von mir handsigniertes Exemplar meines jüngsten Buches „Spätlese – Hart am Rande des Selbst“ dazu. Infos zum Förder-Abo gibt es hier.
Was kommt in diesem Jahr noch
Morgen, am 18.12. erscheint der Paukenschlag am Donnerstag wieder einmal unter dem Motto „Gedanken zum Jahreswechsel“. Kein Rückblick, keine Vorausschau, sondern eine Art „Sittengemälde“, vorsichtshalber auf den 1. Januar des Jahres 1890 verlegt. Der Titel:
Des Irrenhausinspektors Neujahrsansprache
Am Samstag, 20.12., evtl. auch schon am Freitagabend, wird es noch einmal „Julies Woche“ geben, mit vielen, vielen Links auf wichtige Artikel aus dem Netz zu den aktuellen Themen der letzten 7 Tage.
Für den Sonntag, 21.12. habe ich vor, wieder einmal „UNSERE SONNTAGSBILDER“ zu zeigen.
Danach herrscht hier Weihnachtsruhe bis am 26.12. im Laufe des Vormittags die für dieses Jahr letzte Ausgabe von Julies Woche erscheint.