Dumm gelaufen – Aprilscherz voll in die Hose gegangen

Das hatten sich die Mitglieder der Azubi-Vertretung im Betriebsrat der Deutsche Bahn AG wirklich schön ausgedacht.

In monatelanger, intensiver Arbeit hatten Sie eine täuschend echte Fälschung des für Anfang Mai erwarteten 7. Jahresberichts der Zweiten Pünktlichkeitskommission der Bahn (ZPdB) angefertigt, und diese als „Vorab-Version zur Abstimmung“ am heutigen ersten April pünktlich um 8.30 Uhr per Mail an die neue Bahnchefin verschickt.

Auf 652 Seiten mit vielen Statistiken, aufschlussreichen Diagrammen und Kopien von Original-Dokumenten wurde darin der Beweis angetreten, dass die Wiederherstellung der Pünktlichkeit der Bahn, wie man sie bis in die 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gewohnt war, mit einem einmaligen Kraftakt schon mit Beginn des Winterfahrplans 2026/2027 wieder hergestellt werden könne.

Die Wahrnehmung der so genannten Unpünktlichkeit sei ja lediglich eine Frage des Bezugsrahmens. Hier habe Albert Einstein mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie doch bereits die Grundlagen gelegt, als er erläuterte, dass der Passagier in einem mit 100 km/h geradlinig dahinfahrenden Zug die Geschwindigkeit, mit der sich der Fahrkartenkontrolleur in Fahrtrichtung von Fahrgast zu Fahrgast bewegt, vollkommen richtig mit ungefähr 1 km/h einschätzen würde. Während ein Beobachter außerhalb des Zuges diese Bewegung, relativ zur eigenen Position im relativen Stillstand, ebenfalls vollkommen richtig, mit 101 km/h messen würde.

Daraus schlussfolgerten die Azubis nun mit bestechender Logik, dass die Abfahrts- und Ankunftszeiten der Züge die von allen Beobachtern im Bezugssystem des Streckennetzes und insbesondere der Bahnhöfe gleichermaßen als Realität wahrgenommen werden, so, wie sie sind, ihre Richtigkeit haben.

Erst wenn stattdessen die abstrakte Fiktion der menschengemachten Fahrpläne als Bezugssystem hergenommen wird, ergäben sich unerklärliche Abweichungen, die in irreführender Weise als Verspätungen interpretiert würden.

Als Empfehlung fand sich dann am Ende der geschickt gemachten Fälschung der Vorschlag:

Wenn also die Züge korrekt fahren und die Fahrpläne nachweislich falsch sind, ist die Zufriedenheit der Bahnkunden dadurch herzustellen, dass künftig auf Fahrpläne vollständig verzichtet wird. Stattdessen sei ein Echtzeit-Update der Bahn-App und der semianalogen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen zu implementieren, womit die Einheitlichkeit des Bezugssystems gewährleistet werden könne. Hierzu müssten lediglich die erforderlichen Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur, Unterpunkt Digitalisierung, zeitnah abgerufen werden. Die informelle Zustimmung des Finanzministeriums sei bereits eingeholt worden.

Leider war die ganze Arbeit umsonst.

Niemand hat den Azubis im Verlauf ihrer bisherigen Ausbildung beigebracht, dass die Führungsspitzen von Konzernen gar nicht die Zeit haben, Kommissionsberichte zu lesen, geschweige denn, sich inhaltlich damit auseinander zu setzen.

Die E-Mail der Azubis wurde schon im Sekretariat der Vorsitzenden abgefangen und mit dem Vermerk: „Wie üblich“, an die Mitglieder der Kommission zur Analyse von Kommissionsvorschlägen weitergeleitet.

 

Die Pointe?

Ein April-Scherz, der funktioniert, hätte eine. Einer, der nicht funktioniert, hat keine. Es sei denn, Sie wechseln das Bezugssystem.

 

 

 

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